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Borussia M'gladbach im Bundesligacheck - Teil 1 Drucken
Geschrieben von seitenwahl.de   
Dienstag, 12 August 2008
Borussia Mönchengladbach 2008/2009Sieben Jahre ist es her, da gelang Borussia Mönchengladbach erstmals die Rückkehr aus der 2. Fußball-Bundesliga in die Elite des deutschen Fußballs. Anders als damals, als die Abstinenz zwei Jahre in Anspruch nahm, kehrte die Borussia in diesem Sommer schon nach einem Jahr in die beste Bundesliga zurück. Hatte sie in der Erstligasaison 2006/07 noch eine katastrophale Runde gespielt und war Tabellenletzter geworden, feierte sie die Zweitligasaison 2007/08 im Mai als Tabellenerster. Hinter ihr liegen demzufolge zwei Spielzeiten im Extremen, da liegt es sehr nah, dass die Saison 2008/09, für die es eine klare Zielstellung gibt, am besten einmal eine Spielzeit des Gleichgewichts wird.
In welcher Konstellation und mit welchen Beschaffenheiten die „wieder heim gekehrte“ Borussia diese neuen 34 Saisonrunden nun antritt, das mag - wie in all den letzten Jahren - auch diesmal ein detailtiefer SEITENWAHL-Bundesligacheck erörtern. Wie gewohnt, so auch in diesem Sommer in zunächst zwei Teile aufgeteilt.

Zu-/Abgänge: Sehr zügig nachdem - eigentlich ja schon bevor - die Borussia in der 2. Bundesliga in der letzten Saison erfolgreich zu spielen begann, formulierte die sportliche Führung um Cheftrainer Luhukay und Sportdirektor Ziege den in die Zukunft gerichteten Wunsch, dass Schluss sein müsse mit der von vielen ihrer Vorgänger betriebenen, kontinuierlichen Rochade auf dem Gebiet der Zu-/ Abgänge. Dass die Zielsetzung bei Personalwechseln augenblicklich zu jener werden möge, wonach man sich lediglich noch „punktuell" mit Akteuren verstärke und es vor dem Hintergrund einer erzeugten wie sukzessive entstandenen Hierarchie innerhalb der Mannschaft keine mit der kürzeren Vergangenheit vergleichbarere Rotation auf dem Spielersektor mehr geben dürfe. So verkündeten Ziege und Luhukay schon im letzten Winter eine sehr deutliche Abstinenz auf dem Transfermarkt, und auch für diesen Sommer stellte das Gespann eine als moderat zu klassifizierende Geschäftigkeit auf dem Transfermarkt in Aussicht.

Richtigerweise! Wo 2006/07 noch 13 Akteure die Borussia verließen, waren es in diesem Sommer insgesamt fünf Spieler aus dem bisherigen Kader. Und wo im letzten Jahr noch 11 Spieler von anderen Klubs zu Saisonstart zur Borussia stießen, fanden in diesem Sommer insgesamt „bloß" vier Spieler den Weg zur Borussia. So wenig wie zuletzt vor der Spielzeit 2002/2003 (!) unter Luhukays Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgänger (!!) Meyer.

Die Liste jener Spieler, die die Borussia verlassen haben, eröffnete selbstgewählt mit Juniorennationalspieler Eugen Polanski zum spanischen Erstligisten FC Getafe ausgerechnet ein Akteur, der immerhin seit frühester Jugend aussichtsreich bei der Borussia gespielt hatte. Der Mittelfeldspieler hatte sich bereits während der Abstiegsspielzeit mit Abwanderungsgedanken getragen, vor allem der Zuspruch von Sportdirektor Ziege war es damals noch gewesen, der ihn dazu gebracht hatte sich seinem Vertrag gegenüber treu zu zeigen und auch sein letztes Vertragsjahr noch in den Farben „seines Vereins" zu bestreiten. Hierbei erwies er sich jedoch kaum als mehr als eine Ergänzung zum Kader, konnte er sich doch gegen Patrick Paauwe im Rennen um den Platz im defensiven Mittelfeld nicht erwähnenswert durchsetzen und erachtete auch die trotzdem von den Verantwortlichen an ihn herangetragene Möglichkeit zum Verbleib beim VfL Borussia als schließlich nicht ideal genug.

