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Geschrieben von Christian Dülpers
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Donnerstag, 20 Dezember 2007 |
Der Sportteil war ja bekanntlich gestern. Als man
noch Zeitungen gelesen hat. Da hatte ich im Büro die Rheinische Post dabei, und
wenn kurz nach dem Kaffee der Darm zu zwicken begann, faltete ich die
Borussia-Seite zusammen, steckte sie sich unbemerkt vom Chef in die hintere
Hosentasche, und verbrachte fünf herrliche Minuten auf dem Klo.
So war das früher. Heute muss man entweder das Laptop mit auf das stille
Örtchen nehmen (zu auffällig) oder sich die Online-Artikel ausdrucken (schon besser).
Solange man sich mit den Vor- und Nachberichten der lokalen Presse zufrieden
gibt, klappt das genauso gut wie ehedem. Doch leider bin ich anspruchsvoll
geworden. Ich will Seitenwahl. Ich will am Freitag Vorschau auf Offensive,
Defensive, Schiedsrichter. Ich will montags minutiöse Spielanalyse. Schwer
genug, die 15 DIN-A4-Seiten, die der Drucker jedes Mal auswirft, akkurat zu
falten, so dass sie in den Hosenbund passen ohne dass ich Atemnot bekomme.
Schlimmer: Meine Kollegen bemitleiden mich mittlerweile ob meines Reizdarms.
Denn wer regelmäßig 20 Minuten auf dem Lokus verbringt, der kann nicht gesund
sein.
Ich danke Seitenwahl aber nicht nur für die besten 40 Minuten des Arbeitswoche.
Ich danke Seitenwahl auch dafür, dass sie dem Leser Muße zutrauen und auch von
ihm fordern. Dass sie mehr wollen als wöchentlich Klischees aufzuwärmen. Dass
sie das, was sie selbst sonst nirgendwo finden, einfach selber machen.
Seitenwahl ist ein Leuchtturm der Detailverliebtheit. So strahlend, dass selbst
der die Ausführlichkeit schätzende Leser an einigen Stellen auf die Probe
gestellt wird. Bei der alljährlichen Vorstellung der Neuzugänge insbesondere.
Da erfährt man nicht nur die harten Fakten der bisherigen Profi-Karriere, nein.
Sharbel Toumas Portrait zum Beispiel umfasst auch den Exodus seiner Familie,
ein Kurzabriss der Fußballerkarriere seiner Schwester, ein die Historie seiner
Konfession in Kurzform, seine Stationen als Jugendspieler sowie genauere
Details aus seiner Krankenakte.
Wie die Autoren all diese Fakten zusammentragen soll ihr Geheimnis bleiben. Ich
möchte es gar nicht wissen, ich staune lieber immer wieder aufs Neue. Ebenso
wie ich über einen der bisherigen Höhepunkte des Seitenwahl-Schaffens gestaunt
habe, die Vorschau auf die Zweitliga-Saison. Dies war genau das, was ich lesen
wollte. Als wäre es nur für mich geschrieben. Immer noch liegen die
ausgedruckten Mannschaftsportraits neben meinem Schreibtisch, so dass ich stets
den aktuellen Gegner aufs Genaueste studieren kann.
Es war auch der Beweis dafür, dass nach zehn Jahren die Luft noch lange nicht
raus ist, sondern im Gegenteil, dass die Nische für eine solche redaktionelle
Leistung immer größer wird und mit weiterhin steigendem Elan bedient werden
kann. Ich hoffe für Seitenwahl, für mich und für alle anderen Leser, dass es
weiter geht. Mindestens solange, bis noch einmal die Gelegenheit für Neues
kommt: Für Europacup-Vorberichte.
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Christian Dülpers
www.bolzplatz-blog.de
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