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Home 2006/07 01, H, BL, Cottbus
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Borussia M'gladbach - Energie Cottbus 2:0 |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Samstag, 12 August 2006 |
Borussia
hat die erste undankbare Hürde der neuen Saison erfolgreich gemeistert.
Mit 2:0 gewann man nach einer Leistungssteigerung in der zweiten
Halbzeit standesgemäß, nachdem man sich zur Halbzeit bei Kasey Keller
sowie der Cottbuser Abschlussschwäche bedanken konnte, nicht deutlich
in Rückstand geraten zu sein.
Jupp Heynckes
reagierte auf die personellen Engpässe – ausgelöst durch die Ausfälle
von Sonck, Daems, Svärd und Degen – mit einem versuchten 4-3-3-System,
das im defensiven Mittelfeld von Peer Kluge und Eugen Polanski als
Doppel-Sechser abgesichert wurde. Eine Variante, die im Testspiel gegen
Galatasaray Istanbul nicht optimal geklappt hatte. In der Sturmmitte
wurde Oliver Neuville auf den Außen flankiert von Michael Delura und
Nando Rafael, die sich aber im Laufe des Spiels immer wieder ins
Mittelfeld zurückfallen ließen. Neuzugang Federico Insua dagegen
pendelte durchaus zwischen offensivem Mittelfeld und hängender Spitze,
was ihm für seinen ersten Auftritt in bemerkenswert guter Form gelingen
sollte.
Das Spiel vor 47.638 Zuschauern begann genau so wie man es sich erhofft
hatte. Schon in der 2. Minute kam Delura erstmals über die für ihn
spiegelverkehrte rechte Seite in den Strafraum, von wo aus er mit einer
guten Flanke Oliver Neuville einzusetzen versuchte. Nur wenige
Zentimeter trennten unseren WM-Torschützen vom so sehnlich erhofften
frühen Führungstreffer, den Piplica soeben verhindern konnte.
Wer gehofft
hatte, Borussia würde jetzt mit der durchaus offensiven Aufstellung das
Spiel bestimmen und gegen sich defensiv einzementierende Cottbuser
Chance um Chance zu erarbeiten versuchen, wurde bitter enttäuscht.
Weder gelangen Borussia im Folgenden allzu konstruktive Angriffe. Noch
waren die Lausitzer gewillt, auf eigenes Offensivspiel gänzlich zu
verzichten. Ein erster Weckruf in der 8. Minute wurde von
Energie-Stürmer Radu noch allzu kläglich vergeben. Aber bereits in
dieser Szene deutete sich an, was das weitere Geschehen der ersten
Halbzeit bestimmen sollte. Den Cottbuser gelangen einige gefällige
Zuspiele in den Strafraum, allzu oft begünstigt durch Stellungsfehler
oder schwache Abspiele unserer Defensive. Im Abschluss wurden die Bälle
dann aber allzu leichtfertig hergeschenkt. In diesem Fall trudelte der
verzogene Ball aus 7 Metern klar am rechten Tor vorbei.
In Minute 14
der nächste Defensiv-Bock Borussias, dieses Mal in Person von Kaspar
Bögelund, der seine rechte Seite verwaist ließ und somit einen
gefährlichen Energie-Konter zuließ. Glück für Borussia, daß Radu das
ungenaue Zuspiel nicht mehr ganz erreichte.
So hatte sich Cottbus nach 20 Minuten bereits ein leichtes Chancenplus
erarbeiten können und wirkte in seinen Offensivbemühungen zwingender
und gefährlicher als der Gastgeber. Bei unserer Borussia waren die
befürchteten Abstimmungsprobleme deutlich zu erkennen. Gerade zwischen
den Angreifern wurde viel lamentiert, weil das Zusammenspiel haperte.
Trotzdem kam Borussia nun für ein paar Minuten wieder etwas besser in
die Partie und in Person des bemühten und sehr präsenten Insua zur
nächsten Möglichkeit. Ein schöner Paß von Neuville schickte den
Argentinier in die Gasse, der sich den Ball an Tomislav Piplica
vorbeilegte, anstatt über ein „geschicktes“ Einfädeln einen Elfmeter zu
provozieren. Selbst wenn dieses Verhalten als „unclever“ gewertet
werden könnte, sei die faire Einstellung des Regisseurs gelobt, der –
anders als vergangene Möchtegern-Spielmacher unserer Borussia – im
Strafraum lieber den Abschluss suchte anstatt einen „linken“ Fußball.
