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Home 2008/09 13, H, BL, Bayern
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Bor. Mönchengladbach - FC Bayern München 2:2 |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Samstag, 15 November 2008 |
„Das sind
die Momente, für die man als Fußballer arbeitet." Michael Bradley sprach in den
Katakomben des BorussiaParks sicher nicht vom Interviewmarathon, den er nach
Schlusspfiff bewältigen musste, sondern von der ohrenbetäubenden
Geräuschkulisse in den Sekunden nach seinem Kopfballtreffer zum 2:2 gegen den
FC Bayern München. Und überhaupt, die Lautstärke im ausverkauften Stadion
an der Hennes-Weisweiler-Allee war Thema vieler Antworten, allen voran der in
weiß gekleideten Gastgeber, und wurde fast einstimmig als Grundlage der
beachtlichen Aufholjagd gewertet, an deren Ende in einem verloren geglaubten
Spiel gegen einen spielbestimmenden Gegner ein Punktgewinn stand.
Der
BorussiaPark, vor zwei Wochen noch Hort kollektiver Ohnmacht, entwickelte an
diesem Samstagnachmittag im ungleichen Duell zweier vor langer Zeit mal gleichwertiger
Mannschaften wieder seine besondere Atmosphäre. Dass der Punkt am Ende mehr als
glücklich war, wird die Stimmung am Niederrhein weniger trüben. Nüchtern
betrachtet, sorgt dieser Zähler im Abstiegskampf kaum für Entlastung. Im Kampf
gegen die eigenen Selbstzweifel, die Borussia seit Saisonbeginn mit sich führte,
wird er eine ungleich größere Wirkung haben.
Hans
Meyer hatte vor der Begegnung ein schlechtes Gefühl. Die Bayern kämen zur
falschen Zeit, orakelte er. Und in der Tat, die zuletzt fünfmal in Folge
siegreichen Münchener schienen in diesen Wochen von der Lethargie und
Unkonzentriertheit befreit, die sie zu Beginn der Saison zwischenzeitlich in
Tabellenregionen abrutschen ließen, die man in München per se als Beleidigung empfindet.
Bis zur 79. Minute bewiesen die in blau gekleideten Gäste, dass Hans Meyer mit
seiner Ahnung so falsch nicht gelegen hatte. Angeführt von einem wie immer
starken Ribery und einem wie immer torgefährlichen Toni führten sie sicher mit
2:0 und schickten sich an, das Spiel so zu gewinnen, wie eben nur die Bayern
gewinnen. Nicht überragend, aber kontrolliert. Nicht begeisternd, aber
abgezockt. Eben Spitzenmannschaft gegen Abstiegskandidaten.
Dass Rob
Friend in jener 79. Minute per Kopf doch zum Anschlusstreffer kam, verdankte er
dann gleich zwei Faktoren: Einer Eckballvariante, die in dieser Ausführung eher
nicht einstudiert war und dem kurzzeitigen Aussetzer seines argentinischen Gegenspielers
Demichelis, gegen den der Kanadier in den 78 Minuten vorher - vorsichtig
formuliert - einen schweren Stand hatte. Auf einmal war sie wieder da, die vormals
selten erlebte Unkonzentriertheit und in Ansätzen gar Nervösitat des einzigen
deutschen Verein mit Weltformat. Diese Schwächen also, die den Bremern fünf
Tore inklusive Sieg und den Bochumern immerhin deren drei mitsamt Unentschieden
in München bescherten. Zwei Minuten nach Friends Treffer spielte Baumjohann den
Ball per Hacke auf Colautti, der sich im Zweikampf gegen Demichelis und Lell durchsetzte, den Ball weich an den zweiten Pfosten flankte, wo
Michael Bradleys Kopfballtor für die eingangs beschriebene Geräuschkulisse
sorgte.
Borussia
feiert das Unentschieden wie einen Sieg, und das durchaus zurecht. Einen
0:2-Rückstand gegen den FC Bayern München aufzuholen, ist in jeder Tabellenlage
aller Ehren wert. Vor dem Hintergrund der kämpferisch zwar überzeugenden, aber
spielerisch erneut dürftigen Vorstellung umso mehr. Dass Borussia zurzeit mit
Alexander Baumjohann und Marko Marin über zwei Offensivkräfte in Spiellaune und
Formstärke verfügt, darf als Hoffnungsschimmer für die kommenden Wochen
gewertet werden. Die Mannschaft lebt (wieder), und sie wurde nun schon im
zweiten Spiel in Folge zumindest für ihren Einsatz belohnt. Das Glück, das ihr
mitunter in den ersten Spielen fehlte, ist nun in einigen Situationen wieder auf
ihrer Seite. So sieht man am Ende des Tages in Mönchengladbach überwiegend
zufriedene Gesichter: Im Verein, der wieder Optimismus ausstrahlt und bei den
Fans, die einen würdigen Rahmen für dieses Spiel geschaffen hatten. Und die
Bayern? Auch bei ihnen war Lautstärke ein Thema. Tim Borowski zur Stimmung in
der Münchener Kabine: „Dort war es sehr, sehr still."
Borussia:
Gospodarek - Levels, Brouwers (van den Bergh 46), Daems, Gohouri - Alberman
(Matmour 68), Paauwe (Colautti 77), Bradley - Marin, Baumjohann - Friend.
Bayern München: Rensing - Lell, Lucio, van Buyten, Lahm (Sosa 65) -
Schweinsteiger (Borowski 65), van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose (Kroos
80), Toni.
Tore: 0:1 Toni (21.), 0:2 Ribéry (65., Foulelfmeter), 1:2 Friend (79.), 2:2
Bradley (81.).
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Zuschauer: 54.067 (100 %)
Gelbe Karten (Borussia): Gohouri
Besondere Vorkommnisse: Michael Bradley erzielte sein erstes Bundesligator für
die Borussia, der US-Amerikaner war im August vom SC Heerenveen verpflichtet
worden. Mitgezählt jene drei Strafstöße im DFB-Pokal bei der
Zweitrundenniederlage gegen Energie Cottbus, so war der heutige Strafstoß
bereits der achte Elfmeterpfiff gegen die Borussia im fünfzehnten Saisonspiel.
Am 26. Spieltag der Saison 1992/93 holte die Borussia letztmals in einem
Heimspiel gegen Bayern München einen 0:2-Rückstand auf, damals erzielte Martin
Dahlin nach der Halbzeitpause zwei Tore zum Endstand. Die Münchener waren
damals durch Christian Ziege (und Mehmet Scholl) früh 2:0 in Führung gegangen.
Im Team der Bayern spielten damals die späteren Borussenspieler Christian
Ziege, Markus Münch und Michael Sternkopf; für die Borussia Borussias
derzeitiger Juniorentrainer Peter Wynhoff.
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