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Home 2006/07 01, H, BL, Cottbus
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Vorbericht, Spieltag 1: Energie Cottbus |
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Geschrieben von Christoph Clausen
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Freitag, 11 August 2006 |
In einem seiner vielen ausgesprochen lesenswerten
Artikel brachte es Christoph Biermann auf den Punkt: Die Erwartungshaltung in
Gladbach sei deshalb so viel höher als anderswo, weil man hier nie aufgehört
habe, die Ankunft der Neuen Gladbacher Fohlen (NGF) zu ersehnen. Eine
Erlösungshoffnung also - religiöse Versatzstücke sind ja nichts Ungewöhnliches
im Fußball, wo schnell mal der Fußballgott angerufen oder ein heiliger Rasen
beschworen wird. Zu solch einer Hoffnung gehört nun zwangsläufig eine
messianische Figur, und dafür hat die Borussia zu Beginn dieser Saison gleich
zwei Kandidaten zu bieten. Der eine, aus der Ferne eingetroffen und dabei
passenderweise vom Himmel eingeschwebt, soll dem Offensivspiel Flügel
verleihen, der andere den Geist der Original Gladbacher Fohlen (OGF)
weitertragen, zu denen er einst selbst gehörte.
Borussia
Freilich: Dass ein Trainer mit OGF-Vergangenheit
nicht zwingend die NGF heranzüchtet, dafür lieferte Jupp Heynckes' Vorgänger
desillusionierendes Anschauungsmaterial. Wer fußballerische Qualität einzig und
allein am Tabellenplatz misst, dem mag die letzte Saison zwar als beste seit
Jahren erschienen sein. Wer sich aber an die spielerische Hilflosigkeit erinnert,
die die Mannschaft allzu häufig und vor allem in der Fremde befiel, der weiß,
wie weit der Verein davon entfernt war, die Sehnsucht nach den NGF zu stillen.
Heynckes bot hier zumindest die Verheißung einer
neuen Spielphilosophie. Mutiger, attraktiver und hoffentlich auch erfolgreicher
sollten die Borussen spielen. Eine bemerkenswerte Reihenfolge: Niemand wird ja
ernsthaft erwarten, dass der Verein jemals wieder fünf Meisterschaften in acht
Jahren holt. Aber könnten die Spieler endlich etwas jenes mutigen und
spielfreudigen Offensivgeists beleben, mit dem die OGF in den Siebzigern zum
Gegenmodell der zweckrationalistischen Münchner Bayern wurde, dann könnte
Borussia ein Stück ihrer Identität zurückgewinnen. Romantischer ausgedrückt:
Sie könnte die eigene Seele wiederfinden, und vielleicht wäre das viel
wichtiger als die Frage, ob man am Ende Achter oder Dreizehnter wird.
So weit, so erbaulich. Das Blöde an
Heilserwartungen ist nur, dass Glaubenseifer schnell in Verteufelung umschlägt,
wenn auf Verheißungen nicht umgehend Wunder folgen. Heynckes' Ansinnen, als
Fußball-Lehrer im besten Wortsinne die Qualität der vorhandenen Spieler zu
erhöhen, verdient jedes Lob. Dass dies allerdings ein langwieriger Prozess
werden wird, dafür lieferten die Vorbereitungsspiele teilweise gruselige
Indizien. Nach wie vor bietet der Kader zu viel spielerisches Mittelmaß, als
dass man eine gut sortierte Abwehr einfach über den Haufen rennen könnte.
Insofern wären die Jünger der NGF gut beraten, zwar den Kirch auf den Platz, die
Kirche aber im Dorf zu lassen, falls die Saison gegen die Defensivspezialisten
aus Cottbus holpriger startet als erhofft.
Borussias Defensive
Fünf Positionen in der Defensive darf man als fest
vergeben ansehen. Dazu zählen neben Borussias Torwart und neuem Spielführer
sicher auch José Zé António und Bo Svensson. Die beiden Innenverteidiger
agierten zwar nicht in allen Testspielen so souverän, wie man sich das wünschen
würde, sind aber gerade nach Jeff Strassers Ausmusterung vorerst konkurrenzlos.
