Bundesliga 2011/2012

Tabelle

Intern / Interaktiv

Impressum
Home arrow Freie Autoren arrow SEITENwechsel, der 61.
SEITENwechsel, der 61. Drucken
Geschrieben von Maik Gizinski   
Donnerstag, 11 September 2008
SEITENwechsel Luxemburg gewinnt in der Schweiz: Die Welt gerät aus den Fugen. Gut, daß es Konstanten gibt wie den SEITENwechsel. Politik, Textverarbeitungssysteme in Luxemburg und Wesley Sonck - es gibt nichts, das sich nicht fügsam in den Dialog über unsere VfLs einbinden ließe. Erneut durften wir beim VfLog in Vorleistung treten. Maik antwortete uns prompt.


Lieber Joachim,

dein Namensvetter Löw lässt ohne Mittelfeldspieler auf der Ersatzbank
spielen und freut sich über ein 3:3 in Finnland. Man wundert sich. Egal, lassen wir den kleinen Fußball beiseite, kümmern wir uns lieber um die großen Fragen: Ich war kurz Feuer und Flamme, dass die deutschen Ostkantone den Anschluss an Luxemburg suchten. Jena, dachte ich, Dresden, Magdeburg - bald endlich erfolgreiche Klubs in der luxemburgischen National Division. Dann ging mir auf: Du meinst die deutschsprachigen Landstriche in Belgien. Schade. Was mich übrigens wirklich wundert und auch via Internet-Recherche gar nicht so einfach zu widerlegen ist: Luxemburg stellt offenbar wirklich keine Textverarbeitungsprogramme her. Die Firma euroscript Luxembourg S.à r.l. jedenfalls scheint ein Feigenblatt zu sein. Aber das nur nebenbei.

Das nächste, was mich deiner Zeilen wegen minutenlang sinnieren ließ:
Was täte der SPD ein Wesley Sonck gut! Nicht nur einer, der "Ihr seht doch selbst, dass ich immer spielen muss!" sagt. Den haben sie ja jetzt wieder. Aber einer, der im linken offensiven Mittelfeld zum Matchwinner gereicht. Einer, der trotzdem nie abseits steht, nicht muffelt und die amateurhafte Innenverteidigung überstrahlt - und womöglich gar auch von Außenverteidigung Ahnung hat. Taugt Daems für das Modell Deutschland? Meines Wissens ist es, anders als in den Vereinigten Staaten, in Deutschland durchaus erlaubt, dass ein Ausländer das Amt der Regierungschefs übernimmt. Vor diesem Paukenschlag sollte die SPD jedoch klären, ob sie das Spiel wirklich gewinnen will oder ob ihr eine Klatsche mit Ehrentreffer reicht: Den nämlich schaffen sie auch mit Bordmitteln.

"Lass ihn reden!" Das ist bei mir tagtäglich Bürorealität. St. Pauli
rules nämlich in Hamburg, wenn ich auch noch so gut begründe, warum Osnabrück die Saison besser abschließen wird als die Weltpokalsieger-Besieger. Seit kurzem hängt das große, lila-weiße DIN A0-Mannschaftsfoto direkt hinter meinen Schreibtisch. "Lass ihn kleben", schallte es. Ich halte es aus. Mein Chef immerhin findet es gut, dass ich dem VfL die Daumen halte, heißt es doch, ich kompensiere meinen Frust mit Arbeit. Wartet ab, das wird ein ganz schön laues nächstes Jahr!

Was diese Bolzplatz-Geschichten angeht: Früher musste ich immer Libero
spielen. (Geschätzte junge Leser, die ihr nicht mehr wisst, was das ist: Überspringt diesen Absatz. Lest weiter bei: "Was die Fakten angeht".) Ecken habe ich deshalb ungern geschossen, weil der Weg nach vorn so weit war. Bis heute hänge ich sehr der Regel "Drei Ecken, ein Elfer" an. Die Elfmeter zu schießen, habe ich jedoch früh verweigert. Nervliche Überlastung, diese Eins-zu-Eins-Situationen! Es muss in etwa zu dieser Zeit gewesen sein, als ich irgendwann nicht mehr Libero spielte. Noch kurz zu deiner Sozialisation auf rundem Feld: Das macht mich wirklich betroffen. Hießen die Spielklassen bei euch "Freistil" und "Griechisch-Römisch"?

Was die Fakten angeht, die du forderst: Osnabrück insgesamt ist eine
runde Sache. Wenn nicht - und ehrlich gesagt täte es dem VfL ab und zu gut -, dann tritt die Ecken für gewöhnlich Pierre de Wit. Das ist in der Tat ein spannendes Kapitel: Viele Fußballlaien und Hobbyspieler fragen sich völlig zu recht, was schwer daran sein kann, eine gefährliche Ecke vor's Tor zu schlagen. Um es vorwegzunehmen: Nichts. Trotzdem gibt's beim VfL eine beachtlich große Anzahl an Akteuren, die dazu nicht in der Lage sind. Coach Pele Wollitz raufte sich darüber schon vor zwei Jahren im VfLog-Interview die Haare. Nun muss man sich freuen, solange de Wit mit von der Partie ist, denn solange geht meist alles ganz gut. Mit ein bisschen Glück staunen wir in Bälde aber auch über die erste gefährliche Ecke, die nicht vom Leverkusener Leihgeschäft geschlagen wird und trotzdem für ein Raunen sorgt. Womöglich schlägt gar, wie von dir gefordert, das Runde ins Eckige ein. Schön wär das, auch wenn indes noch völlig unklar ist, wer sich dafür verantwortlich zeigen könnte.

Wir hatten uns an dieser Stelle schon einmal der Größe gerühmt, jenseits
jeder Quotenforderung auf alle Leser zu pfeifen, wenn denn unser Amüsement gewahrt bleibt. Manchmal gelingt das schlechter, manchmal aber auch ganz wunderbar.

Es grüßt herzlich aus dem Nordkanton,

Maik