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Geschrieben von Martin Zierold
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Donnerstag, 26 Februar 2009 |
Es wird Frühling, und die Stimmung bessert sich entsprechend. Alles supi, flöten wir beim VfLog, dem so viel Positives dann doch ein Dorn im Auge ist. Martin differenziert denn auch nachfolgend, berappelt sich aber schnell und kommt mit Dauerlösungen, zu denen wir nur sagen können: Wacker gedacht, junger Mann! Leider wissen wir inzwischen nicht mehr, was "wacker" eigentlich genau heißt. Auch daran ist Martin schuld; so muß er sich denn selbst auslegen, wie wir das meinen.
Lieber Joachim,
Sg1-f3. Du siehst, ich steure geradewegs auf die schottische Eröffnung zu, die nach Expertenmeinung eine große Remisgefahr birgt. Womit wir wieder beim VfL wären, der ja seit Wochen auch von einem großen Hang zum Unentschieden geprägt ist. Am Samstag aber hat er diesem Hang nicht nachgegeben, und ich gestehe: Auch ich bin wieder zum Optimisten geworden.
Keine Ahnung, warum die Tatsache, dass hier die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga zu Gast war, mich itzo nicht stutzig macht, keine Nörgeleien weckt, dass diese knappen drei Punkte doch gar nüscht aussagen. Vielleicht, weil der Blick auf die Rückrundentabelle tatsächlich eine Tendenz auszudrücken scheint: Hier steht der VfL auf Platz 9 und die Tabelle wirkt wie auf den Kopf gestellt: Ganz unten stehen Bremen, Dortmund, Bayern. 5 Punkte aus 4 Spielen, das ist noch lange nicht gut, aber doch ein Anfang, und spannend wird jetzt vor allem sein, ob der Wille zum Sieg statt nur der Kampf ums Remis wie in den Spielen zuvor dauerhaft bleibt. Du hast recht, die Mannschaft lebt. Ich hoffe, sie überlebt auch, und die Chancen unseres geliebten immer siechen Patienten auch dies Mal nicht über die Abstiegsklinge zu springen ist sicher am Samstag deutlich gestiegen.
War noch was? Ach ja, die Schlümpfe. Nach allem, was ich über die Schlümpfe gehört habe – und ich bin eben nicht im Stadion gewesen, sondern bekanntlich bei Hagebuttentee in einer Jugendherberge (ich habe also ein Alibi!) – hat da wieder mal jemand etwas gut gemeint, aber "gut gemeint" ist eben nicht dasselbe wie "gut". Was originell, lustig, charmant hätte sein können, entpuppt sich als bieder und hohl. Warum so roh und derb? Warum sich auf ein Niveau begeben, das man doch zu bekämpfen vorgibt? Warum die lustige Karnevalsschlumpf-Idee so diskreditieren, sich selbst so angreifbar machen?
Mein Slogan hätte anders gelautet: „Enteignet Springer!“ Dieser fröhliche Satz, ganz gewaltfrei und schön griffig, hat sich in der Vergangenheit bewährt und ist dennoch aktuell wie nie und entstammt der Mitte der Gesellschaft, sind doch erstmals Enteignungen probates politisches Mittel auch nach Überzeugung der CDU. Im Übrigen wirst Du Dir bald wünschen, der Springer würde enteignet, denn zumindest mein Springer wird bald in Deinen Schach-Reihen noch gehörig wirbeln!
Was schließlich hat es mit der „Abwackprämie“ auf sich? Immerhin freue ich mich, dass es Dir aufgefallen ist, auch wenn Deine Mutmaßungen in die falsche Richtung gehen. Das Wort „wack“ stammt aus dem Hip-Hop-Slang und kann laut Wiktionary als Adjektiv und Substantiv verwendet werden. Als Adjektiv („this paper is wack!“ bedeutet es: „bad (as in not good), inauthentic, of an inferior quality, contemptible, lacking integrity, inauthentic, lame, or strange” (man beachte vor allem die wunderbare Erläuterung ‘bad (as in not good)’!) als Substantiv hingegen “an eccentric, an oddball, a weirdo” (“This guy’s a wack!”).
Etwas abzuwacken bedeutet demnach, etwas Schlechtes besser zu machen, also den Wack-Anteil zu reduzieren. Eine Abwackprämie haben alle verdient, die die Welt verbessern, also zum Beispiel Hans Meyer, wenn er den Klassenerhalt schafft. Dass dieses Wort der profanen „Abwrackprämie“ den Rang abläuft hat mittlerweile selbst Autobild geschafft, die im Netz jüngst titelten „Der Run auf die Abwackprämie geht los!“ Ich bleibe also bei meinem Tip für das Wort des Jahres.
Bleibt nur die Frage, wie mit dem Teekesselchen „wacker“ umzugehen ist, dass zugleich der Komparativ von „wack“ ist (und somit schlechter bedeutet) wie auch das gute alte Wort „wacker“ im Sinne von achtbar. Wir können mithin sicher sein, dass sich Gladbach in Berlin wacker schlagen wird. Hoffentlich gibt es dann auch eine Abwackprämie fürs Team, und nicht nur für Bailly!
Soviel für heute, lieber Joachim, pass gut auf Deine Dame auf,
Dein Martin
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