Martin kehrt aus dem Urlaub zurück, fühlt sich aber noch nicht heimisch - kein Wunder in der Welt nach Hannover. Dafür heißt er jetzt Martenng. Egal, Hauptsache, es bringt Punkte. Immerhin hat Martenng es trotz Heimatkoller geschafft, sofort nach seiner Rückkehr einen Brief an uns zu verfassen. Unsere Antwort lest Ihr beim VfLog.
Lieber Joachim,
zurück aus dem Urlaub melde ich mich wieder zum Dienst, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Es waren herrlich Tage in -- genau! -- Frankreich, die ich weitgehend im Cliché verbracht habe (sprich: mit Wein, Käse, Baguette & Meer). Nun weiß ich ja, dass Du keinen Franzosen in Dir hast, sondern nur aus Gründen belgisch paritätischer Political Correctness einen frankophilen PC besitzt. Aber im Urlaub warst Du sicher auch schon einmal. Das Gefühl der Rückkehr, es ist immer wieder seltsam und verstörend, findest Du nicht?
Zwei Wochen war ich fort, und der Narzisst in mir (gleich neben dem kleinen Franzosen) erwartet, dass ich vermisst worden bin, dass die Welt während meiner Abwesenheit ein Loch empfunden hat, welches nun klaffen möge und meines Kittes harrt. Und was ist? Pustekuchen. Alles wie immer: Man fährt spätabends von der Autobahn ab, und jede Kurve ist bekannt, kein Geschäft am anderen Ort, die Heimatstadt liegt in alter Bekanntheit (und in meinem Fall auch: Hässlichkeit) vor einem, also wäre man nur kurz für fünf Minuten tanken gefahren. Es ist beruhigend und erschreckend zugleich, dass die eigene Abwesenheit so wenig zählt.
Doch ist wirklich alles wie immer, alles wie vor meiner Abfahrt? Die SPD hat auf einmal wieder Chancen bei der Bundestagswahl, mein geliebter Sauerländer Münterfering ist wieder im Ring und wir können uns endlich wieder auf Reden bei SPD-Wahlkampfveranstaltungen und Parteitagen freuen. Alles neu also, und doch wie immer, nur eben immer-länger-her-als-meine-Abreise, 2 Jahre statt 2 Wochen.
Und unser VfL? Als sie in Bremen siegten, weilte ich ja auch schon im Ausland, und war verzückt: Hoffnung schien nah, ein Fehlstart beendet. So konnte ich beruhigt in Urlaub fahren. Natürlich bat ich Maik, mich über die wichtigsten Ereignisse per SMS auf dem Laufenden zu halten. Und nichts kam. No news are good news, so dachte ich mir. Und als am 1. Wochenende keine Bundesligaergebnisse kamen zuckte ich nur kurz: Jogi war ja dran, nicht Jos-i, so fiel mir schnell wieder ein. Also nix mit Ergebnissen. Doch auch am 2. Wochenende bimmelte und vibrierte mein Handy nicht. Meine drängende Frage sorgte dann für diese Antwort: "Maus, ich wollte dir keinen Kummer machen. Gladbach verliert 1:5 in Hannover. Osna schlägt nach Wahnsinsspiel FSV Frankfurt 3:2." Ist er nicht rührend, der Maik? Doch vor allem: Sind sie nicht jetzt schon abstiegsreif, die Fohlen?! Was machen wir denn nun, Joachim? Ich bin so ratlos. Die alten Reflexe (Trainer raus fordern oder alternativ bloß nicht Trainer raus fordern) funktionieren zwar noch, sind aber auch öde. Auf Neuverpflichtungen in der Winterpause hoffen? Ja, Wesley Sonck kam einst im Winter (Herzkammer!). Aber sonst ist zwischen Dezember und Januar auch nicht viel zu erhoffen. Und es fehlt jede Perspektive, außer der schnöde, schmucklose Abstieg. Alles wie immer also auch hier.
Es ist seltsam, nach dem Urlaub muss man sich wieder daran gewöhnen, dass alles genau so ist, wie man es kennt. Man gewöhnt sich also quasi neu an das eigentlich Gewöhnte, nachdem einem das Ungewohnte, die freie Zeit, das fremde Land verdorben hat für den Alltag. Aber hier ist er wieder, und ich fürchte, wir werden sehr bald schon Frankreich vergessen haben (ok, ich habe aus dem Geant Hypermarché in Amiens den sprichwörtlichen Kofferraum voller Wein mitgebracht, der mich noch eine Weile erinnern wird, gerade im Kummer und im Schmerz), und uns nur noch über die Niederungen des Fußballalltags unterhalten. Und der wird sich, was Gladbach betrifft, wohl ganz unten abspielen. Oder magst Du mir Hoffnung machen?
Fragt bang und herzlich grüßend und eine erste Holzkiste mit Rotwein aus dem Haut-Médoc öffnend,
Dein Martin (für dieses einmal bitte französisch zu lesen, also Martenng, wie es im Rheinland-Französisch heißt)
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