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Geschrieben von Mike Lukanz
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Sonntag, 27 August 2006 |
Aufmerksamen Beobachter ist es aufgefallen: gegen Ende der
Pressekonferenz, als Jupp Heynckes noch von einigen Journalisten
umringt und befragt wurde, unterbrach Sportdirektor Peter Pander das
Gespräch: „Jupp, ich wünsch´ Dir ein schönes Wochenende. Mit sechs
Punkten fällt das leichter, nicht wahr?" Bemerkenswert an dieser Aussage ist nicht der freundliche Wunsch,
sondern das Duzen. Erinnern wir uns an eine Aussage Panders, dass er
die jeweiligen Trainer, die unter ihm in Wolfsburg und Mönchengladbach
arbeiteten, nie zu Duzen pflegte. Wolfgang Wolf bot er dies erst am
Abend der Entlassung an.
Heynckes selber erzählte von netten Anekdoten der Mannschaft. Wie er
„Kalle" - so nennt er Kahê - zu Beginn der Vorbereitung zu verstehen
gab, dass er mit den Pfunden auf der Hüfte keinen erfolgreichen Fußball
spielen könne; dass Insua sich unter lautem Beifall der Mannschaft beim
Abendessen vor dem Heimspiel gegen Bielefeld offiziell vorstellte und
sich für die tolle Integration bedankte; dass Präsident Königs ohne
Rücksprache mit Pander und Heynckes einem Verkauf von Marcell Jansen an
den HSV eine Absage erteilte. Er tat dies all mit einem gelösten
Lächeln und widerlegte damit viele Vorurteile, die ihn als verbissenen
und strengen Fußballlehrer darstellten.
Nach dem Spiel sprachen alle Spieler davon, wie sehr sie sich für Kahê
freuen, dass er das Tor erzielen und damit der Mannschaft zum Sieg
verhelfen konnte. Marcell Jansen schnappte sich das Mikrofon, um mit
der Nordkurve das inzwischen beliebte „Humba" anzustimmen und die
gesamte Mannschaft machte mit. Das Spiel selber gab zwar weniger Anlass
zur ausgelassen Freude, denn ein Fußballfest war der 1:0 Sieg wahrlich
nicht.
Dennoch, der gute Saisonstart hat Spuren hinterlassen. In
Mönchengladbach ist eine Stimmung eingekehrt, die man so aus der
letzten Saison nicht kannte. Das Duo Pander und Heynckes strahlt eine
Gelassenheit aus, die dem letztjährigen Gespann mit Horst Köppel und
Pander völlig fremd war. War es letzte Saison der ständig verbissen und
verkrampft wirkende Übungsleiter, der sich selbst nach Siegen
rechtfertigte, ohne vorher angegriffen worden zu sein, steht nun mit
Heynckes ein Trainer vor der Presse (und der Mannschaft), der erfahren
und ausgeglichen ist und wirkt, um sachlich und überzeugend die
Leistungen seiner Mannschaft zu analysieren. Man nimmt ihm ab, was er
sagt. Seine vor der Saison getätigte Aussage, dass er keinem Kritiker
mehr etwas beweisen müsse, war keine hohle Phrase.
Nach Siegen feiert es sich leichter, mit Platz 4 geht man entspannt in
die dreiwöchige Bundesligapause. Die in den letzten Jahren von allen
geforderten Strukturen sind nicht vollends gewachsen und gefestigt,
dazu fehlt die Erfahrung, wie Heynckes mit sportlichen Tiefpunkten
umgehen wird. Die sportliche und taktische Entwicklung steht ohnehin
erst am Anfang und Rückschläge werden kommen. Wenn der Spaß, der
Zusammenhalt und die Einstellung aller Beteiligten jedoch so weiter
wachsen, wie man sie bereits am Samstag beobachten konnte, ist ein
wichtiger Schritt getan und eine Grundlage für Erfolg geschaffen.
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