|
|
Home 2007/08 19, A, BL, Hoffenheim
|
Vorbericht, 19. Spieltag: TSG Hoffenheim 1899 |
|
|
Geschrieben von seitenwahl.de
|
|
Donnerstag, 07 Februar 2008 |
„Kalt duschen", das ist gern dann ein gut gemeinter Rat,
wenn Gemüter heiß laufen und es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren. Ein Ernst
Middendorp ließ für Bielefeld im Sommertrainingslager allerdings nicht deswegen
die Kaltwannen auspacken und auch die Duschtemperatur im Stadion an der
Hennes-Weisweiler-Allee war am Karnevalsfreitag nach dem 1:1 gegen
Kaiserslautern nicht außergewöhnlich niedrig. Trotzdem interpretierten einige
den späten Ausgleichstreffer der Pfälzer durchaus als Aufforderung zur
Unmutsbekundung und weil dem so war, wurde „bei regulierter Temperatur duschen"
kurzfristig durchaus nützlich.
Borussias Defensive
In dem für flache Sprüche ebenso wie für hohen
Alkoholumsatz gleichermaßen bekannten Sonntagsstammtisch eines für
Montagsspiele und breitflächig sinnentleerte (Sport-)Rätsel berüchtigten
Privatsenders gelangte einst Dr. Robert Wieschemann zu seltsamer Berühmtheit.
Der Kaiserslauterer bekannt dort, einen Mangel an Durchblick zu besitzen und
sah sich in den an die Sendung anschließenden Tagen allerlei Spott ausgesetzt.
Beißend war dieser. Da fiel jene Kritik, mit der manche Borussenanhänger im
Verlauf der Hinrunde Torwart Christofer Heimeroth bedachten, noch relativ
niedlich aus. Heimeroth hatte in Ermangelung von Beschäftigung hinter einer der
stärksten Abwehrreihen der Liga lediglich den Preis dafür bezahlt, dass er in
den einzelnen Spielverläufen weniger deutlich zu Paraden gekommen war. Dass das
ausreichte, ihn als schwächsten Punkt in der Borussenelf zu brandmarken, mag
aufgrund des durchschnittlich hohen Niveaus der Elf in der Vorrunde noch
irgendwie erklärbar sein. Er hatte tatsächlich zuletzt keinen „Unhaltbaren"
mehr gehalten, weil der Anteil solcher Bälle im Positivlauf des Herbstes so
gering ausfiel.
Nun hat er gegen Kaiserslautern einen solchen pariert, als
er eine entblößte Borussia gegen Bellighausens Tempogegenstoß vor einem
Gegentreffer bewahrte - nun wäre zu wünschen, dass das Defizit an Durchblick,
dass manchen Borussenfreund bezüglich Heimeroths befallen hatte, wieder der
Erkenntnis gewichen ist, dass Heimeroth ein ordentlicher wie auch
unterstützenswerter Torwart ist.
Noch ein Stück besser als Heimeroth war gegen
Kaiserslautern Winterneuzugang Thomas Kleine, der in der Viererabwehrreihe der
Borussia eine astreine Leistung bot und obendrein nahezu kein Kopfballduell
verlor. Bemerkenswert für jemand, dessen Einspielphase sich im Vorfeld auf vier
Trainingstage beschränkte. Und Grund genug ihn auch in dieser Partie neben
Filip Daems aufzubieten. Ergänzt wird der eingespielte Teil der
Borussendefensive um die Außenverteidiger Tobias Levels (rechts) und Alexander
Voigt (links), die gegen Kaiserslautern ihre Positionen durchaus auch ein Stück
tiefer hätten interpretieren dürfen. Keine Frage gibt es bei der Borussia
bezüglich Patrick Paauwe, einen der Köpfe dieser Elf, der die Spitze der
primären Abwehrformation schon im Mittelfeld beginnen lässt.
