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Home 2007/08 13, A, BL, TSV 1860
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Vorbericht, 13. Spieltag: TSV München 1860 |
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Geschrieben von Christian Spoo
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Freitag, 09 November 2007 |
Der Tabellenerste trifft auf den Tabellendritten der Zweiten Liga – dass die Partie des 13. Spieltages ein Spitzenspiel werden würde, hatten schon vor der Spielzeit die meisten vermutet, die ihre Prognose für den Saisonverlauf abgaben. Borussia wie auch die Münchner „Löwen“ gehörten von Beginn an zu den Aufstiegsfavoriten – und im Gegensatz zu einigen anderen hoch gehandelten Mannschaften konnten beide die ihnen zugedachte Rolle bislang vollends ausfüllen.
So
erwartet Borussia bei ihrem zweiten Auftritt in der Münchner Arena binnen zwölf
Tagen abermals eine schwere Aufgabe - womöglich sogar die schwerste der Saison
bisher. Denn waren die Erwartungen im Vorfeld des Pokalspiels gegen die Bayern
überschaubar, ging es doch in den Augen vieler Fans und trotz gegenteiliger
Beteuerungen wohl auch in den eigenen Augen am vorletzten Mittwoch vor allem
darum, sich „gut zu verkaufen", den Bayern Paroli zu bieten und auch den vielen
hunderttausend Fernsehzuschauern zu zeigen, dass man in Gladbach wieder
ordentlichen Fußball spielt. Mit einem Sieg rechnete niemand ernsthaft, und so
war nach dem 1:3 auch kaum jemand ernstlich böse. „Gut verkaufen", das hatte
Borussia geschafft, Imagekorrektur geglückt. Wer an den Tagen nach dem
Zweitrundenspiel in die Zeitungen sah, konnte sich des Eindrucks nicht
erwehren, dass Borussia der moralische Sieger dieser Partie war, der
Achtelfinalist der Herzen sozusagen.
Mit „gut
verkaufen" ist es nun aber am kommenden Montag gegen den kleineren Münchner
Verein nicht getan. Mit einigem Recht darf man erwarten, dass Borussia alles
tut, um wenigstens einen Punkt aus der Arena mitzunehmen - gerne auch derer
drei. Der Druck ist also durchaus stärker als vor dem Pokalspiel, und dass die
Löwen wie die Bayern zunächst einmal zwei ihrer stärksten Spieler schonen, ist
nicht zu erwarten.
Insofern
wäre es schon ein großer Erfolg - und wohl auch ein gewichtiger Schritt in
Richtung Saisonziel „Aufstieg" - könnte die Mannschaft dasselbe Ergebnis erzielen,
wie im letzten Aufeinandertreffen beider Teams in München. Das war am 17.
Dezember 2003. Im alten Olympiastadion besiegte Borussia 1860 mit 2:1 durch
Tore von Ivo Ulich und Arie van Lent. Der Sieg verschaffte der damals von
Holger Fach trainierten Mannschaft ein Sechs-Punkte-Polster auf die
Abstiegsplätze, und er verschaffte Hertha BSC Berlin einen neuen Trainer.