Nachdem Filip Daems definitiv ausfällt, hat sich auch die Variante mit einem
vorgezogenen Marcell Jansen für Samstag erübrigt, so dass der
Jungnationalspieler links hinten verteidigen wird. Rechts dagegen bleibt
abzuwarten, ob Heynckes die größere Erfahrung Kaspar Bøgelunds oder die
explosive Schnelligkeit Oliver Kirchs höher bewerten wird.
Vergeben ist schließlich zumindest eine Position im
defensiven Mittelfeld. Eugen Polanski zeigte in den Testspielen zwar
durchwachsene Leistungen - mit Stärken in Balleroberung und Laufpensum
einerseits, einer Neigung zu unnötigen Fouls und Fehlpässen andererseits. Da
aber auch keiner der Alternativkandidaten restlos überzeugen konnte und
Heynckes' Wertschätzung für Polanski bekannt ist, wäre es eine große
Überraschung, wenn der U21-Nationalspieler am Samstag nicht in der
Startformation stehen sollte. Entscheidet sich Heynckes erneut für den
Doppelsechser, käme als Polanskis Partner der verletzte Sebastian Svärd zwar
noch nicht in Frage, dafür aber Peer Kluge und nach den jüngsten Auftritten
immer mehr der erfahrene Thomas Helveg. Für den Dänen würde neben Erfahrung und
Ruhe am Ball die Wertschätzung sprechen, die er im Team genießt und die jüngst
durch den Wahl in den Mannschaftsrat unterstrichen wurde. An Führungsspielern
hat das Team ja durchaus noch Nachholbedarf. Bernd Thijs und Robert Flessers
dagegen wird man wohl nur Außenseiterchancen auf einen Platz in der Startelf
einräumen.
Borussias Offensive
Dass Federico Insua die Kunst des zentimetergenauen
Anspiels ebenso beherrscht wie die des Überraschungsmoments, konnte er in der
Vorbereitung immerhin andeuten. Leider waren seine Mitspieler bisweilen nicht
weniger überrascht als die Gegner. Dass Insua nach dem langen Hickhack um
seinen Wechsel und der entsprechend verzögerten Ankunft noch zu wenig ins Spiel
eingebunden wird, ist verständlich, ob sich das ändern wird, eine der
entscheidenden Fragen der Saison. Ob der Argentinier nun (in einem
Rautenmittelfeld) hinter den Spitzen, (im System mit Doppel-Sechser) vom linken
Flügel oder gar als hängende Spitze her wirkt - die alleinige Last des
Kreativspiels wird er ohnehin nicht tragen können. Jansen könnte hier mit
seinen Vorstößen aus der Defensive hilfreich wirken; vor ihm eventuell Kluge,
auch wenn Heynckes erklärtermaßen die Außenbahn nicht als Idealposition des
Ex-Chemnitzers ansieht. Rechts hatte man sich einiges vom jungen David Degen
versprochen, der vor allem mit Odonkor-hafter Schnelligkeit die gegnerische
Abwehr aufreißen sollte. Nachdem sich der Schweizer aber bislang kaum
entscheidend in Szene setzen konnte, ist das Rennen um den Startplatz auf
seiner Position völlig offen. Inzwischen ist neben Nando Rafael und Michael
Delura überraschenderweise selbst Hassan El Fakiri wieder im Rennen.
Rafael und Delura kämen auch als Sturmpartner des
unangefochtenen Oliver Neuville in Frage, während Vaclav Sverkos zwar weiterhin
viele Sympathien genießt, leistungsmäßig aber weiterhin stagniert. Kahê kommt
zwar inzwischen offenbar an mehr Buffets vorbei als noch vor einem halben Jahr,
an den Gegenspielern aber immer noch zu selten. So bleibt das Warten auf Wesley
Sonck, wenngleich dessen Verletzungsserie allmählich Lindenstraßen-ähnliche
Dimensionen annimmt. Auch am Samstag wird Sonck sicher noch ausfallen, und da
sich die Leistungen der anderen Kandidaten in der Vorbereitung nur punktuell
unterschieden, könnte Heynckes' bekannte Vorliebe für Michael Delura den
Ausschlag geben.
Der Gegner aus Cottbus
Wer die Cottbuser zu früh abschreibt, könnte sich
wundern. Schon nach dem letzten Aufstieg als sicherer Absteiger gehandelt,
verbrachte der Verein dann doch drei Jahre in der Bundesliga. Auch diesmal ist
das Team für Überraschungen gut; vor allem im Stadion der Freundschaft wird
noch so mancher Favorit Federn lassen.
