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Home 2007/08 27, A, BL, 1. FC Köln
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1. FC Köln - Bor. Mönchengladbach 1:1 |
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Geschrieben von Christoph Clausen
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Dienstag, 08 April 2008 |
Diese
Ungerechtigkeit teilen Schiedsrichter mit Torwarten: Stürmer können während fast
des kompletten Spiels unsichtbar bleiben und dann mit einer einzigen gelungenen
Aktion zum Helden des Tages avancieren. Torwarten und Schiedsrichtern dagegen
kann ein einziger Patzer eine ansonsten einwandfreie Leistung verderben.
Aktuelles Beispiel ist Thorsten Kinhöfer, der das jüngste rheinische Derby bis
zur 92. Minute nahezu tadellos leitete. Sicher, man kann diskutieren, ob Rösler
für seine Grätsche gegen Mitreski nach zehn Minuten und später Mitreski selbst
für seinen Ellenbogenschlag gegen Marin nicht hätten verwarnt werden sollen. Im
Falle Mitreskis hätte es gar die zweite gelbe Karte und damit einen Feldverweis
bedeutet. Dennoch: Kinhöfer erwies sich ganz überwiegend als souveräner Leiter,
gesegnet mit den richtigen Gespür dafür, wann er Grenzen setzten musste und
wann er das Spiel laufen lassen konnte. Wäre da nicht diese 92. Minute gewesen.
Die Kölner hatten einen ihrer vielen
stereotypen langen Bälle in die Spitze geschlagen. Der bis dahin unauffällige Novakovic
suchte im Laufduell mit Brouwers die Berührung des Verteidigers, um einige
Meter außerhalb des Strafraums zum Sturzflug anzusetzen, der schließlich
innerhalb desselben enden sollte. Kienhöfer fiel darauf herein und pfiff einen abstrusen
Elfmeter nebst roter Karte. Da war er: der Aussetzer, der eine neunzigminütige starke
Leistung in den Hintergrund rückte. Den Kölnern, die in Person von Patrick
Helmes das Geschenk dankbar annahmen, bescherte er in letzter Minute einen
unverhofften Punktgewinn, den Gladbachern nahm er die Vorentscheidung im
Aufstiegsrennen. Statt neun Punkten Vorsprung stehen nun deren sechs zu Buche,
wobei man bedenken muss, dass Dritt- und Viertplatzierter noch aufeinandertreffen
und dabei nicht beide gewinnen können.
Spielerisch
zeigte die Borussia eine ihrer besten Saisonleistungen. Man meinte beinahe, das
erleichterte Aufseufzen darüber hören zu können, dass hier endlich mal ein Gegner
mehr vom Spielfeld nutzte als nur den Korridor dreißig Meter vor dem eigenen
Tor. Beide Teams spielten von Beginn an munter nach vorne, wobei die ganz
großen Gelegenheiten Mangelware blieben.
Halbchancen
überwogen: Gleich in der ersten Spielminute kombinierten Neuville und Marin
ansehnlich auf der linken Seite, und Borussias kleinster Spieler wuselte sich
bis zur Grundlinie durch, von wo sein Pass aber geblockt wurde. Die Kölner
versuchten es zunächst aus der Distanz, verpassten aber teils deutlich
(McKenna, 7.), teils knapp (Broich, 13.). Auf der anderen Seite sorgte Kölns
Torwart Mondragon zweimal für Aufregung: Zunächst konnte er Levels' weder sonderlich
platzierten noch harten Distanzschuss nicht festhalten, allein, es fand sich
kein Borusse zum Verwerten des Abprallers. Dann machte Mondragon eine unglückliche
Figur beim Herauslaufen gegen Rob Friend, dessen Kopfball aber auf dem Kölner
Tornetz landete. Die Gastgeber ihrerseits suchten ihr Heil immer wieder in langen
Bällen auf McKenna, den Christoph Daum entgegen anderer Ankündigungen doch
wieder in den Sturm beordert hatte. Dem Kanadier aber gelang es selten, die
Bälle sinnvoll für seine Mitspieler abzulegen. Kölner Gelegenheiten ergaben
sich denn auch eher zufällig und blieben ungenutzt. Am gefährlichsten war nach
einer Ecke noch McKennas Kopfball (30.), der knapp das Tor verfehlte. Alexander
Voigt stand freilich ohnehin im bedrohten Eck.
