Oft gilt eine misslungene Generalprobe als gutes Omen, wenn es kurz danach um Punkte und Tabellenplätze geht. Dies und die Erinnerung an die Rückrundenvorbereitung der vergangenen Saison sollten Optimisten auch bemühen, wollten sie frohen Mutes auf den Rückrundenbeginn in der kommenden Woche gegen den 1. FC Kaiserslautern blicken. Nach dem verdienten 1:3 beim Regionalligisten Fortuna Düsseldorf bleiben für Trainer Jos Luhukay weitere Fragen offen und noch einiges an Arbeit zu tun. Empfehlen konnte sich am heutigen Samstag keiner der Akteure, der klassentiefere Konkurrent aus der Landeshauptstadt war der Borussia vor allem in den Bereichen Biss, Zweikampfverhalten und Motivation überlegen.
Für den Gastgeber war die Partie gegen den Nachbarn aus Mönchengladbach eine weitere Gelegenheit, die erlebnisreiche und erfolgreiche Woche fortzuführen. Nach dem Sieg beim Wintercup am vergangenen Wochenende, bei dem die Fortunen mit Siegen gegen Werder Bremen und Borussia Dortmund überzeugen konnten, gelang beim knappen 2:3 gegen den FC Bayern unter der Woche ein weiterer Achtungserfolg. Dementsprechend motiviert ging Düsseldorf in die heutige Partie.
Auf Gladbacher Seite waren keine großen Überraschungen in der ersten Elf auszumachen. Bedingt durch das Fehlen Roul Brouwers und Steve Gohouris begannen Filip Daems und Sebastian Svard in der Innenverteidigung. Patrick Paauwe agierte auf seiner Stammposition im defensiven Mittelfeld, das durch die weiteren Stammkräfte Rösler, Ndjeng und Coulibaly komplettiert wurde. Nando Rafael stürmte an der Seite von Oliver Neuville, da Roberto Colautti verletzt ist und Rob Friend, gleichwohl gesund, für das Spiel gegen Kaiserslautern aufgrund seiner gelb-roten Karte vom Spiel gegen Paderborn ohnehin gesperrt sein wird.
Borussia bestimmte die ersten Spielminuten, Fortuna stand recht defensiv und war um Ordnung bemüht. Nach fünf Minuten prüfte Sascha Rösler nach schöner Einzelleistung Borussias ehemaligen Torwart Michael Melka mit einem Schlenzer, den Melka mit guter Flugeinlage aus dem Winkel fischen konnte. In der 18. Spielminute ließ Nando Rafael dann eine hochkarätige Torchance ungenutzt, als er aus wenigen Metern und mit einem bereits geschlagenen Torhüter Melka das leere Tor verfehlte. Coulibaly hatte aus linker Position abgezogen, der Ball schlug an den rechten Innenpfosten von dort zurück zum völlig freistehenden Rafael. Eine Führung in dieser Phase wäre wichtig und rückblickend womöglich spielentscheidend gewesen, denn in diesen Minuten wurde der Gastgeber aus Düsseldorf mutiger. Immer angetrieben vom stark aufspielenden Markus Anfang erarbeiteten sich die Fortunen ein spielerisches und vor allem kämpferisches Übergewicht, das in der 23. Minute im ersten Tor mündete. Filip Daems gewann ein Laufduell gegen einen Düsseldorfer Stürmer, spitzelte den Ball allerdings so unglücklich zu Christofer Heimeroth zurück, dass dieser auf den falschen Fuß erwischt wurde und der nachgerückte Andreas Lambertz nur noch ins leere Tor einschieben musste.
Das Tor gab dem Regionalligisten die Sicherheit, an die sehr guten Leistungen der vergangenen Tage anzuknüpfen. Borussia wirkte in dieser Phase oft unkonzentriert und bisweilen uninspiriert. Der Ball lief in der eigenen Abwehrreihe flüssig, doch war dies mehr den mangelnden Anspielstationen im Mittelfeld zu schulden. Coulibaly, Rösler und Ndjeng waren von der Düsseldorfer Defensive gut abgeschirmt und auch die Spitzen Neuville und Rafael konnten keine gefährlichen Aktionen kreieren. So plätscherte die insgesamt schwache Partie weiter vor sich hin. Fortuna hatte keine Mühe, das Spiel und die eigene Führung zu kontrollieren und zu verwalten.