Borussias Offensive
Die einschneidendste Veränderung betrifft vor allem den
Angriff, hier ist Rob Friend nach seiner im Überschwang einer Führung gegen den
SC Paderborn saublöd eingeheimsten Spielsperre wieder spielberechtigt und darf
sich nach der verstrichenen Startelfgelegenheit von Nando Rafael als der
erwählte Partner von Mannschaftskapitän Oliver Neuville sehen. Der
Borussenangriff wird damit nach anderthalb Spielen wieder die erfolgreichen
Züge der vergangenen Hinrunde tragen, verbunden mit der Hoffnung, dass auch
Neuville an der Seite Friends ein besseres Spiel gelingt, als dies der bemühte
Rafael mitsamt dem leider verhinderten Nationalspieler noch gegen
Kaiserslautern bot.
Aber auch in dieser Woche ist die Borussia von einer
Spielsperre betroffen. Schiedsrichter Aytekin verteilte am vergangenen Spieltag
nicht nur die zwei Roten Karten gegen die Gäste aus der Pfalz, er bedachte auch
Sascha Rösler mit der für den ehemaligen Aachener folgenreichen fünften Gelben
Karte der laufenden Runde. Während sich Rösler das Match gegen seinen
Beinahe-Arbeitgeber (ja, er hätte im letzten Sommer auch ...) also von Draußen
beguckt, wird Jos Luhukay eine zweite Veränderung in der Startaufstellung im
Vergleich zur Vorwoche in jedem Fall vornehmen müssen. Hierfür stehen dank der
Saisonplanung mehrere Variationen zur Auswahl, einige in Abhängigkeit zu Luhukays
Entscheidung auf der linken Mittelfeldposition. Von dort könnte Soumaila
Coulibaly in das Zentrum vorrücken und Marko Marin den Platz einräumen. Es
könnte auch Sharbel Touma links für Coulibaly beginnen und Marin im offensiv im
Zentrum spielen, es könnte aber auch nur einer dieser drei Akteure beginnen.
Dann, wenn sich der Borussentrainer zentral für eine eher defensivere Variante
entscheidet und Eugen Polanski oder Sebastian Svärd aufbietet. Der eine
torgefährlicher und aggressiver, der andere souveräner und athletischer.
Insgesamt ist es eine Entscheidung, die Luhukay mit Sicherheit auch vor dem
Hintergrund der für das Borussenspiel nötigen Balance eben so oder so treffen
wird. Wobei stark davon ausgegangen werden kann, dass der seit einigen Wochen diplomierte
Fußballlehrer in einem Spiel gegen einen Konkurrenten wie Hoffenheim nicht den
brutalen Hasardeur in sich entdecken und bei der Entscheidung über die Vergabe
der beiden in Frage stehenden Startplätze ausschließlich offensiv aufstellen
wird.
Der Gegner aus Hoffenheim
Beachtliches geleistet zu haben, darauf beruft sich die
TSG Hoffenheim 1899 in beharrlicher Manier. In beharrlicher Manier erfolgt dann
meist der Tempogegenstoß, dass die Baden-Württemberger sich ihre Leistungen
durch Investitionen „erkauft" hätten. Aber immer wird dabei negiert, dass
sämtliche Leistungen im Profifußball schlussendlich mit Geld aufgewogen werden.
Ob in Hoffenheim, in München, in Mönchengladbach, Jena,
Aue oder Bremen. Überall paart sich sportliche Leistung irgendwann mit Geld,
ungeachtet von Umständen, die in Hoffenheim aufgrund des Dietmar Hopp natürlich
einen anderen Standard aufweisen als dies in der 2. Bundesliga und all den
vorherigen Ligen, in denen sich die TSG von 1899 seitdem aufhielt, generell der
Fall ist. Denn selbstverständlich macht das aufgewendete Geld im Endeffekt
einen Unterschied, wenn es etwa darum gehen wird die absolute und die relative
Leistung der vier Zweitligaaufsteiger dieser Saison zu bemessen - oder wer
zweifelt ernsthaft daran, dass Hoffenheims Aufwendungen in zweistelliger
Millionenhöhe die kaum 100.000 Euro großen Saisoninvestitionen des VfL
Osnabrück auch dann ausstechen müssen, wenn man den Begriff des „Projekts
Hoffenheim" vorrangig langfristig anlegt?