Borussias zum Chefscout „beförderter" Excoach Hans Meyer nämlich war sich nach
dem Spiel in München sicher, dass Borussia mit dem Abstieg nichts mehr zu tun
haben würde. So sah er sein Gewissen entlastet, in der Winterpause zum damals
höchst gefährdeten Konkurrenten aus der Hauptstadt zu wechseln und dort - zum
letzten Mal, wie es hieß - einen Trainerjob anzunehmen. Wie wir wissen, lag
Meyer gleich mehrfach falsch. Borussia geriet sehr wohl noch in höchste Not,
sein neues Team rettete sich Kopf an Kopf mit seinem alten - und sein letzter
Job sollte es auch nicht sein. Immerhin: dass der dritte Absteiger in jener
Saison nicht Hertha und nicht Gladbach, sondern - genau - 1860 München heißen
sollte, daran hatte Meyers Mannschaft ihren Anteil. Unvergessen der vorletzte
Spieltag, an dem die Entscheidung fiel: Borussia verlor in Dortmund, hielt aber
die Klasse, weil Hertha in München ein 1:1 holte. Das nervenzerfetzende Spiel,
bei dem Madlung in der 82. Minute den scheinbar erlösenden Ausgleich köpfte,
bevor den 60ern noch ein Elfmeter zugesprochen wurde, ist wohl den meisten
Borussenfans noch in bester Erinnerung. Francis Kioyo verschoss den Elfer, Borussia
war gerettet. Am letzten Spieltag gab es dann das bislang letzte
Aufeinandertreffen der Gegner vom kommenden Montag. Und auch das war ein Spiel,
für das die Bezeichnung „historisch" nicht zu hoch gegriffen ist. Das letzte
Bundesligaspiel am Bökelberg, ein 3:1-Sieg der Gladbacher und das
Abschiedsspiel des langjährigen Stürmerstars Arie van Lent, der auch noch den
letzten Treffer im viel vermissten Stadion an der Bökelstraße markierte. Danach
verschwand 60 in der Zweiten Liga. Borussia mühte sich weitere drei Spielzeiten
in der höchsten Klasse. Dort wollen beide möglichst schon in wenigen Monaten
wieder sein. Das Spiel vom Montag könnte da durchaus richtungsweisend sein.
Borussia
Nach dem
schon hinreichend erwähnten Pokalspiel vom vorvergangenen Mittwoch fanden sich
Jos Luhukay und sein Team vergangenen Montag im harten Alltag der
„Schweineliga" wieder - und hatten ein echtes „Schweinespiel" zu bestehen. Carl
Zeiss Jena forderte der Borussia mehr ab, als so mancher stärker eingeschätzer
Gegner in dieser Saison. Dazu kommt, dass die Gladbacher einer ihrer
schwächsten Spiele der bisherigen Spielzeit machten. Dass das Match gegen Jena
trotzdem gewonnen wurde, ist umso höher einzuschätzen und lässt die Bezeichnung
„Bayern der Liga" durchaus gerecht erscheinen. Denn schwächere Spiele gegen
aufopferungsvoll kämpfende und herzerfrischend spielende Gegner mit Dusel und
Cleverness zu gewinnen, das war langezeit tatsächlich die Domäne der Bayern.
Borussia-Defensive
15
Gegentore in zwölf Spielen - die Hintermannschaft steht recht solide da. Dass
es dennoch hier und da Diskussionen um einzelne Spieler gibt, ist wohl einfach
normal im Fußball. Gegenstand der heftigsten Debatten ist dabei Torhüter
Christopher Heimeroth, dessen Rückhalt bei den Fans, wie an dieser Stelle schon
mehrfach bemerkt und auch kritisiert, nicht der größte ist. Ärgerlich ist dabei
für Heimeroth selbst und für alle, die ihn zu verteidigen bereit sind, dass die
Argumente seiner Kritiker nicht fassbar sind. Heimeroth „strahle irgendwie
keine Sicherheit" aus, heißt es immer wieder. Das ist nun aber eine
ausgesprochen subjektive Angelegenheit. Die Ausstrahlung auf seine Vorderleute
scheint in Ordnung zu sein, jedenfalls stehen wenige eindeutig erkennbare
Abstimmungsschwierigkeiten zu Buche, auch aufgeregte Diskussionen auf dem
Spielfeld sind nicht zu verzeichnen. Warum sich nun der eine oder andere
Zuschauer auf den Tribünen von Heimeroths Ausstrahlung oder dem Mangel daran
verunsichert fühlt, lässt sich hier kaum klären. Nachweisbar ist nicht die Aura
eines Torhüters, sondern wie er seine Arbeit verrichtet, sprich: wie er Bälle
hält oder eben nicht. Und da hat Heimeroth durchaus seine Verdienste in den
bisherigen Spielen. Nicht unterschlagen sollte man aber, dass sich zuletzt auch
zwei klare Böcke (gegen Augsburg und Bayern) und ein zumindest
diskussionswürdiger Fehlgriff (gegen Köln) eingeschlichen haben. So etwas ist
natürlich Wasser auf die Mühlen der Torwart-Kritiker, Heimeroth sollte im
eigenen Interesse dafür sorgen, dass derartige Aktionen nicht zur Regel werden.
