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Bundesligacheck: SEITENWAHLs Borussia-Prognose |
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Geschrieben von www.seitenwahl.de
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Donnerstag, 14 August 2008 |
Die Zu- und Abgänge, die Stärken und die Schwächen. Die Ausrichtung und der Stil, der Trainer, die Fans, die finanzielle Situation und die Saisonvorbereitung haben mitsamt wohl ausstehenden Kaderveränderungen in den bisherigen beiden Teilen des diesjährigen Bundesligachecks Platz gefunden. Der abschließende Bereich bleibt, wie in allen Jahren üblich, den Prognosen der SEITENWAHL-Redaktion vorbehalten.
Michael Heinen: „Liest man dieser Tage Experten-Prognosen zur anstehenden Saison unserer Borussia, so fällt das Gesamturteil fast immer gleich aus. Als Aufsteiger wird man es zwar schwer haben, am Ende aber nicht allzu sehr in den Abstiegskampf verstrickt, sondern auf einem unteren Mittelfeldplatz landen. Läuft alles gut, ist sogar eine Rolle drin, wie sie im Vorjahr der KSC gespielt hat. Doch was man auf Expertenurteile zu geben hat, weiß man nicht erst seit den seligen Zeiten eines Max Merkel. Bei aller erwünschten Aufstiegseuphorie: Wir sind nicht der KSC, genauso wenig wie wir Hansa Rostock oder der MSV Duisburg sind, die vor 2 Jahren gleichfalls souverän den Aufstieg meisterten, dann aber an der höheren Qualität der 1.Bundesliga scheiterten.
Zweifelsohne bieten sich einige Komponenten, die für uns sprechen: Die souveräne Zweitliga-Meisterschaft, eines der größten Talente des deutschen Fußballs in unseren Reihen, ein eingespieltes, harmonisches Team, das auf jeder Position nahezu gleichwertig doppelt besetzt ist, ein überzeugend auftretendes Kompetenzteam, das die Situation besonnen im Griff zu haben scheint. Ein Absteiger sieht so eher nicht aus.
Dennoch sollten wir alle vorsichtig sein beim Gang in diese Saison, die um einiges härter zu werden droht als die gerade abgelaufene. Die Konkurrenz ist stark besetzt und hat sich teilweise enorm verstärkt. Mannschaften wie Hannover, Frankfurt oder Bochum, die uns dank unserer einjährigen Erstliga-Abstinenz ohnehin schon eine Spur voraus gewesen sind, haben einige viel versprechende Akteure neu verpflichtet, mit denen sie sich den Abstiegskampf fernzuhalten erhoffen. Die Mitaufsteiger haben ihre finanzielle Potenz bereits merklich ausgenutzt (Köln) oder werden dies mit Sicherheit noch im Laufe der Saison tun (Hoffenheim), um das Risiko des Abstiegs so weit wie möglich zu minimieren. Da stellt sich die Frage, wie unsere Borussia in dieses Gefüge der 1.Liga einzuordnen ist, in der sich mittlerweile kaum noch Low-Budget-Vereine befinden.
Im Vorjahr bauten Ziege/Luhukay geschickt eine Mannschaft zusammen, die zum einen genau das hatte, was ihren Vorgängern fehlte - Charakter und Führungsstärke. Zum anderen zeichneten sich die meisten Neuzugänge dadurch aus, erfahrene Zweitliga-Akteure gewesen zu sein, die sich in dieser unterklassigen Liga langfristig bewährt hatten. Der Optimismus, dass eben jene Akteure das gleiche Leistungsniveau auch eine Spielklasse höher im gleichen Maße abrufen können, darf zumindest angemahnt werden. Rösler, Ndjeng, Voigt waren im Vorjahr wichtige Stützen unseres Teams. Sie alle eint aber auch, dass ihre früheren Versuche, in der ersten Liga Fuß zu fassen, nicht sonderlich gelungen ausfielen. Sie alle konnten in Liga 1 nur einen Bruchteil der Leistungen abrufen, die sie vorher und nachher in Liga 2 auszeichneten. Ein Marcel Ndjeng z.B. bekam nicht einmal in Bielefeld seine Chance, also bei einem Verein, der von fast allen Borussen-Fans aktuell als sicherer Absteiger gehandelt wird.
