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Roberto Colautti: das nächste „unerfüllte Versprechen“? |
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Geschrieben von Christian Grünewald
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Montag, 30 März 2009 |
Kurz vor Beginn der Bundesliga-Saison 2007/08 verpflichtete der frisch gebackenen Zweitligisten Borussia Mönchengladbach den Angreifer Roberto Damian Colautti vom israelischen Club Maccabi Haifa. Die Stürmerfrage war beim VfL vor Saisonbeginn ungeklärt: Kapitän Oliver Neuville erholte sich noch von einer Verletzung, der umstrittene Neuzugang Rob Friend war ebenfalls angeschlagen, Nando Rafael wurden kaum Chancen auf einen Stammplatz eingeräumt. Sascha Rösler sprang für zwei Spiele als Mittelstürmer ein, war aber aus offensichtlichen Gründen fest für das Mittelfeld eingeplant. Mit der „Cobra“ Colautti schien der neue, unbestrittene Sturmführer des VfL verpflichtet worden zu sein. Die Anhängerschaft frohlockte, zeugten doch nicht zuletzt schnell umhergeisternde Schnipsel auf einschlägigen Videoportalen von spektakulären Toren des Neuzugangs, der für die zweite Liga fast zu schade schien.
Aber es kam anders: Zunächst wurde der Argentinier mit israelischem Pass von Trainer Jos Luhukay fehlende Fitness attestiert, dann warfen ihn verschiedene Verletzungen immer wieder zurück. Währenddessen hatte sich Rob Friend nach kurzer Akklimatisierungszeit zu einem echten (Zweitliga-)Torjäger entwickelt. Nach seiner Genesung wurde Colautti langsam an das Team herangeführt. Durch Jokertore rettete er der Borussia im Verlauf der Aufstiegssaison zwei Remis, erneute Verletzungssorgen und eine feste Stammformation verhinderten aber vermehrte Einsätze von Beginn an.
Die Hoffnung Colauttis, mit Beginn der neuen Saison richtig angreifen zu können, bekam schon bald einige Dämpfer. Die Vorbereitung verlief durchwachsen, insgesamt ließ der Argentinier sogar gegen unterklassige Gegner zu viele Chancen ungenutzt. Auch zeigte sich immer mehr, dass ein Zusammenspiel mit Friend zu häufig an der ähnlichen Spielanlage der beiden Stürmer scheiterte. Da Colautti gegen den zunächst gesetzten Kanadier im Kampf um die Rolle des Stoßstürmers den Kürzeren zog, blieb ihm zu Beginn der Spielzeit 2008/09 wieder nur ein Platz auf der Ersatzbank.
Im bisherigen Saisonverlauf durfte Borussias Nummer 9 bisher nur in drei Partien von Beginn an auflaufen. Leider konnte Colautti in keinem dieser Spiele überzeugen, was nicht zuletzt auf das Fehlen brauchbarer Zuspiele zurückzuführen war. Ein Defizit, mit dem auch Rob Friend vor allem in der Hinrunde zu kämpfen hatte und an Form und Treffsicherheit des Kanadiers zunehmend Spuren hinterließ. So wurden dessen fehlende Schnelligkeit und Technik durch Teile der Anhängerschaft vermehrt kritisiert. Trotzdem erhielt er aufgrund seiner physischen Präsenz, seiner Kopfballstärke und seiner Bedeutung als Anspielstation sowohl bei Jos Luhukay, als auch bei Hans Meyer stets den Vorzug vor Colautti, der seine vermeintlich größere fußballerische Klasse in Pflichtspielen nie nachweisen konnte.
Letztlich werden Stürmer jedoch vor allem an Toren gemessen. Während Friend bis zum 25. Spieltag immerhin 7 Treffer erzielen konnte, blieb Colautti bei seinen insgesamt 15 (meist kurzen) Einsätzen torlos.