Gegen Jena machte er ein tadelloses Spiel und dass er am Montag und auch in den
nächsten Spielen den Gladbacher Kasten hütet, ist aber unbestritten. Trainer
Luhukay stärkte seiner Nummer eins bislang stets den Rücken.
Die
Viererkette wird am Montag voraussichtlich so aussehen, wie zuletzt immer: auf
rechts Tobias Levels, der durchweg ordentlich spielt und seinem Trainer wenig
Anlass gibt, den vor der Saison eigentlich als Stammkraft eingeplanten Kasper
Bøgelund wieder in die Startelf zu bugsieren. Roel Brouwers ist als
Innenverteidiger mindestens ebenso unumstritten. Der Niederländer erledigt
seine Aufgabe fast immer fehlerfrei, als „no-nonsense-Spieler" macht er, was er
kann, und versucht nichts, wovon er weiß, dass er es nicht kann. Keine
technischen Sperenzchen, keine riskanten Tricks am eigenen Strafraum - und
keine gewagten oder brillanten Manöver in der Spieleröffnung. Auf diesem Gebiet
ist ihm sein Nebenspieler Filip Daems bei weitem überlegen. Der beste Fußballer
in der Defensivabteilung von Borussia hat sich seinen Stammplatz durch
ausschließlich ausgezeichnete Auftritte nach seiner monatelangen Leidensphase
wohl dauerhaft erkämpft. Steve Gohouri jedenfalls wurde nach seinem bislang
letzten Auftritt in der Startelf in Koblenz nicht wirklich vermisst. Auch nach
dem Jena-Spiel, bei dem Daems das Kopfball-Duell gegen den Torschützen
Torghelle nicht verlor, sondern gar nicht erst suchte, führte nur sehr
vereinzelt zum Ruf nach dem kopfballstärkeren, aber fehleranfälligeren, Ivorer.
Die Erinnerung an die obligatorischen Gohouri-Böcke in nahezu jedem Spiel ist
wohl noch zu lebendig. Die Position des linken Verteidigers wird Alex Voigt
bekleiden, der bis zum Spiel gegen seinen Ex-Klub Jena nicht eine Minute der Saison verpasst hat, bevor er Mitte der zweiten Halbzeit und zu Gunsten des offensiveren Johannes van den Bergh ausgewechselt wurde. Solide nach
hinten und bisweilen erstaunlich inspiriert nach vorne, hat er seine Position
sicher, trotz einer eher mäßigen Partie gegen seinen Ex-Verein Jena.
Alternativen drängen sich ohnehin nicht auf. Marvin Compper ist weiter in
Rehabilitation. Filip Daems wird anderswo gebraucht.
Die Position
vor der Abwehr gehört Patrick Paauwe, auch hier bleibt alles, wie es ist.
Paauwe ist im Grunde genommen genau der Spieler, der Borussia während der nur
selten vergnüglichen Erstligazeit zwischen 2002 und 2007 gefehlt hat. Nach dem
Weggang von Peter Nielsen war die Position vor der Abwehr nie optimal besetzt -
oft konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verantwortlichen die Bedeutung
des„Sechsers" für das Spiel einer Mannschaft gar nicht so richtig auf dem
Schirm hatten - immerhin wurde auf der Suche nach einem inspirierten
Spielmacher stets das Augenmerk auf die offensive Mittelfeldposition gelegt,
hier wurde schließlich auch investiert - mit dem bekannten Ergebnis. Auf der
„sechs" versuchte sich mal dieser, mal jener Spieler (Kluge, Thijs, Polanski)
ohne, dass sich eine zufrieden stellende Dauerlösung gefunden hätte. Die ist
jetzt da: Paauwe ist Dreh- und Angelpunkt im Spielaufbau und hat einen nicht
hoch genug einzuschätzenden Anteil am bisher so positiven Verlauf dieser
Saison. Positiv aber auch, dass mit Sebastian Svärd ein „Backup" für diese
Position da ist, der Paauwe zwar nicht gleichwertig, aber doch hinreichend gut
vertreten kann. Dass Jos Luhukay in München die Sicherheitsvariante mit zwei
defensiven Mittelfeldspielern - Paauwe und Svärd - wählt, ist nicht unmöglich,
aber doch eher unwahrscheinlich.
