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Home 2007/08 33, H, BL, SC Freiburg
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Vorbericht, Spieltag 33: SC Freiburg |
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Geschrieben von Christoph Clausen
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Freitag, 09 Mai 2008 |
Es
gibt diese TV-Kochshows, in denen mit nur drei Zutaten allerhand Schmackhaftes
zuzubereiten ist. Nun ja, "schmackhaft" behauptet am Ende zumindest der Moderator; überprüfen kann man das am Fernseher ja schlecht. Am
Sonntag dagegen steht ein Festmenü auf dem Speisezettel der Gladbacher Fans,
das mit Zutaten beinahe überreichlich ausgestattet ist: Ein volles Stadion,
traumhaftes Sommerwetter, eine Borussia, die nach dem errungenen Aufstieg frei
aufspielen kann, ein Gegner, der es sich gar nicht leisten kann, sich hinten
rein zu stellen, in der Defensive ohnehin ersatzgeschwächt antritt, aber für
gepflegtes Offensivspiel steht. Kurz, alles ist angerichtet für ein rauschendes
Fest, bei dem man sich auf ein attraktives Spiel beider Mannschaften mit vielen
Torszenen freuen darf und selbst eine Niederlage der Partystimmung kaum Abbruch
tun dürfte. So viele Zutaten: für den TV-Koch keine richtige Herausforderung, für
Gladbacher am Sonntag eine Aufforderung zur hemmungslosen Schlemmerei.
Gladbacher Defensive
Eine
Position ist durch Alexander Voigts Gelbsperre zu vergeben. Zu erwarten steht,
dass Filip Daems nach links rückt und dadurch der Platz neben Roel Brouwers in
der Innenverteidigung neu zu besetzten ist. Da Steve Gohouri gerade erst wieder
genesen ist, sollte Thomas Kleine erster Anwärter sein. Der Rest des Abwehrverbundes
versteht sich von selbst: Heimeroth im Tor, Levels rechts, Paauwe auf der
Sechs.
Gladbacher Offensive
Hätte
sich Roberto Colautti nicht erneut verletzt, es wäre interessant gewesen zu
sehen, wie Jos Luhukay während der letzten beiden Partien im Sturm rochiert. So
aber sind keine großen Überraschungen zu erwarten: Friend und Neuville sind im Sturm ebenso gesetzt wie Marin und Rösler im Mittelfeld, Touma ist es
nach seinen beiden Treffern gegen Wehen vermutlich auch. Coulibaly, Ndjeng, Rafael
und, je nachdem wie letztendlich der Kader aussieht, vielleicht auch Lamidi
können sich Hoffnung auf eine Einwechslung machen. Weitergehende personelle
Experimente - etwa mit Olcay Sahan - könnten in Paderborn folgen.
Der Gegner aus Freiburg
Vor
der Saison hatte der SC als Ziel den achten Platz ausgegeben. Das wird man
locker übertreffen, dennoch überwiegt an der Breisgau derzeit die Tristesse.
Zu nah war man dem Aufstieg gerückt, nach verschiedenen Zwischentiefs
immer wieder zurückgekehrt, hatte sich bis vor kurzem noch ganz realistische
Hoffnungen machen dürfen. Die ebenso unerwartete wie unnötige Heimniederlage
gegen Offenbach hat zwar nicht rechnerisch, aber doch nach realistischem
Ermessen einen Schlussstrich gezogen: Selbst bei einem Sieg im Borussiapark wären
die Aufstiegschancen des SC nur gering: Zeitgleiche Erfolge der Kölner und
Hoffenheimer würden sie in jedem Fall auch rechnerisch beenden. Der Traum sei „nicht
mehr greifbar", formulierte Trainer Robin Dutt denn auch realistisch. Dennoch werde
man allein schon um der mitreisenden Fans willen alles dafür tun, um wenigstens
die theoretische Aufstiegschance noch offen zu halten. Tatsächlich aber richten
sich die Freiburger Blicke bereits auf die kommenden Spielzeiten: Bis
spätestens in drei Jahren soll die Rückkehr in die Bundesliga gelingen, am
besten mit Robin Dutt, dessen Vertrag man am heutigen Freitag bis 2010
verlängerte.
