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Borussia M'gladbach im Bundesligacheck - Teil 2 Drucken
Geschrieben von seitenwahl.de   
Mittwoch, 13 August 2008
Borussia Mönchengladbach vor der Saison 2008/09Im gestrigen ersten Teil des diesjährigen Bundesligachecks wurden zunächst die Stärken und Schwächen der Borussia angeführt, umrahmt von den vollzogenen personellen Änderungen im Profikader. Der heutige zweite Teil beginnt mit einer Auseinandersetzung das Spielsystem der Borussia betreffend und führt über den Trainer, die Fans, die finanzielle Situation und die Saisonvorbereitung hin zu einem Bild, an das sich in einem weiteren Teil am morgigen Donnerstag die Saisonprognosen aus der SEITENWAHL-Redaktion anschließen sollen.

Ausrichtung und Stil: In jedem Sommer mit internationalem Endturnier brandet unter dem Deckmäntelchen sogenannter „Lehren" eine Diskussion über Spielweisen und Spielsysteme auf. War es infolge des Sensationssieges der griechischen Elf bei der Europameisterschaft 2004 die sogenannte Dreierkette, diskutierte man infolge des 3. Platzes der deutschen Elf bei der WM die essentielle Richtigkeit einer „flachen Vier", so begeisterte man sich während der diesjährigen EM 2008 über die so angepriesene „Doppelsechs". Und spätestens seitdem eruiert man allenthalben auch eine Notwendigkeit des sofortigen Wechsels hin zu dieser Variation

Die Borussia hat sich nun in der zurückliegenden Saison sowohl mit dem „neumodischen" 4-2-3-1, als auch mit dem zuletzt „herkömmlichen" 4-4-2 bereits gezeigt. Wobei Borussia den vorwiegenden Teil der zurückliegenden Saison in einem 4-4-2 absolviert hat, bei dem oftmals Mittelfeldmann Sascha Rösler als vielgerühmter „Schalterspieler" situationsbezogen mit seiner Position im Gesamtgefüge darüber entschied, ob bei Borussia in dem jeweiligen Moment ein defensiver und ein offensiver Mittelfeldmann oder zwei defensive agierten. Letzteres ging gern einher damit, dass Oliver Neuville dann als zweiter Stürmer etwas dem eigenen Tor näher agierte und allein Rob Friend in eher vorderster Reihe verblieb.

In der Saisonvorbereitung deutete sich derweil verstärkt an, dass ein schon zu Beginn der vorigen Spielzeit zeitweise dargebotenes 4-2-3-1 mit zwei vorrangig defensiven Mittelfeldspielern durch Borussia auf den Platz gebracht werden könnte. Dies erscheint in Anbetracht der Defizite im Defensivverhalten und der Fragezeichen im Abwehrverbund als probate Lösung, da sich durch die defensivere Grundausrichtung im Vergleich zum „herkömmlichen" 4-4-2 hierbei von Haus aus mehr Spieler „hinter dem Ball" (und dem eigenen Strafraum näher), befinden und deshalb nach Ballverlusten in der Offensive schneller sozusagen gegen den gegnerischen Ballbesitz anspielen können sollten. Dies könnte sich, gerade angesichts von immerhin vor allem offensivstarkem Personal auf den äußeren Positionen im Mittelfeld (Ndjeng, Marin, Touma, Matmour, (Lamidi)), auch dem Bedürfnis hinsichtlich einer besseren Balance zwischen Defensive und Offensive als zweckdienlich erweisen.
Auch zeigen Beispiele von anderen und erfolgreichen, ebenso vorwiegend über das sprichwörtliche Kollektiv agierenden Erstligaaufsteiger der letzten Jahre (zuletzt insbesondere Karlsruhe, zuvor u.a. Mainz gar mit einem gewachsenen 4-3-2-1), dass diese sich derart den Herausforderungen der höheren Spielklasse entgegengestellt hatten.

Trotz allem führt immer wieder kein Weg an der direkten Interpretation der Aufstellung durch eine Mannschaft auf dem Feld vorbei. Jos Luhukay unterstreicht dies etwa, wenn er sagt, dass man den Klassenerhalt gerne mit sozusagen „schönem Fußball", offensiv und attraktiv, sicherstellen möchte, aber eine so postulierte „Schmutzigkeit" bei Punkterfolgen nicht abgelehnt würde. Und, dass messbarer Erfolg sich letztendlich dann einstellen wird, wenn merkbar ist, dass auf dem Feld eine homogene Einheit gemeinsam dasselbe Ziel als Team verfolgt - übrigens zu Recht verweist der Niederländer dabei darauf, dass (die mit ihm harmonierende) bisherige Elf gerade in diesem Punkt in der letzten Saison brilliert hat und deswegen das letzte Saisonziel in der Form auch erreichen konnte.

