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Keine Meinung |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Dienstag, 24 Februar 2009 |
Fußball-Deutschland ist tief gespalten. Der „Dopingfall Hoffenheim“ überschattet in der öffentlichen Wahrnehmung beinahe sogar die Krise des FC Bayern München. Das Erstaunlichste jedoch ist, dass wirklich jeder zu dieser Angelegenheit eine klare Meinung vertritt, obwohl eigentlich sehr wenig stichhaltige Informationen vorliegen, um sich eine solche kompetent bilden zu können.
Insbesondere die so genannten Experten aus dem Fußballsport übertreffen sich mit Formulierungen, die das Geschehen bis aufs Äußerste bagatellisieren. Da wird Solidarität mit potentiellen Dopingsündern eingefordert, deren vermutliche Sperrung pro forma als „ungeheuerlich“ abgekanzelt wird, während der Versuch, diesen Sachverhalt objektiv klären zu wollen, als „absoluter Witz“ gilt.
Das Ganze gipfelt stets in der (einzig vorliegenden) Argumentation, dass die Spieler negativ getestet worden sind, und somit lediglich aus Versehen „ein paar Minuten zu spät“ zur Kontrolle erschienen. Denn die Möglichkeit, dass im ach so sauberen Fußballsport tatsächlich gedopt werden könnte, steht für die Beteiligten selbst natürlich außerhalb jeglicher Diskussion. Angesichts der mehrfach von medizinischen Experten geäußerten Tatsache, dass in diesen „paar Minuten“ eine Verfälschung der Doping-Probe theoretisch möglich wäre, muss man das negative Ergebnis leider aber als absolut irrelevant einstufen.
Die TSG Hoffenheim hat grob fahrlässig und entgegen besseren Wissens einen peinlichen Formfehler begangen. Gerade bei einem solch professionell geführten Verein, der sich zahlreiche Sonder-Trainer und Betreuer gönnt, ist dies eigentlich nur schwer zu erklären. Der Verein ist jetzt aber am Zug, genau dies zu tun, indem er das Vorgehen an jenem Samstag nachmittag gegenüber dem DFB detailliert beschreibt und glaubhaft nachweist, dass es sich tatsächlich nur um ein fahrlässiges Versehen gehandelt hat.
Bislang weiß aber offensichtlich die TSG selbst nicht so recht, was vorgefallen ist. Erst wurde auf eine vermeintliche Mannschaftsbesprechung verwiesen, die dann aber doch nicht stattfand. Statt dessen sollen die beiden Spieler, also auch der 90 Minuten auf der Ersatzbank verweilende Christoph Janker, 10 Minuten gebraucht haben, um sich in der Kabine frische Trikots zu besorgen. Vielleicht waren es auch gar nicht wirklich 10 Minuten, sondern es handelt sich um ein Mißverständnis mit dem Doping-Beauftragten, der den Vorgang in seinem Gutachten evtl. übertrieben dargestellt hat?! Laut Ralf Rangnick handelt es sich beim vorgefallenen Formfehler zudem um „gängige Praxis“ in der Liga, was wiederum von Vertretern anderer Vereine vehement bestritten wird.
Niemand hat also bislang eine Ahnung, was genau nach dem Spiel abgelaufen ist. Aber trotzdem maßt sich ein jeder an, sich darüber ein präzises Urteil zu bilden. Es wäre für uns alle ratsam, den Ball flacher zu halten und einfach nur das Standardprozedere in solch einem schwebenden Rechtsverfahren abzuwarten. Die betroffenen Spieler und Verantwortlichen der TSG Hoffenheim werden in den nächsten Tagen Gelegenheit bekommen, an geeigneter Stelle ihre Aussagen zum Tatvorgang vorzubringen. Darauf basierend wird der DFB, hoffentlich unbeeindruckt von der öffentlichen Meinung und sicherlich kritisch beäugt von der Anti-Doping-Agentur, darüber zu entscheiden haben, ob es sich laut ihren Regularien um einen Dopingfall wegen Verweigerung der obligatorischen Proben handelt oder nicht. Davon abhängig wird dann zu klären sein, welche Konsequenzen dies für die beiden Spieler sowie die Spielwertung haben kann.
Wenn die beiden Akteure, so wie es momentan den Anschein hat, tatsächlich für 1 Jahr aus dem Verkehr gezogen werden, dann haben sie dies zum einen ihrer eigenen Nachlässigkeit, zum zweiten aber auch den unpräzisen Regelungen des DFB zu verdanken. Wieder einmal hat man es von Verbandseite versäumt, für ein klar definiertes Vergehen ein klares, transparentes Strafmaß vorzugeben. In jeder anderen Sportart dürfte dies für selbigen Fall konkret geregelt sein. Und auch im alltäglichen Leben weiß man i.d.R. ganz genau, mit welcher Strafe man zu rechnen hat, wenn man eine (gesetzliche) Frist überschreitet.
Spätestens seit den Erfahrungen aus der italienischen Serie B hätte man beim DFB wissen müssen, wie hart ein solcher Formfehler zu ahnden ist. Hätte man dies zu Saisonbeginn im Zuge der vermeintlichen Verschärfung der Doping-Richtlinien offen verkündet, so wären die Vereine gewarnt gewesen, und niemand könnte sich heute noch über diese „Ungerechtigkeit“ aufregen.
Die Verfehlungen liegen diesbezüglich also beim DFB, aber insbesondere auch bei der TSG Hoffenheim, die es in den letzten Tagen geschickt verstanden hat, sich vom (potentiellen) Täter in die Opferrolle zu begeben. Borussia ist in diesen Fall völlig unverschuldet verwickelt worden und gibt sich zurecht als lediglich interessierter Zuschauer. Es war absolut zwingend, sich seine Optionen zu wahren für den Fall, dass sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt, es tatsächlich mit einem echten Dopingfall Hoffenheim zu tun zu haben. Wer dies bereits jetzt kategorisch ausschließt, der weiß entweder mehr als bislang bekannt geworden ist oder aber er schließt ein allzu vorschnelles Urteil, was entweder mit Naivität oder dem Herbeibeschwören zu erklären ist, dass nicht sein darf, was nicht sein darf.
Bis die Sachlage endgültig von den hierfür zuständigen Gremien geklärt worden ist, sollte man sich besser wieder auf das Wesentliche konzentrieren, was in unserem Fall das anstehende schwere Auswärtsspiel in Berlin darstellt. Eine konkrete Meinung darüber aber, wie genau das Vergehen der Hoffenheimer ausgesehen hat und wie das dafür adäquate Strafmaß ausfallen sollte, kann man sich frühestens dann erlauben, wenn die konkreten Fakten über den Ablauf an jenem 7. Februar 2009 bekannt geworden sind.
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