Freiburger Defensive
Einen
skurrilen Saisonverlauf erlebt der letztjährige Stammkeeper Alex Walke. Zu Saisonbeginn sah sich Walke, eben
noch von den Mannschaftskameraden als Nachfolger Soumaila Coulibalys zum Mannschaftskapitän
gewählt, völlig überraschend zum Ersatztorwart degradiert.
Erst Carsten Nulles Verletzung am zehnten Spieltag eröffnete ihm eine neue
Chance, die er mit ordentlichen Leistungen nutzen konnte. Neue Konkurrenz
erwuchs im Winter in Person des vom VfB Stuttgart nachverpflichteten Michael
Langer - Nulle war zuvor frustriert nach Paderborn gewechselt. Dennoch konnte Walke,
der inzwischen die Kapitänswürde an Heiko Butscher abgegeben hatte, seinen Stammplatz zunächst behaupten, bis sich
Robin Dutt am 22. Spieltag für einen erneuten Torwartwechsel entschied. Dabei war
Walke an der Niederlage in Hoffenheim schuldlos gewesen und hatte auch sonst durchaus
überzeugt. Die Entscheidung, so Dutt, sei weniger eine gegen Walke als eine für
Langer gewesen, der im Training eine „unglaubliche Siegermentalität"
ausgestrahlt habe. Langer konnte das Vertrauen insgesamt rechtfertigen: Von je
einem folgenschweren Patzer in Aue und auf St. Pauli abgesehen, hat sich der
reaktionsschnelle 23-jährige als starker Rückhalt etabliert.
Völlig
offen ist aber, wer aber vor Langer aufläuft. Von der etatmäßigen Viererkette Schwaab,
Butscher, Krmas, Schlitte ist einzig Kevin Schlitte einsatzbereit. Daniel
Schwaab fehlt wegen einer kurzfristig zugezogenen Sprunggelenksverletzung,
Pavel Krmas wegen Gelbsperre. Heiko Butscher laboriert weiter an der Zerrung,
die er sich am Mittwoch beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Offenbach zuzog. Vor
allem der Ausfall des Kapitäns schwächt die Breisgauer erheblich. Der Innenverteidiger,
der in dieser Saison ohne jegliche Verwarnung blieb, ist im doppelten Wortsinn
Kopf der Abwehr: Seine Kopfballstärke konnte Butscher nicht nur in vier
Saisontore ummünzen, Dutt hätte sicher auch gegen Rob Friend gerne darauf zurückgegriffen.
Erster
Nachrücker für die Innenverteidigung wäre Oliver Barth, aber selbst dessen
Einsatz ist angesichts einer Oberschenkelverhärtung höchst ungewiss. Da Otar
Khizaneishvili noch erheblichen Trainingsrückstand hat und selbst der junge Ömer
Toprak nach einer roten Karte aus der A-Junioren-Bundesliga nicht zur Verfügung
steht, könnte Dutt am Sonntag gänzlich ohne gelernte Innenverteidiger da
stehen. Wie er dieses Problem lösen will, dazu hüllt er sich bislang in geheimnisvolles Schweigen. Vielleicht lässt der Coach einen oder zwei bis dato unbekannte Jugendspieler debütieren, auch wenn Freiburgs
Oberliga-Mannschaft gerade vor dem Spitzenspiel gegen Waldhof Mannheim steht. Vielleicht
wird zumindest Oliver Barth doch noch rechtzeitig fit. Vielleicht werden Eke Uzoma,
Dennis Aogo oder Ali Günes aus dem Mittelfeld in die Viererkette beordert: Günes
half bei der Niederlage in Koblenz immerhin schon ein Mal auf der
Rechtsverteidigerposition aus.
Vor
der Abwehr setzt Dutt in aller Regel auf einen Doppelsechser. Der eine Part ist
fest für den bundesligaerfahrenen Ivica Banovic vergeben, der vor der Saison
aus Nürnberg kam. Für den anderen kämen vor allem Günes, Uzoma oder Aogo infrage, sofern Dutt
sie nicht in die Viererkette zurückzieht.