Trainer: Jürgen Gelsdorf dreizehn Monate, [...] Hannes Bongartz zwölf Monate, Norbert Meier vier Monate, Friedel Rausch  sechs Monate, Rainer Bonhof zehn Monate, [...], Ewald Lienen sieben Monate, Holger Fach zwölf Monate, Dick Advocaat sechs Monate, Horst Köppel dreizehn Monate, Jupp Heynckes sechs Monate. Die Haltwertzeit von Cheftrainern bei Borussia Mönchengladbach war in den letzten beinahe zwanzig Jahren - im Grunde seitdem sich die damalige Führung der Borussia im Falle des heutigen Düsseldorfer Managers Wolf Werner erstmals zu einer vorzeitigen Trainerentlassung durchgerungen hatte - eher sehr kurz und wer doch länger als für einen Wimpernschlag auf diesem heißen Stuhl ausharren wollte, der musste schon für die größten Errungenschaften der jüngsten Vereinsgeschichte (DFB-Pokalerfolg, Wiederaufstieg) verantwortlich zeichnen.

Jos Luhukay, Amtsnachfolger von Jupp Heynckes und seit nunmehr schon achtzehn Monaten (!!) für die erste Mannschaft verantwortlich, ist neben dem zuletzt beim 1. FC Nürnberg in Lohn und Brot stehenden Hans Meyer genau einer der beiden Trainer, die die Borussia in die 1. Bundesliga zurückführten. Luhukay gelang dies gar, obwohl er mit der Hypothek in die letzte Saison ging, dass er in immerhin sechs Monaten der Abstiegsspielzeit das sogenannte Ruder nicht mehr herumreißen und die Borussia vor dem Abstieg bewahren konnte. Nicht wenige Beobachter hatten ihm daraufhin prognostiziert, dass seine Amtszeit kaum fortbestehen werde, sollte die Borussia in der Zweitklassigkeit nicht unmittelbar in die Gänge kommen.

Sie kam nicht, sondern wurde zum Beispiel beim entsetzlichen 1:4 beim Mitkonkurrenten Mainz 05 noch böse vermöbelt. Man hatte zwar, anders als nach ihrem ersten Abstieg, in den ersten beiden Saisonspielen immerhin punkten können (und war auch im DFB-Pokal weiter gekommen), aber wo sie 1999/2000 in ihrem ersten Zweitligajahr noch Rainer Bonhof freistellte, durfte 2007/08 Jos Luhukay seinen Weg weitergehen. Mit Erfolg!
An die Pleite in Rheinhessen im August 2007 schlossen sich fünfzehn ungeschlagene Ligaspiele in Folge (mit 34 von 45 möglichen Zählern), die souveräne Herbstmeisterschaft und nach einer kurzen Unterbrechung wiederum 12 ungeschlagene Partien (mit 26 von 36 möglichen Zählern) an, die schließlich in den verdienten Wiederaufstieg mündeten, bei dem die Elf ihre Mitaufsteiger Hoffenheim und Köln um gleich sechs Punkte auf die Plätze 2 und 3 zu distanzieren wusste.

Dem nicht unerheblichen Druck, den sich der Niederländer auf der Trainerbank der Borussia noch vor Saisonbeginn mit diversen Ankündigungen („Mein Ziel ist es offensiv und attraktiv spielen zu lassen", „Durch den personellen Umbruch ist ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen, dieser Kader geht unbelastet in die Saison", „Wir bringen ein Team auf den Platz, das für den Erfolg kämpft" usw.) auch zusätzlich aufgeladen hatte, hatte er dadurch schon während der Saison nachhaltig standgehalten und dürfte nicht zuletzt deshalb mit einem für Borussentrainer der letzten Jahr(zehnt?)e gar außerordentlichen Bonus in die Saison 2008/09 starten. Ein Vertrauensvorschuss, wie ihn zuletzt wohl nur der andere Aufstiegstrainer, Hans Meyer, auf seiner Seite gehabt haben dürfte.