Borussia Offensive
Es ist
nun schon seit einigen Wochen eigentlich immer das gleiche: vier der fünf
Offensivkräfte scheinen absolut gesetzt zu sein. Es gibt wenig Gründe, warum
das gegen 1860 München anders sein sollte. Zentral spielt Sascha Rösler, der
bei den Bayern zeigte, wie wichtig er für die Mannschaft sein kann, dessen
Formkurve aber durchaus Schwankungen unterworfen ist - wie am vergangenen
Montag leider wieder deutlich wurde. Dass Luhukay Rösler aus der Startelf
rotieren lässt, ist unwahrscheinlich, gilt der Ex-Aachener doch als
Grundpfeiler im Team. Aber mit Soumalia Coulibaly steht ein Ersatzmann bereit,
der in seinen Kurzeinsätzen gegen Bayern und Jena einen sehr ordentlichen
Eindruck hinterlassen hat.
Marcel
Ndjeng dürfte seine Position im Mittelfeld behalten. Gegen Jena war er weit weg
von seiner Topleistung - und in Sachen Defensivverhalten und Konzentration
(auch bei Standards) kann Ndjeng durchaus noch dazu lernen - aber seine 9
Scorerpunkte und seine Tore in Liga und Pokal sprechen für sich.
Die
einzige Position, auf der sich gelegentlich etwas tut, ist die des dritten
Mittelfeldmannes. Ob hier abermals Marko Marin zum Einsatz kommt, oder ob Jos
Luhukay den als besseren Defensivmann eingestuften Johannes van den Bergh
bringt, ist offen. Marin sorgt deutlich häufiger für Alarm in der gegnerischen
Abwehr, war gegen Jena besser als seine Nebenleute, ist aber im Spiel nach
hinten in der Tat die schlechtere Wahl. Eine weitere mögliche Variante wäre der
Einsatz von Eugen Polanski, für den es auf der Position vor der Abwehr wohl
kein Vorbeikommen an Paauwe und Svärd gibt, der sich aber mit dem Stammplatz
auf der Ersatzbank nicht abgefunden haben dürfte. Anzunehmen ist, dass Polanski
im Lauf der nächsten Spiele eine Chance im offensiven Mittelfeld bekommt. Ob
das aber schon am Montag der Fall sein wird, darf bezweifelt werden.
Die
Stürmer heißen Oliver Neuville und Rob Friend. Auch hier gibt es wenig Grund
zum Wechseln, zumal dieses Paar wirklich eingespielt ist. Zwar brennt Roberto
Colautti auf seinen Einsatz, aber von Beginn an wird der „Argentisraeli" wohl
vorerst nicht zum Zug kommen - es sei denn, Neuville oder Friend fallen aus.
Dasselbe gilt für Sharbel Touma. Für den Schweden scheint im derzeitigen System
des Luhukay-Teams kein Platz zu sein. Ob er auf der Ndjeng-Position spielen
kann, weiß derzeit höchstens der Trainer.
Der Gegner aus München
Sieben
Spieltage lang führten die Münchner die Tabelle der Zweiten Liga an. Eine 0:3
Niederlage in Mainz und Unentschieden daheim gegen Koblenz sorgten für den
Sturz vom ersten Platz, den die Löwen bis heute nicht wieder erreichen konnten.
Dafür verantwortlich ist vor allem die 0:3 Heimschlappe gegen Greuther Fürth
und das torlose Unentschieden in Wehen am vergangenen Sonntag. Dennoch rangiert
1860 nur fünf Punkte und zwei Plätze hinter Borussia.
1860 München Defensive
Im Tor
der Löwen steht einer der vereinstreuesten Spieler im deutschen Profifußball.