Ebenfalls ursprünglich aus der eigenen Jugend kommt der weggezogene Defensivspieler Robert Fleßers. Der in Mittelfeld wie Abwehr einsetzbare 21-jährige Juniorennationalspieler hatte sich ähnlich wie manch ein anderer Nachwuchsprofi im vergangenen Sommer von der Tatsache viel versprochen, dass die Borussia einen neuen Anlauf nehmen musste. Dann stand er in den holprigen Anfangswochen allerdings (verletzungsbedingt) nicht parat und musste so registrieren, wie die zu sich findende Stammelf der Borussia seinen persönlichen Ambitionen einen klaren Riegel vorschob.
Nachdem Fleßers nach seiner Genesung den Rest der Spielzeit der U23 der Borussia beim Meistertitel in der Oberliga Nordrhein half, erhielt er schließlich keinen neuen Vertrag und wird seinen zweiten Anlauf im Profifußball jetzt beim zuletzt nur knapp am Wiederaufstieg gescheiterten FSV Mainz 05 in der 2. Fußball-Bundesliga unter dem ehemaligen Assistenztrainer der Borussia, Jørn Andersen, unternehmen.

Auch im Falle Kasper Bøgelunds bedeutete das Vertragsende den Abschied von der Borussia. Der mehrfache dänische Nationalspieler, dessen neuer Verein Aalborg BK in der Qualifikation der Champions League starten wird, hatte dabei anfänglich schon noch einen Stammplatz in der Anfangsformation. Diesen büßte er nach der Niederlage in Mainz am dritten Spieltag allerdings zunächst verletzungs-, und schließlich leistungsbedingt, ein und verbrachte mit Ausnahme von einigen wenigen Partien die komplette restliche Spielzeit als Kaderergänzung auf der Ersatzbank. Keine befriedigende Situation, nicht zuletzt weil Bøgelund dem Mannschaftsrat angehörte und im letzten Sommer nachdrücklich zum Bleiben bewegt worden war. Auch weil er als feste Stammkraft gedacht war.
Ebenfalls in die dänische Liga, zu Aarhus GF ins dortige Tabellenmittelfeld, hat die Borussia Nando Rafael verlassen. Der frühere U21-Nationalspieler war 2006 aus Berlin gekommen, jedoch lediglich in der Rückrunde der Abstiegssaison Stammspieler geworden. Hinter Oliver Neuville, der an alte Stärke heranreichte, und den Neuzugängen des letzten Sommers war der gebürtige Angolaner zuletzt wieder lediglich Ersatzmann gewesen. Und auch wenn er dabei besonders in der Hinrunde noch auf seine Torausbeute kam, seine Situation gestaltete sich unbefriedigend. So zog es ihn ein Jahr vor Ablauf des Vertrags für eine mittlere sechsstellige Ablösesumme in eine neue Liga, in der er auch nachhaltiger auf sich aufmerksam machen können sollte, als dem Angreifer dies während seiner Zeit bei der Borussia gelang.

Neben diesen vier Spielern hat auch der Portugiese José António dos Santos Silva dem VfL den Rücken gekehrt, anders als diese jedoch nach einer Vertragsauflösung. Zuletzt war „Zé António", der schon seit letztem Sommer nicht mehr für Borussia spielen wollte und auch nicht mehr zum Kader gezählt hatte, in die Türkei ausgeliehen und hatte mit Vestel Manisaspor seinen zweiten Erstligaabstieg in Folge hinnehmen müssen. Auf eine rosige Zukunft hofft der Abwehrspieler nun in Spanien, wo er sich von UEFA-Pokal-Teilnehmer Racing Santander anheuern ließ.

Der erste von insgesamt vier Neuzugängen - deren Verpflichtungen zusammen cirka 3,5 Millionen Euro an zu entrichtenden Ablöseentschädigungen in Anspruch nahm - war der französische Abwehrspieler Jean-Sébastièn Jaurès vom dortigen Erstligafünfzehnten AJ Auxerre. Der 30-jährige Routinier wechselte ablösefrei an die Hennes-Weisweiler-Allee und erhielt von der Borussia einen Dreijahresvertrag, der bis zum Juni 2011 Gültigkeit besitzt. Für Jaurès war der Wechsel zur Borussia allein deshalb ein besonderer, weil er seit seinem 14. Lebensjahr kontinuierlich bei dem für seine hervorragende Jugendarbeit bekannten Klub aus dem Burgund aktiv gewesen war und entsprechend von der C-Jugend ab in sämtlichen Mannschaften jenes Vereins seine Spielanteile bekommen hatte; abgesehen von einer mit Blessuren behafteten Saison gehörte der ausgesprochene Linksfuß, der im Februar 1997 im Profifußball debütierte, in den letzten sechs Jahren geradezu ununterbrochen dort zur Stammformation.
Anders als noch drei Jahre zuvor erhielt der Außenverteidiger jedoch während der vergangenen Saison kein neues Vertragsangebot, obgleich sein Trainer Jean Fernandez ihn einige Monate zuvor noch als wesentlichen Bestandteil der Mannschaft betrachtet hatte. Erst unmittelbar vor seinem Übertritt an den Niederrhein wurde ihm eine Offerte zur Vertragsverlängerung, die einem Zweijahreskontrakt entsprach, nachgereicht. Jaurès entschied sich allerdings gegen dieses Angebot, und für die Borussia.