Bis auf Oliver Neuville, der mit seinen 35 Lenzen auch so langsam in die Jahre kommt, verfügt kaum ein Borusse über nennenswerte Bundesliga-Erfahrung (wenn man bedenkt, dass z.B. ein Coulibaly nicht einmal als ernsthafter Anwärter auf die Stammelf eingeplant ist). Dies muss nicht zwingend ein Nachteil sein und es wäre grundfalsch, Spielern wie Paauwe, Friend oder Colautti per se die Bundesliga-Tauglichkeit abzusprechen, nur weil sie dort bisher noch nie gespielt haben. Ebensowenig soll der Eindruck erweckt werden, die oben genannten Spieler hätten keine Chance, unter veränderten Bedingungen bei ihrem neuen Verein in einer eingespielten Elf nicht doch Bundesliga-taugliches abliefern zu können. Ein Voigt z.B. profitierte zuletzt sehr stark von seiner Erfahrung und Abgezocktheit, also von Eigenschaften, die er bei seinen früheren Bundesliga-Auftritten noch nicht in der Form haben konnte.
Doch zumindest muss eine gewisse Skepsis erlaubt sein, ob wir für die kommende Saison wirklich optimal gerüstet sind und ob es den Verantwortlichen gelungen ist, das Risiko des erneuten Abstiegs bestmöglich zu minimieren, indem man überraschend früh die Transferaktivitäten einstellte. Mit Karim Matmour und Jan-Ingwer Callsen-Bracker kamen zwei wohlbekannte Spieler, auf deren Entwicklungspotential gesetzt wird. Matmour gehörte in der Vorsaison nicht unbedingt zu den auffälligsten Akteuren des SC Freiburg, sondern rangierte dort eher in der Kategorie Mitläufer. Man kann nur hoffen, dass unser Kompetenzteam ein besseres Auge besitzt als viele andere Fußball-Experten, so dass sich die investierten zwei Millionen Euro Ablöse eines Tages tatsächlich rechtfertigen.
Bei Callsen-Bracker sieht es ähnlich aus. Vor vier Jahren hatte er seinen ersten Bundesliga-Auftritt für Bayer Leverkusen, konnte sich aber in der Folgezeit nie entscheidend beim Werksklub durchsetzen. Ein absoluter Qualitätsgewinn gegenüber den bisherigen Innenverteidigern lässt sich da nicht erkennen, wenngleich schon eine weitere brauchbare Alternative. Diese wurde in der Innenverteidigung nötig, weil man auf der rechten Abwehrseite Steve Gohouri austesten möchte. Auf einer Position, auf der eigentlich klar schien, dass sie mit einem Neuzugang verstärkt werden sollte. Zu durchschnittlich agierte Tobias Levels bereits in Liga 2. Zu verletzungsanfällig ist Sebastian Schachten, wobei ohnehin fragwürdig erscheint, ob uns ein Spieler allzu sehr weiterhilft, der schon bei den Amateuren von Werder Bremen keinen herausragenden Part einnahm.
Jetzt also gilt Gohouri als eine der ersten Alternativen, und es bleibt abzuwarten, ob der manchmal etwas behäbig und unbeholfen wirkende Ivore tatsächlich in der Lage sein wird, gefährliche Flankenläufe zu initiieren und gleichzeitig die eigene Abwehrseite unter Kontrolle zu halten. Ähnliche Bedenken darf man bei Marcel Ndjeng äußern, dessen Defensivqualitäten schon in Liga 2 überschaubar waren. Einen Versuch ist es sicher wert. Optimistisch ist es dennoch, einzig diese Varianten im Köcher zu halten, um eine offensichtliche Problemstelle im Kader zu lösen.