Seit 1996 steht der inzwischen 35-jährige Michael Hofmann in München unter
Vertrag, elfeinhalb Jahre, die für den Keeper äußerst wechselhaft verliefen.
War er schon in seiner zweiten Spielzeit Stammtorwart, verlor er diesen Posten
in den Jahren darauf immer wieder an die Konkurrenz: Daniel Hoffmann, Simon
Jentzsch und Timo Ochs verdrängten Hofmann aus dem Löwentor. Seit der
vergangenen Saison ist der Dauerbrenner aber nun wieder die Nummer eins und als
solche in München jetzt auch unumstritten.
Der Turm
in der Münchner Abwehr ist Gregg Berhalter. Der US-Nationalspieler hat in der
Innenverteidigung bislang kein Spiel verpasst. Aber auch vor dem gegnerischen
Tor ist der frühere Cottbusser gefährlich. Bei Standards ist der kopfballstarke
US-Amerikaner immer vorne dabei. Einmal war er in dieser Saison auch mit dem
Kopf erfolgreich. Zwei weitere Treffer erzielte er vom Elfmeterpunkt aus.
Neben
Berhalter könnte Mate Ghvinianidze spielen. Der musste nach einer roten Karte
im Spiel gegen Greuther Fürth zuletzt zweimal zuschauen, darf am Montag aber
wieder auflaufen. Vor seiner roten Karte war der Georgier unumstrittene
Stammkraft, vertreten wurde er gegen Offenbach und Wehen von Lars Bender, der
auf der für ihn ungewohnten Position eine gute Figur machte. Gut möglich, dass
Münchens Trainer Marco Kurz deswegen auf eine Umbesetzung in der
Innenverteidigung verzichtet. Auf links spielt Torben Hoffmann bisher eine gute
Saison, der Routinier rückte erst in dieser Spielzeit aus dem Abwehrzentrum
nach außen, weil die bisherige Stammkraft Marcel Schäfer zum VfL Wolfsburg
wechselte. Hoffmann wäre ein unangenehmer Gegenspieler für Marcel Ndjeng. Die
rechte Abwehrseite bekleidet Markus Thorandt. Der gelernte Mittelfeldmann hat
sich in dieser Saison den Posten in der Viererkette erkämpft, Ghvinianidze rückte
dafür von links in die Mitte. Thorandt verpasste in dieser Saison noch kein
Spiel, wird also wohl auch am Montag dabei sein und gegebenenfalls die Kreise
von Marko Marin einschränken.
Vor der
Abwehr spielt aller Voraussicht nach Bender - nur welcher, ist noch offen. Eben
schon erwähnter Lars Bender hat sich zu Beginn der Saison die „Sechserposition"
gesichert. Als er nun in der Innenverteidigung aushelfen musste, übernahm sein
Zwillingsbruder Sven den Job vor der Abwehr und erledigte ihn nicht minder ordentlich.
Die Bender-Zwillinge, 18 Jahre alt und schon seit der C-Jugend bei 1860 aktiv,
sind die Shooting-Stars des Teams. Beide rückten in der vergangenen Saison aus
der A-Jugend direkt zu den Profis auf. Sie spielen bei den Löwen ungefähr die
Rolle, die Marko Marin bei Borussia hat: Beiden wird eine große Karriere
vorausgesagt, bei beiden gilt es als sicher, dass sie von ihrem derzeitigen
Verein nicht mehr lange zu halten sein werden. Die Frage, so liest man immer
wieder, sei nicht, ob sie gehen, sondern wann. Am Montag sind sie aber auf
jeden Fall noch dabei. Neben dem Bender-Zwilling wird aller Voraussicht nach
Danny Schwarz spielen. Trainer Marco Kurz setzt gegen offensiv starke Gegner
gerne auf eine doppelte Absicherung vor der Abwehr, meist spielte in diesem
Fall der erfahrene Ex-Stuttgarter neben einem der jungen Benders.
1860 München Offensive
4-5-1,
4-4-2 oder gar 4-3-3, je nachdem für welches System sich Marco Kurz am Montag
entscheidet, fällt die Aufstellung in der Offensive aus. Sven
Bender könnte nach vorne rücken, wenn Kurz auf die „Doppelsechs" verzichtet,
für die andere Halbposition käme Eigengewächs Fabian Johnson in Frage.
