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Eine Zäsur |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Mittwoch, 14 November 2007 |
Seit einigen Jahren führt der Profifußball einen unsichtbaren Kampf. Es ist der Kampf zwischen Tradition und Moderne, zwischen Geld und Nostalgie, zwischen VIP-Loge und Stehplatz. In Zeiten einer AllianzArena, von Gazprom und zum „Kunden" titulierten Fans müssen die Clubs, die de facto mehr Wirtschaftsbetriebe denn Vereine im klassischen Sinne sind, einen schwierigen Spagat vollbringen. Die Fans fordern Stars, Erfolg und Titel. Das alles jedoch, ohne die so oft bedienten „Mythen" und „Legenden" des jeweiligen Clubs zu zerstören. Lauscht man einigen Vereinspräsidenten und -verantwortlichen bei ihren Reden auf der Jahreshauptversammlung, so fröstelt es mitunter, wenn kalt von Bilanzen und einem „hervorragendem Cash-flow" gesprochen wird. So weit, so gut. Bis Uli Hoeneß sprach. Der Manager des FC Bayern München überschritt auf der JHV des Rekordmeisters am Dienstag Abend die rhetorische Grenze und sprach Dinge aus, die viele Fans das Blut in den Adern gefrieren lässt und die man im Grunde seinem eigenen Präsidenten ebenso zutrauen würde. Eine Zäsur, die beunruhigend ist.
„Das ist eine populistische Scheiße!", „für die Scheiß-Stimmung, da seid ihr doch selber verantwortlich!". Diese mit Kraftausdrücken geschmückten Argumente wurden nicht von einem Vereinsmitglied bei der beliebten Aussprache getätigt, sondern vom Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß. Was war geschehen? - Ein Fan äußerte sich besorgt über die schlechte Stimmung in der AllianzArena und dass die Logenbesitzer hofiert würden, während der Fan oft vergessen wird. Nun muss man bei solchen Diskussionen beim FC Bayern München immer vergegenwärtigen, dass der Verein schon seit Jahren ein schwieriges Verhältnis zu seinen Fans in der Südkurve hat. Die Diskussionen um den Ausschluss einzelner Fanclubs wurde schon des öfteren in der Presse und nahezu allen Fan-Foren der deutschen Fußballlandschaft ausgetragen. Doch anscheinend traf die Äußerung dieses Fans auf der Jahreshauptversammlung eine empfindliche Stelle bei Hoeneß. Einmal in Rage, legte er weiter Kohlen ins Feuer. „Euch finanzieren die Leute in den Logen, nicht umgekehrt." Und weiter, „Das Stadion hat 340 Millionen Euro gekostet, das ist mit 7 Euro aus der Südkurve nicht zu machen."
Noch nie wurde so deutlich gegen die eigenen Anhänger geschossen. Das, was sich Uli Hoeneß argumentativ herausnimmt, ist an Arroganz kaum zu übertreffen. Die Menschen aus der Südkurve mit ihren 7-Euro-Stehplatzkarten haben den Mund zu halten und für gute Stimmung zu sorgen! Immerhin habe man ihnen Luca Toni präsentiert und ein neues Stadion gebaut. Eine faszinierend einfache Logik. Wurden die Fans überhaupt gefragt, ob sie ein so gigantisch teures Projekt überhaupt haben wollen? Dass die Notwendigkeit eines neuen Stadions gegeben war, stellte in München ebenso niemand in Abrede wie bei uns in Mönchengladbach. Die teuren Transfers von Luca Toni, Miroslav Klose und Marcell Jansen bezahlten die Bayern von ihrem berühmten Festgeldkonto, das eben dieser Hoeneß seit Jahren als Argument für die finanzielle Seriösität des Vereins heranzieht, oder um den Konkurrenten aus Schalke oder Dortmund (je nach Tabellenstand) die Karten zu legen.
Gegen das, was Hoeneß in seiner wütenden Rede von sich gab, muten die unglücklichen Vergleiche von Borussias Präsidenten Rolf Königs („Unsere Kunden") fast schon naiv-süß an. Grundsätzlich geht beides in die gleiche Richtung. Niemand wird oder würde ernsthaft bestreiten, dass es mit reiner Fußball-Romantik nicht mehr geht. Der Traum, eine Spitzenmannschaft zu haben und gleichzeitig am kuscheligen Bökelberg spielen zu können, war und wird immer ein solcher bleiben. Fußball ist eine Ware, und mit jedem Trikotkauf, jeder Dauerkarte oder Abonnement von Pay-TV-Sendern unterstützt die zahlende Kundschaft diesen Markt. Doch Uli Hoeneß führt die Klassengesellschaft ein. Der Logenbesitzer ist mir wohlgesonnen, denn er trägt Geld in den Verein. Sehr viel Geld sogar. Die Leute aus der Kurve sind dummes Fan-Vieh, das sich mit Trikots eindecken soll und - weil es so schön werbewirksam ist - das Stadion bei Bedarf in einen „Hexenkessel" verwandeln.
„Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid?", fragte Hoeneß zwischendurch. Die, das sind auch die Menschen, die zu Hoeneß´ aktiven Zeiten noch 80% des Umsatzes ausmachten, und damit auch sein Gehalt als Spieler und Manager bezahlten.
„Es kann nicht sein, dass wir dafür kritisiert werden, dass wir uns hier den Arsch aufreißen" - So viele Menschen, die sich jedes Jahr den Arsch dafür aufreißen, sich selber oder ihren Kindern das neueste Trikot oder ein 7-Euro-Heimspielticket kaufen zu können, passen gar nicht in ihr von Logenbesitzern finanziertes, 340-Millionen-Euro Stadion, Herr Hoeneß!
Uli Hoeneß´ Rede der JHV
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