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Home 2007/08 10, H, BL, Köln
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Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln 2:2 |
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Geschrieben von Christoph Clausen
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Dienstag, 23 Oktober 2007 |
Viele Sportreporter lieben es, wenn in einem Derby ein Spieler zur entscheidenden Figur wird, der in seiner Karriere schon mal das Trikot des Rivalen trug, am besten von dort im Unfrieden schied. Die Berichterstattung im Vorfeld hatte sich denn auch schon mal auf geeignete Protagonisten eingeschossen. Erster Anwärter war natürlich Alexander Voigt, mit einigem Abstand gefolgt von Marcel Ndjeng und Thomas Broich. Das Spiel stand, so gesehen, dann aber unter der Überschrift „Ungeschriebene Geschichten des Fußballs", denn letztlich sollte keiner von den Dreien die ihm vorher zugedachte Rolle voll ausfüllen.
Ndjeng war zwar Ausgangspunkt
beider Gladbacher Tore und verbreitete auch sonst mit Standardsituationen
regelmäßig Angst und Schrecken. Zur Hauptfigur der Presse hätte er sich aber
wohl nur mit unmittelbaren Assists oder gar eigenen Treffern qualifizieren
können. Der eingewechselte Thomas Broich hätte in der 88. Minute zum Kölner
Helden werden können, nachdem er in einen Pass, pikanterweise Alexander Voigts,
gespritzt war. Da sich die Borussia gerade kollektiv in Vorwärtsbewegung befand,
bot sich eine exquisite Konterchance, doch Broichs Zuspiel in die Spitze geriet
zu ungenau.
Am nächsten dran war Voigt, der
vor dem Spiel ausgiebig seine erkalteten Gefühle für den Ex-Verein bekundet
hatte und von den Kölner Fans darob mit permanentem Pfeifkonzert bedacht wurde.
In Köln hatte Voigt ein Image als technischer Analphabet mit sich
herumgeschleppt; es hatte mit zu seiner Aussortierung geführt. Diese Reputation
widerlegte Voigt spätestens am Montagabend, als er, knapp eine Viertelstunde
vor Schluss, zweimal kurz hintereinander phantastische Pässe in die Spitze
spielte. Zwei Großchancen ergaben sich daraus, und die Verwertung wenigstens
einer davon hätte wohl einen Gladbacher Sieg bedeutet. Allein, beim ersten Mal
verschmähte Oliver Neuville den einfachen Abschluss und wählte eine Pirouette
mit eingelegtem Hackentrick, an deren Ende der Ball allzu gemächlich Richtung
Kölner Torlinie kullerte. Beim zweiten Mal hob Sascha Rösler, halblinks vor dem
Tor, den Ball zwar schön über der herausstürzenden Mondragon, fand in der Mitte
aber keinen Abnehmer.
Dass es überhaupt zu derlei
Aufregungen kommen würde, war in der ersten Hälfte noch nicht zu erahnen.
Christoph Daum hatte in seiner gewohnt lautstarken Art einen Gast angekündigt,
der „voll auf Sieg" spielen und die Gladbacher Defensive von Anfang an
unter Druck setzen würde. Davon war wenig zu sehen, und auch die Borussia
betrieb bis zur Pause in erster Linie Risikominimierung. Die einzig
nennenswerten Chancen ergaben sich nach gut einer halben Stunde: Helmes' Schuss
aus kurzer Distanz konnte Brouwers noch entscheidend ablenken; Marin vergab
einen Freistoß aus exzellenter Position, den er durch ein starkes Solo selbst
herausgeholt hatte. Ansonsten aber neutralisierten sich, höflich gesagt, beide
Teams.
Die zweite Hälfte hatte mehr zu
bieten. Nachdem Ndjeng schon kurz zuvor mit zwei Freistoßflanken für helle
Aufregung im Kölner Strafraum gesorgt hatte, schlug er in der 57. Minute eine
seiner scharf geschnittenen Ecken in den Strafraum, Rösler setzte sich in der
Mitte durch und köpfte Richtung Tor, wo der klug gestartete Neuville aus kurzer
Distanz einschob. Die Gladbacher Freude währte indes nur drei Minuten, bis
Mohamad nach Freistoßflanke Chihis den vermeidbaren Ausgleich köpfte. Eine
Minute darauf kassierte Kölns Mitreski, wegen Meckerns vorbelastet, nach einem
Zupfer an Marin, eine gelb-rote Karte. Eine Entscheidung der Kategorie „hart,
aber vertretbar", über die allerdings Christoph Daum, oberster
Verschwörungstheoretiker der Liga, nach dem Spiel seinen Ärger nur sehr mühsam
im Zaum halten konnte.
