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Ein Manöver mit dem Kapitän und seinen Offizieren |
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Geschrieben von www.seitenwahl.de
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Sonntag, 19 Oktober 2008 |
Mit der heutigen Entscheidung, Sportdirektor Christian Ziege an die
Seite vom neuen, alten Trainer Hans Meyer zu platzieren und
gleichzeitig Max Eberl zum neuen Sportdirektor zu befördern, geht
Borussia einen mutigen, aber auch gefährlichen Weg. So verkommt die
Rückkehr des Gladbacher Publikumsliebling Meyer bis zum Sommer 2010
fast zur Randnotiz. Mit dem erneuten Einstieg Meyers bei Borussia
Mönchengladbach hatten viele Beobachter mitunter spekuliert, das nun
präsentierte Gesamtmodell dürfte selbst Insider überraschen. Der Plan
ist klar: Kapitän Meyer soll das Schiff Borussia zurück auf Kurs
bringen, bis 2010 in ruhige Fahrgewässer und gleichzeitig seinen 1.
Offizier, Christian Ziege, zum (neuen) Kapitän ausbilden.
Den ehemaligen U17-Trainer zuerst zum Sportdirektor zu machen und knappe anderthalb Jahre später zum Co-Trainer, ist ein durchaus waghalsiges Manöver, das die Borussia vollzieht. Der Mut, dass sie nicht nur einen neuen Cheftrainer präsentiert, sondern darüber hinaus auch die beruflichen Ausrichtungen und Bedürfnisse der einzelnen Beteiligten in einen Einklang zu bringen probiert. So hatte der bisherige Sportdirektor Christian Ziege im gesamten Verlauf seiner Amtszeit stets eine Betonung darauf gelegt, dass er zu einem späteren Zeitpunkt als Cheftrainer eines Vereins wirken kann. Den ursprünglich ins Auge gefassten Trainerkurs an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln hatte er im Frühjahr 2007 aufgrund der damaligen Situation der Borussia letztlich nicht belegt und dafür zu Beginn dieser Spielzeit dieses Ansinnen in die Tat umgesetzt. Doch bereits bevor die Öffentlichkeit davon Kenntnis erlangt hatte, musste der frühere Nationalspieler aufgrund seiner Verpflichtungen im Beruf mehr als die allgemein vertretbaren Zugeständnisse mit den Anwesenheitspflichten bei eben diesem Trainerkurs meistern. Ziege verstrickte sich förmlich. Seine Ausbildung litt, die Borussia steuerte jenem Negativstrudel entgegen, der schließlich in der Ablösung von Jos Luhukay als Cheftrainer der Borussia mündete und Ziege vor die Aufgabe stellte, einem Mann die Papiere zu übergeben, der mit ihm zusammen der Architekt hinter der zu verwelken beginnenden Meisterschaft in der 2. Bundesliga war.
Parallel zur Entlassung Jos Luhukays bekam der einstige Mannschaftskapitän der Borussia die Aufgabe, die Borussia kommissarisch zu betreuen und, je nach Dauer der Trainersuche, auf die zwischenzeitlichen Spiele vorzubereiten. Ziege tat dies mit einem Feuereifer, der in der Enttäuschung über die Testspielniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:3) in seinen Äußerungen nach dem Spiel greifbar geworden war. Und natürlich erklärt sich der Feuereifer auch damit, dass Ziege eben längst für sich entschieden hatte, dass er später lieber Trainer sein möchte. Nur wer seinen Job oder seine als Berufung empfundene Tätigkeit wirklich liebt, der kann halt auch in vollem Maße in ihr aufgehen. Etwas, das den Journalisten im Medienumfeld der Borussia bereits so deutlich erschien, dass es noch vor der Entlassung von Luhukay die ersten Spekulationen gab, wonach dann sicher halt jener Christian Ziege neuer Cheftrainer der Borussia werden würde; ein Gedankenmodell, das Borussias Präsident Rolf Königs auf der Pressekonferenz vom 6. Oktober in überzeugender Manier als zunächst nicht realisierbar zu den Akten gelegt hatte.
Christian Ziege fehlt nun einmal die notwendige Trainerlizenz. Auch besitzt er keinerlei wirkliche Praxiserfahrung und erfüllt somit nicht die Anforderungen, die das Pflichtenheft der Borussia in der Trainerfrage als Kernaspekte ausgewiesen hatte. Aber der frühere Spieler des FC Liverpool und Bayern München hatte vor seiner Ernennung zum Sportdirektor bei Borussia die U17 des Vereins betreut und dabei Eindrücke und auch Spuren hinterlassen, die bei ihm generell auf eine durchaus schon taugliche Perspektive als Trainer schließen ließen. Aufgrund seiner administrativeren Tätigkeit, die plötzlich daran anschloß, musste Ziege es allerdings genau bei diesen überschaubaren Ansätzen bewenden lassen. Somit ist er, obwohl noch deutlich zu unerfahren für einen Cheftrainerposten, grundsätzlich aber so angelernt, dass ihm die Tätigkeit als Assistent an der Seite eines erfahrenen Cheftrainers zuzutrauen ist. Ein solcher Cheftrainer ist Hans Meyer mit mehr als 30 Berufsjahren ohne Frage, außerdem hat Meyer auf seinen Stationen eben bei der Borussia oder bei Hertha BSC Berlin bewiesen, dass er nicht zwingend ein als "sein" zu umschreibendes Funktionsteam zu einer erfolgreichen Arbeit benötigt. Bei seinem ersten Engagement bei der Borussia funktionierte er anfänglich Rehatrainer Manfred Stefes zum Assistenztrainer um, später stieß mit Michael Frontzeck noch ein zweiter Assistent hinzu, der parallel zu seiner Arbeit an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln seinen Fußballehrer (mit Auszeichnung!) erwerben konnte und aktuell erfolgreich bei Arminia Bielefeld als Cheftrainer wirkt.