Vor
dem Spiel hatte Christoph Daum lautstark über das Glück raisonniert, das die
Borussen in letzter Zeit angeblich bevorzugt hätte. Das Glück
aber, das gerade die Kölner in dieser Saison schon so reichlich beschenkt hatte, war ob so viel Undankbarkeit beleidigt und rächte sich: In der 32. Minute flankte Ndjeng nach Ballverlust des schwachen Broich in den
Strafraum, die Kopfballabwehr landete über Marin bei Rösler.
Dessen an sich wenig gefährlichen Schuss lenkte Innenverteidiger Mohamad so
unglücklich ab, dass er gegen die Laufrichtung Mondragons an den Pfosten und
von dort ins Tor trudelte. Dass Rösler seinen Jubel demonstrativ vor der Kölner
Fankurve zelebrierte, trug nicht zu seiner Beliebtheit bei, wie im weiteren
Verlauf der Partie bei jedem seiner Ballkontakte zu hören war. Wenngleich nicht unverdient, war die
Führung doch etwas überraschend, denn
bis dahin hatten eher die Gastgeber leichte Feldvorteile gehabt.
Das sollte sich nun gänzlich ändern: Gleich in der nächsten Minute drang Neuville rechts gefährlich in den
Strafraum ein, schaffte es aber nicht, den in der Mitte lauernden Friend
erfolgreich zu bedienen. Wiederum nur drei Minuten später vergab Friend selbst
eine exzellente Schusschance. Eine Minute darauf ließ Mondragon Ndjengs Schuss
prallen, der lauernde Neuville aber stand im Abseits. Borussia dominierte die
jetzt vor allem im Mittelfeld völlig orientierungslosen Kölner nach Belieben, geizte
aber bei der Chancenverwertung. In der 39. Minute fischte Mondragon Friends
Kopfball gerade noch aus dem Winkel fischte. Der deutlich verbesserte Ndjeng
hatte sich zuvor gegen drei Kölner durchgesetzt und gescheit in die Mitte
geflankt. Direkt im Anschluss an diese Szene war es Sascha Rösler, der an der
Strafraumkante zwei Verteidiger narrte, den Pass auf Neuville aber nicht genau
genug platzierte. Bis auf ein, zwei harmlose Distanzschüsschen fand Köln in
dieser Phase offensiv nicht statt und war mit dem 0:1-Pausenrückstand noch gut
bedient.
Der
Kölner Sturmlauf nach dem Wechsel hielt sich in Grenzen. Nur einmal wurde es
gefährlich, als der ansonsten sichere Heimeroth Mühe hatte, Helmes' Schuss per
Fuß abzuwehren. Eine Lektion in Formulierungskunst hält eine Szene aus
der 70. Minute bereit: Der lustige Spielbericht auf der offiziellen Homepage des 1. FC
Köln vermeldet hier einen Schuss Roda Antars, der um Zentimeter am Gladbacher
Tor vorbeigestrichen sei. Über die Anzahl der Zentimeter steht da nichts.
Tatsächlich verfehlte der Schuss das Tor um einige Meter, aber es lässt sich
nicht leugnen, dass man das auch in (einigen hundert) Zentimetern ausdrücken
kann. Wirklich bemerkenswert dagegen war die schöne Kölner Kombination in der
71. Minute, die bei Helmes ihren Ausgang nahm und bei ihm auch wieder endete:
Heimeroth konnte den Schuss des Kölners mit starker Parade über die Latte
lenken.
Bei
Borussia verfehlte Brouwers nach Marins Ecke das Tor (75.), dann verweigerte
Schiedsrichter Kienhöfer Neuvilles Treffer zu Recht wegen Abseits die
Anerkennung (77.). Zwei Minuten später leiteten die eben eingewechselten
Coulibaly und Colautti eine gute Kontergelegenheit ein, bei der allein das
letzte Zuspiel zu ungenau geriet. In der 84. Minute verpasste Colautti in hervorragender
Position eine gut getimte Flanke des heute auffälligen Levels. Drei Minuten
darauf wurde Ndjeng im Strafraum freigespielt, platzierte seinen Schuss aber
einen Tick zu hoch.