Es wäre also töricht die TSG von 1899 mit Klubs zu
vergleichen, deren Ausgangsvoraussetzungen für das erfolgreiche Abschneiden in
dieser Saison so kolossal anders sind. Daher war es ja im Hinspiel schwerlich
zu begreifen, dass sich beachtliche Teile der am Spiel interessierten Anhänger hatten
von dem eher spröden Namen des Vereins blenden lassen und der absurden Theorie
gefolgt waren, dass der „etatstarke Bundesligaabsteiger" Borussia den
„entzückend bemühten Aufsteiger mit dem komischen Namen" deutlich in die
Schranken weisen muss. Muss er eben nicht, denn schon damals wies die
vermeintlich „unerfahrene" Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick mit Spielern
wie Copado oder Nilsson genügend Profierfahrung und folgerichtige Routine auf;
ein Faktum, das seitdem mit Hilfe der Großzügigkeit von Mäzen Dietmar Hopp
weiter ausgebaut wurde und es aktuell erst recht nicht mehr davon die Rede sein
kann, dass sich hier zwei ohne Zweifel ambitionierte Konkurrenten nicht auf
Augenhöhe begegnen.
Dreimal beteiligte sich der Verein in der abgelaufenen
Transferperiode übrigens mit Neueinkäufen an dieser, einmal hatte man sich mit
der Borussia zu einigen. Marvin Compper folgten Ramazan Özcan, ein
Juniorennationaltorwart von Red Bull Salzburg und sein Landsmann und
A-Nationalspieler Andreas Ibertsberger vom SC Freiburg. Nach dem Hinrundenspiel
zwischen der Borussia und der TSG hatten die Baden-Württemberger ihre
Sommerneuzugänge um einige interessante Akteure aufgestockt, unter ihnen mit
Carlos Eduardo Marques ein viel und hochgelobtes Mittelfeldtalent von Gremio
Porto Alegres erster Mannschaft, dass in Südamerika über einen erstklassigen
Leumund verfügt und dort in Sphären gehandelt wird, in die selbst in Südamerika
nicht viele Fußballtalente vorstoßen. Folgerichtig, dass der
Juniorennationalspieler aus dem Land des Mehrfachweltmeisters eine beachtliche
Ablöse kostete, die im Endeffekt höher gewesen sein dürfte als jemals ein
anderer neuer Spieler in der 2. Fußball-Bundesliga.
Neben Carlos Eduardo rekrutierte man dessen Landsmann
Gustavo, einen Defensivspieler mit geringerem Leumund, und für den Sturm
erzielte man noch im August mit Excelsior Mouscron und dem FC Lyn Oslo Einigung
über zwei der besten Akteure dieser Vereine. Aus Belgien stieß daraufhin der
großgewachsene Senegalese Demba Ba zu der Elf aus dem Kraichgau, in Norwegen
eiste man den agilen Chinedu Ogbasi los, der gleich bei seinem Debüt für die
TSG zwei Treffer gegen den SC Freiburg erzielte und damit nicht nur die Form
unterstrich, die er in der Saison 2007 in der norwegischen Meisterschaft (11
Spiele, 5 Tore, 3 Vorlagen) bis dato an den Tag gelegt hatte, sondern auch
andeutete, weshalb wohl nur noch der erwähnte Carlos Eduardo Marques in der
Liste der teuersten Neuverpflichtungen aller deutschen Zweitligisten aller
Zeiten bis dato teurer gewesen sein dürfte.