In diesem Fall wurde er leider nicht belohnt, denn den Richtung
Seitenaus rollenden Ball konnte Insua nicht mehr entscheidend unter
Kontrolle bringen.
Richtig Fahrt nahm das Spiel erst ab der 37. Minute wieder auf, was
aber weitgehend an den Gästen lag, die in der Schlussphase der 1.
Halbzeit mit Macht auf den Führungstreffer drängten. So war es in jener
37. Shao, der Kasey Keller erstmals in den Blickpunkt des Geschehens
rückte. Mit einem Lupfer über den falsch postierten Bo Svensson war der
Chinese urplötzlich 6 Meter vor dem Tor frei aufgetaucht und versuchte
sich mit einer etwas missglückten Direktabnahme, die aber von Kasey
Keller ebenso bravourös abgewehrt wurde wie der anschließende
Nachschuss.
Direkt im Anschluss setzte Rückkehrer Lawrence Aidoo sein erstes
Ausrufezeichen, indem er Polanski von hinten umsenste und mit der
Gelben Karte noch gut bedient war. Doch kurze Zeit später die nächste
100%ige Torchance für Energie, die sich im Borussen-Strafraum den Ball
nach Belieben zuspielen konnten. Ein gezielter Paß setzte den nächsten
Rückkehrer Marco Küntzel perfekt in Szene, der urplötzlich am linken
Eck des Fünfmeterraums frei stehen durfte. Sein Pass auf Radu konnte
von diesem dann aber erneut nicht verwandelt werden, da Polanski in
seiner besten Szene im letzten Moment entscheidend störte. Doch selbst
jetzt war der Ball noch heiß, wurde von Küntzel aber aus wenigen Metern
an den Außenpfosten befördert, wobei der Ex-Borusse seine uns bestens
bekannte Torungefährlichkeit unter Beweis stellte.
Im Gegenzug
dann endlich mal wieder Borussia mit dem Ansatz eines Angriffs. Die
Rechtsflanke von Rafael geriet – wie so oft bei ihm am heutigen Tag –
zu weit, landete aber links bei Jansen und Insua. Der Argentinier
reagierte blitzschnell und technisch brillant, indem er kurz und scharf
auf Neuville zurücklegte, dessen Schuss aber abgeblockt wurde, ehe
Polanskis Schuss aus der zweiten Reihe in den Wolken landet.
Hatte Polanski, der insgesamt eine eher durchwachsene Partie
ablieferte, in dieser Phase zwei bessere Szenen, so leistete er sich in
der 43. Minute einen Katastrophen-Pass auf Radu, der den mitlaufenden
Aidoo bediente. Doch auch der Ghanaer wollte seinem ehemaligen
Arbeitgeber offenbar nichts Böses und hob den Ball relativ freistehend
aus 10 Metern kläglich übers Tor, wobei ihn der zurückgeeilte Polanski
noch etwas irritierte und seinen Fauxpas zumindest zum Teil wieder
gutmachte.
Dies war dann auch die letzte gefährliche Situation in Halbzeit 1, die
überraschend eindeutig an die Gäste aus Cottbus ging. Während der
Aufsteiger mindestens zwei Tore hätte vorlegen müssen, war das Spiel
der Borussia bestenfalls noch als stockend zu bezeichnen. In der
Defensive wurde man immer wieder mit einem einzigen Pass ausgehebelt.
Offensiv war einzig Insua ein Lichtblick, der bereits in dieser
schwachen ersten Halbzeit immer wieder seine Qualitäten andeutete.
Zur zweiten Halbzeit musste es also besser werden und zum Glück wurde
es das auch. Zu Hilfe kam Borussia dieses Mal ein frühes Tor. Während
zu Beginn des Spiels die erste und einzig echte Chance in Halbzeit 1
vergeben wurde, machte man es nach dem Wechsel besser. Eingeleitet
wurde dies durch Marcell Jansen, der halblinks an der Mittellinie an
den Ball gelangt und in seiner unnachahmlichen Art in Richtung
gegnerisches Tor marschierte. 30 Meter weiter vorgedrungen schoss er
aus 25 Metern stramm in Richtung Piplica und zwang diesem zu einer
Parade, die aber eine Ecke nach sich zog. Diese wurde in der 51. Minute
von links und Neuville aufs Tor gezogen, wo am 5er Bo Svensson bereit
stand und den Ball per Kopf ins lange Eck verwandelte. Der Bann war
gebrochen und Energie für seine Nachlässigkeit in der Chancenverwertung
bestraft.
