Bundesliga 2011/2012

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SEITENwechsel, der 42. Drucken
Geschrieben von Maik Gizinski   
Donnerstag, 25 Oktober 2007
ImageLieber Mike,

dieses Derby musste ich erstmal sacken lassen, darum verzeih, dass ich mich erst am Donnerstag melde. Ein Siegtor zum sicher nicht unangemessenen 3:2 hätte dem ganzen die Krone aufgesetzt, aber auch so wollen wir nicht klagen: Durch Neuvilles 1:0 hat die Borussia den 1. FC Köln erst in die Lage versetzt, das Spiel vermeintlich drehen zu können, zumal zu zehnt. Nichts ist schöner, als eine große Portion Schadenfreude auf der anderen mit einer noch größeren Portion auf der eigenen Seite zu übertrumpfen. Herrlich, wie die Kölner Freude über die zwischenzeitliche 2:1-Führung von Filip Daems im Keim erstickt wurde.


Ich gestehe freimütig, dass ich ein schlechter Mensch bin, weil die Momente größter Freude durch ein ordentliches Quentchen Schadenfreude erst so richtig veredelt werden: Der Aufstieg von Osnabrück im Sommer am letzten Saisonspieltag, als Magdeburg in letzter Minute eine gute Chance vertat und schließlich in die Röhre guckte. Und auch jenseits der VfLs: Was für ein zauberhaftes Bundesliga-Finish damals, als ganz Schalke weinte, weil Bayern beim HSV in letzter Minute doch noch Meister geworden war. Oder auch vergangene Saison, als Dortmund wieder gegen Schalke 2:0 gewann. Ach, ich schwelge.

Das aber - also: schwelgen - ist angesichts der Leistungen unserer VfLs nur recht und billig. Gladbach hat gegen Köln ein wirklich gutes Spiel gemacht: In der ersten Halbzeit als taktisch funktionerende Einzeit, in der zweiten als Team, das sich schnell und sicher Chancen erspielen kann. Da macht es wirklich Spaß zuzuschauen - und wann wurde sowas zuletzt über eine Gladbacher Mannschaft geschrieben?!

Besonders Sascha Rösler und Marcel Ndjeng lenken das Spiel der Borussia in ansehnliche Bahnen. Rösler mimt dabei den aggressiven, zum Teil gar etwas linken Mittelfeld-Chef, der klug nach vorn spielt und auf seine Gegner sicher einen alles andere als sympathischen Eindruck macht: Wenn's denn hilft! Allein Oliver Neuville hätte uns vielleicht nicht in der 73. Minute den Ribery machen müssen bzw. er hätte es dürfen, wenn er dabei genauso erfolgreich gewesen wäre.
Mit diesem 2:2 kann der VfL zufrieden sein. Der andere übrigens auch. Beide stehen jetzt dort in der Tabelle, wo sie immer hinwollten. Ob's noch lange so bleibt?
Nebenbei. Hat Guido Buchwald, als Gladbach gegen Aachen spielte, auch so einen überheblichen Eindruck gemacht, oder traut er sich das nur bei den vermeintlich Kleinen? Vielleicht tue ich unserem WM-Helden von 1990 aber auch komplett Unrecht.

Nun mal was ganz anderes: Unser kleiner Familienblog widmete sich unlängst dem leidigen Thema der wiederbelebten Relegationsspiele. Mein Kompagnon Martin irrlichtert, auch was das angeht, im moralisch Bodenlosen, wie ich es an ihm liebe. Schiltst du mich auch Robin Hood?

Aus Sherwood Forest grüßt,
Maik

Achso, noch zum Thema Schadenfreude: Die Rote Karte gegen Aleksandar Mitreski war sensationell. Wer nicht in den Zweikampf geht, wird eben auch bestraft, allein dafür, dass er bei Köln spielt.


Neue Saison, neue (und gleiche) Liga, aber altes Prinzip. Auch in dieser Saison heißt es: Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 kommt es zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog pflegen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht. Auch in der neuen Saison - wenn nicht jetzt, wann dann? - werden der VfLog und SEITENWAHL die Lage der VfLs aus ganz persönlicher Sicht kommentieren.