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Geschrieben von Martin Zierold
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Donnerstag, 12 März 2009 |
Martin ist noch berauscht vom Sieg gegen den HSV und zählt schon die Tage bis zur nächsten Meisterschaft, wenngleich immer noch ein kleines Fragezeichen in seinem Hinterkopf umherirrt. Sei glaubensstark, Bruder Martin: Nach der momentanen Wirtschaftskrise werden weiterhin Autos gebaut, und nach der kleinen sportlichen Unpäßlichkeit Borussias wird die Elf vom Niederrhein auch wieder Meister sein. Irgendwann. Ist es eigentlich schöner, sich auf die Meisterschaft zu freuen oder sie zu feiern? Wir denken, daß ersteres der Fall ist, und haben somit Zeit. Diese Saison den Klassenerhalt sichern, nächstes Jahr in den UEFA-Cup einziehen, erst 2011 Meister werden - man muß kleine Brötchen backen, meinen wir beim VfLog.
Lieber Joachim,
da Du ja am Zuge bist, ich aber am Schreiben, kann ich in dieser Woche den Siegeszug meiner weißen Steine nicht fortsetzen. Ist dies die Wende? (Ich wage immerhin einen Tipp: du ziehst auf a6. Was ich aber gewitzt mit Lb5xc6 erwidern würde, womit schon mal ein Springer platt wäre. Juhe!)
A propos Wende. Gladbach wird Meister! Das ist die wahre Agenda 2010, die nun, nach dem Zusammenbruch aller anderen Ziele für das kommende Jahr, als einziger Lichtblick in unserer finsteren Krisenzeit deutlich wird. Der VfL ist nur deshalb Lehman-like bis zum tiefsten Boden der Tabelle gesunken, um nun um so phönixhafter wieder auferstehen zu können. Bis zum Ende der Saison schaffen wir es noch auf einen einstelligen Tabellenplatz, und 09/10 (ich sage übrigens immer „null-neun/null-zehn“ – bescheuert, aber ein Automatismus, den ich mir nicht abgewöhnen kann. Zumal „null neun/zehn“ auch idiotisch klingt? Gibt es hier nicht eine EU-Richtlinie über das richtige Abkürzen von Jahreszahlen, an die ich mich halten kann?) werden wir dann die Tabellenspitze erobern und Meister werden. Das Zeug dafür hat diese großartige Mannschaft, das hat sie ja bewiesen gegen Hamburg. Zack zack, Marin, tingeling und klingelbumm! Ach, ich bin so begeistert! Samstag fegen wir erstmal die Kölner weg und allein meine Pietät verbietet es, von einem zu erwartenden Erdrutschsieg zu sprechen. (Ja, liebe Kollegen von den Printmedien, schlechten Geschmack können auch wir!) Joachim, Du siehst: in Sachen Optimismus machst Du mir diese Woche nichts vor!
Doch da ist noch diese andere Seite, die mich zu Vorsicht mahnt und vor allzu großen Hoffnungen warnt. Du weißt ja: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste (notwendig folgt hier meine derzeitige Lieblingsalbernheit, die ich vom Biochemiker Otto E. Rössler habe: „Und wer war denn der Vater der Porzellankiste?“ – „Das weiß keiner…“ – „Dann war die Mutter aber ganz schön unvorsichtig!“). Otto E. Rösler ist überhaupt eine interessante Figur, international hochdekoriert, seit Jahren im Streit mit seiner Uni in Tübingen und zugleich der große Mahner, dass der am CERN gebaute Teilchenbeschleuniger ein schwarzes Loch erzeugen könnte, das am Ende womöglich die ganze Erde aufsaugt. Womöglich gar noch vor der Meisterfeier 2010?
Ach, Joachim, ich glaube ich bin noch benebelt vom vielen Schnaps, vom Feiern. Ich bring’s diese Woche nicht. Es tut mir leid. Kannst Du aus diesen Zeilen etwas machen? Ich fürchte, ich bin für gute Zeiten nicht gewappnet.
Aus dem schwarzen Loch meines Hirns ein herzlicher Gruß,
Dein Martin
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