Nur 3
Minuten später die Vorentscheidung durch einen Ex-Borussen. Der bereits
verwarnte Aidoo zupfte Polanski völlig unnötig im Mittelfeld am Trikot
und wurde dafür ein zweites Mal verwarnt, was sein Gastspiel im
Borussia-Park vorzeitig beendete. Während sich Borussia im Vorjahr
gegen Mannschaften in Unterzahl oft schwer tat, sollte man das
Geschehen in den folgenden 35 Minuten völlig im Griff behalten. Die
Cottbuser sahen sich angesichts ihrer nun auch numerischen
Unterlegenheit immer mehr gezwungen, diese Defizite durch zusätzliche
Härte auszugleichen.
Nach 57 Minuten setzte eine geniale Weiterleitung von Insua auf Nando
Rafael den nächsten Glanzpunkt. Der Ex-Herthaner legte den Ball dann
aber etwas unpräzise auf Neuville zurück, so dass dieser nicht an den
Ball kommen konnte. Nur 2 Minuten später setzte Delura den am Strafraum
völlig frei stehenden Peer Kluge in Szene, der in diesen eindrang und
von Sidney plump von den Beinen geholt wurde. Den fälligen Strafstoss
ließ sich WM-Elfmeter-Held Oliver Neuville nicht nehmen, der mit einem
platzierten Schuss nach links seinen ersten Saisontreffer markierte.
Ein Tor, eine Vorlage. Für Neuville beginnt die neue Saison genauso
erfolgreich, wie die letzte mit der WM endete.
In der 62. Minute noch mal ein Aufflackern der Lausitzer, die aber
spätestens durch das 0:2 den Glauben an eine Überraschung verloren
hatten. Erst ein weiterer katastrophaler Rückpass eines Borussen –
dieses Mal von Delura – setzte Radu in Szene, der Munteanu gut
einsetzte. Doch der Rumäne konnte mit seinem schwachen Schuss aus 15
Metern nur Keller ein weiteres Mal glänzen lassen.
Millimeter trennten Borussia in der 67. Minute vom 3:0, als ein
tödlicher Insua-Pass Peer Kluge frei schickte. Dieser befand sich aber
hauchdünn im Abseits, so dass sein überlegtes Zuspiel auf Neuville und
dessen anschließendes Tor zurecht keine Anerkennung fanden.
Nach kleineren Möglichkeiten für Polanski per Kopf (72.) und Delura per
Fernschuss (73.) war in der 75. Minute das dritte Tor endgültig fällig.
Ein herrlicher Rückpass von Insua auf den 10 Meter vor dem Tor
stehenden Nando Rafael wurde vom eingewechselten El Fakiri geschickt
durchgelassen. Doch der Angolaner wusste mit seiner Freiheit nichts
anzufangen, sondern verzog das Leder weit übers Tor.
In der folgenden Minute patzte Nando auch auf der anderen Seite bei der
letzten großen Chance für Cottbus. Seinen Querschläger nach einer Ecke
musste Keller gegen den einschussbereiten Mc Kenna ausbügeln, was ihn
aber gewohnt souverän gelang.
Die
Möglichkeiten folgten jetzt im Minutentakt. So in der 76., wo Bögelund
mit seiner besten Offensivaktion El Fakiri in die rechte Strafraumecke
schickte. Der Norweger schaufelte den Ball gekonnt in die Mitte, wo
Oliver Neuville per Seitfallzieher sein Glück versuchte und nur knapp
am rechten Tor vorbei zog.
Begeisterung beim Publikum löste wenig später die Einwechselung des
heimgekehrten Lieblings Vaclav Sverkos aus. Der Tscheche agierte in
seinen 10 Minuten auffällig, aber erneut eher unglücklich. So
insbesondere in der 84., wo er aus 20 Metern eigensinnig den direkten
Weg zum Tor suchte und seine Chance mit einem Kullerball abschloss,
während auf der linken Seite Marcell Jansen völlig frei gelaufen war
und bei einem Zuspiel eine 100%ige Chance bekommen hätte.
Auch die letzte Aktion des Spiels gebührte Sverkos, der einen erneut
genialen Insua-Pass aber nicht mehr ganz erreichen konnte und somit
Piplica nicht zu überwinden verstand.