Von Investitionen und Mäzenatentum abgesehen, es ist
natürlich eine beachtenswerte Entwicklung, die der Turn- und Sportgemeinschaft
aus dem Sinsheimer Stadtteil Hoffenheim da in den letzten Jahren sukzessive
gelungen ist. In rund 17 Jahren aus den ganz untersten Ligen in den
Profifußball, darauf darf man natürlich stolz sein im Kraichgau. Auch die
Jugendförderung, die der Verein betreibt, ist eine ausgezeichnete. Dass man die
meist nur an der Anzahl der für den Profifußball zur Verfügung gestellten
Akteuren misst, ist gewiss auch etwas zu penibel gedacht, ist doch die
Jugendförderung der Hoffenheimer nicht allein auf die so zu beziffernde
Produktion von Nachwuchskräften für den eigenen Klub ausgelegt. Aber natürlich
muss sich die TSG von 1899 auch jenen Stimmen (man denke an Christian Heidel
vom FSV Mainz 05) stellen, die ein Unbehagen dabei empfinden, wenn Investition
und Ertrag in einem Missverhältnis stehen, das in dieser Form nur durch das
finanzielle Engagement von Mäzenen auszugleichen ist. Es ist ja schließlich
wirklich keine Frage, dass der Klub in seiner jetzigen Statur Investitionen wie
etwa im Transferbereich in dieser Saison nur deswegen tätigen kann, weil er das
dafür benötigte Geld zur Verfügung gestellt bekommt.
Die Defensive der TSG von 1899
Rund anderthalb Jahre war der einstige
Juniorennationaltorwart Daniel Haas die Nummer 1 im Tor des Teams von Trainer
Rangnick, doch mit der Verpflichtung des österreichischen
Juniorennationaltorwarts Özcan hat sich die Hierarchie zwischen den Pfosten der
TSG verschoben. Sowohl beim Pokalerfolg gegen Bundesligist Hansa Rostock, als
auch beim Rückrundenstart gegen den SV Wehen in Wiesbaden, hütete der
Modellathlet aus dem Nachbarland das Gehäuse Hoffenheims. Der von mancher
Fachzeitschrift in der Hinrunde noch als einer der besten Torhüter der Liga
interpretierte Haas verbrachte hingegen die beiden Auftaktpartien in das
Kalenderjahr 2008 auf der Reservebank; im letzten Hinrundenspiel hatte sich der
einstmals aus Hannover ausgeliehene und dann fest verpflichtete mit einer
verletzten Schulter auswechseln lassen müssen und nach den Spielen mit Özcan im
Tor mutet es an, als sollte sich bis auf weiteres an dieser neuen Hierarchie
keine Veränderung ergeben.
In der zentralen Abwehr erhielten die Baden-Württemberger
durch die Verletzung von Stammverteidiger Per Nilsson, die jener sich während
des Pokalerfolgs über Rostock zuzog, eine Hiobsbotschaft übermittelt. Rund
sechs Wochen fällt der vor der Saison aus Norwegen verpflichtete Schwede aus.
Gesprengt war durch diese Verletzung schon im Spiel gegen Wehen die angedachte
Innenverteidigung mit Nilsson und Marvin Compper, die in der Vorbereitung gut
zu harmonieren schien und so dann auch in gegen Hansa Rostock beginnen durfte.
Als Reaktion auf die Verletzung Nilssons stellte Trainer Rangnick in der Partie
in Wiesbaden Matthias Jaissle von der Außenverteidigerposition neben Compper in
das Zentrum und bestückte die dadurch verwaiste rechte Außenverteidigerrolle
neu. Rangnick verwendete dort den einstigen A2-Nationalspieler Jochen Seitz,
der seine erfolgreiche Zeit in seiner Karriere als Offensivakteur in
Unterhaching und Stuttgart verbrachte, ehe er im Anschluss an einen Übertritt
zum FC Schalke 04 aus dem Gleichgewicht kam und dort, wie später in
Kaiserslautern, hinter den Erwartungen weit zurückblieb. Grundsätzlich könnte
sich Trainer Rangnick aber gegen die Borussia dazu entschließen, den vorzeitig
vom SC Freiburg geholten österreichischen Internationalen Andreas Ibertsberger
auf dieser Außenposition aufzubieten. Der beidfüßig agierende Ibertsberger, der
stets mit viel Laufarbeit Komponenten wie eine nicht immer akkurate gedankliche
Schnelle wettmachen muss, hatte sich erst unmittelbar vor dem Rückrundenstart
seinem neuen Verein angeschlossen und war von Rangnick deshalb gegen Wehen noch
nicht berücksichtigt worden. Als Alternativlösung könnte auch Christoph Janker,
wie in der Hinrundenpartie, rechts in der Abwehrreihe verteidigen.
