Bundesliga 2011/2012

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Kontinuität Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Freitag, 11 August 2006
Wenn an diesem Wochenende die Bundesliga mit unserem Heimspiel gegen Energie Cottbus startet, dann steht Borussia wieder einmal vor einer richtungweisenden Saison. Mit Jupp Heynckes wurde ein „neuer“ Trainer verpflichtet, der gerade bei den nostalgischen Borussen-Fans allzu liebe Erinnerungen wach ruft. Nach der vorigen Saison, in der man zumindest kurzzeitig an den UEFA-Cup-Rängen schnüffeln durfte, ist der Appetit endgültig geweckt. 5 Jahre reiner Kampf um den Klassenerhalt sind den Fans genug. So langsam möchte man wieder dahin, wo Borussia aus Tradition hingehört. Dass es in der heutigen kommerziellen Zeit enorm schwierig ist, einen schnellen Weg dahin zu finden, den so viele andere Vereine mit teilweise besseren Ausgangspositionen ebenso zu gehen versuchen. Welcher echte Fan kann sich mit so einer lapidar-nüchternen Erklärung schon zufrieden geben?

Horst Köppel ist u.a. an dieser gestiegenen Erwartungshaltung, die er ironischerweise selbst mit ausgelöst hat, gescheitert. Sein Nachfolger dürfte nur unwesentlich mehr Zeit und Kredit bekommen, ehe auch an ihn ähnliche Anforderungen gestellt werden. Spätestens der 4-Mio-Einkauf des vielerortens zum Messias hoch gelobten Federico Insua lässt manchen schon wieder darauf hoffen, dass wir vor einer glorreichen Saison stehen, in der am Ende eigentlich nur ein UEFA-Cup-Platz stehen kann. Dabei wird gerne übersehen, dass andere Vereine ebenso aufgerüstet haben und es mindestens 10 Mannschaften gibt, die nicht weniger Grund haben als wir, von einer Position unter den ersten 5 zu träumen. Betrachtet man unser Personal sowie unsere Platzierungen aus den letzten Spieljahren, so wird objektiv nicht ersichtlich, was uns Grund gibt dafür, uns für besser zu halten als Mannschaften wie Nürnberg, Hannover oder gar Wolfsburg. 
 

Es wird wichtig sein, dass es Jupp Heynckes gelingt diese teilweise überzogenen Erwartungen zu mäßigen. Wenn es schon kurzfristig nicht einfach wird, diese gleich zu erfüllen, so werden zumindest Ansätze verlangt werden, die auf eine Perspektive hindeuten lassen. So kommt Jupp Heynckes Präferenz für junge Spieler im historischen Fohlenstall von Mönchengladbach bei den Fans sehr gut an. Sollte es ihm tatsächlich gelingen, junge Spieler wie Jansen, Polanski, Fleßers und Co. weiter voran zu bringen, wären dies bereits entscheidende Pluspunkte. Ein mutigeres, offensiveres Spiel – gerade auf fremden Plätzen – wurde ebenfalls von unserem neuen Coach angekündigt und wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dies sind eher Punkte, an denen wir Jupp Heynckes in seiner ersten Saison messen sollten als der pure Tabellenplatz. Selbst wenn es am Ende eine Platzierung unterhalb von Rang 10 wird, muss dies nicht unbedingt eine Verschlechterung sein, sofern die Perspektive stimmt und die Mannschaft eine entsprechende Entwicklung nimmt. 
 

Wichtig wäre es, denn nur auf diesem Weg haben wir ernsthaft eine Chance, irgendwann in den nächsten Jahren doch noch einmal internationalen Fußball im Borussen-Park zu sehen, ohne dass uns die deutsche Nationalelf einen Vertröstungs-Besuch abstatten muss. Und nachdem sich der Verein jetzt halt für Jupp Heynckes entschieden hat, sollte es unsere Pflicht sein, diesem unser 100%iges Vertrauen für diese schwere Aufgabe auszusprechen. Ich selbst war bei der Verkündung des neuen Übungsleiters durchaus skeptisch und hatte ebenfalls seine letzten misslungenen Auftritte in der Bundesliga vor Augen, die in Frankfurt und Gelsenkirchen eher unglücklich endeten. Doch neben einem gewissen Risiko, dass seine Zeit in der Bundesliga inzwischen abgelaufen sein könnte und er sich bei „seinem“ Verein seinen überragenden Ruf zerstört, bietet der Trainer Heynckes auch eine große Chance.
 

Er selbst kann allen beweisen, dass seine Arbeit auf Schalke tatsächlich zu negativ nur an den Ergebnissen gemessen und viel zu frühzeitig beendet wurde. Er kann noch mal zeigen, dass ein Top-Trainer wie er auch heute noch fähig ist, Großes zu bewegen und eine Mannschaft aufzubauen. Borussia auf der anderen Seite kann mit der ihr eigenen Nostalgie an die frühere Philosophie anknüpfen, die sicherlich auch in den heutigen Zeiten noch Erfolge möglich werden lässt. 
 

ImageEin wesentlicher Aspekt dieser Philosophie bestand darin, einen starken Trainer auf der Bank zu wissen, der das sportliche Geschehen über Jahre hinweg fest in der Hand hielt. Nach den ersten drei Bundesliga-Trainern, die zusammen über 20 Jahre im Amt blieben, ergab sich seit 1987 eine Fluktuation von 14 Trainern in 20 Jahren, die mit verantwortlich für das zwischenzeitliche Chaos in diesem Verein gewesen ist. Nach einer kurzen Zwischenperiode von Bernd Krauss, der dann aber auch bei ersten Anzeichen von Erfolglosigkeit allzu schnell entlassen wurde, war es zuletzt Hans Meyer, der wieder so etwas wie Kontinuität am Bökelberg zu schaffen schien. Es darf als einer der größten Fehler der Vereinsgeschichte gewertet werden, dass man eines Tages selbst diesen Mann zum Gehen veranlasste, der uns mit etwas Glück, Geschick und gutem Willen noch heute beiseite stehen könnte. Diese Chance wurde leider leichtfertig verspielt, doch immerhin scheint der Verein erkannt zu haben, wie wichtig Kontinuität generell ist. So äußerten die Verantwortlichen bereits ihre Absicht, auf lange Sicht mit diesem neuen Trainer zusammenarbeiten zu wollen. So hehr diese Absichten auch immer sein mögen. Wir sollten abwarten, wie sie den ersten Belastungsproben in der neuen Saison standhalten. Und hier werden gerade auch wir Fans gefragt sein, wie wir reagieren, wenn z.B. morgen gegen Cottbus die alt bekannten Probleme gegen defensiv stabile Gegner auftreten, wenn sich im Laufe der Saison gar ein Rückfall in den Abstiegskampf abzeichnen sollte. Wir wollen alle nicht hoffen, dass es soweit kommt. Aber wir sollten auf die Möglichkeit vorbereitet sein und dann nicht wieder blindlings nach einem einzigen Sündenbock suchen, der sich in der Figur des Trainers leider allzu oft finden lässt. Wenn wir die nötige Geduld mitbringen und auch in schlechten Zeiten zusammenstehen, könnte im kommenden Mai mehr erreicht sein als eine erfolgreiche Spielzeit, nämlich eine echte Zukunftsperspektive für unseren Verein.