Man
spricht in solchen Fällen davon, dass das zweite Tor in der Luft lieg. Die Luft
aber wurde nun anderweitig benutzt. Schon vor dem Spiel war darüber spekuliert
worden, ob nicht Kölner hinter dem viel publizierten Fahnendiebstahl gestanden
hätten. Und tatsächlich hielten es einige dumme Kölner in der 87. Minute für
eine gute Idee, die Gästefans durch Entrollen der entwendeten Gladbacher Zaunfahne zu provozieren. Daraufhin meinten einige ebenso
dumme Gladbacher, Feuerwerkskörper auf das Spielfeld schießen und damit beträchtlichen
Qualm entfachen zu müssen. Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt hatten,
nicht zuletzt durch die tätige Mithilfe der ausgewechselten Rösler und
Neuville, mussten die Borussen in der 89. Minute noch einmal durchatmen. Antar
verfehlte das Tor aus aussichtsreicher Position das Tor aber deutlich. Im
Gegenzug tauchte Ndjeng völlig frei vor Mondragon auf, der den scharfen Schuss aber
mit hervorragender Parade entschärfen konnte.
Dann
die 92. Minute. Siehe oben. Wo war eigentlich der Schiedsrichterassistent?
Beinahe
hätten die Borussen die Partie ein weiteres Mal gedreht: In der 94. Minute kam
Colautti im Kölner Strafraum frei zum Kopfball - wieder war es der in dieser
Partie doppelgesichtige Mondragon, der den Ball noch aus dem Toreck angelte. So
blieb es bei einem Remis, mit dem die Borussia angesichts des Spielverlaufs
zwar kaum, angesichts des Tabellenstandes aber dann doch ganz gut leben kann.
Spannung, Tore, Spielwitz, eine krasse Fehlentscheidung, ein paar Vollidioten auf
den Rängen - das Derby hatte fast alles zu bieten. Und wem noch die Komik fehlte,
der kam hinterher auf seine Kosten, als Christoph Daum die
Elfmetersituation kommentierte.
1. FC Köln: Mondragon - Özat
(Gambino 85), Mitreski, Mohamad, Matip - Broich (André 82) - Antar, Vucicevic
(Scherz 62) - Helmes, Novakovic, McKenna.
Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers,
Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Marin (Coulibaly 80) - Rösler (Gohouri 86) -
Neuville (Colautti 80), Friend.
Tore: 0:1 Rösler (32.),
1:1 Helmes (92., Foulelfmeter).
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne).
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten
(Borussia):
Daems, Levels.
Rote Karte: Brouwers (92., Notbremse)
Besondere
Vorkommnisse:
Während des Spiels kam es zu einer mehrminütigen Unterbrechung, als im Kölner
Fanblock die vermisste Zaunfahne der Mönchengladbach
Ultras entrollt wurde. Der Verlust der traditionsreichen Fahne hatte zuvor
zur Selbstauslösung der UMG geführt. Aus dem Gladbacher Fanblock wurde mit dem
Abschießen von Feuerwerkskörpern reagiert. Vor der Partie hatte sich der
FC-Fanbeauftragte Rainer Mendel noch optimistisch gezeigt, dass die Fahne
keinesfalls während der Partie im Kölner Block auftauchen werde. Dies, so
Mendel, würde schließlich das Eingeständnis eines Straftatbestandes bedeuten.
Bei einem Vorsprung von aktuell 27 Punkten auf die Region mit den Plätzen 15 bis 18 steht nach dem 27. Spieltag und noch 7 ausstehenden Partien fest, dass die Borussia faktisch nicht mehr auf diese Ränge zurückfallen kann. Ferner auch können die Mannschaften auf den Rängen 12 bis 14 die Borussia punktemäßig nicht mehr überflügeln, sondern könnten es bei einem für sie optimalem Verlauf allenfalls über die Tordifferenz schaffen.
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