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Eine Gleichung mit vielen Unbekannten Drucken
Geschrieben von Christian Spoo   
Sonntag, 19 Oktober 2008
ImageDie erneute Verpflichtung von Hans Meyer als Trainer von Borussia Mönchengladbach ist keine Überraschung – den Namen pfiffen seit Tagen die Spatzen von den Gladbacher Dächern. Die wirkliche Überraschung ist die Umstrukturierung des Kompetenzteams, das sich in Zukunft im Schatten des großen alten Mannes aus Thüringen tummelt.

Die Personalrochade Ziege/Eberl stellt ein großes Wagnis für alle Beteiligten dar, eine Mission mit ungewissem Ausgang. Wie bei der Entscheidung, Hans Meyer vom Denkmalsockel zurück ins Borussenleben zu holen, kann auch hier der Schuss ganz gewaltig nach hinten losgehen - es könnte aber auch der Start in eine glückliche Zukunft sein, der Anfang von einem Konstrukt mit dem Potenzial für - man möchte es angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen nur leise flüstern - Kontinuität.

Im Optimalfall läuft es so: Meyer schafft mit der Borussia den Klassenerhalt in dieser Saison und erreicht das selbe Ziel in der kommenden noch einmal. Co-Trainer Christian Ziege bleibt über die ganze Zeit der Mann an Meyers Seite und übernimmt zum 01. Juli 2010 planmäßig dessen Job, während Meyer zurück auf seinen mittlerweile vergoldeten Sockel kraxelt. Derweil hat sich Sportdirektor Max Eberl, dessen erste Glanztat die Verpflichtung eines bundesligatauglichen Rechtsverteidigers in der Winterpause 2008/09 ist, einen guten Namen in der Branche gemacht und hat in Personalfragen mindestens das gute Näschen seines Vorgängers Ziege bewiesen - womöglich sogar noch ein besseres. So wurden die 11 Millionen Ablöse für Marko Marin sinnvoll und mit Augenmaß reinvestiert.

Gut, genug der Fiktion, aber ungefähr das dürfte der Plan sein, den Borussia mit den jetzt bekannt gewordenen Personalia verfolgt.

Ein Worst-Case-Szenario mag ich nicht aufstellen, jeder Leser dürfte phantasiebegabt genug sein, sich auszumalen was alles schief gehen kann. Es steht dringend zu hoffen, dass alle Beteiligten mit der jetzt getroffenen Entscheidung ohne Wenn und Aber einverstanden sind. Dass Christian Ziege mit dem Job ein Wunsch erfüllt wird und er sich nicht demontiert fühlt. Dass Max Eberl auf dem Transfermarkt deutlich treffsicherer ist, als einstmals auf dem Platz, dabei aber genauso wie damals mit Einsatz und Herz bei der Sache. Dass Hans Meyer und Christian Ziege ein harmonisches Team abgeben, an einem Strang ziehen und ihr naturgemäß äußerst unterschiedliches Verhältnis zur Mannschaft in etwas Konstruktives umzuwandeln in der Lage sind. Dass Borussia sich bitteschön endlich dem mit Sicherheit in den nächsten Tagen und im Falle von weiteren Niederlagen einsetzenden Sperrfeuer des Boulevard- und Lokaljournalismus gegenüber resistent zeigt und mögliches Geplärre von „Harten Hänsen", „demontierten Sportdirektoren" und „überforderten Sportdirektoren" auszusitzen in der Lage ist. Perspektivisch wichtig ist zudem, dass der bisherige Job von Max Eberl schnell und gut besetzt wird. Die Nachwuchsarbeit darf unter den Vorgängen bei der „Ersten" nicht leiden, die nachhaltige Arbeit der vergangenen Jahre muss fortgesetzt werden.

Borussia hat mit den für wohl die meisten Beobachter überraschenden Personalentscheidungen eine Gleichung mit zahlreichen Unbekannten aufgestellt. Dennoch, nach den niederschmetternden Ergebnissen und Ereignissen der jüngsten Vergangenheit stellt sich zaghaft wieder so etwas wie Optimismus ein. Es könnte gut gehen. Es könnte ein entscheidender Schritt in eine bessere Zukunft sein.