Freiburger Offensive
Die
häufigste taktische Formation des SC war vor allem in der Rückrunde eine
offensive Dreierreihe hinter einem Stoßstürmer, allerdings in
variabler Besetzung. Günes und Aogo könnten in der Dreierreihe spielen, falls
sie nicht in defensiverer Rolle gebraucht werden. Vor allem Rückkehrer Günes
war vor der Saison mit großen Erwartungen von Besiktas Istanbul geholt worden,
hatte aber, auch verletzungsbedingt, lange Schwierigkeiten. Seit fünf
Spielen steht er wieder regelmäßig in der Startelf und lieferte vor allem in
den letzten drei Partien gute Leistungen ab.
Vom
Trainerwechsel profitiert hat Dennis Aogo: Unter Volker Finke war der technisch
starke Linksfuß nur Ergänzungsspieler, während ihn Dieter Eilts bei der
U21-Nationalelf schon als feste Größe betrachtete. Unter Robin Dutt hat sich Aogo
zur Stammkraft gemausert und kam teils als Außenverteidiger, teils im linken
offensiven Mittelfeld, teils auf seiner Lieblingsposition zentral vor der
Abwehr zum Einsatz. Aktuell wird in der Hamburger Presse von einem angeblichen
Wechsel zum HSV berichtet. Aogo schlägt gefährliche Ecken und Flanken, lässt
sich von schnellen Gegnern aber auch mal überrennen.
Zum
Einsatz kommen dürfte ferner Karin Matmour. Der sechsfache algerische
Nationalspieler kann auf immerhin vier eigene Treffer und fünf Assists verweisen.
Der junge Andreas Glockner feierte sein Debüt zwar ausgerechnet beim
0:5-Debakel auf St. Pauli, stand seitdem aber fünfmal in der Startelf und wurde
in der sechsten und bislang letzten Partie eingewechselt.
Sicher
spielen werden Jonathan Pitroipa und Mohamadou Idrissou, wobei noch offen ist,
wer von beiden in vorderster Position stürmt. Der schnelle und technisch
starke, bisweilen aber zu eigensinnige Pitroipa hat te nach seinem offen forcierten
Wechsel zum HSV bei den Freiburger Fans nicht immer leichten Stand. Ohne
seine sieben Tore aber wäre der SC im Aufstiegskampf schon längst aussichtslos
zurückgefallen.
Idrissou
kam als Teil des umfangreichen Kaderumbaus in der Winterpause, bei dem je vier
Spieler abgegeben und neu verpflichtet wurden. Der Kameruner, der in der Bundesliga
beim MSV Duisburg ohne Torerfolg geblieben war,
zeigte sich in Freiburg zwar engagiert, im Abschluss aber zunächst glücklos. In den letzten fünf Spielen
allerdings kam Idrissou auf drei Treffer und ist vor allem bei eigenen Standards eine
stetige Gefahrenquelle. Offensive Alternativen wären Hendrik Bencik, Amir
Akrout und Mirnes Mesic. Weiterhin verletzt fehlen dagegen Jonathan Jäger und
Wilfried Sanou.
Bilanz
In der zweiten Liga kommt es am Sonntag zum ersten Gladbacher Heimspiel gegen Freiburg. In der Bundesliga traten die Breisgauer dagegen schon achtmal in Gladbach an. Dabei spezialisierte sich die Borussia darauf, 0:1-Rückstände auszugleichen. In gleich sechs von acht Spielen in Gladbach ging der
SC in Führung, gewann am Ende aber nur ein einziges Mal, passenderweise
am 1. April (1995). Von allen acht Partien gewann die Borussia die Hälfte; dreimal kam es zur Punkteteilung. In der bis zum heutigen Sonntag letzten Begegnung, vor gut
drei Jahren, nahm die Borussia zwar den obligatorischen 0:1-Rückstand hin,
diesmal durch einen Fernschuss Soumaila Coulibalys, konnte das Spiel dank
Vaclav Sverkos und Wesley Sonck (zwei Treffer) aber noch drehen. Oliver
Neuville scheiterte damals vom Elfmeterpunkt an Richard Golz.
Schiedsrichter
Viel
ist über Robert Hartmann aus Ingolstadt nicht zu sagen, was für einen
Schiedsrichter ja ein gutes Zeichen ist. Der Diplom-Betriebswirt pfeift in dieser
Saison erstmals im Profifußball und blieb bei seinen acht Spielleitungen in der
zweiten Liga, darunter Borussias Heimspiel gegen Hoffenheim, ohne eklatante Fehlentscheidungen.
