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Home Spielberichte Bor. Mönchengladbach- Hamburger SV 4:1
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Bor. Mönchengladbach- Hamburger SV 4:1 |
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Geschrieben von Christoph Clausen
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Samstag, 07 März 2009 |
Gut eine Stunde war gespielt im Borussia-Park, als David Jarolim die Hand zu Hilfe nahm. Der Regelverstoß war völlig unnötig, denn den etwas zu lang geratenen Gladbacher Pass hatte der Tscheche eigentlich problemlos abgelaufen. So aber gestattete Jarolim den Borussen einen Freistoß aus zwar nicht direkt exzellenter, aber doch ganz interessanter Position im rechten Halbfeld. Man hat in dieser Saison oft genug Spiele gesehen, in denen die Gladbacher in solchen Situationen nur harmlose Alibiflanken zustande brachten. Diesmal aber legte Marin quer auf Filip Daems, der den Ball mit solcher Entschlossenheit aufs Hamburger Tor knüppelte, dass Frank Rost nur unter Aufbietung seines ganzen Könnens einen Gladbacher Treffer verhinderte. In diesem Moment kristallisierte sich gleich dreierlei, was im ganzen Spiel den Unterschied ausmachen sollte: erstens wenig meisterliche Aussetzer im Defensivspiel der Hanseaten, zweitens der schiere Wille der Heimmannschaft, drittens ungeahnte Offensivqualitäten der Gladbacher Verteidiger.
Dabei hatte die Partie noch unter ganz anderen
Vorzeichen begonnen. Als Paul Stalteri in der dritten Minute völlig unbedrängt
einen Ball ins Seitenaus prallen ließ, als Steve Gohouri dreißig Meter vor dem
eigenen Tor Ivica Olic anschoss und den Schnitzer nur mit Müh und Not wieder
ausbügeln konnte, da war die Nervosität der Gastgeber förmlich mit den Händen
zu greifen. Die Hamburger kontrollierten die Partie, abwartend zwar, doch in
der Offensive immer wieder gefährlich. Olic, der schon früh aus spitzem Winkel
an Bailly scheiterte, stellte Steve Gohouri vor einige Probleme und hätte in
der sechzehnten Minute zwingend die Führung erzielen müssen. Filip Daems konnte
seinen strammen Schuss aus elf Metern in letzter Sekunde abblocken. Die
Gladbacher mühten sich redlich, hatten anfangs aber offensiv nicht viel entgegenzusetzen.
Am aussichtsreichen war nach einer Viertelstunde noch Daems‘ beherztes Solo,
durch das Matmour in Szene gesetzt wurde. Dessen Flanke auf Bradley geriet aber
zu ungenau. Den ersten Torschuss verzeichnete die Statistik nach 18 Minuten, als
Alexander Baumjohann das Gehäuse aus der Distanz deutlich verfehlte.
Die Gladbacher Führung in der 24. Minute fiel insofern überraschend, war
aber höchst ansehnlich herausgespielt, wenn auch mit freundlicher Mithilfe der
Hamburger Viererkette. Galasek spielte einen klugen langen Ball auf Marin, dessen
Gegenspieler Jérôme Boateng im falschen Moment einen Schritt nach vorne getan
hatte. Halblinks in den Strafraum eingedrungen, bediente Marin mit feinem
Innenristlupfer Rob Friend. Der Kanadier, zum letzten Mal im November
erfolgreich, konnte sich in der Mitte gegen Joris Mathijsen durchsetzen und den
Ball mit der rechten Fußspitze ins Tor bugsieren. Fast hätte es in
der nächsten Minute gar zum Doppelschlag gereicht, aber Alex Silva konnte
Baumjohanns Flanke gerade noch vor Friend und Bradley klären.
Die Hamburger agierten in der Folge sichtlich
verunsichert, kamen aber durch einen Querschläger zurück ins Spiel. Zuvor hatte
Steve Gohouri in letzter Not klären können, aber nur auf Kosten einer eigenen
Verletzung und eines Eckballs. Erstere führte wenige Minuten später zu seiner
Auswechslung, letztere gleich zum Ausgleich durch Mladen Petric. Dabei war Trochowskis
Distanzschuss - Matmour hatte zuvor den Ball per Kopf aus dem Strafraum
befördert - reichlich verunglückt geraten, doch gerade dadurch gelangte der
Ball zu Petric, der aus wenigen Metern Bailly keine Abwehrchance ließ. Neben der
technischen Klasse Petrics stand dabei auch nachlässiges Gladbacher
Defensivverhalten Pate: Tobias Levels war nach Matmours Kopfball einige Meter
aufgerückt und hatte den sich in seinem Rücken davonschleichenden Petric aus
den Augen verloren. Paul Stalteri wiederum, beim Eckball am Pfosten postiert,
versäumte es, den Kroaten entschiedener zu übernehmen.
Ausgerechnet Levels aber, an diesem Tag ohnehin ungewohnt
offensivfreudig, sollte zum Ausgangs- und Endpunkt der erneuten Gladbacher
Führung werden. In der 42. Minute initiierte der Deutsch-Niederländer eine
schöne Kombination über Marin und Baumjohann, an deren Ende er frei auf Frank
Rost zulaufen konnte. Den am Keeper vorbeigespitzelten Ball konnte Mathijsen in
der Mitte zwar noch abwehren; er tat das aber so unglücklich, dass Levels den Abpraller
im Fallen über die Linie drücken konnte.