Anders als von Christian Ziege waren von Max Eberl, der vom Direktor Jugend und Amateure zum Sportdirektor aufsteigt, in den Jahren seit dem Beginn seiner Tätigkeit keine Aussagen zu vernehmen, wonach er sich eigentlich an anderer Stelle innerhalb der sportlichen Verantwortung besser aufgehoben fühlen würde. Daher darf man annehmen, Eberl übe einen Job aus, der ihm zusagt und den er wirklich auch langfristig ausüben möchte.
In den drei Jahren als Direktor Jugend und Amateure bei der Borussia hat der gebürtige Bayer einen Abstieg mit zu verantworten. Die U23 stieg nach nur einem Jahr Zugehörigkeit zur Regionalliga postwendend in die vierte Liga ab. Eberl war aber zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre in seinem bisherigen Aufgabenfeld und darf deshalb seinen Anteil am vorherigen Aufstieg in die Regionalliga richtigerweise gleichermaßen reklamieren. In der vergangenen Saison kam dann die souveräne Qualifikation für die viertklassige Regionalliga hinzu, in der das Team von U23-Trainer Horst Wohlers derzeit spielt. Außerdem stand die Borussia im Sommer erstmals seit langen Jahren in Form ihrer U19 im Juniorenbereich wieder in einem nationalen Endspiel. Gegen Bayer Leverkusens Nachwuchs verlor die Mannschaft des zu Saisonstart in das Scouting gewechselten Uli Sude zwar das Finale um den DFB-Junioren-Vereinspokal, allerdings war aufgrund der erwähnten Durststrecke bereits das Erreichen des Finals ein zu bemerkender Erfolg, zu dem letztlich zwar die jeweiligen Spieler und insbesondere der Trainer den größten Teil beigetragen hatten, der chronistisch allerdings auch in die Ägide Eberls mit einzurechnen ist.
Darüber hinaus gelang Eberl es in den Jahren seit 2005 im Spielersektor einen vielversprechenden Nationalspieler wie Marko Marin für den Verein zu gewinnen, und auch Namen wie (zum Beispiel) Patrick Herrmann oder Muhittin Bastürk, die jüngst zur Borussia stießen, könnten möglicherweise in der Zukunft einmal als Resultat dieses Wirkens eingeordnet werden. Wobei allein diese Aneinanderreihung letztlich an sich wenig darüber aussagt, ob Eberl auch im Lizenzspielerbereich vergleichbar erfolgreich tätig sein kann. Denn dazu gehören schon im Juniorenbereich mehrere Facetten, im Erwachsenenfußball verkompliziert sich dies erheblich.
Nicht vergessen sei auch, dass Eberls direkter Amtsvorgänger in seinem bisherigen Tätigkeitsfeld, Hartmut Vogts, durch den erst 2004 erfolgten Umzug des Vereins an die moderne Hennes-Weisweiler-Allee generell kompliziertere Bedingungen zur Anwerbung von hochtalentiertem Kickernachwuchs besaß.
Möglicherweise hat die Borussia somit im Falle Eberls also lediglich einen logischen Schritt vollzogen.
Ziege rückt dorthin, wo er sich perspektivisch ohnehin sah: in den Trainerstab. Seine Funktion als Sportdirektor übernimmt mit Max Eberl jemand, der im Amateur- und Jugendbereich drei Jahre einschlägige Erfahrungen sammeln konnte. Es gibt schlechtere Kompromisse, so könnte man formulieren.
Der Kompromiss zielt darauf ab, dass Hans Meyer mit Christian Ziege als seinem "ersten" Assistenztrainer - und zwar vom ersten Tag seiner zweiten Amtszeit an - den kompetentesten Ansprechpartner in Bezug auf die aktuelle Mannschaft an seiner Seite hat. Ziege hat, in Abstimmung mit Meyers Vorgänger, diese Mannschaft so zusammengestellt und war, spätestens zum 31. August 2008, der Meinung, dass sie die Zielstellung des Vereins (Klassenerhalt) zufriedenstellend bewältigen kann. Ziege hat überdies zuletzt die Mannschaft nach bestem Wissen und Gewissen bestmöglich auf die nächsten Aufgaben vorbereitet. Er weiß demnach, wie diese Mannschaft "tickt", wie sie funktioniert, wie die einzelnen Akteure miteinander wirken und auch zusammenspielen. Er weiß dies wie kein Anderer in diesem Gebilde und kann dies Cheftrainer Meyer ausreichend berichten. Natürlich auch, wie einzelne Spieler die vergangene Saison in der 2. Bundesliga durchlebt haben und zudem, wie sie auf welche Fremdeinwirkungen reagieren.
Mit dieser Kompetenz geht allerdings auch die Gesamtverantwortung des bisherigen Kompetenzteams einher. Das Ziel Klassenerhalt, vor wenigen Wochen noch mit dem entlassenen Kapitän Jos Luhukay geplant, muss nun mit Hans Meyer am Ruder des Schiffes Borussia erreicht werden, wenn der Verein die ersten Wochen dieser Saison lediglich als unplanmäßig eingetretenen Kollateralschaden - und nicht als Initial einer massiv zu nennenden Havarie - in seinen Annalen verbuchen möchte. Auf einem Schiff sind gravierende Veränderungen der Führungscrew mit Bedacht zu wählen. So gut der Kapitän und seine Offiziere auch wirken: Ohne die Mannschaft fährt kein Schiff auf vorgegebenem Kurs.
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