Fußballerisch zu klassifizieren ist der frühere U19-Europameister, der den Ball sehr gerne mit seinem starken linken Fuß spielt und Schwächen in Luftzweikämpfen nicht zu übertünchen weiß, als ein offenkundig defensivorientierter Außenverteidiger, dessen hauptsächliches Betätigungsfeld allerspätestens an der Mittellinie endet. Der einstige Juniorennationalspieler, den während weiten Teilen seiner Laufbahn eine mittlerweile entschwundene (Antritts-)Schnelligkeit ausgezeichnet hatte, hat indes im Rahmen des Trainingsauftakts schon beherzt angekündigt, sein Spiel künftig anders, vornehmlich offensiver, anlegen zu wollen.

Ebenfalls aus Frankreich, aus Straßburg im Elsass, stammt der zweiten Neuzugang des Transfersommers, der durch eine Ablösesumme im Bereich von geschätzten 2 Millionen Euro der teuerste Sommerzuzug des Klubs & zugleich auch der teuerste Neuzugang der Ägide von Christian Ziege als Borussias Sportdirektor ist: der 23-jährige algerische Internationale Karim Matmour spielte zuletzt beim SC Freiburg, einem der ausdauerndsten Konkurrenten der Borussia in der vergangenen Saison, und erzielte für die Breisgauer in knapp 80 Zweitligapartien zehn Tore.
Vorwiegend als ein von der rechten Außenbahn hervorschnellender Flügelangreifer traf er so etwa auch für seinen Klub im vorletzten Saisonspiel der letzten Spielzeit, einem 3:2-Auswärtserfolg bei der Borussia. Bei ihr bereichert er nun das Reservoir an Flügelspielern, wobei er mit seiner aus Geschwindigkeit gespeisten Quirligkeit und seinem Zug zum Tor nicht strikt nur als (rechter) Flügelspieler hinter der vordersten Angriffslinie in Betracht gezogen werden soll. Bei der Borussia zieht man ihn - mit seinen Qualitäten im Tempogegenstoß und seinen einhergehenden Ballfertigkeiten - auch als mögliche Alternative zu einem Stürmer wie dem 35-jährigen EM-Teilnehmer Oliver Neuville in Betracht, der als auch Tore vorbereitender Konterstürmer bisher noch weitestgehend konkurrenzlos erschien.

Der dritte Neuzugang verstärkt unterdessen die (kleine) Fraktion israelischer Nationalspieler, die ihrerseits vor der letzten Saison mit dem in Südamerika geborenen Stürmer Roberto Colautti ein erstes Mitglied nach Mönchengladbach entsandt hatte. Jetzt gesellte sich zu ihm der zentrale Mittelfeldspieler Gal Alberman, für eine Ablösesumme im markanten sechsstelligen Eurobereich, der in den letzten dreißig Monaten mit dem Beitar FC aus Jerusalem als dessen Leistungsträger zweimal israelischer Meister und einmal israelischer Pokalsieger geworden war. Und, der für das schon zweite Auslandsengagement seiner Laufbahn neben der Offerte der Borussia auch Anfragen aus der englischen Premier League gehabt hatte.
Immerhin band sich der eher defensive Mittelfeldspieler mit der Erfahrung von 18 A-Länderspielen schon für vier Jahre, bis zum Juni 2012, an die Borussia, bei der er nun hofft einen wesentlich bleibenderen Eindruck zu hinterlassen als während jener Halbsaison, die er einst im Trikot des CD Teneriffa in der zweiten spanischen Liga absolviert hatte. Dort hatte er nur vereinzelt jene Merkmale bewiesen, die nach Informationen von SEITENWAHL sein Spiel ausmachen und die neben der für einen zentralen Mittelfeldakteur nötigen Ballsicherheit auch Spielfreude, Antizipation bei der Balleroberung, Passgenauigkeit und insbesondere eine Laufstärke umfassen sollen, die das einstige Talent von Maccabi Petach-Tikva als eine der Hauptalternativen zu den vorhandenen zentralen Mittelfeldspielern der Borussia erscheinen lassen. Vor allem dann, wenn man in die Überlegung einschließt, dass das Vorhandensein eines Nationalmannschaftskollegen dem 25-jährigen manchen jener Steine aus dem Weg räumen könnte, der ihn in Teneriffa gestört hatte.