Die Gladbacher waren zur zweiten Hälfte schon längst
wieder vollzählig auf dem Platz, als die letzten Hamburger eintrudelten. Und
auch nach dem Wiederanpfiff waren die Gastgeber das entschlossenere Team,
bissig im Zweikampf, mit hoher Laufbereitschaft, dynamischer in der Offensive. Zwar
konnte Rost vier Minuten nach Wiederbeginn Daems‘ brachialen Schuss von der
Strafraumgrenze gerade noch an den Pfosten lenken. Machtlos war der Torhüter
aber in der 54. Minute. Wieder waren es Gladbacher Verteidiger, die sich
erfolgreich in den Angriff einschalteten, und wieder sahen ihre Hamburger Gegenüber
nicht gut aus. Marins Freistoßflanke aus dem Halbfeld wurde zwar zunächst
abgewehrt, dann aber verloren die Hamburger die aufgerückten Gladbacher Innenverteidiger
aus den Augen. Jansen lenkte Levels‘ Hereingabe ungewollt zu Daems ab, und der
konnte sich halblinks im Strafraum in Ruhe umschauen, bevor er gefühlvoll auf
den völlig alleine gelassenen Roel Brouwers flankte. Ob der Niederländer, in
der ersten Hälfte für Gohouri gekommen, hier gerade noch auf gleicher Höhe mit
dem letzten Abwehrspieler oder haarscharf im Abseits stand, konnten auch die
Zeitlupen nicht klären. Brouwers war's egal: Der Niederländer, der kurz vor der
Pause das Tor per Kopf noch knapp verfehlt hatte, lenkte den Ball aus sechs
Metern volley ins Netz.
Hypothetisch ist, ob die Borussen nochmal ins Wanken
geraten wären, wenn die Hamburger eine ihrer beiden guten Chancen zum Anschlusstreffer
genutzt hätten. Deren erste vergab Jonathan Pitroipa kläglich; bei der zweiten
rettete Logan Bailly stark gegen Petric. Erfolgreicher war die Heimmannschaft. Zwar
konnte Frank Rost Marins Abschluss nach tollem Solo sicher und Daems‘
Distanzschuss mit letztem Einsatz noch abwehren. Machtlos aber war er gegen Marins
souverän verwandelten Foulelfmeter in der 65. Minute. Maßgeblich an dessen
Entstehung beteiligt war erneut der völlig indisponierte Mathijsen, der Matmour
nicht nur außerhalb des Strafraums am Trikot zupfte, sondern ihm auch innerhalb
des Sechzehners auf die Ferse trat. Und hätte das ansonsten sehr gute Schiedsrichtergespann nicht gleich zweimal fälschlicherweise auf Abseits
entschieden, als der eingewechselte Neuville allein aufs Hamburger Tor zulief,
der Sieg hätte sogar noch höher ausfallen können. Auch so aber stand am Ende
ein vielumjubelter 4:1-Heimerfolg, den sich die Borussia vor allem durch ihren unbändigen
Willen verdiente und mit dem sie wieder auf Tuchfühlung zu den
Nichtabstiegsplätzen geht.
Borussia: Bailly - Stalteri, Gohouri (Brouwers 33), Daems, Levels - Galasek -
Matmour, Bradley, Baumjohann, Marin (Neuville 68) - Friend (Colautti 79)
Hamburg: Rost - J. Boateng (Ndjeng 85), Alex Silva, Mathijsen, Aogo - Tavares -
Jarolim (Benjamin 71), Jansen - Trochowski (Pitroipa 53) - Olic, Petric
Tore: 1:0 Friend (24.), 1:1 Petric (29.), 2:1 Levels (42.), 3:1 Brouwers
(54.), 4:1 Marin (66., Foulelfmeter)
Schiedsrichter:
Michael Kempter (Sauldorf)
Zuschauer:
50.073 (92,61 %)
Gelbe
Karten (Borussia): Daems, Friend
Besondere
Vorkommnisse: Vor dem heutigen Spiel gewann die Borussia
zuletzt am 20. März 2004 ein Heimspiel gegen den Hamburger SV. Beim damaligen
3:0-Erfolg markierten Jeff Strasser, Vaclav Sverkos und Thomas Broich die Treffer.
Tobias Levels erzielte in seinem 50. Ligaspiel für die Borussia sein erstes Pflichtspieltor
als Profi überhaupt. Levels, der in der Jugend einst auch als Stürmer
aufgelaufen war, hatte zuvor nur im Seniorenbereich nur in der Regionalliga
getroffen, und selbst da nur einmal. Borussias einstiger Nationalspieler
Marcell Jansen spielte erstmals seit seinem Abschied aus Gladbach wieder in
einem Pflichtspiel an der Hennes-Weisweiler-Allee. Gleiches gilt für Marcel
Ndjeng, in der Hinrunde noch Partien für die Borussia absolviert hatte. Anders
als Jansen aber kam Ndjeng im heutigen Spiel zum ersten Bundesligaeinsatz für
seinen neuen Arbeitgeber überhaupt.
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