Links in der Viererabwehr dürfte Zsolt Löw zu erwarten
sein, der jedoch optional auch zentral neben Marvin Compper verteidigen könnte
und seinen zwischenzeitlich verlorenen Stammplatz mittlerweile zurückerobert
hat. Links könnte indes auch der Brasilianer Luis Gustavo agieren, der dort in
der Hinrunde einige Male aufgelaufen ist, zuletzt jedoch aufgrund der
Knieverletzung des Isaac Vorsah, Stammkraft im Defensivverbund während der
Hinrunde, vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld benötigt wurde. Dorthin
könnte jedoch auch Selim Teber verschoben werden. Der einstmals torgefährliche
Offensivspieler hat sich zu einem auch defensiv verwendbaren Akteur
weiterbilden lassen. War er zum Ende des vergangenen Kalenderjahres noch am
Innenband verletzt, agierte er in den ersten beiden Auftritten der TSG in
diesem Jahr allerdings nicht stringent defensiv.
Die Offensive der TSG von 1899
Nicht nur in der Defensive (Nilsson) hat die TSG den
Ausfall eines Stammspielers zu beklagen. Der Außenbandriss, den sich Sejad
Salihovic gegen Wehen im Knie zugezogen hat, schwächt den Verein auch in der
Offensive. Mit acht Torvorlagen war der Nationalspieler Bosnien-Herzegowinas
ein Fixpunkt im Angriffsspiel des Klubs und konnte sich, nicht allein durch
seinen Treffer in der ersten Rückrundenpartie, dabei auch als Experte für die
so genannten „ruhenden Bälle", Freistöße etwa, in den Vordergrund hieven. Durch
sein Fehlen wird Rangnick dazu genötigt sein im Mittelfeld eine Umstellung
vorzunehmen und der frühere Trainer des FC Schalke 04 wird deshalb genau darauf
achten, ob der gern im Mittelfeld wirkende und aus dem Mittelfeld
torgefährliche Francisco Copado seine Oberschenkelprobleme, die ihn an der
Teilnahme in Wehen hinderten, überwinden hatte können. Der ehemalige
Unterhachinger, dessen Spielstil man je nach eigener Spielauffassung als listig
oder gar keck umschreiben darf, dürfte für die von Salihovic zwangsläufig
freigeräumte Stelle im Mittelfeld eine der ersten Alternativen darstellen;
dabei wäre dann denkbar, dass auch die Rolle des Carlos Eduardo Marques sich
verändern könnte.
Der teuerste Zweiligamann der Saison, das hoch gewettete
brasilianische Talent, hatte in der Hinrunde bereits Gelegenheit seine in
dieser Spielklasse sehr stark hervorstechenden Veranlagungen mit dem Ball am
Fuß zu beweisen, doch gegen Ende der Hinrunde hatte der gerade einmal
20-jährige auch Probleme mit der Leistungskonstanz. Etwas, dass sich natürlich
mit seinem jugendlichen Alter erläutern lässt. Wie bereits in der Vorrunde
könnte sich Carlos Eduardo bei einer Einbindung von Copado in die
Startformation links im Mittelfeld wiederfinden und dann aus einer etwas
tieferen Position heraus versuchen seiner Elf über Borussias rechte Abwehrseite
mit seinen beachtlichen technischen Ballfertigkeiten einige Vorteile zu
verschaffen. Tauscht Rangnick hingegen aus Trainingseindrücken heraus nur
positionsgenau und belässt es bei der rautenartigen Formation, die das
Mittelfeld gegen Wehen vorwies, so würde sich gewiss die Einbindung von Jochen
Seitz auf der Position Salihovics anbieten. Auf der anderen direkt
umschaltfähigen Mittelfeldposition zwischen defensiven und offensivem
Mittelfeld deutet sich nur dann eine Veränderung an, wenn Teber von Rangnick
für das defensive Mittelfeld auserkoren wird und dort anstelle (oder an der
Seite) Luis Gustavos auftauchen sollte.
