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Vorbericht, Spieltag 2: 1.FC Nürnberg |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Donnerstag, 17 August 2006 |
Es begann meist am 1. Advent. Liebevoll und ausführlich beschriebene
Zettel hingen in den Küchen und Wohnzimmern des elterlichen Hauses. Der
Inhalt dieser Listen las sich wie eine Lagerbestandsübersicht eines
Spielzeugladens: ein ferngesteuertes Auto, eine Lego-Burg, eine
Modelleisenbahn, ein Walkman, ein Computerspiel, ein Trikot, ein
Fußball. Die Liste der Wünsche war meist größer als das Portemonnaie
der Eltern, so dass man als Kind von einigen Dingen an Heiligabend
wieder Abstand nehmen musste. In der anfänglichen Euphorie der
Geschenke und im festen Glauben, dass der Weihnachtsmann den
Wunschzettel gelesen haben muss, hatte man die anderen Sachen, für die
es nicht mehr gereicht hat, schon wieder vergessen. Nicht anders geht
es den Fans der Borussia, nur dass der Weihnachtsmann in diesem Jahr
Josef Heynckes heißt.
Gäbe es einen solchen Wunschzettel innerhalb der Fans, stünden bei
einigen „attraktiver Fußball", „Leidenschaft", „viele Tore",
„offensives Spiel", bei anderen „UEFA-Cup-Platz, egal wie" oder gar
„Meisterschaft" drauf. Auf jedem Wunschzettel indes stünde das Wort
„Auswärtssiege". Auch wenn die letzte Saison mit einem Sieg in
Frankfurt versöhnlich endete, so konnte auch dieser Sieg die
katastrophale Bilanz auf fremden Plätzen nur marginal verbessern. Nun
probiert Heynckes mit Mut das, was vor ihm Köppel, Advocaat, Fach,
Lienen und selbst Meyer nicht vollbrachten: aus der Borussia ein Team
zu formen, das konstant auftritt, ganz gleich, ob man im BorussiaPark
oder in einem der 17 anderen Stadien der Bundesliga antreten muss.
Borussia
Nach dem etwas glücklichen, aber nicht unverdienten Auftaktsieg gegen
Energie Cottbus ist ein wenig Ruhe rund um die Hennes-Weisweiler-Allee
eingekehrt. Auch wenn Trainer Heynckes aufgrund diverser Verletzungen
und Länderspielabstellungen nicht mit der vermeintlichen Stammelf
trainieren konnte, so blickte er in der Pressekonferenz mutig und
zuversichtlich auf das Spiel beim Tabellenführer aus Nürnberg. Um dort
zu gewinnen, muss im Vergleich zum Auftaktspiel allerdings eine
deutliche Leistungssteigerung erfolgen. Inwieweit die Mannschaft die
von Heynckes vorgelebte Mentalität, auch auswärts mutig und offensiv zu
spielen, bereits verinnerlicht hat, ist spekulativ. Dass Borussia
innerhalb von wenigen Wochen eine überzeugende Kontermannschaft
geworden ist, die auswärts im Werder-Bremen-Stil drei oder vier Tore
erzielt, darf allerdings bezweifelt werden. Der 1.FC Nürnberg ist
sicherlich heimstark, unschlagbar aber weiß Gott auch nicht.
Borussias Defensive
Die Zahl der Verteidiger und Defensivspieler verringert sich merklich.
Nach den Abgängen von Fukal, Jeff Strasser und Nils Oude Kamphuis
fallen mit Peer Kluge und Filip Daems zwei weitere wichtige
Defensivspieler aus. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Mannschaft
in diesem Mannschaftsteil nahezu alleine auf. Torhüter und Kapitän
Keller hatte letzten Samstag mehr Gelegenheiten, seine Klasse und
Bedeutung fürs Team zu demonstrieren, als ihm lieb war. Mit zwei
starken Reflexen bewahrte er sein Team noch in der ersten Halbzeit vor
einem Rückstand. Keller ist unumstritten und die Stimmen mehren sich,
die sich wünschen, Kasey möge noch ein weiteres Jahr dranhängen und dem
Verein bis 2008 erhalten bleiben.
Die Abwehrreihe mit Bøgelund, Svensson, Zé António und Marcell Jansen
scheint zur Zeit, auch mangels wirklicher Alternativen, gesetzt. Die
Erkenntnisse aus dem ersten Saisonspiel sollten nicht überbewertet
werden; dennoch war die Defensivreihe der schwächste Mannschaftsteil.