Eine
zentrale Position im Münchner Mittelfeld nimmt auf jeden Fall Daniel Bierofka
ein. Der Rückkehrer vom Deutschen Meister VfB Stuttgart hat entscheidenden
Anteil an den bisherigen Erfolgen von 1860. Zwei Tore und drei Vorlagen stehen
für den 28-Jährigen bisher zu Buche. Allerdings ist noch unklar, ob Bierofka
dabei ist. Der dreimalige Nationalspieler, an dem auch Borussia vor der Saison
Interesse gehabt haben soll, fehlte seiner Mannschaft zuletzt wegen einer
Verletzung an der Wade. Borussias Fans wären im Falle eines Ausfalls wohl nicht
traurig. Seit seinem Handspiel-Treffer im Trikot von Bayer Leverkusen, der die
Gladbacher um einen sicher geglaubten und verdienten Auswärtssieg brachte,
erfreut sich Bierofka bei den Anhängern der Borussia ähnlich großer Beliebtheit
wie George Mbwando oder Fatmir Vata. Würde Bierofka ausfallen, würde wohl Timo
Gebhardt erneut eine Chance von Anfang an bekommen. Der 18-Jährige spielt seine
erste Profisaison und hat den Routinier am vergangenen Wochenende gegen Wehen
ordentlich ersetzt.
Eine
bemerkenswerte Saison spielt bei 1860 der ehemalige Bayern-Spieler Berkant
Göktan. Der gelernte Stürmer spielt mal in der Spitze, meist aber etwas
dahinter und hat bislang sechs Tore erzielt. Der Fußball-Weltenbummler scheint
erstmals bei einem deutschen Verein „angekommen". Bei seinen bisherigen
Stationen in der ersten und zweiten Liga konnte er sich nie dauerhaft
durchsetzen - auch ein kurzes Gastspiel bei Borussia in der Abstiegssaison
1998/99 brachte weder ihn noch den Verein weiter. Besser lief es für Göktan in
der Türkei, wo er für Besiktas und Galatasaray Istanbul spielte und mit
letzteren 2002 den Meistertitel gewann. Göktan wird Borussias Defensive
beschäftigten, genau wie Antonio Di Salvo. Der Stürmer traf noch einmal mehr
als Göktan. Der frühere Rostocker erlebt in
dieser Spielzeit eine Art zweiten Frühling und sorgt dafür, dass der mit großen
Hoffnungen verpflichtete, aber seit Saisonbeginn verletzte Markus Schroth nicht
allzu sehr vermisst wird. Sollte 1860 mit einem Zweiersturm auflaufen, gehört
die Position neben Di Salvo voraussichtlich Josh Wolff. Der US-Nationalspieler
war gegen Wehen nicht erste Wahl, aber Ersatz Mustafa Kucukovic konnte nicht
überzeugen.
Schiedsrichter
Der jüngste jemals im Profifußball mit einer Begegnung betraute Schiedsrichter, der 24-jährige Michael Kempter aus Sauldorf in Baden, wurde als Leiter der Begegnung ausgewählt. Damit wird der Bankkaufmann erstmals eine Bundesligapartie der Borussia betreuen, im DFB-Pokal tat er dies bereits in der zurückliegenden Spielzeit in der 1. Hauptrunde gegen Roßbach/Wied (4:1 für Borussia). Kempter, dessen Bruder Robert ebenfalls der Schiedsrichterei fröhnt, war in der laufenden Saison dreimal mit der Leitung einer Zweitligapartie betraut und kontrollierte dabei am 5. Spieltag auch eine Auswärtspartie des TSV 1860 Müchen. Bei Alemannia Aachen spielten die Bayern torlos und Kempter blieb mit lediglich zwei Verwarnungen und seinem ursprünglichen Anspruch. Gewöhnlich sitzen Gelbe Karten bei dem Sauldorfer lockerer.
Aufstellung
Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers,
Daems, Voigt - Paauwe - van den Bergh (Marin), Ndjeng, Rösler - Friend,
Neuville.