So erscheint es unwahrscheinlich, dass der von der reißerischen Presse mit den großen Schlagzeilen und dem kleinen Inhalt mittlerweile vom „Loserkay" in „Juhukay" umgereimte Fußball-Lehrer trotz nicht minder selbstbewusster Formulierungen hinsichtlich der neuen Spielzeit („Wir wollen auch weiter in jedem Spiel, ob auswärts oder zu Hause und unabhängig vom Gegner, versuchen, das Spiel zu kontrollieren, so dominant aufzutreten, wie es uns letztes Jahr gelungen ist", „Wir wollen die Klasse halten, und das mit schönem Fußball") in absehbarer Zeit ähnlich massiv unter Druck geraten könnte, wie er das bestimmt nach Spieltag drei in der Vorsaison gewesen ist. Als sein sogenanntes Erfolgsrezept darf hierbei seine besonnene und in sich ruhende, höfliche aber dennoch präzise und bestimmte Art sein, für die das „Mannschaftliche" wichtiger ist als der Einzelspieler - wie nicht allein der Umgang mit der markanten „Discoaffäre" im letzten Herbst beweisen konnte.

Mit Hektik ist man eben selten erfolgreich, wie Luhukay jüngst im SEITENWAHL-Interview andeutete, als er die Saisonvorbereitung als elementarste Einspielphase umriss, das sogenannte Kollektiv als Basis des Erfolgs und die Überlegung, dass er sich auch aufgrund der Neuzugänge in der Verfassung wähnt jederzeit eine auf den jeweiligen Gegner abgestimmte Aufstellung auf das Feld schicken zu können, bei der der jeweilige Name des Einzelspielers einen geringer als erwarteten Ausschlag geben werde.

Die unmittelbarsten pädagogischen Fähigkeiten, die so etwas automatisch voraussetzt, bewies der in der Öffentlichkeit mittlerweile nicht mehr als „unscheinbar" (sondern „bescheiden") wahrgenommene Jos Luhukay in der vergangenen Saison bei Youngster Marko Marin, der auch dank seiner rücksichtsvollen wie konsequenten Betreuung vom großen Nachwuchstalent zum mit großem Lob dekorierten Neu-Nationalspieler wurde. So führte er ihn während der Hinrunde, als Marin durchaus auch einmal nicht zum Einsatz kam, behutsam an das Leistungsniveau heran, mit dem der 19-jährige in der Rückrunde zu einem die Liga dominierenden Individualisten wurde, der es gar in den erweiterten EM-Kader von Bundestrainer Löw schaffte und letztlich lediglich um Haaresbreite den Vizeeuropameistertitel Deutschlands nicht miterleben durfte.

Fans: Einem Höllenritt gleich war das Erlebnis, das die Borussia ihren Anhängern in den letzten 24 Monaten bot. Zunächst ein mittelprächtiger Erstligisten mit ambitionierten Zielen, der binnen Wimpernschlägen zu einem wirklich schier jedes Spiel verlierenden Klub auf Crashkurs wurde. Und dann ein durchwachsen beginnender Aufstiegsmitfavorit, der sich in vergleichbaren Zeitabschnitten zu einem wirklich schier jedes Spiel gewinnenden Zweitligameister entwickelte. Gerade auch diese Zweitligameisterschaft, für die es keine Krone gab, war hierbei ein wirkungsvoller Balsam für die in den letzten Jahren nicht verwöhnte Anhängerschaft des Klubs, bei der sich im Zuge der Entwicklungen der vorvergangenen Spielzeiten so manche Unfassbarkeit eingeschlichen hatte.

Von derartigen Aussetzern hoffentlich doch bloß Versprengter, wie sie etwa in der Abstiegssaison noch wiederholt vorgekommen waren, war man in der zurückliegenden Saison gefeit. Natürlich vorwiegend deshalb, weil die Borussia nach drei nicht so guten Spielen, in denen sie sich eine blamable Vorstellung erlaubte (1:4 bei Mainz 05), eine Entwicklung bewies, die sie durch weite Teile der Saison zu tragen schien. War der erste Auswärtssieg der Mannschaft in Aue noch ein nervenaufreibend glücklicher - als der Hinterkopftreffer von Roel Brouwers ein Spiel entschied, in dem bei einem Zwischenstand von 2:0 einen Elfmeter verschossen, der Gastgeber fröhlich auf 2:2 herangelassen wurde und hernach sogar berechtigt einen nicht gegebener Handelfmeter beklagen konnte - folgten ihm, von einem 3:1 bei den starken Fürthern bis hin zum reichhaltigen 7:1 in Offenbach, immer souveränere Auftritte in der Fremde. Und mit diesen ging das allseits wohlige Gefühl einher, dass Borussia und Auswärtsspiele nur bloß zeitweilig eine ungute Verbindung gewesen war.