Jansen und Bøgelund hatten wenig offensive Aktionen, auch wenn durch
Jansens Schuss Anfang der zweiten Halbzeit die Ecke zustande kam, in
deren Folge die Führung erzielt werden konnte. Svensson war gegen
Cottbus nicht nur wegen des Tores der stärkste Verteidiger. Meist
sicher im Zweikampf, oft Passspiele der Gegner vorausahnend, fängt er
die Angriffe ab, bevor sie richtig gefährlich werden. Sein
portugiesischer Partner in der Innenverteidigung hielt sich merklich
zurück und beschränkte sich aufs Kurzpassspiel. Eine wahrlich kluge
Entscheidung, denn ein Spielmacher wird Zé António in diesem Leben
nicht mehr.
Vor der Abwehr werden erneut zwei Akteure im defensiven Mittelfeld zum
Einsatz kommen. Neben Polanski wird Hassan El-Fakiri beginnen, der nach
der Verletzung von Peer Kluge die besten Karten hat, in die erste Elf
zu rücken. Alternativ stünden Thomas Helveg und Bernd Thijs bereit,
doch der Norweger El-Fakiri ist aufgrund seiner Ballsicherheit,
Übersicht und Ruhe die beste Wahl neben Youngster Polanski. Letzterer
war nach dem Spiel gegen Cottbus im Zentrum der Kritik. Die Tendenzen,
die sich in den Vorbereitungsspielen andeuteten, setzten sich in diesem
Spiel fort. Polanski war unkonzentriert und in vielen Momenten
übermotiviert. Die Fehlpässe in die Füße der Gegner werden bei
stärkeren Mannschaften bestraft und vor allem gegen die schnellen und
technisch starken Nürnberger Offensivspieler Banovic, Saenko und Polak
sollte hier höchste Vorsicht geboten sein. Ein Spieler wie Polanski,
der von Bundestrainer Löw schon in den Kreis der Nationalspieler für
die kommenden Europameisterschaft geredet wurde und der bisher in allen
Jugendauswahlmannschaften des DFB als Kapitän und Leistungsträger
auflief, muss sich einer solchen Kritik auch stellen und hart an sich
arbeiten. Wer viel von sich fordert, muss sich auch höheren Ansprüchen
stellen. Will Polanski ein Führungsspieler im Kader und bald in der
Nationalmannschaft werden, darf er sich nicht mehr hinter dem Etikett
„zu jung" verstecken. Qualität kennt kein Alter.
Borussias Offensive
Im 4-5-1-System, das gegen Cottbus bei gegnerischem Ballbesitz
praktiziert wurde, ist Federico Insua die zentrale Figur. Auch wenn
sich der Argentinier des öfteren in Einzelaktionen verrannte, so ist
bereits nach diesen wenigen Eindrücken zu erkennen, welchen Wert er für
das Offensivspiel besitzt. Gerade in Auswärtsspielen werden seine
Fähigkeiten im Passspiel gefragt sein. Wenn es dem defensiven
Mittelfeld gelingt, Insua den Rücken freizuhalten und wenn das
Umschalten aus der Abwehr heraus schnell und konzentriert gelingt,
sollte das Konterspiel eine deutliche Qualitätssteigerung erleben.
Speziell Neuville sollte und wird von den Zuspielen und Ideen Insuas
profitieren. So kann man auf den einen oder anderen Geniestreich
hoffen, der ein solches Spiel bei einem offensivstarken Gegner
zugunsten Borussias entscheiden kann.
Auf den Außenbahnen werden erneut Nando Rafael und Michael Delura
beginnen. Das Debüt der beiden am letzten Samstag war durchwachsen,
denn die von Heynckes geforderte Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft
ist bei beiden noch nicht vorhanden. Da die Nürnberger nominell mit nur
drei Mittelfeldspielern auflaufen, sollten sich hier Räume ergeben, die
sowohl Rafael mit seiner Technik als auch Delura mit seiner
Schnelligkeit nutzen können. Die Zuspiele aus dem Mittelfeld und in die
Spitze müssen aber noch präziser werden, die Konter sauberer zu Ende
gefahren werden. Dies ist ein Lernprozess, der sicher noch einige
Wochen in Anspruch nehmen wird.
