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Geschrieben von Martin Zierold
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Donnerstag, 06 November 2008 |
Die Zahl verpflichtet: Es ist der 68. SEITENwechsel, und wir rufen die Revolution aus. Beim VfLog malen wir den Bonhof an die Wand, doch anstatt uns - erfolglos - zu besänftigen, legt Martin noch einen drauf und plant, ein Pferd von der Weide zu entwenden. Endlich Action, endlich Spaß!
Lieber Joachim,
„Change has come to America“, jubelte gestern die ganze Welt und Hunderttausende euphorisierte Amerikaner konnten wohl selbst kaum glauben, was da gerade in ihrem Land passiert ist: „Yes, we can“, so das Mantra der Selbstüberzeugung, und wenn man auch nur 15 Minuten Fernsehen schaute, hatte man das Gefühl, die ganze Welt atmete auf. Ich weiß, die Wahlen im Schurkenstaat interessieren Dich nicht. Aber in der globalisierten Welt hängt doch alles mit allem zusammen. Alles ist wichtig. Alles beeinflusst alles.
Wenn also „Change“ jetzt in Amerika angekommen ist, dann kann es doch nicht gleichzeitig in Gladbach sein. Hier ist also alles beim Alten, alles wie immer. Du beschreibst es in drastischen, zornigen Worten, und ich kann Dir nur zustimmen aus ganzem Herzen. Wenn Gladbach ein Stückchen weiter den Rhein runter läge, dann hätten wir zumindest eine kölsch-dümmlich-fröhlich-sanftmutige Art, mit den Idiotien unseres Vereins umzugehen. Da uns aber nur der niederrheinische Dickschädel und die verkrampfte Ernsthaftigkeit des platten Landes gegeben sind (egal, wo wir individuellen Fans geboren sind, man groovt sich ja doch in die Grundstimmung seines Clubs ein, so wie alle Bayern-Fans Weißbier trinken und alle Bayer-Fans Tabletten schlucken), haben wir nur zwei Optionen: Depression als kraftloser Zorn oder Terrorismus als kraftvoller Zorn.
Ich habe schon lange die erste Haltung gewählt, es freut mich, dass Du aus Deiner naiven „gebt den Jungs doch noch etwas Zeit“-Seifenblase nun auch endlich in der Wirklichkeit angekommen bist, und Dich offenbar für den Terrorismus entschieden hast. Das hält eine Spannung zwischen uns aufrecht, und, ehrlich gesagt, Deine kraftvollen Worte färben auch schon ein wenig auf mich ab: „Punkte her, sonst Bonhof!“ – das hätte Andreas Baader (den sich unsere zwölfjährigen Leser bitteschön nicht wie Moritz Bleibtreu mit Sonnenbrille vorstellen sollen, vergesst diesen schwachsinnigen Altherren-Ballerfilm!) nicht schöner formulieren können. Da ist Kitzel, da ist Spannung, das macht ja schon fast wieder Spaß!
Hab also keine Angst, dass ich Dich mit weisen Zen-Worten einlullen werde, oder gar meine Wandergitarre aus dem ewigen Feuer hole, um Dir Simon & Garfunkel vorzusingen. Sei zornig, Joachim! Kämpfe! Sei der Malcolm X, der Jesse Jackson des VfL! Und vielleicht kriegen wir in vierzig Jahren dann auch einen Obama im Borussiapark… Für heute aber ist das Mantra unserer Elf sicher nicht „Yes, we can!“, sondern „No way, we can’t!“ Und Du solltest wohl schon einmal die Telefonnummer von Rainer Bonhof raussuchen und weitere Aktionen planen: Lass uns Brennesseln auf dem Rasen des Borussiaparks pflanzen! Lass uns Jünter entführen und gegen den armen Willi im Gefangenenaustausch an die DFL ausliefern! Lass uns ins Amtsgericht von Sinsheim einbrechen und im Eintrag von Hoffenheim ein „VfL“ ergänzen!
Mach kaputt, was Dich kaputt macht!
Dein
Martin
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