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SEITENblick - Lukas Podolski |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Montag, 19 November 2007 |
Das Denken in Schubladen und Mustern ist menschlich, hilft es uns doch, unsere Umgebung zu katalogisieren. In verschiedenen Ausprägungen führt dies mitunter zu verzerrten Bildern der Wirklichkeit, und der Mensch reagiert irritiert, sobald sich Dinge anders entwickeln, als es die anfangs gesetzten Muster vorgegeben haben. Dass Journalisten auch nur Menschen sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Dass sie ebenfalls in Mustern denken, ebenso (auch wenn sie es aufgrund ihres verantwortungsvollen Berufes vermeiden sollten). Im Fall des Lukas Podolski treten allerdings beeindruckende Dinge zu Tage, die eine näheren Betrachtung verlangen. Ein Blick in die nationale Presse dieser Tage zeigt nämlich, wie übertrieben euphorisch selbst seriöse und fachlich versierte Kollegen der Medien werden können, wenn nach Jahren des sportlichen Durchschnittsdaseins ein Spieler (vermeintlich) wieder das Bild bietet, das man selber zuvor geschaffen hat und damit eine nachträgliche Rechtfertigung der einstigen Argumentation liefern soll. Der Einzige, der dabei nur verlieren kann, ist der Spieler selber.
Unbestritten, Lukas Podolski zeigte im Länderspiel gegen Zypern vergangenen Samstag eine starke Leistung. Ein Tor erzielte er selber, zwei weitere bereitete er vor (dass man ihm alle drei Torvorlagen zuschreibt, untermauert die unsachliche Analyse seiner Person). Und dies auf einer für ihn fremden Position im linken, offensiven Mittelfeld. Der mediale Hype, der darauf folgte, gleicht in seiner Überzogenheit den Schlagzeilen, die den jungen Podolski schon zu Zeiten in Köln oder während des Konföderationen-Pokals 2005 begleiteten und die ihm rückblickend mehr geschadet denn genützt haben. Denn der Ex-Kölner ist ohne Zweifel ein überdurchschnittlicher Bundesliga-Stürmer, mehr jedoch nicht. Sein nach wie vor schwaches Kopfballspiel, Schwächen im defensiven und taktischen Verhalten oder sein ausschließlich auf den linken (und starken) Fuß ausgerichtetes Spiel verbieten es schlichthin, ihn in den sportlichen Rang eines Miroslav Klose oder gar Wayne Rooney zu heben, mit dem er noch vor einigen Jahren verglichen wurde. Sowohl Rooney als auch Christiano Ronaldo oder Thierry Henry waren in Podolskis Alter fußballerisch um Längen weiter, als es der Münchener Stürmer heute ist und wahrscheinlich je sein wird.
Dies kann man Podolski nicht zum Vorwurf machen. Doch täte es speziell ihm gut, würde man ihn einfach innerhalb der Vorgaben messen, die er erfüllen kann. Mit seinem überragenden Antritt und seiner Schusstechnik und -kraft besitzt er außergewöhnliche Qualitäten, die ihn zu einem Spezialisten, nicht jedoch zum kompletten Stürmer machen.
Weitaus schlimmer als die seit Jahren sportliche Fehleinschätzung Podolskis durch Journalisten ist die Tatsache, dass seine unterschiedlichen Leistungen beim FC Bayern auf der einen und in der Nationalmannschaft auf der anderen Seite immer wieder für Kritik am Rekordmeister aus München instrumentalisiert werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Reaktionen auf seine ordentlichen Leistungen zuletzt so reflexartig daherkamen. Da wird von der „Wellnessoase Nationalmannschaft" gesprochen, in der er sich wohl fühle und seine Leistung abrufen könne. Und das nach einem Länderspiel gegen Zypern. Seine äußerst schwache Leistung im Heimspiel gegen Tschechien (0:3) wird hierbei ganz schnell vergessen.
Lukas Podolski ist „everybody´s darling", auch und anscheinend speziell in den Medien. Es scheint ebenso, dass das Wohl des deutschen Fußballs von der Form und der Befindlichkeit des 22-jährigen Stürmers abhinge. Es ist absolut und ohne Ausnahme zu wünschen, dass er weiterhin seine leicht ansteigende Form behält, denn für die Europameisterschaft 2008 wäre ein Lukas Podolski in Topform - wie jeder andere im Kader befindliche Spieler - sehr wichtig. Dass er sich bis dahin dauerhaft beim FC Bayern München durchsetzt, darf indes bezweifelt werden. Dies liegt jedoch weder an Ottmar Hitzfeld, dem Verein oder einem „Missverständnis" (wie der Wechsel Podolskis nach München oft tituliert wird), sondern an rein sportlichen Gründen. Miroslav Klose und Luca Toni besitzen etwas, das Podolski nicht hat: internationale Klasse. Wenn sich dies endlich in den Köpfen der schreibenden und sendenden Kollegen festgesetzt hat, braucht auch keiner mehr Lobeshymnen nach einer guten Leistung gegen ein unterdurchschnittliches europäisches Nationalteam zu halten, die einer nüchternen Betrachtung nicht standhalten und ein Bild zeichnen, das man selber gemalt und nun zu rechtfertigen versucht. Lukas Podolski zuliebe.
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