Wir mimen beim VfLog den Jandl, Martin gibt retour den Kafka. Wer jetzt "Hä?" sagt, hat verloren und geht ohne Umweg zurück zur Null, die sich üblicherweise am Rande des Trainingsplatzes befindet. Der Rest (also eigentlich alle Stammleser) kasteit sich und murmelt "Om", auf daß der Fußballgott drei Punkte regnen lasse. Wer das Maul am weitesten aufreißt, fängt dann die Punkte auf. Hoffentlich trägt derjenige am Wochenende ein Borussia-Trikot!
Lieber Joachim,
Lb5, so erwidere ich mit meinem Läufer Deinen Springer in die Schranken weisend, in der Hoffnung Du mögest erkennen, dass viel nicht bleiben wird von Deiner kurzatmigen Offensive, denn das Wesentliche hast Du mit Deinen knappen Worten und den bunten Bildern und dem Springerzug nicht in den Blick bekommen, mit viel Tamtam bläst Du zum Kampf und siehst nicht, dass Dein Springen, Dein Hüpfen diesem intellektuellen Spiel nicht gewachsen sind, auch wenn Du anfangs vielleicht Applaus von den Rängen, von der Masse erwarten magst für offensives Auftreten und selbstbewusste Züge, und Beifall auch zu hören bekommen wirst, da diese Masse ja (so sagt Adorno, sagt der Kulturpessimismus, den wir so gern pflegen) dumm ist und nur nach leichten Wahrheiten giert, eben nach kurzen knappen Sätzen, die unverschachtelt die Welt beschreiben und suggerieren sie seien nicht nur einfach, sondern auch noch objektiv, was natürlich eine Lüge ist, die zu durchschauen nicht schwer fallen sollte, wenn man sich denn die Mühe machte selber nachzudenken, auch genau zu denken, so wie auch Borussia sich stets müht so gut sie kann – Du merkst es selbst zurecht an – vergeblich zwar zumeist, doch gleichfalls löblich, und wir wollen nicht aufgeben zu hoffen, dass sie eines Tages auch erfolgreich sein wird, vielleicht, wenn die Schmuddelkinder kommen, wie Du schreibst, vielleicht gar schon gegen Hamburg, in jedem Fall aber rechtzeitig um den Klassenerhalt noch zu sichern, denn das Zeug, da sind wir uns doch einig, dazu, das hat sie, das hat selbst der immer kryptischer und unzugänglicher werdende Hans Meyer, den man bewundern mag für seinen Stoizismus und der einen zugleich selbst wundern macht mit seinen Taktikspielen, seinen Ausbrüchen, seinen müden, leeren Blicken und den dann doch immer wieder mobilisierten Trotz-Kräften, die nach wie vor, so leert die zweite Hälfte des letzten Spiels, ihre Wirkung in der jungen Mannschaft nicht verfehlen, erkannt und dazu aufgerufen, nun die Hoffnung nicht aufzugeben, verpackt natürlich in einen Scherz, den man als Gladbach-Fan kaum lustig finden kann, und vielleicht gerade deswegen doch mögen muss wie einen komplexen Wein, der einem zunächst nicht schmeckt, der dann erst im Nach-Schmecken, im Hinterher-Trinken etwas zu geben vermag, das in Worte zu fassen schwer fällt, wie man es bei toskanischen Weinen oft erlebt, was mich zur Toskana bringt, in der Du urlaubend (?) weilst, Dante liest und pflegst, und Spielerkäufe aus der Portokasse des Schutzschirms für Borussia tätigst, auf dass auch Du zwar springerlos aber nicht kraftlos Dein Schärflein beiträgst, damit alles gut wird, einen Daumen drückend und in der anderen Hand eine Prosecco-Schale schwenkend, was Du Dir nur verdient hast, nicht nur als Trost für die bevorstehende Niederlage im Schach, sondern auch angesichts Deines steten Engagements für den Optimismus in der Welt, das ich an Dir so schätze und der, so wünsche ich Dir, nie versiegen möge, mein lieber Joachim, Dich herzlich grüßend
Dein Martin
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