Bundesliga 2011/2012

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Ein Rückblick auf unseren Zweitligacheck Drucken
Geschrieben von M. Heinen und Th. Zocher   
Dienstag, 20 Mai 2008
SEITENWAHLs ZweitligacheckEnde Juli bis Anfang August 2007 veröffentlichten wir unseren Zweitligacheck für die Spielzeit 2007/08 und unterzogen die 18 Zweitligateams nacheinander einer möglichst detaillierten Prüfung. Im Anschluß an diese Einzelchecks gaben wir je eine Prognose ab, mit der wir die voraussichtliche Saisonplatzierung jedes Teams so genau wie möglich einzukreisen versuchten. Am 10. August 2007, dem ersten Spieltag der Saison, reichten wir abschließend einen Kurzüberblick nach, der auch eine prognostizierte Endtabelle beinhaltete. Nun, da die Saison nach dem letzten Saisonspiel beendet ist, finden wir es angebracht, diese prognostizierte Endtabelle der tatsächlichen gegenüber zu stellen.



 2. Bundesliga - Saison 2007/2008
 
SEITENWAHLs Prognose
tatsächliche Endplatzierung
1. FC Köln Platz 1 - 5 3
Bor. Mönchengladbach Platz 1 - 5 1
TSV Alemannia Aachen Platz 2 - 6 7
FSV Mainz 05 Platz 2 - 6 4
SC Freiburg Platz 3 - 7 5
FC Augsburg Platz 3 - 7 14
1. FC Kaiserslautern Platz 5 - 9 13
TSV München 1860 Platz 6 - 10 11
TSG Hoffenheim 1899 Platz 8 - 12 2
TuS Koblenz Platz 8 - 12 10
FC Erzgebirge Aue Platz 8 - 12 16
SpVgg Greuther Fürth Platz 10 - 14 6
SV Wehen Wiesbaden Platz 10 - 14 8
FC Carl Zeiss Jena Platz 12 - 16 18
SC Paderborn 07 Platz 13 - 17 17
Kickers Offenbach Platz 13 - 17 15
FC St. Pauli Platz 14 - 18 9
VfL Osnabrück Platz 14 - 18 12
 
*) ermittelt auf Basis des SEITENWAHL-Zweitligachecks vom 22. Juli bis 09. August 2007


Fazit":

Eine rückblickende Betrachtungsweise fordert immer unterschiedliche Bewertungsschwerpunkte heraus. So ist die Frage bei unserem Zweitligacheck sicherlich, ob man sich streng an die prognostizierten Plätze oder etwas milder an die prognostizierten Platzregionen halten soll, die als Ergänzung jedem Einzeltipp beigefügt worden waren. In beiden Fällen soll nicht verschwiegen werden, dass es relativ wenige präzise Einschätzungen gab, wenngleich ein genauerer Blick erkennen lässt, dass sich die Tendenzen vielfach bestätigten. Bewahrheitet hat sich in jedem Fall die in den Raum geworfene und in den Vorjahren stets zu beobachtende Zweiteilung der Liga, die kaum ein richtig "gesichertes Mittelfeld" und stattdessen entweder Auf- oder Abstiegskandidaten beherbergt.

Bei einem flüchtigen Blick auf unsere Prognose sticht heraus, dass der FC Augsburg und der 1. FC Kaiserslautern zu hoch gewettet worden waren. Beide Teams konnten ihre Vorsaison nicht bestätigen und fanden sich mit wechselnden Trainernamen (Augsburg wechselte gleich zweimal den Coach) im Abstiegskampf wieder. Im Kontrast dazu listeten wir fälschlicherweise die SpVgg Greuther Fürth als im Abstiegskampf befindlich. Doch die Mannschaft des beachtlich arbeitenden Bruno Labbadia belehrte uns und kämpfte bis vier Spieltage vor Schluß beharrlich um den Aufstieg mit. Im Stile der Borussia früherer Jahrzehnte konnte die Mannschaft aus Franken vor allem den Abgang ihrer erfolgreichsten Vorjahresspieler (Thomas Kleine, André Mijatovic, Christian Timm und Danny Fuchs) kompensieren und damit eine unserer Befürchtungen entkräften, die zur allzu negativen Beurteilung der Fürther führte.

Die von uns zu hoch gehandelten Augsburger und Lauterer hingegen mussten unsere Einschätzungen gar nicht widerlegen, und doch siedelten wir sie entscheidend zu hoch an. Die Torwartposition und der Angriff, sie bezifferten wir zurecht als Augsburger Schwächen. In der Tat war Sven Neuhaus für Augsburg nur ein sehr durchschnittlicher Rückhalt, während man in der Fuggerstadt unsere kritische Beurteilung des Angriffs mit der Nachverpflichtung von Michael Thurk bestätigte. Wie beim FCK aus der Pfalz schlugen hier unsere Bedenken stärker als angenommen auf den Saisonalltag durch. In Bezug auf Kaiserslautern hatten wir die Qualität der Defensive korrekt eingeschätzt. Tatsächlich kassierten die Pfälzer bei allem Mißerfolg die zweitwenigsten Gegentore aller Zweitligisten. Andererseits hatten wir die mangelnde Durchschlagskraft im Angriff und Potenz des FCK-Mittelfeldes moniert, was sich noch viel stärker bemerkbar machte als befürchtet. Bekanntlich scheiterten viele Dinge bei der früheren Walter-Mannschaft genau an der Schwäche des Offensivspiels, wobei die Defensive des Klubs für einen Klub aus dem Abstiegskampf stets über dem Durchschnitt blieb. Wie so viele Experten hatten wir nicht geahnt, dass die Negativspirale auf dem Betzenberg noch immer nicht das Ende erreicht haben sollte.