Auf der anderen Seite war das Vertrauen in Alexander Voigt offenbar doch ein wenig getrübt. Dank Jean-Sebastian Jaures hofft man hier auf einen gesunden Konkurrenzkampf. Ein Spieler, der jahrelang bei einem französischen Erstligisten einen Stammplatz innehatte, sollte hierzu gut in der Lage sein, sollte man meinen. Doch Beobachter des französischen Fußballs kommen eher zu dem Schluss, dass man tatsächlich nicht mehr, aber auch nicht weniger als quasi eine französische Version unseres Alex Voigt verpflichtet hat, deren Offensivpotential selbst von Max Eberl dereinst übertroffen wurde. Jaures bietet also eine Alternative, aber nicht zwingend die erhoffte Verbesserung der Qualität in der Spitze des Kaders.
Diese kann am ehesten noch Gal Albermann einbringen, der zumindest in der israelischen Liga Qualitäten andeutete, die uns sehr hilfreich sein können. Zwar streitet er im zentralen Mittelfeld ausgerechnet mit Sascha Rösler, der als Führungsspieler fest eingeplant sein sollte. Aber es werden sich im Saisonverlauf schon genügend Situationen ergeben, in denen sich der Israeli mit seinen Qualitäten wird einbringen können.
Doch genug der Schwarzmalerei. Borussia hat zweifelsohne einen Kader, der sich vor den Mitkonkurrenten zumindest in der unteren Tabellenhälfte nicht zu verstecken braucht. Mit Roberto Colautti und Sharbel Touma verfügen wir quasi über zwei weitere Neuzugänge, die in der vergangenen Saison wenig Gelegenheit bekamen sich auszuzeichnen, von denen man sich aber einiges erhoffen kann. Wie schon im Vorjahr sind wir jetzt erst recht in der Breite gut besetzt und brauchen den Ausfall einzelner Akteure kaum zu fürchten. Unsere Ausgangslage ist daher nicht die schlechteste. Nur müssen wir uns der Schwere der Aufgabe bewusst sein. Diese Saison wird härter als die vorige und uns allen muss bewusst sein, dass uns bei normalem Saisonverlauf ein knallharter Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag droht. Verbunden mit der Möglichkeit, dass wir uns zwischenzeitlich (wenngleich hoffentlich nicht zum Ende) auch einmal auf den einer der drei letzten Positionen der Tabelle wieder finden können. Erst wenn wir diese kritischen Phasen, die mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auf uns zukommen werden, überstehen, wird sich zeigen, wie viel der so hoch gelobte Charakter im Team tatsächlich wert ist. Wie werden die Ersatzspieler reagieren, wenn die ihnen vorgezogenen Akteure erfolglos spielen, aber dennoch weiter das Vertrauen ausgesprochen bekommen? Wie werden gerade auch wir Fans reagieren, wenn es nicht so gut läuft? Wird der Kredit von Aufstiegstrainer Luhukay groß genug sein, um bei den Fans auch solche Zeiten zu überstehen oder werden dann nicht automatisch die Stimmen laut werden, die ihm insgeheim immer noch den Abstieg vorhalten und in ihm eher einen biederen Zweitliga-Coach sehen?
Es wird zweifelsohne eine spannende Saison, in der uns unsere Mannschaft durchaus auch viel Freude bereiten kann. Nur sollten gerade wir Borussen-Fans aus Erfahrung wissen, dass dies ganz und gar nicht selbstverständlich wäre und dass sich für einen sportlich kleinen Verein in der Bundesliga stets Leidenphasen ergeben, mit denen nicht jeder von uns gleichermaßen gelassen umgehen kann. Da ich am Ende doch Optimist genug bin, glaube ich daran, dass wir diese Zeiten überstehen werden und uns am Ende über einen 13. Platz in der Abschlusstabelle freuen dürfen. "
Mike Lukanz: „Borussia ist wieder zu Hause. So verkaufen es die Damen und Herren des Marketing. Nun, wenn man das Zuhause als Ort des Wohlbefindens, der Ruhe und des Vertrauens definiert, wurde Borussia vor knapp 2 Jahren achtkantig aus diesem Zuhause hinausgeworfen. Vielleicht glich dieser Gang in die 2. Bundesliga, um im Bild zu bleiben, dem Rausschmiss des Heranwachsenden durch die Eltern. Wenn der Nachwuchs über Jahre seine Hausaufgaben vernachlässigt, überheblich und selbstgefällig agiert und die Zeichen der Zeit missversteht, ist das Ende mit Schrecken nahezu unvermeidbar. Heute, im Sommer 2008, ist Borussia genesen und wiedererstarkt zurück. Der neuerliche Gang in das Stahlbad des Unterhauses (man möge mir diese harte Wortwahl verzeihen) scheint ausschließlich Positives bewirkt zu haben, zumindest bei Trainerstab und Verantwortlichen. Das Umfeld indes, auch getrieben durch die Medien - oder umgekehrt, wer weiß das heutzutage schon genau? -, bewegt sich zurzeit auf einem schmalen Grat zwischen schlichter Vorfreude und übertriebenem und damit gefährlichem Optimismus.
