|
Geschrieben von Michael Heinen
|
|
Dienstag, 10 März 2009 |
Spätestens seit dem überzeugenden 4:1-Erfolg über den HSV sind die letzten Zweifel darüber beseitigt, dass in der Winterpause die richtigen Maßnahmen für die anvisierte Aufholjagd getroffen worden sind. Den 11 Punkten aus der Vorrunde konnten nach nunmehr 6 Spielen der Rückrunde bereits 8 weitere hinzugefügt werden. Inmitten der allgegenwärtigen Weltwirtschaftskrise kann man bei Borussia stolz verkünden: Der Aufschwung ist da!
Bedenkt man die katastrophalen Defensivleistungen aus der Hinrunde, so rieb man sich gegen den HSV verwundert die Augen. Filip Daems, Tobias Levels und Roel Brouwers gehören diesem Ensemble bereits seit Saisonbeginn an und zumindest den beiden letzteren wurde fast ausnahmslos die Erstligatauglichkeit abgesprochen. Dass gerade sie jetzt zu solch einer Leistung fähig sein konnten, mutet auf dem ersten Blick sensationell an.
Es ist aber gar nicht so selten, dass manch (unter-)durchschnittlicher Spieler um einiges stärker agiert, wenn die Gesamtstabilität im Kader gegeben ist. Dies erklärt auf höherer Ebene z.B., warum sich beim FC Bayern immer wieder Spieler wie Andreas Görlitz oder Christian Lell behaupten können, obwohl ihr Talent eigentlich nicht unbedingt für Deutschlands Eliteklub ausreichen sollte.
Borussia hat seit der Winterpause gleich in mehreren Bereichen an Stabilität zugelegt. Da wäre zum einen der neue Torhüter, der bereits nach dem zweiten Testspiel von einigen Fans als Fliegenfänger diskreditiert wurde. Spätestens seit dem Bremen-Spiel aber hat auch der letzte erkannt, welch große Verbesserung wir auf dieser Position erfahren haben. Anders als in der Vorrunde wissen Borussias Defensivspieler jetzt, dass nicht gleich jeder ihrer Fehler automatisch zu einem Gegentor führen wird. Neben den direkten Rettungstaten, mit denen uns Logan Bailly schon den einen oder anderen Punkt gerettet hat, leistet er somit auch einen wesentlichen Beitrag zur psychologischen Stabilisierung.
Auf der Position des Rechtsverteidigers hat Paul Stalteri bislang zwar noch nicht wirklich überragt. Er spielt seinen Part aber höchst solide, womit auch er gegenüber der Vorrunden-Situation eine klare Verbesserung bewirkt hat. Damals musste man bei jedem gegnerischen Angriff über diese Seite Angst vor einer Großchance haben, womit seit diesem Winter Schluss ist.
Den vielleicht wichtigsten Beitrag zum modernen Fussball liefert das defensive Mittelfeld. Spätestens mit der Einführung des „Doppel-Sechsers“ ist es auch ins Bewußtsein der breiten Öffentlichkeit gerückt, wie wichtig die qualitativ hochwertige Besetzung dieser Position(en) für den Mannschaftserfolg ist. Während der 1.FC Köln dort vor der Saison mit Petit einen absoluten Hochkaräter verpflichtete, der einen ganz wesentlichen Anteil am bisherigen Erfolg des Domklubs hat, konnte Gal Albermann nur sehr sporadisch als Arbeitsbiene überzeugen. Patrik Paauwe musste dem hohen Tempo der 1.Bundesliga Tribut zollen – seine diesbezüglichen Defizite konnte er bei all seinen sonstigen Qualitäten nie kompensieren.
Tomas Galasek bringt trotz noch biblischerem Alters offensichtlich eine größere Klasse mit. Der von vielen als Opa verlachte Wintereinkauf ist mit seiner Erfahrung eine ganz wesentliche Stütze. Ob als Ausputzer hinter der Abwehr oder als Staubsauger davor. Er versteht es gut, sich flexibel an die jeweilige Situation anzupassen. Gegen Bremen zeigte sich zwar, dass auch er gegen Top-Spieler überfordert sein kann. Aber für unser Niveau ist er in jedem Fall eine ganz wesentliche Verstärkung und ein Spieler, der in der Vorrunde extrem gefehlt hat.
Sein kongenialer Pendant ist in den letzten Wochen Michael Bradley. Also ein Akteur, der bereits früh in der Saison an den Niederrhein wechselte und seit dem Hinspiel in Bochum einen Stammplatz inne hat. Hans Meyer beließ ihn trotz vieler dürftiger Leistungen konsequent im Team und behielt damit jetzt Recht. Nach einer für einen 22jährigen ganz natürlichen Anpassungsphase kommt Bradleys Spielweise in den letzten Wochen immer besser zur Geltung. Damit ist er im Grunde wie ein weiterer Neuzugang zu betrachten, so dass uns im defensiven Mittelfeld der wohl bedeutendste Qualitätssprung gelungen ist.
Gerade im Vergleich zu den Winteraktivitäten anderer Klubs ist es höchst erstaunlich, wie bislang alle Maßnahmen genau so gegriffen haben, wie es sich unsere sportliche Leistung versprochen hatte. Dadurch konnte man es sogar verschmerzen, den vermeintlich hochkarätigsten Neuzugang bislang noch überhaupt nicht eingesetzt zu haben. Wenn Dante sich irgendwann in diesen Reigen einreiht und die Erwartungen erfüllt, die man in ihn setzt, dann wäre es wohl endgültig gelungen, dass aus der schwächsten Defensive der Liga zumindest die beste Abwehr aller Abstiegskandidaten geworden ist.
Im Zuge dieser offensichtlichen Stabilisierung hat Hans Meyer darüber hinaus Recht behalten, dass dies auch automatisch das Offensivspiel beleben würde. Die Spieler dort profitieren ebenfalls von dem Wissen, dass hinter ihnen solider gearbeitet wird. Meyer kann so jetzt auch eine offensivere Ausrichtung rechtfertigen. Es ist verwunderlich, wie schnell und deutlich dies bereits umgesetzt wurde, wenn man die Offensivleistungen gegen Hannover und erst recht gegen den HSV mit denen aus der Vorrunde vergleicht.
Nachdem dieser Schritt also erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte, dürfen wir nun gespannt sein, ob diese neue Qualität demnächst auch auswärts zum Tragen kommen wird, wo bislang offensiv noch wenig gelungen ist. Die nächsten Spiele in Köln und Karlsruhe scheinen sehr geeignet dafür, um auch auf fremden Plätzen unter Beweis zu stellen, dass seit der Winterpause eine neue Borussia an den Start gegangen ist.
|