Der Argentinier krönte mit dieser Szene einen höchst gelungenen
Einstand. Auch wenn er letztlich an keinem der beiden Tore direkt
beteiligt war, leitete er mehrere gefährliche Offensivaktionen ein und
deutete an, dass er genau das bieten kann, was wir seit Jahren so
schmerzlich vermisst haben. Neben Insua war natürlich Doppel-Assistler
Oliver Neuville ein wesentlicher Faktor für den Sieg, wenngleich der
Titel „Man of the Match“ an diesem Nachmittag eindeutig Kasey Keller
zugewiesen werden muss, der gerade in der Schlussphase der ersten
Halbzeit das Remis rettete. Auch der eingewechselte El Fakiri machte in
seinen nur 20 Minuten einen gegenüber der letzten Rückrunde deutlich
verbesserten Eindruck. Nachdem ihn viele in der Vorbereitung bereits
abgeschrieben hatten, sollte man ihn gerade wegen seiner Fähigkeiten in
der Torvorbereitung weiter auf dem Zettel haben. Nando Rafael dagegen
lieferte ein unglückliches Spiel ab. Auf der anderen Seite war auch das
Spiel von Delura in ähnlicher Weise oft unpräzise und zu wenig
zwingend, wobei der Ex-Hannoveraner noch den einen oder anderen
Lichtblick vorweisen konnte. Auch bei Polanski wechselten sich Licht
und Schatten ab, so dass noch einiges Steigerungspotential bei einigen
Spielern vorhanden ist.
Insbesondere
beim nun anstehenden Auswärtsspiel beim Tabellenführer aus Nürnberg
wird eine Leistung wie an diesem Tage womöglich in einem Debakel enden.
Eine kaltschnäuzige Offensive des Gegners hätte uns bei den Chancen,
die unsere Defensive zuließ, schon frühzeitig ausgeknockt. Am Ende
stehen dann aber doch die so wichtigen 3 Punkte, die aufgrund der
zweiten Halbzeit insgesamt als verdient angesehen werden können. Es
wartet noch einiges an Arbeit auf Jupp Heynckes, um die unnötigen
Defensivschnitzer abzustellen und das Zusammenspiel zwischen den
offensichtlich noch zu wenig abgestimmten Spielern zu fördern. Für den
Anfang können wir aber erst einmal beruhigt feststellen, dass wir trotz
der erwarteten Anlaufschwierigkeiten die erste Hürde genommen und den
ersten Sieg eingefahren haben.
Borussia:
Keller – Bögelund, Svensson, Zé Antonio, Jansen – Polanski, Kluge (El
Fakiri 70), Insua – Rafael (Sverkos 80), Neuville (Kirch 87), Delura.
Ersatz: Heimeroth - Helveg, Levels, Kahê.
Cottbus: Piplica – Küntzel (Baumgart 69), Kukielka, McKenna,
Sidney – Rost, Aidoo, Szelesi, Shao, Munteanu (Rivic 66) – Radu (Gunkel
81).
Tore: 1:0 Svensson (51.), 2:0 Neuville (60.)
Zuschauer: 47.638 (88,18 %)
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Gelbe Karten (Borussia): -
Gelb-Rote Karten: Aidoo (54., wiederholtes Foulspiel)
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Erstmals seit dem 17. Juni 1987
war Jupp Heynckes bei einem Pflichtspiel Trainer bei der Borussia,
damals siegte sie vor 13.500 Zuschauern am Bökelberg 4:0 gegen den 1.
FC Nürnberg durch Tore von Rahn (2), Dreßen und Frontzeck. Ihre ersten
Punktspiele für Borussia absolvierten heute Michael Delura und Federico
Insúa, Bo Svensson erzielte erstmals Borussias erstes Tor in einer
Saison. Die Partie gegen Energie Cottbus war die erste Begegnung beider
Teams seit April 2003, einem 1:1 (Borussentor: Pletsch) in der 1.
Bundesliga. Energie Cottbus wartet seit dem 12. Spieltag der Saison
1999/2000, überhaupt ihrem ersten Auftritt in Mönchengladbach, auf ein
Tor in einem Auswärtsspiel gegen Borussia. Damals traf Sebastian Helbig
zum 2:2-Endstand, das andere Energietor erzielte Vasile Miriuta.
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