Thomas hat in seinem ausführlichen Bundesliga-Check die Stärken und Schwächen Borussias ausführlich dargestellt, insofern erspare ich mir eine ebenso detaillierte Analyse des Kaders. Insgesamt muss sich Borussia unter'm Strich auch in der Bundesliga nicht verstecken. Mehr als zwei oder drei Mannschaften zu finden, die auf dem Papier deutlich schwächer sind, fällt hingegen ebenso schwer. Speziell Cottbus und Bielefeld, für viele schon vor dem ersten Spieltag sichere Absteiger, haben in der vergangenen Saison bewiesen, wie man individuelle Schwächen kompensieren kann. Und gerade Borussia hat in der jüngeren Vergangenheit zweimal schmerzlich bewiesen, dass auch ein vermeintlich gut besetzter Kader den Gang in die 2. Liga antreten muss, wenn entscheidende Faktoren an anderer Stelle nicht so funktionieren, wie sie müssten.
Sicherlich, das allseits zitierte Mannschaftsgefühl der Elf vom Niederrhein könnte ein großes Plus sein. Der Kader wurde nicht durch teure und vor allem zahlreiche Transfers verändert, das Gerüst - und damit die Hierarchie - steht weiterhin. Allerdings hat dieser Kader mit all seinen scheinbar charakterlich gefestigten Akteuren bis dato nicht beweisen können, wie er reagiert, wenn es über Wochen sportlich nicht laufen sollte. Die Phasen zu Beginn der vergangenen Hin- und Rückserie waren jeweils zu kurz, um sich hiervon ein exaktes Bild machen zu können. Wie wird ein Sascha Rösler reagieren, wenn er über Wochen auf der Bank sitzen muss und es sportlich trotzdem nicht läuft? Oder ein Alex Voigt? Oder gar Kapitän Oliver Neuville, von dem man noch aus Leverkusener Zeiten weiß, dass er seine Unzufriedenheit gerne öffentlich kundtut? Also nur drei derer Spieler, deren Selbstbewusstsein und Meinungsführerschaft noch vor ein paar Monaten als „Führungsqualität" gefeiert wurde? Dazu das nach wie vor schwierige Umfeld in Mönchengladbach, das, nun wieder „zu Hause", auch ein anderes sein wird als noch vergangene Saison? Im Erfolg werden die größten Fehler gemacht, so weiß man. Und im Misserfolg wird sich zeigen, wie es um den so viel beschworenen Mannschaftsgeist bestellt ist.
Schon das Auftaktprogramm im Spielplan birgt Chancen und Risiken. Bei zwei Heimsiegen gegen Stuttgart und Bremen könnte eine Euphoriewelle losgetreten werden, zwei durchaus mögliche Niederlagen (und dazu das schwere Auswärtsspiel in Hoffenheim) können ebenso tiefe Depressionen beim Anhang hervorrufen. Jos Luhukay wird nicht müde zu betonen, dass er erst nach zehn Spieltagen eine erste Bilanz ziehen wird. Das ist gewohnt sachlich und durchaus sinnvoll. Doch auch er wird wissen (müssen), dass er sich schon nach drei oder vier Spieltagen die immerwährend gleichen Fragen der Journalisten und Fans wird anhören müssen, sollte Borussia bereits zu diesem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz stehen. Schon die kurze Schwächephase zu Beginn der Rückrunde aus der Aufstiegssaison hat gezeigt, wie empfindlich Fans und Umfeld nach wie vor auf Misserfolg reagieren. Schnell wird dann alles in Frage gestellt, was noch wenige Wochen zuvor richtig und sinnvoll war. Dann wird aus dem ruhig und besonnen agierenden Duo Ziege / Luhukay schnell das ängstliche Gespann, das es versäumte, auf dem Transfermarkt die Probleme zu beheben, die dann wie immer jeder schon vor Saisonbeginn gesehen hatte.