Zur Halbzeit wechselte Jos Luhukay auf zwei Positionen. Für Sebastian Svard kam Schachten in die Partie und auf die gleiche Position in der Innenverteidigung. Patrick Paauwe wurde ebenso in die Viererkette zurückgezogen, für Filip Daems kam Eugen Polanski ins Spiel, der fortan auf der „6" spielte. In den ersten Minuten schien der Gast aus Mönchengladbach das stärkere Team, allen voran Eugen Polanski agierte auffällig. Große Chancen wurden indes nicht erspielt. So war es erneut an der Fortuna, zur richtigen Zeit einen Nadelstich zu setzen. Nach einem unnötigen Ballverlust des inzwischen für Tobias Levels ins Spiel gekommenden Kasper Bögelund fuhr Fortuna einen Konter, in dessen Verlauf Heidinger an den Ball kam. Sebastian Schachten schaute brav zu, Heidinger zog aus halbrechter Position trocken ab und der Ball schlug zum 2:0 ins lange Eck ein (62.). Kurze Zeit später vergab erneut Nando Rafael eine sehr gute Gelegenheit, als er sich nach eigentlich schöner Einzelleistung durchsetzte, frei vor dem Düsseldorfer Tor auftauchte, doch sich unverständlicherweise für ein Abspiel entschied, statt selber den Torerfolg zu suchen. Insgesamt bot er auch heute wenige Gründe, noch viele Hoffnungen auf einen Durchbruch zu hegen. Er ist bemüht, er läuft viel, doch er agiert einfach zu unglücklich.
Borussias Wille schien nach dem zweiten Gegentreffer gebrochen, das Düsseldorfer Publikum feierte bereits einen weiteren Erfolg über einen rheinischen Rivalen (der 1. FC Köln hatte an gleicher Stelle vor wenigen Wochen bereits ein Testspiel mit 2:3 verloren). Luhukay wechselte, für ein Testspiel typisch, weiter munter durch. Sharbel Touma, Marko Marin, Moses Lamidi und Rob Friend standen inzwischen auf dem Feld. Nur wenige Minuten nach der Einwechslung des Kanadiers Friend fiel überraschend der Anschlusstreffer (80.). Eine Ecke durch Marko Marin fand im Strafraum den Kopf von Rob Friend, oder den von Sebastian Schachten, so einfach war die Situation im ersten Moment für keinen Beteiligten auszumachen. Da beide nach dem Spiel einen Ballkontakt festgestellt haben wollten, rechnen wir das Tor aus psychologischer Sicht Schachten zu. Nach dem überraschenden Anschlusstreffer kam für einige Minuten so etwas wie Spannung auf, Borussia entwickelte in dieser Phase zum ersten Mal Biss und verlieh ihren Aktionen den nötigen Nachdruck. Doch Fortuna hatte am heutigen Tag immer eine Antwort parat, und das immer zur richtigen Zeit. Wieder war es ein Konter, der zum Endstand führte. Sebastian Schachten verlor den entscheidenden Zweikampf auf der Abwehrseite, die Flanke nutzte Costa am langen Pfosten zum 3:1 (86.)
Was bleibt nach diesem Spiel? - In einer insgesamt schwachen Mannschaftsleistung agierten lediglich Patrick Paauwe und mit Abstrichen Sascha Rösler auf normalem Niveau.
Jos Luhukay war nach der Partie dann auch sichtlich angefressen, wollte sich seinen Frust jedoch nicht anmerken lassen. Auffällig schmallippig beantwortete er die Fragen nach Aufstellung und taktischen Varianten für das Spiel gegen die Pfälzer am Freitag. Zu verdenken war es ihm nicht, denn ein Taktiker wie Luhukay glaubt weniger an gute Omen denn an elementare Dinge eines Fußballspiels. Dinge, von denen heute viele nicht vorhanden waren.
Borussia: Heimeroth - Levels (58. Bøgelund), Svärd (46. Schachten), Daems (46. Polanski), Voigt - Paauwe - Ndjeng (58. Touma), Rösler, Coulibaly (69. Marin) - Rafael (79. Lamidi), Neuville (79. Friend)
Tore: 1:0 Lambertz (17.), 2:0 Heidinger (62.), 2:1 Schachten (80.), 3:1 Costa (86.)
Zuschauer: 3.310
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