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Home Thomas Häcki Nach Ablauf einer Nacht
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Nach Ablauf einer Nacht |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Montag, 11 Februar 2008 |
Die Beschwerde ist bei der Bundeswehr durch eine zentrale Dienstvorschrift geregelt. Jeder Soldat hat das Recht, sich gegen Vorgesetzte, Maßnahmen oder Befehle zu beschweren. Allerdings, und das ist das Besondere, erst nach Ablauf einer Nacht. Der Dienstherr hat diese Einschränkung mit Bedacht gewählt. Im Wissen, dass viele Dinge nach ein paar Stunden Schlaf mitunter weniger dramatisch wirken, als es am Vortag noch den Anschein hatte. Die 2:4-Niederlage in Hoffenheim war in ihrer Ausprägung bitter, doch dass die zweite Niederlage früher oder später kommen musste, sollte jedem klar gewesen sein. Es gilt demnach, auch nach den ersten beiden Spielen der Rückrunde einen kühlen Kopf zu bewahren.
In Hoffenheim war es erneut die Folge einer an Arroganz grenzenden Lethargie, die Borussia einen Sieg verwehrt hat. Schon in der ersten Halbzeit war der Spitzenreiter nicht die bessere Mannschaft, erzielte aber - als einzige Parallele zur Vorrunde - zur richtigen Zeit die Tore. Die Auswärtsspiele in Koblenz oder auch in Freiburg verliefen ähnlich, auch dort war der Gastgeber jeweils aktiver, zumindest vordergründig. Allerdings, und hier hört die Parallele zur Vorrunde auf, agierte Borussia damals von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert. Das von Luhukay immer wieder betonte „dominante Spiel" war der Schlüssel zum Erfolg.
Die fehlende Konzentration, beziehungsweise das nicht mehr dominante Spiel der Borussen geht aber ebenso einher mit einem spielerischen Qualitätsverlust und der Formschwäche einzelner Akteure. Schon in der Hinrunde lebte Borussia vom Kollektiv und war auch deswegen erfolgreich, weil viele Einzelne ihren Teil zum Ganzen beitrugen. Die Tore von Friend, Neuville, Rösler oder auch Rafael, die Vorlagen von Ndjeng und Marin. Und heute? Marcel Ndjeng fehlte, Sascha Rösler ebenso. Das alleine wird das aktuelle Auftreten nicht begründen können.
Marko Marin glänzt zurzeit mehr mit übertriebener schauspielerischer denn fußballerischer Leistung. Es wird Zeit, dass er sich diese unsinnigen wie unsportlichen Aktionen schnell abgewöhnt. Vor allem, wenn er ansonsten fußballerisch wenig auffällt. Wenn man ihm aufgrund seines Alters - durchaus zurecht - eine lange Schonfrist gewährt, dann verwundert es dennoch, wie „erwachsen" er sich selbst nach harmlosen Fouls auf den Boden wälzt und schreit, als wären ihm alle Kreuzbänder gerissen.
Und Tobias Levels, Eugen Polanski und Alexander Voigt fallen mit ihrem recht eindimensionalen Spiel in der jetzigen Phase besonders auf. Kaum Impulse für das Offensivspiel, in der Defensive oft einen Schritt zu spät und mit vielen unnötig harten Fouls, die dem Gegner Standardsituation ermöglichen. Doch waren es schon in der Hinrunde nicht diese technisch wie spielerisch weniger begnadeten Spieler, die den Unterschied ausmachten. Sie taten ihren Job, weil die Schlüsselspieler wie Paauwe, Rösler, Ndjeng oder Neuville für die notwendige offensive Durchschlagskraft sorgten.
Wenn es einen Gewinner im heutigen Spiel gab, war es Rob Friend. Der Kanadier war der stärkste Mann auf dem Feld, konnte seine Physis immer wieder gut einsetzen und war der Einzige, der Torgefahr und Biss ausstrahlte. Dennoch ist das fast auf ihn zugeschnittene Spiel auch ein Beweis für die spielerische Armut, die Borussia zurzeit bietet. Nur lange, hohe Bälle auf Friend zu spielen, ist auf Dauer zu durchschaubar. Der Kader gibt in all seinen Facetten und seinen Talenten eigentlich ein anderes Spiel her.
So dramatisch, wie einige Fans die Lage kurz nach Abpfiff in die diversen Foren zeichneten, ist es allerdings nicht. Einige Siege der Hinrunde waren in ihrer Entstehung glücklich, heute hat man gegen einen motivierten und leistungswilligeren Gegner den Kürzeren gezogen. Auch Borussia wird wieder Spiele gewinnen, auch souverän gewinnen.
Dennoch, es steht eine ungemütliche Woche ins Haus. Das kommenden Spitzenspiel gegen Mainz 05 wird von der Presse zum ersten "Schicksalsspiel" erkoren werden, überzogene Schlagzeilen werden in den kommenden Tagen zu lesen sein. Die aktuelle Lage ist wenig erfreulich, keine Frage, und Jos Luhukay wird in den nächsten Tagen viel arbeiten müssen, um wieder das Kollektiv zu wecken, das in der Hinrunde so erfolgreich war. Doch Borussia ist nach wie vor Tabellenführer, hat nach wie vor das beste Team und es immer noch selber in der Hand, auch nach Ablauf einer Nacht.
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