Durch Jan-Ingwer Callsen-Bracker, die letzte Neuverpflichtung dieses Transferabschnitts, erhielt die anfänglich schon durch Jaurès angereicherte Abwehrformation des Klubs noch einmal einen Zuzug. Der 23-jährige frühere U21-Nationalspieler schloss sich von Bayer 04 Leverkusen kommend der Borussia an und dies, obschon Bayer den Innenverteidiger gerne unter dem Bayerkreuz gehalten hätte. Anders als der Ligarivale VfL Bochum, der Callsen-Bracker auch gerne verpflichtet hätte, entmutigte die Borussia dabei die von Bayer 04 für den hoch aufgeschossenen Rechtsfuß verlangte sechsstellige Ablöseforderung nicht; Callsen-Bracker band sich für drei Jahre.
In diesen gilt der kopfballstarke Zentrumsverteidiger mit der veritablen Geschwindigkeit und dem ordentlichen Spielverständnis zunächst einmal als keinesfalls chancenlose Alternative zu den vorhandenen drei Akteuren (Thomas Kleine, Roel Brouwers, Steve Gohouri) auf seiner Position, zu deren Personal auch der ursprüngliche Linksverteidiger Filip Daems gezählt werden soll, der auch nach Einschätzung von Trainer Jos Luhukay auf dieser Position in der letzten Spielzeit kontinuierlich einen bemerkenswert positiven Eindruck hinterlassen hatte.

Stärken: Zum ersten Mal seit der Saison 1976/77 (Borussias fünftem deutschen Meistertitel) beendete die Borussia eine Saison auf dem 1. Platz der Liga, in der sie spielte. Kein Zweitligist gewann in der letzten Saison so viele Saisonspiele (18), keiner verlor so selten (4), keiner schoss mehr Tore (71) oder war länger an Tabellenposition 1 (insgesamt 26 Spieltage lang). Zudem war die Borussia als fünftbeste Heimmannschaft (2 Niederlagen) die erfolgreichste Zweitliga-Auswärtself (8 Auswärtssiege, 31 Auswärtspunkte) und erzielte dort in 17 Partien auf fremdem Platz alleine mehr Treffer (40) als ganze vier Teams in ihren insgesamt 34 Saisonspielen. Erstmals seit der Saison 1986/87 (74 Tore) erzielte die Borussia in einer Saison auch wieder mehr als 70 Treffer, erstmals seit der Saison 2000/2001 (31 Gegentore) kassierte die Borussia ähnlich wenig Gegentore (38); nur zwei Klubs aus der Liga (Kaiserslautern & Mainz) kassierten insgesamt weniger Treffer.
Mit einer Torausbeute von 28:15 Toren in den ersten Spielabschnitten ihrer 34 Spiele, und mit einer Torausbeute von 43:23 Treffern in den 45 Minuten nach dem jeweiligen Pausenpfiff, blieb die Borussia unangefochten die beste Zweitligaelf im ersten und zweiten Spielabschnitt. Insgesamt zehn Saisontore erzielten eingewechselte Spieler, so viel wie bei keinem anderen Zweitligisten der letzten Saison. Und mit dem 7:1-Auswärtssieg in Offenbach gelang ihr der höchste Auswärtssieg seit dem 7:1 bei Werder Bremen 1987. Es war auch der höchste Auswärtssieg einer Zweitligaelf seit 18 Jahren!

Es war also eine wirklich extrem starke und überzeugende Saison, die die Borussia zwischen August 2007 und Mai 2008 absolvierte. Als Team torhungrig von Erfolg zu Erfolg eilend und überdies noch abwehrstark, egal ob daheim oder in einem fremden Stadion. Die Borussia hat diese 2. Bundesliga völlig dominiert und findet sich mit Recht jetzt wieder in der 1. Bundesliga ein, die grundsätzlich ein höheres Leistungsniveau bereithält als ihre klassentiefere Schwester.

