Bundesliga 2011/2012

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Aus Schaden klug? Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Dienstag, 03 Februar 2009
Seit Mitternacht ist die letzte Chance für Max Eberl vertan, den Nachbesserungen für die Defensive noch zumindest einen offensiven Neuzugang folgen zu lassen. Der viel geforderte Stürmer konnte nicht verpflichtet werden, da man finanziell das eingeplante Budget für diesen Winter bereits ausgeschöpft hatte. Da es nicht gelang, einen Abnehmer für die aussortierten Akteure wie Coulibaly, Touma oder Gospodarek zu finden, wollte man kein höheres Risiko gehen. Auch auf die Gefahr hin, bei einem erneuten Abstieg noch viel mehr Geld zu verlieren.  

Dafür nimmt man nunmehr also das Risiko in Kauf, mit nur drei echten Stürmern die so wichtige Rückrunde zu bestreiten. Neben Rob Friend, Oliver Neuville und Roberto Colautti werden zwar mancherortens auch Karim Matmour und Moses Lamidi als solche geführt. Aber während ersterer bislang stets auf den Außenbahnen des Mittelfelds aufgelaufen ist, scheint letzterer bei Hans Meyer nicht das nötige Vertrauen zu genießen, um uns in dieser Saison noch ernsthaft weiterzuhelfen. 
 
So müssen es die genannten Drei richten, hinter denen allesamt ein Fragezeichen steht. Roberto Colautti ist seit 1 ½ Jahren in unserem Verein und war anfänglich durch seine hartnäckige Verletzungsanfälligkeit entschuldigt. So langsam kann diese Ausrede aber nicht mehr rechtfertigen, warum der einst so hoch angepriesenen Ur-Argentinier sein Können nicht einmal dauerhaft unter Beweis stellen darf. Dies verwundert umso mehr, als dass Hans Meyer schon zu Nürnberger Zeiten große Stücke auf ihn hielt und sein Hauptkonkurrent Rob Friend seit längerem nicht mehr als ganz unumstritten gilt. 

Der Kanadier bringt es bisher auf 5 Erstliga-Tore. Eine akzeptable Bilanz, die aber dadurch getrübt wird, dass er 3 dieser Tore an den ersten 4 Spieltagen erzielte. In den letzten 14 Partien brachte er es nur noch auf 2 weitere Treffer, was umso schwerer wiegt, da das gesamte Offensivspiel nur auf ihn ausgerichtet ist. Es boten sich ihm allerdings ausreichend Chancen, die sein Torkonto mühelos in zweistellige Höhen hätten katapultieren müssen. Zweifel sind insgesamt also schon angebracht, ob Friend den erhöhten Anforderungen in Liga 1 ausreichend gewachsen ist, um uns im Alleingang zum Klassenerhalt zu schießen. 

Aber da wäre ja noch sein kongenialer Sturmpartner aus Zweitligazeiten, der von der Papierform her eigentlich prädestiniert sein müsste, um all unsere Angriffssorgen zu vertreiben. Zigfacher deutscher Nationalspieler, Vize-Weltmeister, fast 100 Bundesligatore. Viel mehr kann man von einem Stürmer nicht erwarten als das, was Oliver Neuville vorzuweisen hat. Aber: All dies ist die glorreiche Vergangenheit. Die aktuelle Lage hingegen sieht so aus, dass er in den letzten Jahren mehr verletzt als fit gewesen ist, und dass er inzwischen bereits das 35. Lebensjahr erreicht hat. Es gibt immer wieder Stürmer, die auch in diesem Alter noch beachtliche Leistungen vollbringen können. Letztlich ist dies aber die Ausnahme und irgendwann setzt ein Prozess ein, durch den Fußballer an Leistungsstärke verlieren – auch wenn sie selbst oft die letzten sind, die sich dies selbst eingestehen.  

Es ist zu hoffen, dass es bei Neuville anders kommt, aber insgesamt muss man konstatieren, dass wir im Sturm über drei mehr oder weniger große Fragezeichen verfügen. Und da ist es einmal mehr sehr optimistisch vom Verein, diesen dermaßen zu vertrauen, um sich nicht zumindest noch eine offensive Absicherung zu verschaffen. 
 

Blickt man auf die Konkurrenz im Abstiegskampf, so hat diese anders reagiert. Bochum verstärkte sich mit Klimowicz, Karlsruhe mit Federico und Saglik, Cottbus mit Adi und Bielefeld mit Munteanu. Es ist abzusehen, dass nicht all diese Transfers zum Erfolg führen werden. Nur ist die Alternative, gar nicht zu reagieren, schon an der Grenze zur Fahrlässigkeit.
 

Dies gilt umso mehr, als dass auch der übrige Borussen-Kader nicht gerade vor Torgefahr übersprüht. Die Aussage auf Borussias Website, dass am Samstag nur einer von 10 Torschüssen tatsächlich in die Richtung von Jens Lehmann geflogen kam, spricht Bände. Steve Gohouri und Marko Marin sind die einzigen Spieler, die bislang neben Friend wenigstens noch mehr als einen Treffer erzielen konnten – nämlich jeweils genau zwei. 
 

Marin reichte hierzu ein einziger genialer Auftritt in Bielefeld. Ansonsten gilt auch für ihn, ebenso wie für Baumjohann oder Matmour, dass er bei all seinen Qualitäten nicht der Typ Spieler ist, der beim Torabschluss selbst Gefahr entwickelt. Man darf hoffen, dass einer von ihnen dies im Laufe der Rückrunde noch erlernt. Und vielleicht trumpft endlich einmal Michael Bradley in der Form auf, wie man sich das bei seiner Verpflichtung erhofft hatte. Aber die Erfahrung lehrt, das solch vage Hoffnungen i.d.R. meist unerfüllt bleiben.
 

So war es u.a. auch vor zwei Jahren, als man mit einer Ansammlung allesamt gescheiterter Bundesliga-Angreifer in die Rückrunde ging. Als Optimist durfte man damals im Winter erhoffen, dass diese doch noch ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen würden. Genutzt hat all dies wenig. Borussia stieg damals insbesondere deshalb ab, weil man in der Offensive völlig harmlos blieb.
 

Nun darf man zwar schon damit rechnen, dass ein Friend eben doch mehr als ein „weißer Kahê“ ist, dass ein Colautti vielleicht doch noch seine Qualitäten eher ausspielt als es damals Wesley Sonck gelang, und dass ein Oliver Neuville auch heute noch mehr Klasse hat als Nando Rafael oder Vaclav Sverkos damals. Trotzdem bekommt man das Gefühl nicht los, als ob Borussia hier einmal mehr aus vergangenem Schaden nicht klug geworden ist, sondern einen seiner beliebtesten Fehler der letzten Jahre wiederholt hat: Anstatt sich auf wackligen Positionen zu verstärken im offensichtlichen Gottvertrauen eine Steigerung des vorhandenen Personals zu erwarten.