|
|
Home Freie Autoren Herbstmeisterschaften und die folgende Rückrunde
|
Herbstmeisterschaften und die folgende Rückrunde |
|
|
Geschrieben von Thomas Häcki
|
|
Mittwoch, 09 Januar 2008 |
Auf beeindruckende Weise hat Borussia in der Vorrunde die Liga dominiert und die Herbstmeisterschaft errungen. Die meisten Siege, die meisten Tore, die zweitwenigsten Gegentreffer, die beste Auswärtsmannschaft, 5 Punkte Vorsprung auf den Zweiten und 6 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz. Manch ein schlauer Zeitgenosse, der hinkende Vergleiche nicht fürchtet, sieht uns sogar nach Bayern und Bremen als dritterfolgreichste Mannschaft der Hinrunde.
In all dieser Euphorie steht es für viele außer Frage, dass sie aufsteigen wird. Auch wenn gerade erst die Hälfte der Spiele getätigt wurde, kann sich der ein oder andere Journalist die Frage nicht verkneifen, wer denn „diese Borussia" noch stoppen will und „zu wie viel Prozent das denn nun der Aufstieg war". Und welcher Fan möchte bei soviel verbreitetem Optimismus noch zweifeln?
Doch wie sieht es wirklich aus? Was ist ein Herbstmeistertitel wert? Sind wir wirklich kaum noch zu stoppen auf dem Weg zum Zweitliga-Meister oder ist in Wirklichkeit noch gar nichts gewonnen? Ein Blick in die Vergangenheit soll Licht ins Dunkel bringen. Die gute Nachricht vorneweg: Wer zur Halbzeit auf dem Spitzenplatz stand, hatte eine gute Chance, am Ende auch aufzusteigen. Die schlechte: Nur zwei Teams schafften es, das Ergebnis der Hinrunde zu bestätigen; doch der Reihe nach:
Wir schreiben das Jahr 1991. Deutschland ist wiedervereint und träumt von blühenden Landschaften. Zum ersten Mal spielen Ost- und Westclubs in einem nationalen Wettbewerb und die 2. Bundesliga ist kurzfristig zweigeteilt. Insofern gibt es im Winter '91 auch zwei Herbstmeister. Die Finke-Truppe aus Freiburg im Süden und Bayer Uerdingen im Norden. Da am Ende nur zwei Mannschaften aufsteigen werden, ist der Aufstieg gleichbedeutend mit der Ligameisterschaft. Uerdingen schaffte es, Freiburg wird noch vom 1.FC Saarbrücken abgefangen und ist am Ende Dritter.
In den folgenden beiden Jahren wird der Wert der Herbstmeisterschaft auf imponierende Weise bestätigt. In der nun wieder eingleisigen Liga belegen sowohl Freiburg, als auch im Jahr darauf Bochum nach der Herbstmeisterschaft in der Endabrechnung den ersten Platz. Doch bereits im Jahr darauf kommt es zum ersten Wehrmutstropfen. Der VfL Wolfsburg stürmt erfolglos ins DFB-Pokalfinale gegen unsere Borussia, und verpasst nach seiner Herbstmeisterschaft und 3 Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz als Vierter den Aufstieg. Es sollte noch 2 Jahre dauern, bis die VW-Städter die Aufnahme in die höchste deutsche Liga erreichen sollten. In diesen beiden Jahren schafften es mit dem VfL Bochum und dem 1.FC Kaiserslautern wieder zwei Vereine nach der Herbstmeisterschaft auch am Saisonende als Klassenprimus dazustehen. Erwähnenswert ist hierbei besonders der Pfälzer Klub, da er nach einer guten Hinrunde eine noch bessere Rückrunde hinlegte und am Ende souverän aufstieg.
Im darauf folgenden Jahr konnte der Herbstmeister Freiburg 6 Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz verbuchen. 26 Punkte in der Rückrunde kosteten am Ende Platz 1, ließen die Breisgauer aber mehr oder weniger souverän als zweiter aufsteigen. Dramatischer wurde es im Jahr darauf. Der SSV Ulm sicherte sich zur Halbzeit hauchdünn den ersten Platz mit nur 2 Pünktchen Vorsprung auf einen Aufstiegsplatz. Am Ende sollte es für den dritten Platz reichen, doch mussten die Ulmer buchstäblich bis zur letzten Sekunde zittern und profitierten vom Unterhachinger Ausgleichstreffer gegen Karlsruhe 11 Minuten vor Schluss durch den Albaner Altin Rraklli, der den Badensern den Gang ins Oberhaus verwehrte. Zu diesem Zeitpunkt hätte kaum jemand in Ulm ahnen können, das dies nun der Anfang einer sehr langen Leidenzeit werden würde. Und auch für Karlsruhe endete die nächste Saison mit dem gang in die Drittklassigkeit.