Dieser von den Verantwortlichen in drei von vier Mannschaftsteilen ergänzte Zweitligameister ist als ein homogenes und harmonisches Team mit (beachtlich rasch) gewachsener Hierarchie zu sehen, der seine Auftritte charakterstark mit der notwendigen Leidenschaft und der gewünschten Hingabe zum Ziele des Erfolgs zu paaren versteht. Eine Mannschaft, die sich auf den Punkt konzentrieren kann und sich in der zurückliegenden Spielzeit vor allem davor gefeit zeigte, vermeintlich klar schwächer besetzte Gegner nicht ausreichend ernst zu nehmen. Alle vier Niederlagen der letzten Saison kassierte sie gegen direkte Aufstiegskonkurrenz (2x gegen Mainz, 1x in Hoffenheim), eine dieser Niederlagen erlaubte sie sich im sogenannten „Partyheimspiel" gegen den SC Freiburg, also nachdem sie wenige Tage zuvor die Rückkehr in die 1. Bundesliga perfekt gemacht und diese „Heimkehr" hernach standesgemäß zelebriert hatte. Auch in Spielen, die zwischendurch mitunter verloren schienen, konnte sie in erwähnenswerter Häufigkeit eine Niederlage abwenden. Sei es das Auswärtsspiel in Wehen, das 1:1 endete, oder jenes beim Absteiger Jena, in dem sie einen klaren Halbzeitrückstand noch zu einem Unentschieden hin verändern konnte - die Elf hatte immer noch eine Antwort in ihrem Köcher.
Dass zahlreiche Akteure aus der bisherigen Stammelf (Abwehrspieler wie Roel Brouwers, Thomas Kleine oder Alexander Voigt, Offensivspieler wie Oliver Neuville, Sascha Rösler, Rob Friend und nicht zuletzt Neu-Nationalspieler Marko Marin) darüber hinaus mit der 1. Bundesliga noch, wie gern formuliert, „eine persönliche Rechnung offen" haben, sollte dazu führen, dass der sogenannte Erfolgshunger der Equipe in dieser höheren Liga nicht auf ein Minimum absinkt.

Weil ein neuer großer personeller Umbruch, anders als in den Vorjahren, bewusst vermieden wurde und kein fest zur Stammformation zählender Spieler dabei den Verein nun verlassen hat, ist es in der Trainingsarbeit möglich einen fortdauernden Weg weiterzuverfolgen, der bereits in der letzten Saison in Angriff genommen worden war. Somit muss sich nicht zunächst eine „erste Formation" bilden, sondern kann zielgerichtet und sukzessive an die Vorsaison angeknüpft werden. Es entfällt dementsprechend das gern üblich gewesene „Einspielen" und dies wiederum bildet auch die Voraussetzung dafür, dass sich vergleichsweise rasch die zum erfolgreichen Spiel dazugehörige Portion Sicherheit in Bezug auf beispielsweise die üblichen Arbeitsabläufe innerhalb einer funktionierenden Elf hinzugesellen müsste.

Zur Stärke der Mannschaft gehört auch eine zentrale Achse, die sich vom Torwart bis zum Mittelstürmer erstreckt und mehr als nur gelegentlich Leistungsträger beinhaltet. So blieb die Nummer 1 zwischen Borussias Pfosten, Christofer Heimeroth, in seinem Debütjahr als Schlussmann des Vereins in insgesamt elf Partien (plus ein Pokalspiel) ohne Gegentor und bewies eine sukzessiv ansteigende Form über den Verlauf der Saison hinweg. Während sich im Angriff das Duo Robert Friend und Oliver Neuville mit zusammen 33 Saisontreffern als treffsicheres Gespann einen Namen machte, und dabei mehr war als eine nur auf den Torabschluss reduzierbare Maschinerie (13 Torvorlagen), hat im Mittelfeld mit Sascha Rösler und Patrick Paauwe ein nicht weniger auffälliges Pärchen aus den vordersten Reihen der mannschaftsinternen Hierachie seine Kreise gezogen. Offensivspieler Rösler (9 Saisontreffer) als erster Repräsentant von Merkmalen wie die bereits erwähnte Leidenschaft & Willenskraft und die wirklich sprunghaft angestiegene Gefährlichkeit in Sachen Torerfolge durch Mittelfeldspieler (bereits 26 der 71 Saisontore gingen auf ihr Konto), Defensivspieler Paauwe als leuchtendes Beispiel für eine bei aller Willenskraft nicht vernachlässigte Genauigkeit in der Balleroberung und im erfolgreichen Verteidigen von gegnerischem Ballbesitz - mit seiner dargebotenen Unaufgeregtheit und auch der strukturgebenden Klarheit seines Spiels im Hinblick auf das Spiel seiner Mitspieler hat der frühere niederländische Nationalspieler für die aktuelle Borussia einen Wert erzielt, der in mancher hymnischen Lobpreisung Ausdruck erhält und der Wertigkeit eines Peter Nielsen für die Aufstiegsmannschaft des Sommers 2001 in überhaupt nichts nachsteht.