Wesentlich deutlicher zeichnet sich die Besetzung der
Angriffsformation der Baden-Württemberger ab. Hier haben sich, vorbehaltlich
immer möglicher Blessuren, eigentlich der flinke Nigerianer Chinedu Ogbasi und
der hochaufgeschossene Senegalese Demba Ba als zueinander passende Akteure
erwiesen, die zusammen an mehr als der Hälfte der Torerfolge der TSG von 1899
beteiligt waren und damit jenen gewissen Wert für die Rangnicksche Auswahl
erlangt haben, nachdem Sturmalternative Vedad Ibisevic noch ringt. Der
letztjährige Torjäger der Aachener Alemannia hatte sich dann auch seinen
Übertritt vom Tivoli in den Kraichgau beizeiten anders vorgestellt, war er bei
der Alemannia unter Michael Frontzeck doch noch Stammakteur gewesen. Bei
Rangnick ist der (nur im übertragenen Sinne also) 1 Million Euro wiegende Sommerneuzugang
vorläufig nur Einwechselspieler oder, neudeutsch interpretiert, in einer
„Joker"-Funktion tätig; alle Nase lang bietet ihn Rangnick dennoch auch einmal
von Spielbeginn an auf, etwa wenn der beflissene Bosnier mit französischer
Klub-Vergangenheit in einer Trainingswoche ganz besonders gut trainiert hat und
der Trainer darob meint nicht anders zu können, als ihn - den 23-jährigen
Konkurrenten des Demba Ba - aufzustellen.
Schiedsrichter
Aus Diez im Rhein-Lahn-Kreis stammt der erst seit dieser Saison im Profibereich tätige Markus Wingenbach. Somit wird der 29-jährige Student nunmehr erstmals eine Partie der Borussia leiten und seine Auftritte im Profibereich damit auf fünf Einsätze steigern. Zuletzt betreute Wingenbach den 3:0-Erfolg des FC Augsburg über die SpVgg Greuther Fürth am 16. Spieltag und verwies dabei den Fürther Timo Achenbach des Feldes. Auch die TSG Hoffenheim 1899 hat der immerhin 1,94 Meter große Schiedsrichter vom VfL Altendietz, dessen stellvertretender Vorsitzender DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ist, in dieser Saison noch nicht betreut.
Bilanz
Einmal sind die beiden Mannschaften in ihrer bisherigen
Historie aufeinandergetroffen, am 2. Spieltag dieser Saison. Dementsprechend
ist jenes 0:0 im Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee das einzige Spiel, an
das an dieser Stelle erinnert werden kann. Zum Beispiel an die Anfangsphase,
die 15 richtig starke Minuten für die TSG Hoffenheim 1899 beinhaltete und
Christofer Heimeroth zu Glanzparaden herausforderte. Überhaupt gehörte die
erste Spielhälfte weitestgehend den Baden-Württembergern. Zum Beispiel jedoch auch
an die Schlussphase, die wie weite Teile der 2. Spielhälfte vor allem einmal
der Borussenmannschaft gehörte. Folgerichtig war das torlose Remis ohne Frage
leistungsgerecht. Ein Kuriosum am Rande: Weil Marvin Compper als
Einwechselspieler im Hinspiel für die Borussia neun Minuten am Ball gewesen
war, könnte der Neu-Hoffenheimer bei einem Einsatz im Rückspiel der einzige
Spieler werden, der (dann) in beiden bisherigen Partien zwischen Borussia und
Hoffenheim jeweils schon einmal in beider Vereine Trikot aufgelaufen ist.
Aufstellungen
Hoffenheim: Özcan - Ibertsberger, Jaissle,
Compper, Löw - Luis Gustavo - Teber, Carlos Eduardo, Seitz - Ba, Ogbuke.
Ersatz: Kirschbaum - Janker, Spilacek, St. Haas,
Ibisevic, Paljic, Copado.
Es fehlt: Bindnagel, M. Keller (beide am
Knöchel verletzt), Vorsah (Kreuzbandriss), Salihovic (Außenbandriss), Per
Nilsson (Innenbandverletzung).