So oder ähnlich beginnen derzeit eine Menge Artikel
über den FC Energie Cottbus. Meist wird dann behauptet, dass alle Experten dem
Team den Abstieg prophezeien, mit alleiniger Ausnahme des jeweiligen
Verfassers. Bisweilen wird auch unterstellt, hinter den skeptischen Prognosen verberge
sich eine Geringschätzung des gesamten ostdeutschen Fußballs - der eigene,
wohlwollendere Bericht wird so gewissermaßen zum verbalen Solidaritätszuschlag.
Natürlich: Eine Mannschaft, die genug Qualität für
den Aufstieg hat, sollte auch in der nächsthöheren Spielklasse nicht chancenlos
sein. Insofern sind Nachrichten über den quasi bereits vollzogenen Abstieg von
Energie Cottbus stark übertrieben. Dennoch gibt es Gründe, warum der Verein es
diesmal noch schwerer haben könnte als nach dem letzten Bundesligaaufstieg.
Damals hatte die Mannschaft drei Trümpfe auf der Hand: die Defensivstärke, die
fanatische Atmosphäre im heimischen Stadion, schließlich die
spielentscheidenden Geniestreiche eines Vasile Miriuta. Von diesen dreien ist
heute zwar die Defensivstärke geblieben. Im Stadion der Freundschaft aber
zeigte sich das Publikum in der letzten Saison trotz Heimstärke nörgeliger und
ungeduldiger als noch vor einigen Jahren. Insbesondere bei einer
Niederlagenserie könnte der einstige Vorteil also auch ins Gegenteil
umschlagen. Fraglich ist schließlich, ob Neuverpflichtung Jiayo Shao im
Mittelfeld zur ähnlich dominanten Figur werden kann wie einst Miriuta. Die
bisherigen Eindrücke sprechen eher dagegen.
Dennoch: Für Borussia ist Energie ein unangenehmer
Auftaktgegner, nicht nur weil Aufsteiger ja oft noch Rückenwind aus den
Erfolgsserien der zweiten Liga in die ersten Bundesligaspiele nehmen. Dieser
eine verbleibende Trumpf - die Defensivstärke - könnte den Borussen sehr zu
schaffen machen, denn wie schwer sich die Heynckes-Elf derzeit mit dem
Erarbeiten von Torchancen tut, war in den Testspielen zu besichtigen. Dagegen
kommen die Cottbuser mit der Empfehlung einer gänzlich niederlagenlosen
Vorbereitung, darunter ein sehr respektables Remis gegen Atletico Madrid.
Umgekehrt allerdings gelangen Siege nur gegen unterklassige Gegner.
Cottbuser Defensive
Während in Gladbach die Nummer Eins unangefochten
feststeht, war beim Gegner lange unklar, wer am Samstag im Tor stehen würde.
Der letztjährige Stammtorwart Tomislav Piplica - bei der Wahl zum kuriosesten
Eigentor in einem Spiel mit Gladbacher Beteiligung müsste er sich nur Joachim
Stadler geschlagen gegeben - sah sich ernsthafter Konkurrenz des aus Berlin
verpflichteten Gerhard Tremmel gegenüber. Auch wenn dieser in der Vorbereitung
Punkte sammeln konnte, traf Trainer Petrik Sander nach dem letzten Testspiel
die „schwierigste Entscheidung [s]eines Lebens" im Sinne Piplicas.