Nationalspieler Neuville, dem gestern ein schönes Hackentor zurecht
wegen Abseitsstellung abgepfiffen wurde, wird als einzige echte Spitze
agieren. Auswärtsspiele sind eigentlich wie geschaffen für Neuville.
Hier hat er Räume und Lücken, doch ist er wie kein Zweiter im Team auf
Präzision und Zielstrebigkeit angewiesen. Neuville läuft viele Wege
umsonst, was ihn gegen Ende der zweiten Halbzeit müde werden lässt.
Dennoch ist er - auch durch die Verletzung von Wesley Sonck - der
einzige Stürmer im Kader, der in Form ist und Torgefahr ausstrahlt.
Der Gegner aus Nürnberg
Als Hans Meyer am 09. November 2005 den Trainerposten beim 1.FC
Nürnberg antrat, hätten selbst die größten Anhänger und Verehrer des
geborenen Brieseners nicht vorhergesagt, welchen Weg der „Club" unter
der Führung von Meyer gehen würde. Ein abgeschlagenes
Tabellenschlusslicht, das in 12 Spielen lediglich 6 Punkte erzielen
konnte; eine talentierte Mannschaft zwar, die aber in Ihre Einzelteile
zu zerfallen schien und auf dem besten Wege war, irgendwann mehr
Abstiege als Meisterschaften in der Vita aufweisen zu müssen (ein Ziel,
das der 1.FC Köln in diesem Sommer indes erreicht hat). So präsentierte
sich die Mannschaft, als Hans Meyer sich erneut von seinen Rosen
abwendete, um einen Trainerposten übernehmen. Am kommenden Freitag
jedoch fährt Borussia zum Tabellenführer der Bundesliga. Nun ist dieser
Status nach dem ersten Spieltag schon einigen Mannschaft anheim
gefallen und Hans Meyer hat zur Zeit in Nürnberg große Mühen, die
Euphorie zu bremsen, doch tiefstapeln braucht man wahrlich nicht. Nach
dem überzeugenden und auch in dieser Höhe verdienten 3:0 bei desaströs
aufspielenden Stuttgartern geht Hans Meyer mit seiner Mannschaft als
Favorit in die Partie, ob er es will oder nicht.
Wer in den letzten Tagen von einer eingespielten Nürnberger Einheit
spricht, darf indes nicht vergessen, dass auch der Club in diesem
Sommer einer hohen Personalfluktuation unterlag. Zehn Abgängen stehen
immerhin elf Zugängen gegenüber. Für wen dies überraschend klingen mag,
dem sei gesagt, dass zu den Neuzugängen die vier jungen Spieler gezählt
werden, die aus der eigenen Jugend in den Profikader befördert wurden.
Als die wichtigsten Personalien dürften die Abgänge von Kapitän Mario
Cantaluppi (FC Luzern) und U21-Nationalspieler Stefan Kießling (Bayer
Leverkusen) gelten. Zwei absolute Leistungsträger der letzten Saison,
die ein Verein mit begrenztem Budget nur schwer ersetzen kann. Doch
speziell die Verpflichtung von Tomas Galasek, dem Kapitän der
tschechischen Nationalmannschaft, den man von Ajax Amsterdam nach
Franken lotsen konnte, ließ die Beobachter aufhorchen. Ein Transfer mit
Ausrufezeichen, denn Galasek würde sicher jeder Bundesligamannschaft
gut zu Gesicht stehen und es ist zu erwarten, dass damit der Abgang von
Cantaluppi als Führungsspieler und Routinier mehr als gleichwertig
kompensiert werden kann. Marek Mintal muss nach seiner langwierigen
Verletzungsunterbrechung, die ihn fast zwei Jahre gekostet hat,
prinzipiell als weiterer Neuzugang gesehen werden, auch wenn er zur
Zeit noch nicht so weit ist, dass Meyer ihm einen Einsatz von Beginn an
zutraut.
Alles in allem dürfte der 1.FC Nürnberg zwar in dieser Saison nicht bis
zum Ende um die UEFA-Cup-Plätze mitspielen, wie von vielen Beobachtern
und Fans erhofft und vorausgesagt, doch vollends ausschließen kann man
eine Überraschungssaison nicht. Trainer Hans Meyer fährt auch in
Nürnberg eine klare taktische Linie und kitzelt aus dem vorhandenen
Kader nahezu das Optimum heraus. Man verfügt mit Vittek, Schroth,
Saenko, Mintal und Banovic über eine Offensivabteilung, die durchaus
zum oberen Drittel der Liga gezählt werden darf. Die junge, aber
eingespielte Abwehr wurde mit dem Routinier Galasek ergänzt, so dass
ein kompaktes Team auf dem Platz steht, das durch Tempo und
Geschlossenheit überzeugt.
