Advent, Advent, der Baum brennt - so (oder so ähnlich) schallt es derzeit nicht nur aus vorweihnachtlich flambierten Wohnzimmern, sondern auch aus der Abstiegszone der Bundesliga. Macht nichts, Hauptsache, das Feeling ist authentisch, behaupten wir beim VfLog und zeichnen uns erneut milde gestimmt. Nichts da, antwortet uns Maik, und weitet unseren Blick: Wenn Ihr schon Cottbus als Problem seht, dann wartet nur mal auf Leverkusen und Dortmund, und Hans Meyer ist leider nur der einzige Nußknacker weit und breit. Lassen wir uns dadurch die Stimmung verderben? Och nö...
Lieber Joachim,
gut, dass Du Dich in Sachen Sex, Drugs und Rock'nRoll an mich wendest. Als alter Bruce Springsteen-Fan kann ich da mitreden und komme Dir nicht mit so Klampfensternchen an, wie sie Martin immer zitiert. Zweierlei allerdings kann ich nicht bedienen: Weihnachtsnostalgie und Alles-wird-gut-Romantik. Sicher, die nasskalten Tage sind wie gemacht für Jagertee und Bahlsen-Lebkuchen, der inzwischen Lorenz heißt (oder waren das die Chips?). Aber das ist ja das perfide am Weihnachtsmarketing: Es ist ein Selbstläufer, den es zu unterwandern gilt. Einerseits durch strikten Jagerteeboykott (wofür hat der fiktive Herrgott denn Martini erfunden?!), andererseits durch einen rigid-nüchternen Blick auf das Wesentliche. Und das ist die Tabelle. Sicher, Anlass zur Hoffnung gibt es für den einen VfL wie für den anderen.
Aber, Joachim: Gestern Revolution, heute Apparatschik -- ist das nicht ein bißchen schnell? Natürlich wird Martin, den wir alle seit den gemütlichen Revolutionsgesprächen bei Starbuck's nur "Chai-Che" nennen, als letzter anerkennen, wenn mal statt Widerstand und Depression konstruktives Mittun gefragt ist. Aber ist es in Gladbach wirklich schon so weit (und ist es das in Osnabrück noch!?)...?
Du bist Naturkerzler, ich bin es auch und Martin meines Wissens auch. Das sagt viel über Seitenwahl und VfLog, aber sag: Welche Naturkerzler gibt es denn bitte außer uns beim VfL? Hans Meyer mag noch einen alten Nußknacker aus dem Erzgebirge haben, vielleicht sogar so ein Weihnachtskarussell, dass von Kerzenheißluft angetrieben wird (gab es das eigentlich schon vor der Dampfmaschine? War das der Anfang des Manchester-Kapitalismus?). Aber außer ihm sehe ich in Gladbach weit und breit nur vorsichtige Elektrokerzler, zum Teil gar solche Mannen, denen ich es zutrauen würde, neben das Stromkabel sicherheitshalber noch einen Wassereimer zu stellen. Sex sieht anders aus, Rock'n'Roll erst recht. Und der Irrglaube ist es, dass das Gegenteil von Sex Sicherheit ist. Es ist viel eher: der Tod. Elektrokerzler führen uns in den Abstieg, nicht ins langweilige Mittelfeld.
Natürlich hoffe ich auch, dass gegen Cottbus drei Punkte flattern, und würden wir bei der Gelegenheit Ede Geyer ins Aus befördern (oder wer ist da jetzt gerade Trainer?) würden wir der Bundesliga sicher auch einen Dienst erweisen. Aber diese Hoffnung ist kurzsichtig. Denn noch ist nicht Weihnachten und vorher kommen noch schwere Spiele: Leverkusen und Dortmund. Willst Du auch da Deine Kerzen unbeaufsichtig brennen lassen und vom Klassenerhalt träumen? Dann könnte noch vor Heiligabend der Gladbacherbaum lichterloh in Flammen stehen. Und viel feuerwehrfreundlicher sieht es auch in Osnabrück nicht aus.
Doch bevor unsere Leser metaphernmüde werden noch einmal Klartext: Hans Meyers erste Wochen waren durchwachsen, nicht weniger, aber auch nicht viel mehr. Bei einer Mannschaft mit vielen Totalausfällen für Konstanz zu sorgen ist nur teilweise Strategie, zum Teil auch pure Not. Die nackten Zahlen sind in Ordnung, reichen aber vorne und hinten nicht für Sicherheit. Die Revolution mag angefangen haben, aber erfolgreich war sie noch lange nicht.
Nicht nachlassen, mein Lieber, Joachim. Gemütlich kann es dann auch noch Weihnachten 2009 werden. Hoffentlich nicht in Liga 2...
Bis dahin wünsche ich viel Sex und wenig Lebkuchen,
Dein Maik
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