Abseits dieser Art „Wirbelsäule" innerhalb der Mannschaft hat sich ein erstaunlich geringes Leistungsgefälle bewiesen. Durch eine beachtliche Ausgeglichenheit auf mehr als einer Spielposition ist die Leistungsdichte innerhalb der zum Einsatz kommenden Spieler eindrucksvoll gering, dies kommt beispielhaft durch Tatsachen wie jene zum Ausdruck, dass zwei der fußballerisch pointiertesten Neuzugänge der vergangenen Spielzeit, der ehemalige schwedische Nationalspieler Sharbel Touma und der aktuelle israelische Roberto Colautti, auch ein Jahr nach ihrer Verpflichtung noch sehr hart um einen Stammplatz in der Anfangsformation kämpfen und diesen längst nicht schon inne haben. Die Spielweise beider Akteure könnte in der jetzt qualitativeren Bundesliga deutlicher zum Tragen kommen und damit das Spiel der Borussia letztlich so befruchten, dass man sie im Umkehrschluss auch als zusätzliche Neuverpflichtungen empfinden kann.

Anders, als noch vor der vergangenen Saison, erscheinen die Spieler mit stärkerem rechten Fuß auch nicht mehr in die Nähe eines so empfundenen Artenschutzes zu rücken sein. Links- und Rechtsfüße halten sich - sieht man von der Tatsache der vorwiegend rechtsfüßigen Innenverteidigung und der nicht minder aufgestellten Sturmformation - in etwa die Waage. Eine bemerkbare Stärke scheint sich auch in der tagtäglichen Trainingsarbeit abzuzeichnen, wenn es doch gelungen ist den einst ausschließlichen Linksverteidiger Filip Daems innerhalb von wenigen Monaten zu einem veritablen Innenverteidiger umzuschulen und das Trainerteam nicht davor scheut - etwa mit Blick auf die Rechtsverteidigerposition - in vergleichbarer Weise voranzuschreiten; dasselbe gilt auch im Hinblick auf die Integration von Nachwuchsspielern, von denen die während der letzten Saison schon ins Mannschaftstraining integrierten Frederic Löhe (Torwart) und Moses Lamidi (Stürmer) vorerst die neuesten Jugendspieler sind, die den von der Vereinsführung erhofften Weg zum Profispieler vollzogen haben.
Zu den Stärken der zurückliegenden Spielzeit konnte ruhigen Herzens auch die Verletzungssituation innerhalb des Kaders eingeschätzt werden. Anders als in der Saison 2005/06, als der mehrmonatige Ausfall der beiden Nationalspieler Marcell Jansen und Oliver Neuville den Verein an den Rande des dann nicht mehr entronnenen Abgrunds bugsiert hatte, verlief diese immer zu beachtende Begleiterscheinung des Profisports erfreulich tiefenentspannt. Die Blessuren der Ergänzungsspieler Roberto Colautti und Sebastian Svärd, sowie das Verletzungspech von Sebastian Schachten blieben auf diesem Gebiet die „größten" Ärgernisse für die mit dem Trainerteam verzahnte medizinische Abteilung des Klubs.

Schwächen: Es ist unbestritten, Borussia Mönchengladbach war die beste Mannschaft der zurückliegenden Saison in der 2. Bundesliga und am Schluss deshalb verdienter Zweitligameister. Und Borussia dürfte, würde man auch in der aktuellen Saison in der 2. Bundesliga spielen, sehr gute Chancen auf eine ähnliche Rolle haben. Die Krux ist hierbei, dass die Mannschaft jetzt exakt eine Division höher eingeordnet ist und daher auf neue Konkurrenten in einer neuen Liga trifft, die mithin alle auf einem besseren Niveau spielen als die Gegner der zurückliegenden Saison - oder, wie Jos Luhukay es neulich im SEITENWAHL-Interview formuliert hat, „in der Bundesliga werden Fehler viel häufiger und schneller bestraft."

