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Herzlichen Glückwunsch Drucken
Geschrieben von Axel Post   
Donnerstag, 20 Dezember 2007
Liebe Seitenwähler,

ich grüße Euch aus der Schweiz und gratuliere ganz herzlich zu Eurem Jubiläum.

10 Jahre SEITENWAHL, ein Urgestein kommt in die Jahre, und auf den ersten Blick ist man geneigt zu sagen: Man sieht's. Keine Spur von Web 2.0, kaum Social-Networking-Features, keine Location-based-Services, nichts. Warum kann ich kein Photo uploaden und morphen, warum gibt's keine eCards, und keine Games? Eine Website ohne Viererkette - eher eine mit Libero.

Seitenwahl.de besteht aus einer Horde selbsternannter (<- perfides Beleidigungswort;-)) Journalisten und Fussballkenner, die offenbar nichts Besseres zu tun haben, als die seltsamen Gedanken, die sie angesichts eines Fussballspiels beschleichen, in sperrige, kantige und ausufernde Schachtelsätze zu packen, bei deren Lektüre mich spätestens im Absatz 26 namens „Borussias Defensive" das dumpfe Neidgefühl beschleicht: Verdammte Scheisse, meine Lebenszeit ist begrenzt, und die der Autoren offenbar nicht.

Wie wichtig aber genau diese klare Absage an die vermeintlichen Regeln des digitalen Journalismus ist, zeigt der unkorrumpierbare Online-Dino namens Seitenwahl.de jede Woche aufs Neue. Ich habe lange geahnt, wie wichtig dieses Online-Angebot für mich und mein bescheidenes Fan-Leben ist, so richtig am eigenen Leib habe ich es aber erst erfahren, als ich das Land verlassen habe. Seit ich im Ausland lebe - nun gut: Bern ist nicht gerade Burkina Faso - hat die Site eine immens wichtige Funktion übernommen. Zwar überträgt das praktische Bezahlfernsehen jedes Spiel für einen schlappen Franken, so dass ich kaum eine Minute verpasst habe, nur - die allermeisten Minuten der letzten Spielzeit habe ich schlicht nicht kapiert. Super, dass ihr mir Montags immer alles genau erklärt habt.

Im hektischen Büroalltag ist der Besuch von Seitenwahl.de für mich ein bisschen wie Kurzurlaub. Klingt vielleicht spöttisch, ist aber aufrichtig und ernst gemeint. Einfach mal den Büroschmutz zur Seite schieben, und sich ein Viertelstündchen mit etwas Wichtigem befassen. Das hilft.

Der Seitenwahl-Vorbericht ist übrigens zur obligatorischen Hausaufgabe geworden und in besonderem Maße unverzichtbar, wenn man zu einem Auswärtsspiel ins Heimatland reist, so wie ich zuletzt nach Freiburg. Man erwirbt damit die Lizenz zu tollem Sonderspaß im Freiburger Sitzplatzblock. Das weinerlich verzagte Jammern der Germanistik-Dozenten kann dank frisch erworbenen Seitenwahl-Wissen bestens mit einem lockeren: Doppelsechs -Setzen! gekontert werden. A propos Kontern: Geil, dass Jos Luhukay bei Bedarf mit der Tastenkombination Ctrl+C, Ctrl+V, ein Tor einfach mal kopieren, und bei Bedarf wieder einfügen kann. Das gibt Sicherheit.

Übrigens: Eines Tages traf ich Euch - Michael, Mike und Joachim - am Rande einer Veranstaltung im Borussia-Park und erkundigte mich nach Hans-Jürgen Görler. Keiner von Euch hatte Görler jemals live gesehen. Man würde ausschließlich per Mail kommunizieren, hieß es. Joachim Schwerin glaubte zwar, er habe mal mit Görler telefoniert, dachte aber, das könne auch ein Traum gewesen sein. Ist Görler also so etwas wie der Thomas Pynchon des Sportjournalismus? Ein Phantom? Erlaubt mir bitte zwei Theorien:

1. Nicht Netzer, nicht Weisweiler und nicht Karheinz Drygalski sind es. Hans-Jürgen Görler ist der Mythos: Bei einer Mitgliederversammlung in den frühen 60'ern hat ein unscheinbarer Mann in der letzten Reihe etwas von Fohlenelf gemurmelt und ist dann schüchtern verschwunden, so dass nie jemand seine Erfindung würdigen konnte. Aus Verbitterung hat er Mitte der Neunziger die neuen Technologien genutzt, um sich wenigstens ein elektronisches Denkmal zu setzen.

2. Hans-Jürgen Görler ist einer der ersten Internet-Milliardäre, der in den Goldgräber-Zeiten des Netzes eine Reihe prosperierender Erotik-Angebote unterhielt. In der Szene nannte man ihn daher „the Girler". Als er unliebsame Bekanntschaft mit kirchennahen und prüden Rechtskonservativen machte, ging er in der Untergrund, erfand Seitenwahl.de und dachte leise: „Jetzt zeige ich Euch, was Religion ist".

So Jungs, mehr als 4000 Zeichen - mehr schaffe ich beim besten Willen nicht. Ich freue mich mit Euch und verleihe Euch einen virtuellen Online-Grimme, zwei Bambis und für den „Girler" zwei Bunnies. Weiter so!

Euer

Axel Post
www.footage-magazin.de