Ersatz: Gospodarek, Gohouri, Bögelund,
Fleßers, Svärd, Polanski, Coulibaly, Baumjohann, Touma, Colautti, Rafael,
Lamidi
Es
fehlen: Compper,
Schachten (Rekonvaleszenz)
1860
München: Hofmann
- Thorandt, Berhalter, Ghvinianidze, Hoffmann - Lars Bender, Schwarz - Sven
Bender, Bierofka (Gebhardt) - Göktan - Di Salvo.
Ersatz: Rössl, B. Schwarz, Burkhard,
Eberlein, Wolff, Johnson, Ledgerwood, Baumgartlinger, Kucukovic
Es
fehlen: Schroth
(Rekonvaleszenz)
Schiedsrichter: Michael Kempter (Sauldorf)
Schiedsrichterassistenz: Jan-Hendrik Salver, Florian Steinberg
SEITENWAHL-Meinung
Michael
Heinen: Ein
8-Punkte-Spiel erwartet Borussia am Montag abend. Auf 8 Punkte kann nämlich
bereits der Vorsprung von Borussia auf den dortigen Gegner sowie ggf. gar auf
Platz 4 anwachsen. Dies wird keine einfache Aufgabe, zumal wir uns historisch
in München meist schwer getan haben. Dennoch ist Borussia individuell besser
besetzt und mittlerweile auswärts so selbstbewußt, dass wir uns auf einen
weiteren 2:1-Sieg freuen dürfen.
Thomas
Zocher: Mit einer
ungewohnten Resultatprognose bereichere ich die hiesige Tippgemeinschaft. 1860
und die Borussia werden sich nach einem von einem zum anderen Strafraum
wogenden Match voneinander Remis trennen, genauer gesagt 0:0. Im Gegensatz zum
0:0 gegen Hoffenheim erntet die Borussia dafür keine Pfiffe. Einmal spielt sie
ja in der Fremde, andererseits haben ihre ungeduldigsten Fans den Klubnamen
1860 früher schon einmal irgendwo im Zusammenhang gehört.
Hans-Jürgen
Görler: Und schon wieder geht es nach München. Die Löwen werden der Borussia jedoch sicher mehr liegen als die Bayern. Das interessante 2:2 wird die Fans beider Lager begeistern.
Christian
Heimanns: Einmal
ist jede Serie fällig, die unsrige ohne Niederlagen endet in München. Die 2:1
Niederlage unserer Punktesammler stellt für uns aber kein Drama dar und wird in
den nächsten Wochen vollauf kompensiert.
Christoph
Clausen: Auch
beim Tabellendritten würde mich ein weiterer Auswärtssieg längst nicht mehr überraschen.
Ein 2:2 scheint mir dennoch einen Tick wahrscheinlicher. Auch damit kann
Borussia gut leben, zumal man in den Spielen gegen die Kleinen ja
erfreulicherweise keine Punkte liegen läßt.
Mike
Lukanz: Mit
Erstaunen habe ich nach dem vergangenen Spieltag festgestellt, dass ich mich im
Redaktionstippspiel mit großen Schritten dem Tabellenende zubewege. Gut, das
ist redaktionsintern keine Überraschung, stimmt mich dennoch nachdenklich. Aber
warum umdenken? Borussia verliert in München mit 1:2, weil irgendwann die erste
Niederlage kommen muss.
Christian
Spoo: Nach dem
Jena-Spiel dürfte die Mannschaft bemerkt haben, was in der Theorie ohnehin
jedem klar war: es gibt in dieser Saison in dieser Liga keine Selbstläufer.
Aber München 1860 ist so oder so kein Team, das man unterschätzen würde. Ich
rechne mit einem intensiven Spiel, bei dem wir die Münchner am Ende in die Knie
zwingen und hoffe, dass wir nach dem 3:2-Erfolg
ernsthaft über die Herbstmeisterschaft nachdenken dürfen.
Der Gegner im Internet: www.tsv1860.de; loewenforum.de
Der TSV 1860 im SEITENWAHL-Zweitligacheck: TSV München 1860
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