Seine Mannschaft, die in der zweiten Liga mehrheitlich als Favorit aufgetreten war und oftmals ein Spiel über sehr große Teile dominant gestaltet hat, trifft in der anstehenden Spielzeit auf Mannschaften mit größerer fußballerischer Qualität, die mitunter in nicht geringem Ausmaß die Potenz der eigenen Elf übersteigt. Man ist durch den Aufstieg von einem (Mit-)Favoriten um den Staffelsieg ganz zwangsläufig zu einem (Mit-)Favoriten um den Abstieg geworden.
In Anbetracht der wiedereingeführten Relegationsspiele ist die Abstiegswahrscheinlichkeit von Aufsteigern zwar statistisch geringer als in den letzten Jahren (in denen sich nur vier von 33 Aufsteigern der letzten 11 Jahre wirklich in der Liga hatten etablieren können) allerdings ein reale Gefahr. Und so muss selbstredend auch berücksichtigt sein, dass die Borussia alle ihre vier Saisonniederlagen 2007/08 immerhin gegen direkte Mitkonkurrenten kassierte und aufgrund des frühen Ausscheidens im DFB-Pokal nur ein weiteres Wettbewerbsspiel, eben das Pokalspiel beim späteren Deutschen Meister Bayern München, gegen eine Mannschaft absolvierte, die nun je zweimal ihr Gegner sein wird.
Die Mannschaft, die in der 2. Bundesliga so hervorragend funktionierte, betritt also wirkliches Neuland. Alldieweil wirklich viele ihrer Spieler es bislang zwar in der 2. Bundesliga meist immer sehr gut gemacht haben - Brouwers, Rösler, Voigt, Coulibaly, Ndjeng etc. - jedoch bislang keine oder keine solche Saison in der 1. Liga absolviert haben, dass man ihnen mit ruhigem Gewissen attestieren könnte, dass sie in dieser höchsten Liga des deutschen Fußballs bisher sozusagen „angekommen" sind.

Ebenfalls unter diesen Aspekt fällt die Tatsache, dass keiner der im Aufstiegssommer verpflichteten Neuzugänge schon über Erfahrungen in der 1. Bundesliga verfügt, oder, wenn eine erkleckliche Erstligaerfahrung vorhanden ist - wie beim Franzosen Jaurès -mangelnde Sprachkenntnisse dabei nicht aus dem Auge zu lassen sind. Dies geht mehr oder minder konsequent mit dem Umstand einher, dass die neuen Spieler keineswegs definitiv eine unmittelbare Qualitätssteigerung versprechen, sie vorwiegend als bessere Alternativen (gegenüber der Stammelf) als jene Spieler gelten dürfen, die die Borussia jetzt verlassen haben.

Während die Offensive Zweitligabrillanz offenbarte, war es ab und an ersichtlich, dass die Defensive keine vergleichbare Sattelfestigkeit hatte. So muss sich die Mannschaft die eine Klasse höher notwendigere Ausgewogenheit im wichtigen Verhältnis zwischen Defensive und Offensive -  etwas, dass ihr Trainer „Balance" nennt - zäh erarbeiten. Allein die strategische Klarheit von Schlüsselspieler Paauwe wird der Borussia nichts nützen, wenn es der Gegnermannschaft gelingt den Ball zu erobern und diesen anschließend sofort in Richtung des Tores der Borussia treibt. Gerade da wirkt es nicht optimal, dass viele ihrer Abwehrspieler fernab von Zweikampfstärke eine auf höherem Niveau immer notwendigere Spurtstärke nicht in die Waagschale einbringen können.
Augenscheinlich ist nebenbei auch, dass die Mannschaft besonders im Bereich der Innenverteidigung auf wenig sogenannte „möglichst komplette" Verteidiger zählen kann. Sind ihre kopfball- und zweikampfstark, sind sie im Spielaufbau doch meist defizitär (Brouwers, Kleine, Gohouri). Sind sie im Spielaufbau ordentlich und/oder vernünftig schnell, gehört das Kopfballspiel oder der Zweikampf allenfalls phasenweise dazu (Daems). Dieser Mangel gilt vergleichbar ebenso für die Besetzung auf den Außenverteidigerpositionen, wo zum Beispiel bestenfalls mit den bis dato unregelmäßig erprobten Nachwuchskräften Johannes van den Bergh (links) oder Sebastian Schachten (rechts) ausreichend schnelle Akteure bereitstünden, die hauptsächliche Besatzung (Levels, Voigt) jedoch schon letzte Saison bereits nicht frei von solchen Nachteilen blieb.

