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Home Christian Spoo SEITENwechsel, der 79.
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SEITENwechsel, der 79. |
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Geschrieben von Maik Gizinski
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Donnerstag, 02 April 2009 |
Wir vertreiben uns die bundesligafreien Tage mit allerlei Nebensächlichkeiten: Länderspiele gegen Steueroasen und nicht existierende Staaten schauen, Ostereier verstecken und bis nächstes Jahr vergessen und Borussias Präsidentenamt auf dem Schachbrett ausspielen. Steinbrück gegen Mehdorn lautet das Duell, das zwischen VfLog und SEITENWAHL seinem ersten Höhepunkt zustrebt. Gewinnen wir mit Schwarz (Rot gab es nicht, hurra), amtiert Peer Steinbrück nach der Wahlniederlage der SPD im Borussia-Park, siegen unsere werten VfLog-Freunde mit Weiß, zieht Mehdorn die Strippen (oder gerade nicht). Keine Frage: Wir gewinnen natürlich, auch in Karlsruhe, aber letzteres ist vor diesem Hintergrund nicht mehr bedeutsam, oder?
Lieber Joachim,
das Wichtigste zum Anfang: Pferd f3-e5. Das haben unsere Leser entschieden, und sie haben klug entschieden. Du magst dir gut zureden, der verlorene Bauer sei lediglich ein Kollateralschaden. Aber warte ab: Am Ende kommt es auf jeden Mann an.
Nach abnehmender Relevanz geordnet ist in den vergangenen Tagen folgendes passiert:
1. Ich habe ein neues Sofa gekauft.
2. Die Filme "Slumdog Millionaire" und "The Wrestler" sind beide sehr sehenswert.
3.-11. Rutten nicht gefeuert, Rutten gefeuert, Mehdorn nicht zurück getreten, Mehdorn zurück getreten, Merkel bei Opel etc.
12. Borussia gewinnt ein Testspiel bei Heracles Almelo mit 3:1.
Ad 1) Das Ding war ziemlich teuer, verspricht aber, wie das so ist mit Neuverpflichtungen, ein enormes Mehr an Lebensqualität. Es ist mein erstes neues, wertvolles Sofa, bisher gab es nur gebrauchte Behelfslösungen. Es ist ein Hochkaräter in meinem Spiel des Lebens, eine Verstärkung, mit deren Hilfe man bequem und mit großem Selbstvertrauen das Dasein genießen kann. Es ist formschön, garantiert sieben Jahre Spitzenleistungen und knittert nicht. Es ist der ideale Spielmacher. (Meine Kollegin spricht in diesem Zusammenhang von "Jungfrauenfalle".) Es ist gewissermaßen ein Beleg dafür, dass Geld doch Tore schießt. Wie die Borussia in der Winterpause gleich mehrere Spieler suspendierte, um eine Situation herbeizuführen, in der dringend Neuverpflichtungen gebraucht werden, habe auch ich zuerst mein altes Sofa bei Ebay versteigert. Das erhöht massiv den Druck, ein neues kaufen zu müssen. Ohne große Not ist der Menschen Bequemlichkeit nicht zu knacken; ist der Kader zu groß, fehlt jeder Anlass, ihn noch zu vergrößern. An dieser Stelle jedoch unterscheidet Borussia und mich ein wichtiges Detail: Ich genehmigte mir vier Wochen ohne Spielmacher (es war eh gerade Winterpause!), um die ideale Verstärkung zu sichten. Borussia kaufte, wie des öfteren zuletzt, ikeaesk viel für verhältnismäßig wenig Geld. Im Moment freut sich jeder in Gladbach über den Glanz in der guten Stube. Überall blitzt und funkelt es. Noch bröckelt nirgendwo Lack. Die Last ist auf verschiedene neu eingekaufte Schultern verteilt. Aber hält das vor? Oder ist mein Star, meine High-End-Lösung, mein neuer Regisseur die nachhaltigere, weil durchdachtere Investition?
Ad 2) Neun Euro kostet ein normaler Kinofilm an einem Freitagabend. Der außergewöhnliche Film "The Wrestler" mit einem, ähem, wunderbaren - sofern das möglich ist - Mickey Rourke kostet dasselbe. So gesehen war das ein günstiges Vergnügen. Und so ein ordentlicher Wrestler unterscheidet sich nur marginal von einem Borussia-Fan: Er lässt sich mit großer Freude verprügeln, wird auf Dauer ein gebrochener Mann und stirbt im Moment der größten Melancholie. (Wer den Film noch nicht gesehen hat, hat jetzt eben Pech gehabt.) "Slumdog Millionaire" kostet dienstags nur sechs Euro und wäre auch für neun Euro genauso außergewöhnlich. Und so ein ordentlicher Slumdog Millionaire unterscheidet sich nur marginal von einem Borussia-Fan. Er pirscht sich jahrelang durch großes Elend, stets die große Liebe im Blick, und schafft erst dann den großen Durchbruch, wenn er dank großer Chuzpe ganz, ganz viel Geld gewinnt; dann lassen sich alle Wünsche erfüllen. Im Prinzip stand die ganze Woche im Zeichen der Borussia.
Ad 3-11) Hartmut Mehdorn sagt nach Oliver Kahn den Manager-Job bei Schalke 04 ab, weil er im Sommer auf den Präsidentensessel beim VfL spekuliert. Fred Rutten wird neuer Vorstandschef der Bahn; als Fußballtrainer habe er eine Menge Erfahrung mit schlechten Charakter- und misslungenen Spielzügen; das qualifiziere ihn auch für Güter- und Personenzüge. Angela Merkel kauft Opel aus ihrem Privatvermögen; woher das Geld komme, könne sie nicht verraten, weil sie ihr Ehrenwort gegeben habe.
Ad 12) Heracles, wir hatten die Geschichte im VfLog exklusiv, ist ein harter Brocken. Umso bemerkenswerter, dass Gladbach so souverän überzeugen konnte bei diesem immens wichtigen Testspiel. Was uns das jetzt verrät über Borussias Form für das wichtige Spiel gegen Karlsruhe, darüber magst du spekulieren, lieber Joachim. Was mich irritiert: Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Und ein Testspiel (gegen Holländer!) gewinnen, das muss kein Pferd, nicht einmal ein Fohlen. Nehmen wir als Beispiel das Pferdchen auf e5: Es wird sicher nicht weiter angreifen. Es hat einen kleinen, wichtigen Sieg errungen und wird sich jetzt bescheiden, bis es das nächste Mal was zu gewinnen gibt.
Werden die Fohlen dagegen übermütig? Übrigens: Osnabrück spielt am Sonntag in München, bei 1860. Die haben auch ein Pferdchen im Wappen, oder?!
Mit den besten Grüßen aus Hamburg, der schönsten Hafenstadt im Frühling,
Maik
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