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(Kein) Ausweg möglich? |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Sonntag, 22 März 2009 |
Hans
Meyer wollte clever sein. Unmittelbar nach der offiziellen Pressekonferenz
huschte er auf der anderen Seite des Podiums vorbei, um den wie immer wartenden
Lokaljournalisten zu entkommen, die nach jeder Pressekonferenz eine zweite
Fragerunde starten. Eine Unsitte zudem, die sich in Deutschland seit Jahren
eingeschlichen hat. Meyer hatte die Rechnung jedoch ohne den jungen (und
flinken) Kollegen vom Lokalradio gemacht, der Meyer (zumindest werbegerecht vor
der Sponsorentafel) noch stellte. Binnen weniger Sekunden strömte der Rest der
Journalistenschar auf der Suche nach O-Tönen hinterher und Meyer stand inmitten
des Pulks, den er zuvor mit seiner Finte vermeiden wollte. So ähnlich dürften
sich auch seine Spieler in den zuvor absolvierten neunzig Spielminuten gefühlt
haben: Was auch immer sie anstellten, welchen Laufweg Baumjohann, Marin &
Co. auch wählten, der Gegner war bereits zur Stelle, und das meist in Überzahl.
Die
Niederlage gegen den direkten Konkurrenten nagte am erfahrenen Gladbacher
Trainer. „Auch wenn ich jetzt Morddrohungen und Drohbriefe der Fans erhalte",
führte er vor den Journalisten aus, „aber ich hätte lieber in Köln verloren und
dafür gegen Bochum gewonnen." Meyer wählt diese Worte bewusst. Wer ihn kennt,
und das sollten am Niederrhein inzwischen viele, weiß seinen Realismus
einzuschätzen. Dass diese Aussage eine Woche nach dem für die Fans so wichtigen
Derbysieg von diversen Medien in gewohnter Manier, schlagzeilenträchtig und aus
dem Kontext heraus zitiert wird, dürfte Meyer Wasser auf die Mühlen seiner
medienkritischen Haltung geben. So titelte der Videotext des DSF: „Meyer bereut
Sieg in Köln". Wohl dem, der solche Sportjournalisten beschäftigt. Apropos
Sportjournalisten: Wer sich die Mühe macht und die Einsatzzeiten aller
Feldspieler Borussias vergleicht, wird sehen, dass Marko Marin seit Amtsantritt
Meyers 1198 Minuten auf dem Feld stand. Mehr Einsatzzeit haben nur Rob Friend
(1422), Filip Daems (1395) und Michael Bradley (1317). Eine durchaus skurrile
Art und Weise, „Deutschlands größtes Talent zu schikanieren", wie es die
kreischenden Schlagzeilen des lokalen Boulevards vermuten lassen.
Die
Niederlage gegen Bochum war unnötig und vermeidbar, doch sie sollte für
Borussia keinen psychologischen Rückschlag darstellen. Im Gegensatz zur
katastrophalen Hinrunde ist die Mannschaft inzwischen in der Lage, jedes Spiel
so zu gestalten, dass sie aus eigenen Kräften in der Lage ist, zu gewinnen oder
mindestens zu punkten. Das Glück, das sie in Bremen fast mehr als vertretbar
auf ihrer Seite hatte, fehlte am Freitagabend gegen Bochumer Gäste, die zwar
destruktiv, aber kämpferisch und taktisch diszipliniert spielten.
Zudem, wer
wollte es der Mannschaft um Trainer Marcel Koller verübeln? Der Schweizer hatte
seine Mannschaft hervorragend auf den Gastgeber eingestellt: Marin wurde meist
von zwei bis drei Gegenspielern attackiert, ebenso Baumjohann. Mit den beiden
Technikern nimmt der Gegner auch einen Großteil an offensivem Potenzial
Borussias aus dem Spiel. Dass die Elf vom Niederrhein dennoch in der Lage war,
das Spiel zu bestimmen und sich ausreichend Chancen herauszuspielen, um die
drei Punkte in der Vitusstadt zu behalten, spricht für sie. Dass sie nach dem
Gegentor zwar kurzzeitig die Konzentration vermissen ließ, aber nicht vollends
einbrach, ebenso.
Das
kommende Spiel in Karlsruhe hat eine ungleich größere Bedeutung. Den seit
Wochen tor- und sieglosen Badener könnte mit einem Sieg endgültig der psychologische
Knockout versetzt werden, gleichzeitig wäre einer von zwei direkten
Abstiegsplätzen wohl vergeben, so dass es für die letzten Wochen nur noch eins
(Platz 17) aus sechs (Cottbus, Borussia, Bielefeld, Bochum, Hannover,
Frankfurt) heißen würde. Dazu trifft man auf drei dieser fünf Konkurrenten noch
im direkten Duell. Daher heißt es weiter: Ruhe bewahren! Borussia ist nach wie
vor im Rennen und nicht wie in den Abstiegsjahren 1999 und 2007 bereits
hoffnungslos abgeschlagen.
Am späten Abend, wenige Minuten nach der
Pressekonferenz, wählte dann auch Präsident Rolf Königs eine Finte. Statt wie
üblich in der üppig motorisierten Großlimousine des Autosponsors stilgerecht
vom Hof zu fahren, saß er auf dem Beifahrersitz eines schnittigen Kleinwagens.
Doch auch seine Finte brachte nichts ein - Königs saß mitsamt Fahrerin inmitten
des obligatorischen Abreisestaus. Es gibt eben Tage, an denen kein Ausweg
möglich ist.
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