So bleibt die beherzte Vorlage zu Michael Bradleys Ausgleichstreffer gegen Bayern München am 13. Spieltag die bislang beste Aktion des israelischen Nationalspielers in der Saison. Leider konnte er bis auf diese Ausnahme bislang auch keine besonderen Joker-Qualitäten nachweisen. Im Gegenteil: bei den Rückrundenpartien in Stuttgart, Berlin und gegen den VfL Bochum ging nach seiner Hereinnahme die Abstimmung im Angriff zeitweise völlig verloren, wodurch die offensiven Impulse wirkungslos verpufften.
Es wäre ungerecht und schlichtweg falsch, die Schuld für seine Situation allein bei Roberto Colautti selbst zu suchen. Doch die Häufung verschiedener Faktoren - sei es die Beschränkung des Systems auf nur einen echten Stürmer, die Präferenz für Rob Friend oder verletzungsbedingten Rückschläge - muss irgendwann zu der Frage führen, ob sich die Liaison zwischen Borussia und dem Stürmer überhaupt noch zum Guten wenden kann. Ein Spieler, der in anderthalb Jahren kein halbes Duzend Spiele von Beginn an bestritten hat, nur einmal 90 Minuten durchspielte und dem lediglich drei Treffer gelangen (gegen die Zweitligisten Jena und Wehen), taugt nicht wirklich zum Hoffnungsträger. Daran ändert auch die Entschuldigung, Colautti habe in Gladbach bislang einfach nur viel Pech gehabt, wenig. Und selbst wenn es kaum Zweifel daran gibt, dass ein talentierter Stürmer in ihm steckt, der unter anderen Umständen bereits Torjägerqualitäten nachgewiesen hat - manchmal passt es eben einfach nicht. Auch nicht mit Borussia und Colautti?
Äußerlich begegnet der Spieler seiner schwierigen Lage bisher mit großer Professionalität, präsentiert sich als vorbildliches Mitglied der Mannschaft. Als Angreifer mit internationaler Erfahrung kann und darf er mit seiner Rolle als Dauerreservist aber natürlich nicht zufrieden sein - zumal er nun auch noch seinen vermeintlich sicheren Platz im Kader der israelischen Nationalmannschaft vorläufig verloren hat. Um seine Stürmer-Karriere mit nunmehr knapp 27 Jahren nicht zu gefährden, muss Colautti spielen und treffen - und das so schnell wie möglich. Im Sommer werden sich beide Parteien zusammensetzen. Geht man davon aus, dass der Verein weiter mit Rob Friend plant, wird man sich wohl nach ein oder zwei zusätzlichen Verstärkungen für den Angriff umsehen. Colautti müsste also weiter warten - eine Trennung wäre wohl beschlossene Sache.
Falls sich diese Vermutung bewahrheitet, könnte Roberto Colautti ein weiteres, unerfülltes Versprechen werden, eines dieser für die Borussia typischen Missverständnisse, bei denen nur die wenigsten später noch wissen, warum es mit dem Spieler eigentlich nicht geklappt hat. Ähnlich wie zuvor Elber, Sonck oder Insua, deren wahre Leistungsfähigkeit nie wirklich geklärt wurde, ihr Abgang aber bis heute Anlass für hitzige Diskussionen bietet, könnte also bald auch „die Cobra" - ungeachtet der sportlichen Realität - quasi posthum auf den Vorhaltungslisten des Managements unter „hätte man nie abgeben dürfen" erscheinen. Natürlich erst, wenn nach der nächsten Niederlagenserie wieder mal alles in Frage gestellt wird.
Aber soweit ist es noch nicht. Momentan besitzt Roberto Colautti bei Borussia einen gültigen Vertrag bis 2010 - und hat in neun verbleibenden Saisonspielen die Chance, doch noch Stürmer Nummer eins beim VfL zu werden. Und im Fußball ist ja bekanntlich alles möglich.
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