Ebenfalls über- und unterbewertet wurden die TSG Hoffenheim 1899 und insbesondere Alemannia Aachen, wenngleich letztere mit einem Sieg im Ananas-Spiel gegen Koblenz zumindest noch den unteren Bereich der Prognose erreicht hätten. Ein ebenso eher schwacher Trost bleibt, dass die Kaiserstädter unter Buchwald-Nachfolger Seeberger in die angenommene Spur fanden und nur auf die Rückrunde bezogen unsere Erwartungen erfüllen konnten. Unsere Annahme, Aachen würde bis zuletzt um den Aufstieg mitspielen und diesen schlußendlich auch erreichen, lag an der zu wohlwollenden Beurteilung der Substanz des Aachener Kaders und der vorab schwer einzuschätzenden Neuzugänge. Beispielhaft sei hier der Name Laurentiu Reghecampf erwähnt, der in den vergangenen Jahren selbst in Liga 1 konstant gute Leistungen abrief. Aber auch der Rumäne mit dem brachialen rechten Fuß war unter Buchwald wie der Rest Aachens eher indisponiert, und in der Rückrunde dann keine erste Wahl mehr.

Die auf den ersten Blick grob fahrlässig wirkende Nicht-Berücksichtigung der TSG Hoffenheim als Aufstiegskandidat fußt in erster Linie auf dem Umstand, dass zum Zeitpunkt unserer Prognose die größten Zukäufe des Klubs noch gar nicht feststanden, wir also die Wertigkeit eines Carlos Eduardo oder eines Chinedu Ogbasi nicht ermessen konnten. Die Möglichkeit solcher millionenschwerer Nachkäufe wurde im Kurzüberblick aber immerhin als Positiva herausgestellt. Selbst im Winter haben die Baden-Württemberger (u.a. Marvin Compper, Ramazan Özcan) noch einmal nachgefasst, so dass etwa der von uns als "zu beachten" eingestufte Mittelfeldspieler Isaac Vorsah nach seinem Kreuzbandriss nahtlos ersetzt werden konnte und ein Vedad Ibisevic (eingeordnet von uns als einer der besten Spieler der TSG) ein Dasein als Edeljoker fristen konnte. Der neben dem erwähnten Vorsah als "zu beachten" eingestufte Salihovic rechtfertigte diesen Lorbeervorschuß mit einer zweistelligen Anzahl an Torvorlagen.

Ansonsten trafen einige unserer Prognosen zu. So ging unsere Ansiedlung des TSV 1860 aus München im Tabellenmittelfeld auf unsere Einschätzung zurück, dass die Löwen zwar namhafte Leute holten, sich jedoch deshalb auf wenige Spieler begrenzen mussten, die obendrein mit diversen Verletzungsvorgeschichten behaftet waren. Ein Markus Schroth fiel die komplette Saison aus, war aber neben Bierofka der einzige Ersatz für immerhin fünf weggezogene Stammspieler der Vorsaison. Hier könnte man mit sarkastischem Blick sagen, dass wir aus den eigenen Erfahrungen bei Borussia mit der Verpflichtung verletzungsanfälliger Akteure unsere Schlüsse gezogen haben. Wie erwartet hatte die geringe Erfahrung im Kader des TSV von 1860 einen letztlich (zu) deutlich negativen Ausschlag auf den Saisonverlauf des Jetzt-Nur-Noch-Pächters der Allianz-Arena.

Auch den SC Freiburg klassifizierten wir tendenziell richtig, etwas, womit wir seinerzeit nicht gerade auf breiten Rückhalt bei Experten und Buchmachern stießen. Im Endeffekt gewichteten wir hier jedoch lediglich die von uns als Schwächen betrachteten Umstände (die Unruhe nach der Finke-Demission, der Abgang Youssef Mohamads) besser. Auch traf die Annahme zu, dass neben Jonathan Pitroipa Neuzugang Banovic eine wichtige Rolle spielen würde.

Der SV Wehen-Wiesbaden, der von nahezu sämtlichen Experten als Abstiegskandidat Nr. 1 gehandelt worden war, genoss bereits vor Saisonbeginn eine gewisse Wertschätzung in unserem Check (Platz 10-14), die er letzten Endes mit Position 8 in der Endtabelle noch zu übertreffen verstand. Die 2 von 3 richtig vorhergesehenen Aufsteiger sind nur bedingt Anlass zum eigenen Schulterklopfen, aber dennoch kein schlechtes Resultat. Man bedenke in diesem Zusammenhang die Horrorszenarien, die zahlreiche Ex-Borussen und auch Fans dem Verein nach dem Abstieg vorhersagten und die zum Glück nicht eintrafen.

In der Abstiegsfrage wurden mit Paderborn und Offenbach 2 aus 4 künftige Drittligisten richtig vorhergesehen. Jena wurde ein harter Kampf prognostiziert, den man dann aber weniger erfolgreich bestritt als wir es gedacht hätten. Die größte Enttäuschung bot Erzgebirge Aue, dessen schlechtes Abschneiden nicht minder unerwartet kam wie das große Zittern in Kaiserslautern und Augsburg.

Insgesamt bot diese Zweitligasaison also einiges an Überraschungen und wie nicht anders zu erwarten traf nicht jede unserer Prognosen ins Schwarze. Doch insgesamt kann man zufrieden sein. Nicht zuletzt weil die wichtigste alle Vorhersagen - der Aufstieg unserer Borussia - Bestätigung fand, und die Abweichungen zwischen Prognose und Realität immer noch geringer ausfallen als bei jedem Max Merkel- oder Paul Breitner-Saisontipp in diversen Boulevard-Blättern der letzten Jahrzehnte.