Borussia: Heimeroth - Levels, Kleine, Daems, Voigt - Ndjeng,
Paauwe, Coulibaly, Marin (Touma) - Friend, Neuville.
Ersatz: Gospodarek - Bögelund, Svärd, Schachten, Polanski,
Baumjohann, Rafael, Lamidi.
Es fehlt: Brouwers (nicht spielfit),
Gohouri (Afrika-Pokal), Rösler (gesperrt), Fleßers, van den Bergh, Colautti
(jeweils Reha).
Schiedsrichter: Markus Wingenbach (Diez)
Assistenten: Michael Karle, Markus Sinn
SEITENWAHL-Meinung
Thomas Zocher: Es ist vorbei. Nach der
1:2-Niederlage bei der TSG von 1899 muss die Borussia ab dem Heimspiel gegen
den FSV Mainz 05 damit beginnen eine neue Siegesserie aufzustellen. Eine
Kalenderjahr bietet ja auch nicht nur strahlenden Sonnenschein, es besteht auch
aus nasskaltem Regenwetter mit zeitweiligen Graupelschauern. Dies einfach zu
akzeptieren und damit gleichwohl vernünftig umzugehen, das ist übrigens die
Aufgabe, die dieses Spiel an das vielleicht zuletzt schon zu eitel auftretende
Mönchengladbacher Zweitligapublikum stellt.
Hans-Jürgen Görler: Der Borussenmotor wird auch
gegen Hoffenheim weiter stottern. Wenn die anderen Klubs noch einmal für das
Team von Jos Luhukay spielen, wird das 0:1 zu verschmerzen sein. Dann geht es
aber wieder aufwärts.
Michael Heinen: Es wird nicht leicht in Hoffenheim, die nach ihren
Millionen-Transfers beinahe schon auf Augenhöhe mit uns agieren können. Aber
genau wie der SAP-Retortenklub tritt Borussia mittlerweile auswärts stärker auf
als daheim. Daher wird Borussia wieder einmal unter Beweis stellen, dass man
gegen stärkere Gegner souveräner agiert und die Partie mit 2:1 gewinnen.
Mike Lukanz: Ich weiß, man kann es mit dem
Pessimismus auch übertreiben. Und ja, man soll sich nicht von einem einzelnen
Spiel beeinflussen lassen. Dennoch, starke Zweifel sind angebracht, dass
Borussia in Hoffenheim ein Ausrufezeichen setzen kann. In der Hinrunde gelang
ihr das zweimal eindrucksvoll (Fürth & Freiburg), doch da waren die
Vorzeichen anders. Hoffenheim ist gut drauf, Borussia verunsichert. Sascha
Röslers Ausfall wiegt schwerer als die Rückkehr von Rob Friend. Borussia
verliert 1:2.
Christoph Clausen: In der Hinrunde hat das mit
dem Weckruf immerhin geklappt: Nach der desolaten Partie in Mainz startete die
Borussia bekanntlich jene Siegesserie, die sie an die Tabellenspitze
katapultieren sollte. Desolat präsentierte man sich letzten Freitag auch gegen
Kaiserslautern; diesmal aber wartet mit der Hoffenheimer Millionentruppe ein
ungleich stärkerer Gegner als damals Osnabrück. Den Optimismus, auf Sieg zu
tippen, bringe ich deshalb nicht auf. Immerhin erwarte ich eine deutlich
engagiertere Borussia, die am Ende ein 2:2 mit nach Hause nehmen könnte.
Christian Heimanns: Borussia scheint noch nicht in
bester Verfassung und die Hoffenheimer Spieler werden bestens motiviert sein,
den Tabellenführer (und Verein mit Fans und Geschichte) besiegen zu wollen. Das
sollte reichen um bei Borussias Spielern die notwendige Konzentration wieder
herauszuholen, an der es zuletzt gefehlt hat. Und dann reicht es auch zu einem
1:1.
Die TSG Hoffenheim 1899 im Internet:
http://www.tsg-hoffenheim.de
Der Gegner im SEITENWAHL-Zweitligacheck: TSG
Hoffenheim 1899
|
|