Nürnberger Defensive
Torhüter Raphael Schäfer wurde vor der Saison zum Mannschaftskapitän
ernannt. Nach seinem Wechsel zum Club im Jahr 2001, als er vom VfB
Lübeck ins Frankenland wechselte, hatte er Probleme, sich
durchzusetzen. Doch spätestens nach dem Transfer von Darius Kampa nach
Mönchengladbach ist Schäfer die unumstrittene Nummer 1 im Kasten der
Nürnberger. Wenn die ersten Spiele auch nicht fehlerfrei war und er
selber sich des öfteren der Kritik aussetzen musste, so steigerte sich
Schäfer speziell in der letzten Saison zu einem überdurchschnittlichen
Bundesligatorhüter und zum sicheren Rückhalt seiner jungen Abwehr.
Im 4-3-3 System bilden der gesetzte Brasilianer Glauber und Andreas
Wolf die Innenverteidigung. Hans Meyer wird nach dem erfolgreichen
Spiel in Stuttgart keinen Grund zum Wechseln haben, wenngleich mit
Pinola, Thomas Paulus und vor allem Marek Nikl drei weitere Spieler um
die zweite Innenverteidigerposition neben Glauber bewerben. Der
Brasilianer Glauber, der sogar einen Einsatz für die Selecao bestreiten
durfte, wechselte während der letzten Saison von Palmeiras Sao Paulo
zum 1.FC Nürnberg und bestritt in der Rückrunde auf Anhieb zwölf
Saisonspiele. Flankiert werden Wolf und Glauber von Dominik Reinhardt
auf der rechten und der dänische Internationale Jan Kristiansen auf der
linken Seite, der allerdings auch im linken Mittelfeld eingesetzt
werden kann.
Dass der Club in der vergangenen Saison dennoch 51 Tore kassierte, darf
dennoch nicht unerwähnt bleiben. Bei aller offensiven Qualität, die
vorhanden ist, so ist die Verteidigungslinie nicht fehlerfrei,
wenngleich die Hälfte der genannten Gegentore schon im ersten Drittel
der Saison, also vor der Verpflichtung Hans Meyers, zustande kam.
Dennoch erlebte auch der Defensivverbund ein Leistungshoch in der
Rückrunde, das es zu halten gilt. Oberes Bundesliganiveau besitzt
Nürnberg bei den Verteidigern jedoch nicht, so dass Borussia hier
durchaus seine Chancen bekommen wird.
Tomas Galaseks Qualitäten sind indes unbestritten. 51 Länderspiele für
die Tschechische Republik, insgesamt sechs Jahre bei Ajax Amsterdam bei 26
Einsätzen in der Champions-League: die reinen Daten allein zeugen von
der Erfahrung des inzwischen 33jährigen Galasek. Der Tscheche ist ein
wichtiger Bestandteil des Nürnberger Spiels, der mit seiner Ruhe,
technischen Klasse und Übersicht das Bindeglied zwischen der jungen
Abwehr und der starken und schnellen Offensive darstellt. Mit Galasek
wird Borussias Insua auf einen Gegenspieler internationaler Güte
treffen und es wird von entscheidender Bedeutung für das Gladbacher
Offensivspiel sein, inwieweit Galasek den Argentinier aus dem Spiel
nehmen kann. Schon bei seinem ersten Pflichtspiel für Borussia zeigte
sich, dass allein Insua für den ein oder anderen überraschenden Moment
sorgen kann.