Lediglich vier Spiele wurden in der letzten Saison verloren, entsprechend stolz konnten die Borussenfans ihre Farben in der Republik vertreten. Dies geht einher mit dem Vertrauen, das sie in die sportliche Leitung um Sportdirektor Ziege und Trainer Luhukay zu bilden begannen. Sie goutierten, dass unter der Regie dieser Protagonisten ihnen wieder eine Elf geboten wurde, mit der sie sich nachhaltig identifizieren konnten. So stießen im Verlauf der letzten Spielzeit rund 3.000 neue Mitglieder zu der so bezeichneten Borussenfamilie, zählt der Klub nun mittlerweile cirka 38.000 ihm auf diese Weise verbundene Menschen. Etliche mehr, als das erst 2004 ausrangierte Bökelbergstadion an Besuchern als Platz maximal hätte anbieten können. Einige mehr noch als der Verein in dieser Saison Dauerkartenkunden haben wird, mit 26.000 verkauften Abonnements (im Vorjahr: 18.400) hat der Klub dabei vor der Saison an die Marke aus der letzten Erstligasaison angeschlossen, als er den Verkauf von 26.200 Abos vermeldet hatte.

Der durch den Abstieg scheinbar in Gefahr geratene „Run" auf die Borussia hat wohl einzig tief Luft geholt, im Umfeld des Klubs ist auch eine Aufbruchstimmung zu verzeichnen, die zumindest auf den ersten Blick ein bisschen gesünder erscheint als noch 2001, als der Klub zuletzt „wieder nach Hause" zurück kam. Es scheint plötzlich ein wenig substantieller möglich der über die Bundesrepublik weit verstreuten Anhängerschaft zu verdeutlichen, dass die Bäume für den Klub auch trotz des sehr souveränen Aufstiegs nicht gleich in den Himmel wachsen dürften und der Borussia vorläufig ein unter Umständen gar knüppelharter Kampf gegen den Abstieg ins Haus stehen müsste.

Zweifelsohne muss sich diese angeblich gesündere Portion Selbsteinschätzung erst noch beweisen, wobei es kein Vorteil sein muss, dass die Borussia dieses Mal in ihrem ersten Saisonspiel nach wiedererlangter Erstklassigkeit keinen alten Rivalen und amtierenden Deutschen Meister zu Gast hat. Denn so richtig ausgestorben sind die (chronisch?) Unersättlichen im weiten Rund des Borussenstadions nicht, dies zeigte beispielhaft das letzte Saisonheimspiel gegen den SC Freiburg, als inmitten behaglicher Aufstiegsfeier-Laune zur Halbzeit erboste Pfiffe Überhand nahmen. Weil die Borussia hierbei kurzzeitig mit zwei Treffern, wenig später gar mit drei Toren, zurück gelegen hatte. Ein bemerkenswertes Szenario, ganze drei Tage nachdem sie an gleicher Stelle im mit 3:0 über den SV Wehen Wiesbaden vorzeitig ihr Saisonziel erreicht und den sofortigen Wiederaufstieg perfekt gemacht hatte.

Finanzielle Situation: Auch bei einem mehrjährigen Aufenthalt in der 2. Fußball-Bundesliga würden für Borussia keine existentiell bedrohenden finanziellen Schwierigkeiten entstehen. Dies sagte im April des vergangenen Jahres Borussias Vizepräsident Siegfried Söllner SEITENWAHL in einem Interview. Söllner prognostizierte für einen Aufenthalt in der 2. Bundesliga, der damals wahrscheinlich war, gar Gewinne. Und bei der Mitgliederversammlung der Borussia im April diesen Jahres zeigte sich dann auch ein Gewinn. Ein Rekordgewinn von 6,8 Millionen Euro nach Steuern, wobei Einnahmen von cirka 68,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007 Ausgaben von 56,5 Millionen Euro gegenüberstanden und halfen die im Vorfeld der letzten Saison vor allem von Geschäftsführer Stephan Schippers („Borussia ist nicht reich, aber gesund!") geprägte Aussage zur Lage unterstreichen.
 