Die Saison 99/00 war dann auch die erste Zweitliga-Saison unserer Borussia. Während sich Gladbach erst noch in der neuen Spielklasse zurechtfinden und einen radikalen Umbruch verkraften musste, stand diese Saison ganz eindeutig im Glanz des Rivalen aus der Domstadt. In der bisher souveränsten Hinrunde seit der Wiedervereinigung dominierte der 1 FC Köln die Konkurrenz und konnte nach 17 Spielen 40 Punkte auf seinem Konto verbuchen sowie einen Vorsprung von 13! Punkten auf einen Nichtaufstiegsplatz. Trotz verhältnismäßig mageren 25 Punkten in der Rückrunde sollte dies auch in der Endabrechnung zu einem ersten Platz reichen. Ähnlich dominierend präsentierte sich im Jahr darauf der 1 FC Nürnberg, der mit 39 Punkten und 11 Punkten Vorsprung (davon 9 Punkte auf den Zweiten) Herbstmeister wurde und seinen ersten Platz auch bis Saisonende hielt. Daran konnte auch eine wiedererstarkte Borussia als Zweiter nichts ändern.
In der Saison 01/02 schien sich diese Geschichte zum dritten Mal in Folge zu wiederholen. Diesmal dominierte der FSV Mainz die Zweite Liga. 39 Punkte hatte man zur Saisonhälfte auf seinem Konto, dazu 10 (!) Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz und sogar 12 Punkte auf den späteren Aufsteiger VfL Bochum. Ein Polster also, welches noch komfortabler war, als das unserer Borussia heute. Es sollte Mainz gelingen, dieses Polster in der Rückrunde fast komplett aufzubrauchen und so reiste man am 34. Spieltag noch als Tabellenzweiter (!) nach Berlin, mit 2 Punkten Abstand und einem besseren Torverhältnis auf Arminia Bielefeld und den VfL Bochum. Während Bielefeld zu Hause gegen Ahlen und Bochum in Aachen jeweils relativ locker 3:1 gewannen, versagten den Mainzern die Nerven. Bis 7 Minuten vor Schluss wähnte man sich beim Stande von 1:1 noch in der Bundesliga, ehe Union Berlin mit 2 Treffern den Mainzern Aufstiegsträume einen Knockout versetzte. Mit 64 Punkten schaffte es Mainz nicht aufzusteigen.
Ein Jahr später war der 1. FC Köln wieder zu Gast in der zweiten Liga, doch ließ man bereits in der Hinrunde keinen Zweifel daran, dass man dieses Gastspiel als Betriebsunfall erachtete. Wieder 39 Punkte zur Halbzeit und 9 Punkte auf einen Nichtaufstiegsplatz reichten schließlich, um ungefährdet aufzusteigen, wenn auch als Zweiter. Mit den bisher wenigsten Punkten, die zu einer Herbstmeisterschaft reichten, nahm ein Jahr darauf Alemannia Aachen diese in Empfang. Doch die 31 Punkte reichten bei weiten nicht aus, um ein sicheres Polster zu gewährleisten und so schlossen die Printen-Städter die Saison als Sechster ab. Das bisher schlechteste Ergebnis für einen Herbstmeister. Zwei Jahre später sollte man es besser machen. Zwar wurde man mit dem zweitschlechtesten Punktestand (32) Herbstmeister, doch eine noch bessere Rückrunde sicherte Aachen als Tabellenzweiter nach 36 Jahren wieder einen Platz im Oberhaus. In der Zwischenzeit hatte der MSV Duisburg ganz unspektakulär seine Herbstmeisterschaft 04/05 mit dem zweiten Platz und dem damit verbundenen Aufstieg gekrönt.
In der Saison 06/07 dominierte für die Fachwelt etwas überraschend der Karlsruher SC die Geschicke der Liga 2. Mit schon 8 Punkten Vorsprung ließen sich die Karlsruher den Aufstieg diesmal nicht nehmen und beendeten die Saison souverän als erste.
Wer also Herbstmeister ist, hat eine gute Chance auf einen Platz im Oberhaus. Von den letzten 17 Herbstmeistern schafften 13 am Ende den Klassensprung, 8 beendeten die Saison sogar als Erster. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass bis auf den 1 FC Kaiserslautern 96/97 und Alemannia Aachen 05/06 kein Herbstmeister die Rückrunde genauso stark gestalten konnte wie die Hinrunde. Nimmt man das Beispiel Mainz aus, so haben 36 Punkte als Herbstmeister bisher immer für den Aufstieg gereicht. Doch hier steckt die Gefahr: 27 Punkte erreichten die Herbstmeister durchschnittlich in der Rückrunde. Folgen wir diesem Schnitt ergeben sich am Ende 63 Punkte und somit eine Punktzahl die unter der geforderten „sicheren" 65 liegt. Somit ist ein Anfang gemacht, nicht mehr - aber auch nicht weniger!
|
|