Was bleibt demnach als Fazit? Ich sehe den Kader mit gemischten Gefühlen. Positives und Negatives halten sich die Waage, so dass eine Prognose sehr schwer fällt. Zumal viele der Konkurrenten ebenso schwer einzuschätzen sind. Alle Teams gehen mit Optimismus und großen Hoffnungen in die neue Saison und am Ende werden erneut zwei oder drei davon absteigen müssen. Ich gebe zu, dass ich mir auch ein bis zwei Transfers in der qualitativen (!) Größenordnung eines Petit gewünscht hätte, den der FC aus Köln getätigt hat. Vielleicht ist Borussias Alberman der bessere Petit, dazu noch günstiger. Und vielleicht schafft es Jos Luhukay, einen Steve Gohouri oder gar Marcel Njdeng zu einem soliden Bundesligaverteidiger umzuschulen, wie es seinerzeit Hans Meyer mit Bernd Korzynietz gelungen war. Vielleicht beweisen Marko Marin, Roberto Colautti, Rob Friend und Sharbel Touma, dass ihr definitiv vorhandenes Talent auch für die höchste deutsche Spielklasse reicht. Und vielleicht gelingt Borussia wirklich Ähnliches wie dem Karlsruher SC in der vergangenen Saison, also eine Serie zu starten, an deren Ende eine Punkteausbeute steht, die den Verein durch die Saison retten wird. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Es bleiben in meinen Augen zu viele Fragezeichen und ungewisse Faktoren. Dennoch: Borussia wird die Klasse halten und damit „zu Hause" bleiben. Wobei hier mehr Hoffnung denn Überzeugung spricht."
Christoph Clausen: „...folgt..."
Christian Heimanns: „...folgt..."
Christian Spoo: „Borussias Fans haben sich in der vergangenen Saison ans Siegen gewöhnt. Tatsächlich fühlte sich die Spielzeit bisweilen - auch wenn es nur die Zweite Liga war - deutlich besser an, als große Teile der vorhergehenden Jahre. Nun werden wir uns wieder an andere Verhältnisse gewöhnen müssen - und das dürfte vielen nicht leicht fallen. Auch wenn sich momentan noch fast jeder Anhänger beeilt, zu konstatieren, es gehe ja ausschließlich um den Klassenerhalt - wenn der prognostizierte Abstiegskampf nicht mehr bloß Prognose, sondern Realität ist, wird die altbekannte „Unruhe im Umfeld" ausbrechen. Fans werden pfeifen, „Vertreter gewisser Medienlandchaften" (Berti Vogts) werden das begierig aufgreifen und mit Giftpfeilen gen Trainer, Mannschaft und Kompetenzteam schießen. Das - da bin ich mir recht sicher - wird passieren. Wenn sich bei Borussia in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich nachhaltig etwas geändert hat - und die Zeichen stehen danach - dann wird diese Unruhe aber auf Fans und Medien beschränkt bleiben. Zu wünschen ist, dass der Präsident ähnlich unsichtbar bleibt, wie er es über die komplette Zweitligasaison war, und die Angestellten des Vereins machen lässt. Wenn man Luhukay, Ziege und die Mannschaft in Frieden arbeiten lässt, von tagesaktuellen Befindlichkeiten unbeeindruckt, dann könnte es mit dem Klassenerhalt funktionieren.
Das vielzitierte Vorbild-Szenario heißt „Karlsruhe 2007/08", was vielleicht passt, weil Borussia wie der KSC in der vergangenen Saison, mit einem eingespielten Team ohne allzu namhafte Neuzugänge in die Bundesliga startet - allerdings ist das Szenario auch verführerisch, beinhaltet es doch dass Borussia zur Winterpause schon fast auf der sicheren Seite wäre. Dazu wird es vermutlich nicht kommen. Beim KSC war viel Glück im Spiel und dass Borussia von vielen Mannschaften unterschätzt werden wird, halte ich auch für eher unwahrscheinlich.