Die Borussia, die im Vorfeld der anstehenden Saison erheblich geringere Transfereinnahmen verbuchen konnte als im Abstiegssommer (damals: ca. 18,3 Millionen Euro), befindet sich auch anfangs des fünften Jahres nach Fertigstellung des vereinseigenen Stadions an der Hennes-Weisweiler-Allee (dessen geschätzte jährliche Betriebskosten: ca. 3 Millionen Euro) noch mitten in der ursprünglich auf 15 Jahre ausgerichteten Rückzahlung der Kreditverträge. Bei dem einst ambitioniert ins Auge gefassten Ziel diese Kreditverträge bereits vorzeitig und vor dem eigentlichen Zeitplan hinter sich lassen zu können, dabei hat ihr die Spielsaison in der 2. Fußball-Bundesliga trotzdem nicht geholfen. Dem positiven sportlichen Ergebnis während dieser 12 Monate ist es aber zuzuschreiben, dass dieser Rückschlag im Vergleich sehr überschaubar zu enden scheint; nicht nur, weil die Borussia beispielsweise ihre dem Zweitligaetat zugrunde liegende Zuschauererwartung bei den 17 Saisonheimspielen um rund 10.000 Zuschauer im Durchschnitt übertraf und sich der zu erwartende Zuschauerrückgang im Endeffekt bei sozusagen verkraftbaren 14 % (rund 684.000 Besucher 2007/08 gegenüber cirka 808.000 in der Saison 2006/07) einpendelte.

Die erwähnten, weniger erzielten Transfereinnahmen dieses Sommers 2008 (unter 500.000 Euro) korrespondieren insofern mit den Transferausgaben, als die Aufwendungen für die Ablösesummen der Neuzugänge im Vergleich ebenso abgesunken sind: 2007/08 investierte Borussia rund 4 Millionen Euro, 2008/09 belaufen diese Kosten sich bisher auf rund dreieinhalb Millionen Euro.

Durch die geglückte Rückkehr in die 1. Bundesliga stehen der soliden Borussia, die es in einem zweiten Zweitligajahr in Serie erheblich schwerer gehabt hätte einen Gewinn zu erzielen, im Vergleich zur Zeit in der 2. Bundesliga Mehreinnahmen in das Haus. So dürfte die seit 2005 sukzessive intensivierte Verbindung mit ihrem Hauptsponsor, der Kyocera Mita Deutschland GmbH, nun geschätzte 4,5 bis 5 Millionen Euro Einnahme pro Jahr erzeugen bzw. wird die Borussia durch den hergestellten Wiederaufstieg bei der Verteilung der Erträge, die die Deutsche Fußball-Liga (DFL) auch für die anstehende Spielzeit aus der bestehenden Vermarktung der TV-Übertragungsrechte erzielt, wieder als Erstligist berücksichtigt. Das sind insgesamt willkommene Mehreinnahmen um die zehn Millionen Euro - wenn man ausschließlich die durchschnittlichen Größen für Mannschaften der 1. Bundesliga (ca. 16 Millionen Euro) den Größen für Mannschaften der 2. Bundesliga (maximal ca. 7 Millionen Euro) als Maßstab anlegt

Bei Borussia sollen diese Mehreinnahmen in adäquater Größe zum Beispiel in den Lizenzspieleretat einfließen, dieser müsste für die Saison 2008/09 bei etwa 27 Millionen Euro rangieren. Somit ist die Borussia, die in ihrem Abstiegsjahr 2006/07 einen Gesamtetat von cirka 60 Millionen Euro aufwies, zwar auch im Sommer 2008 nicht reich, aber sie ist noch ein bisschen gesünder. Wenn man sich diesem Rückgriff auf die im Abstiegssommer geprägte Formulierung hierbei bedienen darf.