Nürnberger Offensive
Wer über die Offensive der Nürnberger spricht, wird keinen Absatz zu
Ende bringen, ohne den Namen Robert Vittek zu erwähnen. Der Slowake
explodierte unter Hans Meyer förmlich; 16 Tore in der Rückrunde sind
ein überragender Wert, der sinnbildlich für die Leistungen der gesamten
Mannschaft steht. Schon am ersten Spieltag in Stuttgart traf Vittek
erneut, so dass das Formhoch nach wie vor vorhanden ist. Umso bitterer,
dass sich Vittek im Testspiel der slowakischen Nationalmannschaft gegen
Malta am Knie verletzt hat und somit am Freitag ausfallen wird. Ersetzt
wird Vittek aller Voraussicht nach durch Jan Polak. Auf der linken
Sturmseite wird Iwan Saenko spielen, ein großes Talent, der phasenweise
sein Können andeutete, jedoch nie über längere Strecken konstant auf
einem Niveau spielte, wenngleich auch Saenko unter Hans Meyer eine
positive Entwicklung nahm. Eines seiner besten Spiele bestritt Saenko
ausgerechnet in der letzten Saison im BorussiaPark, als die Gastgeber
die erste ihrer zwei Heimniederlagen kassierten und der Gast aus
Franken alle drei Punkte mit nach Hause nehmen konnte. Mittelstürmer
Schroth verfügt nicht ganz über die Klasse, Technik und Schnelligkeit
seiner Sturmkollegen Vittek und Saenko. Der 31jährige ist ein
klassischer Strafraumstürmer, groß gewachsen und kopfballstark, der
sich unermüdlich in den Dienst der Mannschaft stellt, Bälle annimmt,
abschirmt und für die nachrückenden Saenko, Vittek oder Banovic auflegt.
Der 2004 von Werder Bremen verpflichtete Ivica Banovic darf als Mann
des ersten Spieltags gelten. Seine überragende Leistung beim 3:0 in
Stuttgart unterstrich er mit einer tadellosen Leistung, als er unter
anderem alle drei Tore direkt vorbereitete, mit hohem Laufpensum und
technischer Klasse aufwartete. Banovic und Mnari bilden die Achse im
offensiven Mittelfeld der Gastgeber. Insgesamt fünf Akteure, auf die
Borussia sehr gut aufpassen muss. Die Variante mit zwei defensiven
Mittelfeldspielern sollte hier dringend angewandt werden, um kompakt zu
stehen und die sicher offensiv aufspielenden und euphorisierten
Nürnberger mit Kontern überraschen zu können.
Schiedsrichter
Unter der Leitung von Schiedsrichter Lutz Wagner bestritt Borussia seit
dem Wiederaufstieg lediglich 6 Spiele. An das erste Spiel erinnert man
sich in Mönchengladbach gerne, denn Wagner pfiff das Auswärtsspiel am
4. Spieltag 2001/02 in Köln, das man mit 2:1 gewinnen konnte. In allen
Partien unter seiner Leitung (jeweils seit 2001) zückte er ingesamt 26
Gelbe und eine Rote Karte, was einem stolzen Durchschnitt von etwas
mehr als vier Gelben Karten pro Partie entspricht. In der letzten
Saison gab sich der 43jährige Fertigungsleiter aus Hofheim nur einmal
die Ehre, als er das erste Heimspiel der Saison leitete. Dank seiner
angezeigten Nachspielzeit gelang Bögelund beim 1:1 gegen den VfL
Wolfsburg der späte Ausgleich.
Bilanz
Die Bilanz gegen den Vize-Rekordmeister aus Franken liest sich
insgesamt noch positiv. 21 Niederlagen stehen 8 Unentschieden und 24
Siegen gegenüber. Die reine Auswärtsbilanz ist hingegen - wie erwartet
- deutlich negativ. In 26 Spielen gelangen nur 5 Siege, bei 4
Unentschieden und 17 Niederlagen. Den letzten Auswärtssieg in Nürnberg
feierte man im Oktober 2001, als ein gewisser Miciel die Führung
erzielte, die durch ein Eigentor von Nikl auf 2:0 erhöht wurde, ehe
Dieter Frey der Anschlusstreffer gelang. Noch in guter Erinnerung ist
allen Beteiligten das 2:5 aus der letzten Saison, als man in der
zweiten Halbzeit nach einer 2:1-Pausenführung regelrecht abgeschossen
wurde und vier Gegentreffer hinnehmen musste.
Aufstellungen
Borussia: Keller - Bøgelund, Svensson, Zé António, Jansen - Polanski, El Fakiri - Rafael, Insua, Delura - Neuville
Ersatz: Heimeroth (Tor), Kirch, Levels, Helveg, Thijs, Kahê, Sverkos, Svärd.
Es fehlen: Melka (zu den Amateuren versetzt), Sonck, Daems, Kluge (alle verletzt).
Nürnberg: Schäfer - Reinhardt, Glauber, A. Wolf, Kristiansen - Galasek, Polak, Mnari - Banovic - Schroth, Saenko.
