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SEITENwechsel, der 45. |
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Geschrieben von Martin Zierold
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Donnerstag, 29 November 2007 |
Lieber Mike,
darf ich schleimend einsteigen? Es ist ja immer eine Freude, Dir Briefe zu schreiben, aber diesmal treffen die von Dir angeschnittenen Themen rundum meinen Geschmack! Danke, und gehen wir es also der Reihe nach an! Du hast Recht, die Zeiten sind sportlich ruhig, und irgendwie ist das schön und schaurig zugleich. Zwar sehne ich mich nicht wie Du nach "Druck und Ärger", ich mag Entspannung und Freude auch ziemlich gern und habe auch dann oft großartige Ideen (in aller Bescheidenheit, versteht sich...), aber die sportliche Sicherheit ist trotzdem ungewohnt. Da muss doch ein Haken sein, denke ich manchmal, und manchmal nur: Ach, wie langweilig! (Oft natürlich auch: Hey, wie geil ist das denn?! Platz 1! Aber diese Freude kann man ja nicht dauernd auskosten.)
Ja, wir zitieren jetzt also Bücher und outen uns als lesbisch auf dem VfLog. Ob uns das schon zu einem Becken der Emotionen macht, weiß ich nicht, wenn es der gewogene Leser so liest, fein. Manch anderer hat wohl eher den Eindruck, wir litten an Ideenmangel. Vielmehr ist es natürlich kühle und harte Kalkulation: Wo der Sport keine Reibungsfläche (sic!) bietet, müssen wir eben mal auf Sex und Crime auf hohem Niveau setzen. Schließlich sehen wir uns zunehmend als Fußballfeuilleton für Besserdenker (und -fühler), das sich diversifizierend in alle Lücken ausbreitet, die die Langweilermedien von kicker bis FAZ, von BILD bis New York Times lassen. Jedenfalls empfiehlt uns das unser Unternehmensberater so.
Wo war ich? Ach ja, München! Hoeneß! Schweigen wir darob, oder? Maik hat in dieser Frage wie immer Recht: Hoeneß ist ein Genie. Nicht mehr und nicht weniger behauptet mein lieber Kollege, und voller Ekel muss ich ihm da leider zustimmen. Dass er damit in der Minderheit sein mag (wie die Grünen, wie Du anmerkst), schadet ja nicht. Wir sind schließlich hier, um die Demokratie zu verteidigen, nicht um sie zu praktizieren. (Kleines Preisrätsel am Rande: Aus welchem Film habe ich dieses Zitat geklaut? Ich weiß es selbst nicht mehr!) Aussteigen werde ich sicher nicht, solange ich mit so einem wunderbaren Menschen gemeinsam schreiben darf, ich mache weder den Metzger noch die Pauli, die schon gar nicht, denn wenn ich heirate, dann für maximal 2 bis 3 Jahre, nicht für 7, das hält ja keiner aus. Außerdem kann man dann früher Sex mit der Ex haben!
Wo war ich? Ach ja, Gladbach! Die Ratten! Ja, Du hast recht! Sie leben noch, auch wenn es still um sie geworden ist. Grillparzer lässt Medea am Ende des "Goldenen Vließ" den wunderschönen Satz sagen: "Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht." In Gladbach gilt derzeit die umgedrehte Fassung: Die Nacht ist endlich aus, der Traum beginnt gerade. Aber die Nacht kann wiederkommen. Und es ist gut, dass Seitenwahl und VfLog die Ratten dann wieder beim Namen nennen werden.
Was bleibt mir noch zu sagen? Nichts. Ich habe zwar, entspannt und fröhlich wie ich gerade bin, noch eine großartige Idee, aber die verrate ich nicht. Denn: Man liebt seine Erkenntniss nicht genug mehr, sobald man sie mittheilt. Sagt Nietzsche. Ich sage bis bald!
Auf bald, Martin
Neue Saison, neue (und gleiche) Liga, aber altes Prinzip. Auch in
dieser Saison heißt es: Auf schillernde Juwelen kann man von vielen
Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für
seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog
dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit
Beginn der Saison 06/07 kommt es zum SEITENwechsel:
SEITENWAHL und VfLog pflegen einen Briefwechsel, in dem alles möglich
ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte
reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de
künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite
veröffentlicht. Auch in der neuen Saison - wenn nicht jetzt, wann dann?
- werden der VfLog und SEITENWAHL die Lage der VfLs aus ganz
persönlicher Sicht kommentieren.
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