Schon länger vergeben ist dagegen die Rolle des
Abwehrchefs: Sie und die Kapitänsbinde übernahm Kevin McKenna, nachdem Gregg
Berhalter die Cottbuser Richtung Münchner Löwen verlassen hatte. Gerade bei
Standardsituationen wird Borussia auf die kopfballstarken Energie-Verteidiger
im Allgemeinen und McKenna im Besonderen aufpassen müssen. In der letzten
Spielzeit lief der 33-fache kanadische Nationalspieler wechselweise als
Verteidiger und als Stürmer auf und trug mit zehn (!) Treffern maßgeblich zum
Aufstieg bei. Als McKennas Partner in der Innenverteidigung war eigentlich der
Mazedonier Igor Mitreski vorgesehen, der erst vor zwei Wochen von Beitar
Jerusalem verpflichtet wurde, aber schnell überzeugt hat. Erst vor zwei Tagen
aber ist den Verantwortlichen klargeworden, dass Mitreski noch ein letztes
Spiel einer Rotsperre abzusitzen hat, die er sich in Israel einhandelte und die
nach FIFA-Statuten eben auch für die Bundesliga gilt. Zwar bemüht sich die
Cottbuser Vereinsführung derzeit um eine Ausnahmegenehmigung. Da dafür aber
keine sportrechtliche Grundlage ersichtlich ist, wird Mitreski am Samstag aller
Voraussicht nach zuschauen müssen. Für die Innenverteidigung lässt sich das
Problem schnell lösen, denn Petrik Sander wird dort nun sicher auf Mariusz
Kukielka setzen. Für den Polen, vor der Saison aus Dresden verpflichtet, war
ohnehin ursprünglich ein Stammplatz in der Viererkette vorgesehen, erst nach
Mitreskis Unterschrift wechselte Kukielka ins defensive Mittelfeld.
Eben dort muss Sander nun umbauen, wenn Kukielka
nach hinten rückt. Für die zwei defensiven Mittelfeldspieler im derzeit
bevorzugten 4-2-3-1-System kämen dann in erster Linie Tomasz Bandrowski, Daniel
Gunkel oder Timo Rost in Frage. Für Bandrowski und Gunkel würden dabei ihre
Qualitäten im Spielaufbau, für Rost dagegen Erfahrung und starke Leistungen in
der Vorbereitung sprechen. Überraschenderweise wird von Cottbuser Seite auch
der in Gladbach wohlbekannte Lawrence Aidoo genannt. Wenn die offizielle
Vereinshomepage von einer Position spricht, die Aidoo „in Gladbach vor Jahren
sicher niemand anvertraut hätte", dann kann man schwer widersprechen.
Bleiben die Außenverteidigerpositionen, von denen
die linke an den Brasilianer Sidney Santos di Brito, kurz Sidney vergeben ist.
Rechts würde im Normalfall sein Landsmann Vragel da Silva verteidigen, der aber
zum Saisonauftakt noch gelb-rot-gesperrt ist. In der Vorbereitung testete
Petrik Sander daher mit Marco Küntzel einen alten Gladbacher Bekannten. Der
gelernte Stürmer wurde von Arminia Bielefeld verpflichtet, wo er in der letzten
Saison zwar nur drei Pflichtspieltreffer erzielte, von denen allerdings gleich
zwei gegen seinen neuen Arbeitgeber. Zum Rechtsverteidiger umfunktioniert,
zeigte Küntzel durchwachsene Leistungen, so dass sich Sander offenbar für
Zoltan Szelesi entschieden hat. Zumindest begann der Ungar, der nach
Mittelfußbruch monatelang ausgefallen war, im letzten Spiel der
Saisonvorbereitung, einem torlosen Remis gegen den spanischen Zweitligisten UD
Las Palmas. Zuvor hatte Sander angekündigt, in diesem Test schon die Startelf
für Gladbach aufs Feld zu schicken.
Cottbuser Offensive
Dass Energies Stärken in der Offensive liegen, wird
auch in Cottbus kaum jemand behaupten. Im Spielaufbau hatte die Mannschaft oft
erhebliche Probleme, gefährlich ist sie aber bei Standards und Kontern. Falls
Borussia nicht gerade ein, zwei schnelle Tore gelingen sollten, steht am
Samstag also ein Geduldsspiel bevor:
Bei allem offensiven Bemühen wird sich das Heynckes-Team davor hüten
müssen, den vermutlich tiefstehenden Cottbusern ins offene Messer zu laufen.
Ihre Konterstärke verdanken die Lausitzer maßgeblich dem pfeilschnellen Sergiu
Radu. Im letzten Jahr war der zuvor in Deutschland weitgehend unbekannte
Stürmer der zentrale Glücksgriff der Cottbuser auf dem Transfermarkt; mit zwölf Treffern wurde der junge Rumäne zum
Topscorer des Teams.