In keiner Weise bin ich mit den Zukäufen unzufrieden. Ziege und Luhukay haben gehalten, was sie versprochen haben. Es wurden punktuelle Verstärkungen gesucht, in der Vorbereitung haben vor allem Gal Alberman und Karim Matmour angedeutet, dass sie tatsächlich die Qualität der Mannschaft anheben. Wenn überhaupt Kritik angebracht ist, dann an der Tatsache, dass die Baustelle „rechts hinten" von den Verantwortlichen offenbar nicht als solche empfunden wurde und für diese Position eine interne Lösung bevorzugt wird. Ich hoffe, die Wirklichkeit wird mich eines Besseren belehren, aber ich bezweifle, dass Tobias Levels, Steve Gohouri oder Marcel Ndjeng hier konstant das für die erste Liga notwendige Niveau erreichen können.
Davon abgesehen ist es richtig, mit der eingespielten Erfolgsmannschaft der vergangenen Saison in die neue zu gehen. Dass diese Mannschaft auch gegen Spitzenteams mitzuhalten imstande ist, hat das Pokalspiel gegen Bayern München gezeigt. Borussia ist aber folglich in Zukunft fast wöchentlich gezwungen, am oberen Leistungslimit zu agieren. Wenn die Mannschaft die Motivation hochhalten kann, wenn mögliche Unruhe, wie oben beschrieben, vom Team ferngehalten werden kann und wenn uns hier und da auch mal das Glück hold ist, dann rechne ich mit einem Abschluss-Tabellenplatz zwischen 14 und 16."
Thomas Zocher: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Dieser goldige Grundsatz, und treuer Begleiter manches arg tief im Sumpf steckenden Klubs, soll nach dem Willen der Borussia nach dem direkten Wiederaufstieg nicht wieder aus der hübsch beschrifteten Schublade gezogen werden müssen. „Ein Team" ist man mittlerweile, der es herbeiwünschende Slogan überflüssig geworden. Lieber würde man in der wiedergewonnenen Erstklassigkeit schon durch Leistungen und Siege auf sich aufmerksam machen. Das wird indes nicht so einfach wie in der wirklich fantastischen Zweitligasaison, die man rasch hinter sich lassen muss.
Aus dem Stand, das muss man in dieser Klarheit sehen, lassen sich elf, auch dreizehn Vereine benennen, die von der individuellen Klasse her stärker besetzt sind als der heimgekehrte Zweitligameister Borussia. Nun kommt es zwar im Fußball nicht immer einzig darauf an, aber von individuell schwächer besetzten Teams ist deshalb verlangt zunächst durch so was wie eine teaminterne Geschlossenheit diesen richtig ursächlichen Nachteil so gut es geht aufzuholen. Schafft man das, hat man jedoch noch lange kein Spiel gewonnen. Und mit cirka 34 Unentschieden ist man dem Abstiegsplatz auch stets noch immer gefährlich nah gekommen - von beinhartem Abstiegskampf ganz zu schweigen.
Dieser Abstiegskampf, teilweise in seiner hässlichsten Ausführung, steht der (zur Zeit) rundum fröhlichen Borussia in den nächsten neun Monaten ins Haus und es ist selbstverständlich zu hoffen, dass der Klub den Klassenerhalt schafft und damit den nächsten Grundstein legt, der notwendig ist um sich in der deutschen Elite auch sportlich langfristig zu etablieren. Sicher ist dieser Klassenverbleib aber wirklich nicht, darüber sollte eine wohlige Zweitligasaison mit vielen Siegen und mitunter atemberaubender Harmonie lieber nicht hinwegtäuschen. Die Borussia kann diesmal in der Tat (wieder) absteigen. Umso wichtiger, dass sie es mit der gebotenen Ernsthaftigkeit nicht erlaubt die letzte Saison als kurzes Strohfeuer erscheinen zu lassen."
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