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SEITENwechsel, der 52. |
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Geschrieben von Maik Gizinski
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Montag, 03 März 2008 |
Lieber Mike,
die Welt ist voll und ganz in Ordnung! Wann kann man das schon mal sagen? Aber es stimmt: Draußen ist es winterlich ungemütlich, kalt und stürmisch, beizeiten hagelt es sogar; die Borussia gewinnt wieder und lächelt der Bundesliga der Herzen trotz kurzzeitiger Schwächephase immer noch von ganz oben zu; und Osnabrück steht nach einer Niederlage gegen überlegene Hoffenheimer unten in der Tabelle, doch vor den Abstiegsrängen am rettenden Ufer. So soll es sein, so darf es bleiben.
Das schenkt uns Zeit und Gelegenheit, die weniger wichtigen Belange abzuarbeiten. Ende letzter Woche, es müsste Freitag gewesen sein, schicktest du eine SMS, du träfest dich am Abend mit jemandem zum Kaffeetrinken. Vielsagende drei Punkte sollten erahnen lassen, mit wem du dein Rendezvous hast - und klaro: Es wird sich um den 130-kg-Koloss aus der Kölner Südkurve gehandelt haben.
Ihr traft euch vermutlich zu dritt, zusammen mit einem externen Mediator, um Missverständnisse aus der Welt zu räumen und euch gegenseitig ein wenig anzunähern, damit so angsterfüllte Momente wie beim 1860-Spiel im Müngersdorfer Stadion künftig gar nicht erst entstehen. Man muss schon sagen: Diese Kölner sind feine Jungs. Oder andersrum: Mit dieser Betroffenheitsduselei ist es weit gekommen. Schließlich spielte der FC am selben Abend sein Auswärtsspiel in Fürth, da darf man kurz den Kopf schütteln, welch hoher Stellenwert so einem Appeasement-Date mit einem Gladbach-Fan eingeräumt wird. Sei's drum: Du triffst dich privat mit hübschen Männern und sorgst zeitglich dafür, dass der Support für die Vollspaten aus Köln klein ausfällt - das ist aller Ehren wert!
Jetzt weißt du jedenfalls, wie das ist mit Treffen am Abend und so. Kleiner Tipp unter Freunden: Wenn bald mal andere Umständen ermöglichen, dass wünschenswerte 70 Kilo weniger namens Maren dich so spät noch sehen wollen: Verzichtet auf Kaffee, trinkt Alkohol!
Während all dieser bedeutungsvollen Ereignisse war ich im Skiurlaub in Tirol. Das ist frevelhaft, ich weiß, war aber dringend nötig. Und es hat offenbar dazu beigetragen, dass die Welt in Ordnung kommt. Insofern ist Kritik unangemessen. Verschiedene Dinge habe ich während dieser Tage gelernt, unter anderem verbesserte Parallelschwünge auf meinen alten trendy Skiern und die wichtigsten Textzeilen so bemerkenswerter Lieder wie "Komm, hol das Lasso raus" oder "Finger im Po, Mexiko". Am meisten beeindruckt haben mich aber die Puhdys mit ihrer wirklichen wunderbaren Eisbären Berlin-Hymne: "Sie sind die Könige auf dem ewigen Eis..." - ach, ich komme ins Schwelgen. Meine Maren heißt also Dieter, Dieter Birr. Das ist der Sänger. Prost!
Und noch mehr zum Thema Liebe, sogar aus aktuellem Anlass. Damit all die glücklichen Paare dieser Erde weiterhin denken, auch Streit gehöre zum Geschäft, tun Martin und ich ihnen ab und zu den Gefallen, diese Illusion aufrecht zu erhalten. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren hatten wir uns deswegen über den Videobeweis gestritten. Diese Debatte hatte schon damals einen Bart so lang wie Luhukays Schnurres breit ist. Trotzdem, um der Liebe Frieden willen verdammte Martin den Videobeweis zum Untergang des Abendlandes, ich erhob ihn zum der Schöpfung schöner Gipfel. Jetzt eifert Markus Merk, verzeih: Doktor Markus Merk, der beste Schiedsrichter, seit Gott den Fußball erfunden hat, mir nach und fordert den Videobeweis im Profifußball, weil seine Graupen von Assistenten es nicht vermögen, im richtigen Moment das Beinch..., äh, das Ärmchen zu heben. Nun sag, Mike, wie hast du's mit dem elektronischen Helferlein? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.
Nun fangen die Wochen an, in denen immer erst Gladbach gegen die Mannschaft spielt, gegen die Osnabrück eine, spätestens zwei Wochen später ran muss. Am Sonntag spielen die Lila-Weißen in Aue ein nächstes Endspiel um den Klassenerhalt - bei einer Niederlage stünde Osnabrück erstmals unterm Strich. Wollen wir hoffen, dass Aue sich noch nicht wieder erholt hat von der Niederlage im BorussiaPark. Gladbach reist nach Augsburg. Wie müsste Gladbach spielen, damit die Augsburger anschließend eine Woche lang darben und auch Osnabrück noch einen ordentlichen Heimsieg feiern kann??
Unser Leben wär so leer ohne Bär..., äh, ohne Fohlen!
Dein Maik
Neues Jahr, neue Saison, neue (und gleiche) Liga, aber altes Prinzip.
Auch in dieser Saison heißt es: Auf schillernde Juwelen kann man von
vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL
für seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der
VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren
Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 kommt es zum SEITENwechsel:
SEITENWAHL und VfLog pflegen einen Briefwechsel, in dem alles möglich
ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte
reicht, wird auf www.seitenwahl.de und http://www.vflog.de/
künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite
veröffentlicht. Auch in der neuen Saison - wenn nicht jetzt, wann dann?
- werden der VfLog und SEITENWAHL die Lage der VfLs aus ganz
persönlicher Sicht kommentieren.
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