Man hofft bei Energie, bei einem Landsmann Radus
ein ähnlich glückliches Händchen gehabt zu haben: Der dribbelstarker Vlad
Munteanu soll die linke Seite beleben und tat das in der Vorbereitung auch mit
mehr Licht als Schatten. Sein Pendant auf dem rechten Flügel könnte Marco
Küntzel sein, falls der nicht rechts hinten gebraucht wird, oder Stiven Rivic,
auch er ein Neuzugang. Wie für Küntzel ist auch für Rivic das Spiel in Gladbach
in gewisser Hinsicht ein Wiedersehen, denn der Kroate verbrachte ein Jahr bei
den Amateuren von Schalke 04, als die Profiabteilung von einem gewissen Jupp
Heynckes trainiert wurde. Auch Lawrence Aidoo wäre in dieser offensiveren Rolle
vorstellbar. Im offensiven Mittelfeld ruhen die Hoffnungen auf Jiayi Shao, mit
250.000 Euro teuerster Neuzugang. Der aus München gekommene Chinese zeigte sich
in der Vorbereitung zwar laufstark und engagiert, ohne aber spielerisch die
ganz großen Impulse zu setzen.
Was Jürgen Klinsmann sein Tim Borowski war, ist
Petrik Sander sein Steffen Baumgart: erster Einwechselspieler, gewissermaßen
elfeinhalbter Mann. Für den 34-jährigen Angreifer, immerhin der Spieler aus dem
aktuellen Kader mit den meisten Bundesligatoren, ist im 4-2-3-1 zwar kein Platz
in der Startelf. Je nach Spielverlauf könnte Sander aber auf ein Sturmduo
Radu-Baumgart umstellen. Auf der Bank wartet auch ein Lars Jungnickel, während
Francis Kioyo noch für die ersten fünf (!) Pflichtspiele der neuen Saison
gesperrt ist.
Schiedsrichter
Anhänger
der Borussia haben insgesamt nur wenig Anlass, sich über Peter Gagelmanns
Schiedsrichterleistungen zu beklagen. Zwar bleibt als negativer Höhepunkt das
2:2 in Leverkusen aus der Saison 2002/03 in Erinnerung, als Gagelmann nach
einer ansonsten tadellosen Leistung Bierofkas Handspiel unmittelbar vor dem
Ausgleich übersah. Immerhin war Gagelmann war Manns genug, seinen Fehler
hinterher ausdrücklich zu bedauern. Weitgehend souverän leitete er dagegen die
Gladbacher Partien in Kaiserslautern und zuhause gegen Hannover in der
vergangenen Saison. Einzig beim vorerst letzten Heimspiel gegen die Pfälzer
unterliefen ihm zwei Patzer, die er aber gerecht auf beide Seiten verteilte:
Einerseits verweigerte er der Gastmannschaft einen Elfmeter, andererseits ließ
er deren Stürmer Altintop trotz rotwürdigen Revanchefouls weiterspielen.
Bilanz
Ungeschlagen ist Borussia gegen Energie Cottbus
sowohl in Bundesliga- als auch in Zweitligapartien. Umgekehrt konnte man die
Lausitzer auch nur einmal besiegen, das dafür in der Saison 2002/03 sehr
überzeugend, als Felgenhauer und Ulich schon nach sechs Minuten trafen und van
Hout nach zweiundzwanzig Minuten den 3:0-Endstand herausschoss. Dass selbst
zwei frühe Treffer nicht zwingend zum Sieg reichen müssen, erfuhr Borussia
dagegen in der Saison 1999/2000, als Helbig und Miriuta innerhalb von vier
Minuten die Führung egalisierten, die Asanin und van Lent in der
Anfangsviertelstunde erarbeitet hatten. Am Ende der Saison schnappten die
Cottbuser bekanntlich Hans Meyers Team knapp den dritten Aufstiegsplatz weg.
Aufstellungen
Borussia: Keller - Bøgelund, Svensson, Zé António,
Jansen - Polanski, Kluge - Rafael, Insua - Neuville, Delura.
Ersatz: Heimeroth (Tor), Kirch, Levels, Daems,
Helveg, Flessers, Thijs, Degen, Compper, Kahê, Sverkos.
Es fehlen: Melka (zu den Amateuren versetzt),
Strasser (nicht berücksichtigt), Svärd, Sonck (beide verletzt).