Sie, die alle Rechte in der eigenen Hand hält und darauf gern mit Stolz verweist, besitzt auf finanziellem Sektor auch weiterhin noch die Möglichkeit Zusatzeinnahme im Vergleich zu ihrem jetzigen Standard zu erzielen. Neben dem ab der Spielzeit 2009/2010 neu aus zu verhandelnden TV-Vermarktungsvertrag der Bundesligen, der nach dem Wunsch aller zur DFL zählenden Vereine allen einen messbaren Einnahmezuwachs (geschätzt wurde zuletzt 5 Millionen Euro) erbringen soll, könnte der Klub darüber hinaus zulegen. Sollte Borussia es beispielsweise doch einmal glücken den Stadionnamen entsprechend zu vermarkten, stünden ihr daraus dann Erlöse ins Haus, die ihrer sportlichen Situation nützlich sein könnten. Erträge, die vor allem einer Injektion entsprechen würden, die einige bisweilen finanziell weniger stattliche Ligakonkurrenten mit vermarktetem Stadionnamen bereits in sich aufgesogen haben. Mitunter auch ohne der Borussia dabei sportlich entscheidend zu enteilen.

Saisonvorbereitung: Mit einem 4:2 im traditionellen Saisoneröffnungsspiel gegen den spanischen Pokalsieger FC Valencia endete für die Borussia eine von acht Testpartien umrahmte Saisonvorbereitung, die die Borussia ursprünglich auch in ein Trainingsquartier in die Vereinigten Staaten hätte führen sollen. Dieses Unterfangen wurde jedoch noch vor der Abreise wieder in den Wind geschrieben, nachdem die dortigen Verhältnisse bei einer finalen Durchsicht nicht zugesagt hatten; ins Trainingslager ging es stattdessen ins ostwestfälische Bad Lippspringe, der Heimat von Assistenztrainer Gellhaus, sowie nach Westerburg in Rheinland-Pfalz, wo die Mannschaft drei Wochen vor dem Saisonstart zu einem Kurztrainingslager zusammengezogen wurde.

Bei ihren acht Vorbereitungsspielen ging die Borussia sieben Mal als Sieger vom Feld, begonnen bei einem 4:1 gegen ihren Kooperationspartner, den Verbandsligisten FC Wegberg-Beeck. Es folgte ein 2:1 über Arminia Bielefeld und ein 7:0 über den BV Bad Lippspringe, ehe die Borussia in Goch im Duell zweier Aufsteiger ihr englisches Pendant in Sachen Zweitligameisterschaft der zurückliegenden Spielzeit, West Bromwich Albion, mit 2:1 bezwang. Es war eines von drei Testspielen, die für die Borussia ein höheres Ligenniveau repräsentieren sollten und auch im zweiten so eingeplanten Spiel, gegen den niederländischen UEFA-Pokalteilnehmer SC Heerenveen einige Tage später, konnte die Borussia einen Erfolg feiern (3:1). Ein Eigentor von Tobias Levels bescherte der Borussia anschließend bei der TuS Koblenz aus der 2. Bundesliga die einzige Niederlage in ihrer Testspielreihe, wobei das 7:1 (2:1) beim Regionalligisten 1. FC Kleve von Trainer Arie van Lent für Jos Luhukay zeitweise wie eine Niederlage war, was er seiner Mannschaft bei Halbzeit auch so mitteilte. Anschließend beschloss die Borussia ihre Vorbereitungsspiele mit einem überzeugenden 4:2 über den aus seinem niederländischen Trainingsquartier angereisten FC Valencia vor 22.000 Zuschauern an der Hennes-Weisweiler-Allee.

Sieht man vom Außenmeniskusriss Sebastian Schachtens ab, blieb die Vorbereitung dabei weniger als von Verletzungen von den direkten Umständen des Sommers begleitet. So hatte Trainer Luhukay damit auszukommen, dass das erfolgreiche Sturmduo der vergangenen Saison, Rob Friend und Oliver Neuville, erst verhältnismäßig spät ins Training einsteigen konnte. Ebenso wie Soumaila Coulibaly, der mit einer Reizung in der Kniekehle kurzfristig zusätzliche Pausen einzulegen hatte, waren die beiden Nationalstürmer in der Vorbereitung nur sehr eingeschränkt am Ball. Bei Neuville, der drei Wochen später als der Rest der Mannschaft das Training aufnahm, verhinderten Schmerzen im Achillessehnenbereich ein Mitwirken in sämtlichen Testspielen, Friend kam erst in den letzten Testspielen mit ansteigenden Spielzeiten zum Einsatz. Ansonsten gab es bei vereinzelten Spielern gelegentliche Blessuren, die für sich gesehen einen Einsatz des Betroffenen in dem einen oder anderen Testspiel verhinderten; die Partie gegen Valencia beispielsweise verpasste Stürmer Roberto Colautti ebenso wie Abwehrspieler Steve Gohouri (beide jeweils mit Oberschenkelproblemen).