Die Partie hätte sich damit
Richtung Borussia neigen können, hätte nicht Ndjeng den sich anschließenden
Freistoß direkt in die Beine eines Gegners geschlagen. Den Konter, der sich
daraus ergab, vollendete Helmes souverän. Die erneute Wende aber ließ wieder
nur drei Minuten auf sich warten. Ndjengs raffinierte Freistoßflanke führte zu
größerem Gewusel im Kölner Strafraum, in dessen Verlauf Paauwe erst knapp an
Mondragon scheiterte, Filip Daems aber den Abpraller verwertete. Der so lange
verletzte Daems, für den suspendierten Gohouri in die Startelf gerückt, krönte
damit eine ohnehin bemerkenswerte Leistung.
Die in der ersten Hälfte so
schläfrige Partie war nun mitreißend geworden, und dass sie es weiterhin blieb,
lag vor allem an der Borussia. Eine Großchance für Helmes gab es auf Kölner
Seite noch zu verzeichnen, ansonsten aber drückten die Gladbacher auf den
Siegtreffer. Neben Voigts zwei überragenden Pässen waren es vor allem die
Dribblings des quirligen Marin, die immer wieder für Gefahr sorgten. Wie nicht
zum ersten Mal in dieser Spielzeit fehlte aber bisweilen der entscheidende
Blick für den Mitspieler, speziell in der 71. Minute, als Marin zwingend Friend
hätte bedienen müssen, anstatt überhastet selbst abzuschließen. Acht Minuten
machte es Marin besser, als er nach starkem Dribbling gefährlich in den
Strafraum flankte, wo Neuville nur knapp verpasste. Mit Marin trieben Ndjeng
und der in der ersten Hälfte noch unglücklich agierende Rösler das Gladbacher
Angriffsspiel nach vorne. Sieben Minute vor Schluss hätten beide das Gladbacher
Führungstor duplizieren können, als Rösler nach Ndjengs scharf getretener Ecke
aus beinahe identischer Position erneut zum Kopfball kam, das Tor aber
verfehlte. Nachdem Ndjeng selbst kurz vor Schluss an Mondragon scheiterte,
blieb es am Ende bei einem Unentschieden, mit dem die Borussia nach dem
Spielverlauf nicht wirklich zufrieden sein konnte. Das Manko war diesmal die
Chancenverwertung, in Koblenz noch Gladbacher Prunkstück.
Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe
- Ndjeng, Marin - Rösler - Friend, Neuville.
Köln: Mondragón - Mitreski, Mohamad,
McKenna, Özat - Scherz (Matip 90), Suazo, Antar (Broich 76), Chihi (Ehret 64) -
Helmes, Novakovic.
Tore: 1:0 Neuville (57.), 1:1 Mohamad
(60.), 1:2 Helmes (62.), 2:2 Daems (65.).
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Zuschauer: 54.019 (ausverkauft)
Gelbe Karte (Borussia): Daems
Gelb-Rote Karte: Mitreski (61., wiederholtes
Foulspiel)
Besondere Vorkommnisse: Borussia
blieb zuhause in dieser Saison zwar unbesiegt, geriet aber das erste Mal in
einem Heimspiel in Rückstand. Filip Daems lief erstmals in einem Pflichtspiel
als Innenverteidiger auf und erzielte dabei sein erstes Pflichtspieltor für die
Borussia. Steve Gohouri war zuvor wegen eines Discobesuchs bis tief in die Sonntagnacht
für dieses Spiel suspendiert worden. Das Stadion der Borussia war erstmals in dieser Saison
ausverkauft, letztmalig war es am 32. Spieltag der vergangenen Saison (1:1
gegen den FC Bayern München) restlos gefüllt. Nach zuletzt sechs
verlustpunktfreien Spieltagen musste die Borussia durch das heutige Remis im
siebten Spiel wieder einmal Punkte abgeben. Nachdem am vorherigen Spieltag der
Koblenzer Bajic des Feldes verwiesen wurde, wurde beim heutigen Spiel der Kölner
Mitreski ausgeschlossen. Es war der vierte Feldverweis bei einem Spiel der
Borussia in der laufenden Saison, sämtliche vier Feldverweise wurden gegen
Borussias Gegner ausgesprochen, die ersten Drei jedoch während auf des Gegners
Platz.
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