Ersatz: Kiewer (Tor), Beauchamp, Nikl, Sibon, Mintal, Heffernan, Pinola, Paulus, Benko, Wagenburg
Es fehlen: Vittek, Kennedy, Engelhardt (alle verletzt)
Schiedsrichter: Lutz Wagner (Hofheim)
Assistenten: Tobias Welz (Wiesbaden), Volker Wezel (Tübingen)
Vierter Offizieller: Thorsten Schiffner (Konstanz)
SEITENWAHL-Meinung
Christoph Clausen: Bestandsaufnahme: Eine durchwachsene
Leistung gegen Cottbus, ein insgesamt reichlich glücklicher Sieg,
dagegen eine rundum überzeugende Leistung der Nürnberger beim
Auftaktspiel, schließlich Borussias Auswärtsangst, die auch ein Jupp
Heynckes schwerlich über Nacht wird wegzaubern können. Eigentlich
sollte ein Heimsieg ein sicherer Tipp sein. Eigentlich. Aber die ewige
Unvorhersehbarkeit des Fußballs will es, dass Borussia sich an der
Noris ein 2:2 erkämpft, ohne sich hinterher selbst so recht erklären zu
können, wie man das gemacht hat.
Thomas Zocher: Was hat man sich, natürlich im Sinne des Fans, bemüht
den Freitagabend aufgrund der "schönen Flutlichtatmosphäre" wieder
einzuführen. Umso schöner, dass man den zahlenden TV-Anstalten durch
solche Exklusivität im gleichen Zuge einen Zusatzhappen an TV-Geld
abringen konnte. Für Borussia bedeutet das in dieser Woche eine
1:2-Niederlage. Warum? Nun, dass die Elf noch nicht eingespielt ist,
sah man deutlich. Dass der Trainer in dieser Woche quasi
handlungsunfähig war, verdankt er den Länderspielterminen. Ist doch
toll nicht, dass etwa Jansen und Neuville somit nach nicht einmal 3
Wochen Training binnen 48 Stunden gleich zweimal antreten dürfen.
Michael Heinen: Die latent auswärtsschwachen Borussen treten bei der
besten Heimmannschaft 2006 an, die zuletzt 7 Mal in Folge daheim
siegreich blieb und dabei u.a. unsere Elf mit 5:2 besiegte. Endlich mal
wieder gute Nachrichten für betandwin, da eine solche Ausgangslage
selbst Fußball-Laien zu einer Wette auf klaren Heimsieg verführen
müßte. Nicht so schön für die zwischen Verbot und Verteufelung
schwankenden Nicht-Werber, daß ihre Kunden die Wetten dann am Ende
leider allesamt gewinnen werden. Denn Freitag abend wird Hans Meyer
nach dem Spiel sagen können: "We win 2:1".
Mike Lukanz: Die Aussicht ist verlockend. Mit einem Sieg würde man
nicht nur zu Beginn der Saison ein Ausrufezeichen setzen, man wäre auch
mindestens bis zum Samstag Tabellenführer. Es bleibt bei einer
Aussicht, denn Borussia ist noch nicht so weit, bei einem spielstarken
Gegner auf dessen Platz zu gewinnen. Die Chancen, die Cottbus noch
fahrlässig ausließ, wird Nürnberg - auch ohne Robert Vittek - eiskalt
nutzen. Das 1:3 in Nürnberg wird jedoch nicht so schmerzen wie die
letzte Niederlage in Franken.
Hans-Jürgen Görler: Vor wenigen Monaten gab es beim FCN eine
peinliche Klatsche. Da sich seitdem (noch) nicht allzu viel geändert
hat und die Borussia nach dem Sieg am letzten Spieltag der vergangenen
Saison erst noch unter Beweis stellen muss, auch in der neuen Spielzeit
Auswärtsspiele gewinnen zu wollen und zu können, gehe ich davon aus,
dass im easycredit-Stadion nichts zu holen sein wird. Mit einem 2:1 für
die Franken wird das Ergebnis jedoch nicht ganz so unangenehm
ausfallen.
Christian Heimanns: Auch ohne Köppel sind wir noch nicht so weit.
Vielleicht schon ein Stück weiter, aber noch nicht so weit um in
Nürnberg zu gewinnen. Das 2:0 für Meyers Männer zeigt, wieviel Arbeit
uns noch bleibt.
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