Im Februar debütierte er beim 1:1 von Panathinakios Athen gegen Glasgow Rangers gar im UEFA-Cup, hier allerdings
nur an der Seitenlinie. Am Sonntag heißen Hartmanns eigene
Assistenten Michael Emmer und Karl Valentin.
Aufstellungen
Borussia:
Heimeroth - Levels, Kleine, Brouwers, Daems - Paauwe - Touma, Rösler, Marin - Friend,
Neuville.
Ersatz:
Gospodarek, Gohouri, Schachten, Bøgelund, Svärd, Polanski, Ndjeng, Coulibaly, Lamidi,
Rafael.
Es
fehlen: Voigt (gesperrt), van den Bergh, Colautti (beide verletzt).
SC
Freiburg: Langer - Günes, Barth, Uzoma, Schlitte - Banovic, Aogo
- Glockner, Matmour, Idrissou - Pitroipa.
Ersatz:
Walke, Konrad, Ollé Ollé, Schutzbach, Mehring, Bencik, Mesic, Ampomah.
Es
fehlen: Krmas, Toprak (beide gesperrt), Butscher, Schwaab, Jäger,
Roth, Sanou (alle verletzt).
Schiedsrichter: Robert
Hartmann (Ingolstadt)
Assistenten: Michael
Emmer (Thurmansbang), Karl Valentin (Taufkirchen).
SEITENWAHL-Meinung:
Christoph
Clausen: Wenn das kein torreiches Spiel gibt, dann weiß ich es
auch nicht mehr. Dass Borussia gegen stark ersatzgeschwächte mit 4:2 gewinnt,
macht die große Aufstiegsparty noch ein bisschen schöner. Aber auch eine
Niederlage würde die Stimmung nicht wirklich trüben.
Thomas
Zocher: Schritt für Schritt, ein Motto der Borussia in dieser
Saison und mithin ein guter Slogan für das letzte Spiel der Saison, in dem sich
die Borussia die Meisterschaft sichern kann. Das geschieht auch, allerdings
zollt sie den Aufstiegsfeierlichkeiten Tribut und kassiert ... letzlich noch
zwei Freiburger Tore bei ihrem 3:2-Erfolg.
Mike
Lukanz: Gerne bin ich heute der Spielverderber. Der Rahmen
passt, die Eckdaten der Aufstiegsfeier stehen auch. Doch seit der WM 2006
wissen wir, dass solche Großevents mehr als reine Sauf-Party gesehen werden,
insofern wird ein Großteil der erwarteten 100.000 Menschen in Mönchengladbach
kein Problem damit haben, dass Borussia ihr letztes Heimspiel mit 1:2 aus der
Hand gibt.
Michael
Heinen: Im Gegensatz zu anderen Vereinen aus dem Rheinland hat
Borussia in ihrer Historie meist ordentlich weitergespielt, wenn die
Saisonziele erreicht waren. Es wäre schön, wenn diese lobenswerte Tradition
auch in diesem Jahr weitergeführt würde. Da auch für den SC Freiburg nicht mehr
wirklich viel zu erreichen ist, gewinnt Borussia am Ende mit 2:1 und übernimmt
damit die Führung in der Heim-Tabelle.
Christian
Heimanns: Der SC Freiburg müsste schon, kann aber nicht mehr so
richtig. Gegen die Spielfreude der von allem Druck befreiten Borussen in ihrem
letzten Heimspiel werden die Badener am Ende nicht mehr viel zu bestellen
haben. Ein weiteres 3:0 vor ausverkauftem Haus verabschiedet den Borussiapark
in die Sommerpause.
Hans-Jürgen
Görler: Nach den ersten Aufstiegsfeiern vom Mittwoch wird die
Borussia es sich nicht nehmen lassen, den Zuschauern am Sonntag einen weiteren
Heimsieg zu präsentieren. Nach dem 2:0 gegen den SC Freiburg geht die Party
aber erst richtig los.
Der SC Freiburg im Internet: http://www.scfreiburg.de
Der SC Freiburg im
SEITENWAHL-Zweitligacheck: http://www.seitenwahl.de/content/view/918/259/
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