Während das Trainergespann (Luhukay: „Wir müssen die optimalen körperlichen Voraussetzungen schaffen.") die Vorbereitungsspiele (durchgehende Grundausrichtung dabei: 4-2-3-1) auch dazu nutzte jedem einzelnen Spieler ausreichend Bewährungschancen in den einzelnen Test einzuräumen und stets die Betonung darauf legte, dass es von dem Begriff „Stammelf" eine abweichende Auffassung besitze, konnten sich im Verlauf der Vorbereitung zeitweise auch Youngster wie U20-Nationalspieler Moses Lamidi, der zu Beginn der Vorbereitung auftrumpfte, oder Mittelfeldmann Alexander Baumjohann, der schließlich im Spiel gegen Valencia überraschend in der Startformation auftauchte und dieses mit einer starken Halbzeit zu kontern wusste, nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Um dadurch im Vergleich zur Vorsaison als wertvollere Alternativen für den Trainer zu wirken. Selbiges trifft auch auf Colautti zu, der drei seiner fünf Treffer in den Matches gegen Heerenveen und West Brom markierte und dabei die bei ihm vermuteten Qualitäten nachwies.

Den symbolischen Endpunkt der Saisonvorbereitung für die teaminternen Zusammenhänge bot in der Woche vor dem Pokalspiel gegen den VfB Fichte Bielefeld aus der Landesliga noch die Entscheidung über das Amt des Mannschaftskapitäns und seiner Vertreter. Hierbei fiel die Wahl unspektakulär auf Vizeeuropameister Oliver Neuville, der bereits in der Vorsaison die Kapitänswürde innehatte. Im Mannschaftsrat ist nun neben Sascha Rösler und Patrick Paauwe auch Alexander Voigt vertreten, er ersetzt Kasper Bögelund.

Nachträgliche Kaderveränderungen: Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikel war ungeklärt, wie die Borussia die Gespräche hinsichtlich einer Verpflichtung des beim RSC Anderlecht in Belgien unter Vertrag stehenden Roland Lamah abschließen wird. Der 20-jährige Offensivspieler spielte in der vergangenen Saison erfolgreich im Trikot des niederländischen Erstligisten Roda JC Kerkrade und hatte sich dort, hauptsächlich von einer Position auf dem linken Flügel agierend, als der beste Saisontorschütze des Vereins einen Namen gemacht. Bei der Borussia käme der in der Elfenbeinküste geborene Linksfuß in erster Linie als weitere Bereicherung für die offensiven Außenbahn in Betracht, auf denen vor allem das Quartett Marko Marin, Sharbel Touma, Marcel Ndjeng und Karim Matmour um die verfügbaren Plätze in der Startaufstellung rangelt. Nicht ausgeschlossen, dass der in jedem Fall ablösepflichtige Lamah bei einer etwaigen Verpflichtung durch die Borussia, wie bereits Matmour schon, dann noch als potentieller „Aushilfsstürmer" gesehen werden könnte, der aufgrund seiner Vorzüge in Schnelligkeit und Balltechnik für den Fall eines vorwiegend auf Tempogegenstoß ausgerichteten Spiels auch im Angriff (etwa anstelle Oliver Neuvilles) eingesetzt würde.

Vorentschieden war zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Artikels derweil die Zukunft von David Degen, der als auf ganzer Linie enttäuschender Neuzugang der Saison 2006/07 die komplette Spielzeit 2007/08 beim FC Basel in der Schweiz verbrachte und auch nach dem Verzicht des FC Basel auf seine Weiterbeschäftigung bislang nicht wieder in das Mannschaftstraining der Borussia integriert wurde. Der mehrfache Nationalspieler der Schweiz, der noch einen Vertrag für eine Saison mit der Borussia hat und ausgangs der vergangenen Saison verletzt war, wird sich um eine Zukunft bei einem anderen Verein bemühen und diese wohl auch dem Dasein als Aussortierter bei Borussia vorziehen. Es ist recht ausgeschlossen, dass der rechte Mittelfeldspieler noch einmal agierend in das Rautentrikot zurückkehrt.