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Geschrieben von Maik Gizinski
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Donnerstag, 25 Oktober 2007 |
Lieber Mike,
dieses Derby musste ich erstmal sacken lassen, darum
verzeih, dass ich mich erst am Donnerstag melde. Ein Siegtor zum sicher nicht
unangemessenen 3:2 hätte dem ganzen die Krone aufgesetzt, aber auch so wollen
wir nicht klagen: Durch Neuvilles 1:0 hat die Borussia den 1. FC Köln erst in
die Lage versetzt, das Spiel vermeintlich drehen zu können, zumal zu zehnt.
Nichts ist schöner, als eine große Portion Schadenfreude auf der anderen mit
einer noch größeren Portion auf der eigenen Seite zu übertrumpfen. Herrlich, wie
die Kölner Freude über die zwischenzeitliche 2:1-Führung von Filip Daems im Keim
erstickt wurde.
Ich gestehe freimütig, dass ich ein schlechter Mensch bin, weil die Momente
größter Freude durch ein ordentliches Quentchen Schadenfreude erst so richtig
veredelt werden: Der Aufstieg von Osnabrück im Sommer am letzten Saisonspieltag,
als Magdeburg in letzter Minute eine gute Chance vertat und schließlich in die
Röhre guckte. Und auch jenseits der VfLs: Was für ein zauberhaftes
Bundesliga-Finish damals, als ganz Schalke weinte, weil Bayern beim HSV in
letzter Minute doch noch Meister geworden war. Oder auch vergangene Saison, als
Dortmund wieder gegen Schalke 2:0 gewann. Ach, ich schwelge.
Das aber -
also: schwelgen - ist angesichts der Leistungen unserer VfLs nur recht und
billig. Gladbach hat gegen Köln ein wirklich gutes Spiel gemacht: In der ersten
Halbzeit als taktisch funktionerende Einzeit, in der zweiten als Team, das sich
schnell und sicher Chancen erspielen kann. Da macht es wirklich Spaß zuzuschauen
- und wann wurde sowas zuletzt über eine Gladbacher Mannschaft geschrieben?!
Besonders Sascha Rösler und Marcel Ndjeng lenken das Spiel der Borussia in
ansehnliche Bahnen. Rösler mimt dabei den aggressiven, zum Teil gar etwas linken
Mittelfeld-Chef, der klug nach vorn spielt und auf seine Gegner sicher einen
alles andere als sympathischen Eindruck macht: Wenn's denn hilft! Allein Oliver
Neuville hätte uns vielleicht nicht in der 73. Minute den Ribery machen müssen
bzw. er hätte es dürfen, wenn er dabei genauso erfolgreich gewesen wäre.
Mit diesem 2:2 kann der VfL zufrieden sein. Der andere übrigens auch.
Beide stehen jetzt dort in der Tabelle, wo sie immer hinwollten. Ob's noch lange
so bleibt?
Nebenbei. Hat Guido Buchwald, als Gladbach gegen Aachen spielte,
auch so einen überheblichen Eindruck gemacht, oder traut er sich das nur bei den
vermeintlich Kleinen? Vielleicht tue ich unserem WM-Helden von 1990 aber auch
komplett Unrecht.
Nun mal was ganz anderes: Unser kleiner Familienblog
widmete sich unlängst dem leidigen Thema der wiederbelebten Relegationsspiele.
Mein Kompagnon Martin irrlichtert, auch was das angeht, im moralisch Bodenlosen,
wie ich es an ihm liebe. Schiltst du mich auch Robin Hood?
Aus Sherwood
Forest grüßt,
Maik
Achso, noch zum Thema Schadenfreude: Die Rote Karte gegen Aleksandar Mitreski
war sensationell. Wer nicht in den Zweikampf geht, wird eben auch bestraft,
allein dafür, dass er bei Köln spielt.
Neue Saison, neue (und gleiche) Liga, aber altes Prinzip. Auch in
dieser Saison heißt es: Auf schillernde Juwelen kann man von vielen
Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für
seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog
dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit
Beginn der Saison 06/07 kommt es zum SEITENwechsel:
SEITENWAHL und VfLog pflegen einen Briefwechsel, in dem alles möglich
ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte
reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de
künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite
veröffentlicht. Auch in der neuen Saison - wenn nicht jetzt, wann dann?
- werden der VfLog und SEITENWAHL die Lage der VfLs aus ganz
persönlicher Sicht kommentieren.
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