Cottbus: Piplica - Szelesi, Kukielka, McKenna,
Sidney - Bandrowski, Rost - Rivic, Shao, Munteanu - Radu.
Ersatz: Tremmel (Tor), Küntzel, Kanik, Schöckel,
Gunkel, Schuppan, Ziebig, Aidoo, Jungnickel, Neumann, Baumgart.
Es fehlen: da Silva, Mitreski, Kioyo (alle
gesperrt), Dworrak (nicht berücksichtigt).
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Assistenten: Matthias Anklam (Buchholz), Sascha
Thielert (Buchholz)
Vierter Offizieller: Markus Kuhl (Köln).
SEITENWAHL-Meinung
Christoph Clausen: In einem über weite Strecken schwachen Spiel setzt
sich die Borussia am Ende etwas glücklich mit 1:0 durch. Jupp Heynckes wird
hinterher völlig zu Recht betonen, dass spielerisch noch viel Arbeit wartet.
Thomas Zocher: Einen
Zentimeter trennte 1912 in Stockholm den Griechen Tsiklitiras vom Amerikaner
Adams, zur Freude Tsiklitiras gleichwohl, denn damit sicherte er sich die
olympische Goldmedaille. Während Adams Landsmann Mike Powell fast achtzig Jahre
später nachwies, dass man mit geübtem Anlauf 8,95 Meter als Weite erreichen
kann, hüpfte Tsiklitiras seine 3,37 Meter noch aus dem Stand. Der Unterschied,
ob man etwas aus der Bewegung oder eben nicht aus der Bewegung machen kann,
wird offensichtlich. Da der Ligaauftakt für Borussia eher einem Kaltstart gleicht,
wird man den Aufsteiger also nicht bezwingen, sondern am Ende mit einem
1:1-Remis leben müssen.
Michael Heinen: Die
letzten Testspiele machen nicht wirklich Mut für den Saisonstart. Es wird noch
einige Zeit dauern, bis es Jupp Heynckes gelingt, seinem neuen Team seine
Handschrift zu verpassen. Da kommt ein undankbarer Aufsteiger wie Energie
Cottbus zum Auftakt nun wahrlich ungelegen. Diese werden sich gemütlich in
ihrer eigenen Hälfte verbarrikadieren und nur sehr sporadisch zu kontern
versuchen. Eine Spielweise, mit der sich jede Mannschaft - speziell aber unsere
Borussia - schwer tut. Es wird ein Geduldspiel werden, das kaum allzu schön
anzusehen sein wird. Am Ende reicht uns aber ein genialer Paß von Insua, der
mit Ausnahme dieser Szene weitgehend blaß bleibt, um am Ende doch noch 1:0 zu
gewinnen.
Mike Lukanz: Oh
weh´, das erste Saisonspiel. Vorbei und vergessen sind Trainingsberichte,
Transfergerüchte, Trainerinterviews und....Mist, mir fällt nichts mehr mit
"T" ein. Zumindest wird all dies vergessen sein, wenn um 15:30 Uhr
der Anpfiff erfolgt. Blicke ich nüchtern auf alle Faktoren: chronisch schwache
Saisonstarts, unangenehmer Gegner, großer Druck, kritische Fans, Heimspiel,
dann ergibt sich der Tipp für dieses Spiel fast von selbst, denn Borussia wird
4:1 gewinnen und damit die Tabellenführung erklimmen. Und nein, ich zitiere nun
nicht die Geschichte vom 1. Spieltag der Saison 1998/99.
Hans-Jürgen Görler: Viel zu viel Zeit ist seit dem 34. Spieltag der
vergangenen Saison ins Land gegangen. Das mit der WM gefüllte Sommerloch war
zwar passabel, aber ohne Bundesliga fehlt einem doch etwas. Die Borussia wird
ihre Fans am 1. Spieltag zwar nicht allzu sehr verwöhnen, für ein 2:0 gegen den
Aufsteiger aus Cottbus wird die noch verbesserungswürdige Kunst am Ende jedoch
schon reichen.
Christian Heimanns: Los geht´s, ab jetzt kann die Mannschaft beweisen,
dass Testspiele eben nur solche sind. Da ich das selber mehrfach zu Protokoll
gegeben habe, tippe ich ein 2:0 für uns.
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