Auf den Außenpositionen also nicht spurtstark, schleppt die Borussia ferner eine wirklich derbe Baustelle auf der rechten Außenverteidigerposition mit in die Saison. Während ihr bereits vor der vergangenen Saison dort eine echte Alternative zum gesetzten Stammspieler zu fehlen schien, hat sie spätestens zu Beginn dieser Saison durch den Abgang des Dänen Kasper Bøgelund eine Konkurrenzsituation eingebüsst: indem sie sich auf dem Transfermarkt diesbezüglich enthaltsam zeigte und keinen rechten Verteidiger nachverpflichtete. Somit kommt dem in der letzten Saison nicht von Leistungsschwankungen freien Nachwuchsmann Tobias Levels beinahe allein die Aufgabe zu, dort für den notwendigen Erstligastandard zu sorgen; auch wenn sich die Verantwortlichen um Trainer Luhukay hastig bemühen zu betonen, dass diverse Spieler des bisherigen Kaders - vom harschen Abwehrhünen Gohouri, über den Langzeitverletzten Schachten und mitunter bis hin zum leichtgewichtigen Offensivspieler Ndjeng - dort im Falle des Falles sicher ordentliche Dienste verrichten können sollen.

In dem vor der Abwehr angeordneten Mannschaftsteil, dem Mittelfeld, war in der vergangenen Saison auffällig, dass vordergründig die Schlüsselfiguren Patrick Paauwe und Sascha Rösler eine wirklich konstant gute Saison spielten. Die meist eingesetzten Außenbahnakteure, wie Marcel Ndjeng rechts oder Marko Marin links, konnten ihrerseits diese Konstanz (je 13 Torvorlagen) nicht nachweisen und kamen lediglich auf eine gute Saisonhälfte. Ndjeng brillierte in der Vor-, Nationalspieler Marin in der Rückrunde, wobei selbst ihr erster Vertreter, der Schwede Touma, erst gegen Ende der Saison eine ansteigende Form und mit ihr eine gewisse Wertigkeit nachweisen konnte.
Eine Faustformel bei aller schon positiv erwähnten Leistungsdichte ist folglich, dass im Mittelfeld einiges von den sogenannten „Chefs" Paauwe und Rösler abhängt. Selbst wenn der neuverpflichtete Israeli Gal Alberman gleich auf Anhieb einschlagen sollte.

Im Angriff hat man, wie auf der Rechtsverteidigerposition, eine Stelle abgebaut und lässt sie von sogenannten Allroundern (mit) abdecken. Dieser Allrounder heißt hier primär Karim Matmour und ist eigentlich einer auf den vordergründigen Flügelpositionen ansässiger offensiver Mittelfeldmann. Somit stehen der Borussia im Sturm neben dem unerfahrenen Nachwuchstalent Moses Lamidi insgesamt die Nationalspieler Oliver Neuville, Rob Friend und Roberto Colautti zur Auswahl, was vor dem Hintergrund immer möglicher Verletzungsunterbrechungen - Colautti brachte es in der vergangenen Saison lediglich auf 10 Saisonspiele, Neuville ist immerhin schon 35 Jahre alt - auf den ersten Blick durchaus ein wenig dünn erscheinen darf.

Offensiv als Schwäche eingestanden hat beispielsweise Trainer Jos Luhukay drei Aspekte, die er unmittelbar bekämpfen möchte. Nicht nur im SEITENWAHL-Interview erwähnte der Niederländer das zu erhöhende Spieltempo, die zu verbessernde Handlungsschnelligkeit und das suboptimale „Umschalten" bei Ballverlust bzw. Balleroberung als Hauptproblem. Luhukay greift damit auf Eindrücke zurück, die hier bereits geschildert wurden: oft ließen die Offensivspieler die Defensivspieler nach Ballverlust geradezu alleine, arbeiteten wenig konsequent „gegen den Ball", meist dauerte es sehr lange (wie beispielsweise bei Marcel Ndjeng in weiten Teilen der Rückserie), ehe nach einem Ballgewinn der präzise Ball in die Spitze wirklich gesucht wurde und zu selten suchte die durchaus ja über Kondition verfügende Mannschaft von sich aus eine deutliche Tempoverschärfung.

Vergleichsweise wenig hat die Borussia (übliche 22 ihrer 38 Gegentreffer fielen letzte Saison zwischen der 30. und 75. Spielminute) zwischenzeitlich ebenso aus dem Vorhandensein einer Lufthoheit im Vergleich mit ihrer Ligakonkurrenz gemacht, etwa vor des Gegners Tor beim eigenen Eckball. Dies scheint derweil genauso wenig eine mehr als temporäre Schwäche wie die Vermeidung punktearmen Starts in die Vor- und Rückrunde, die vorwiegend auf eine nachvollziehbare Un-Eingespieltheit zurückgeführt wurden.