Bundesliga 2011/2012

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Die neue Gelassenheit Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Sonntag, 27 August 2006
Aufmerksamen Beobachter ist es aufgefallen: gegen Ende der Pressekonferenz, als Jupp Heynckes noch von einigen Journalisten umringt und befragt wurde, unterbrach Sportdirektor Peter Pander das Gespräch: „Jupp, ich wünsch´ Dir ein schönes Wochenende. Mit sechs Punkten fällt das leichter, nicht wahr?" Bemerkenswert an dieser Aussage ist nicht der freundliche Wunsch, sondern das Duzen. Erinnern wir uns an eine Aussage Panders, dass er die jeweiligen Trainer, die unter ihm in Wolfsburg und Mönchengladbach arbeiteten, nie zu Duzen pflegte. Wolfgang Wolf bot er dies erst am Abend der Entlassung an.


Heynckes selber erzählte von netten Anekdoten der Mannschaft. Wie er „Kalle" - so nennt er Kahê - zu Beginn der Vorbereitung zu verstehen gab, dass er mit den Pfunden auf der Hüfte keinen erfolgreichen Fußball spielen könne; dass Insua sich unter lautem Beifall der Mannschaft beim Abendessen vor dem Heimspiel gegen Bielefeld offiziell vorstellte und sich für die tolle Integration bedankte; dass Präsident Königs ohne Rücksprache mit Pander und Heynckes einem Verkauf von Marcell Jansen an den HSV eine Absage erteilte. Er tat dies all mit einem gelösten Lächeln und widerlegte damit viele Vorurteile, die ihn als verbissenen und strengen Fußballlehrer darstellten.

Nach dem Spiel sprachen alle Spieler davon, wie sehr sie sich für Kahê freuen, dass er das Tor erzielen und damit der Mannschaft zum Sieg verhelfen konnte. Marcell Jansen schnappte sich das Mikrofon, um mit der Nordkurve das inzwischen beliebte „Humba" anzustimmen und die gesamte Mannschaft machte mit. Das Spiel selber gab zwar weniger Anlass zur ausgelassen Freude, denn ein Fußballfest war der 1:0 Sieg wahrlich nicht.

Dennoch, der gute Saisonstart hat Spuren hinterlassen. In Mönchengladbach ist eine Stimmung eingekehrt, die man so aus der letzten Saison nicht kannte. Das Duo Pander und Heynckes strahlt eine Gelassenheit aus, die dem letztjährigen Gespann mit Horst Köppel und Pander völlig fremd war. War es letzte Saison der ständig verbissen und verkrampft wirkende Übungsleiter, der sich selbst nach Siegen rechtfertigte, ohne vorher angegriffen worden zu sein, steht nun mit Heynckes ein Trainer vor der Presse (und der Mannschaft), der erfahren und ausgeglichen ist und wirkt, um sachlich und überzeugend die Leistungen seiner Mannschaft zu analysieren. Man nimmt ihm ab, was er sagt. Seine vor der Saison getätigte Aussage, dass er keinem Kritiker mehr etwas beweisen müsse, war keine hohle Phrase.

Nach Siegen feiert es sich leichter, mit Platz 4 geht man entspannt in die dreiwöchige Bundesligapause. Die in den letzten Jahren von allen geforderten Strukturen sind nicht vollends gewachsen und gefestigt, dazu fehlt die Erfahrung, wie Heynckes mit sportlichen Tiefpunkten umgehen wird. Die sportliche und taktische Entwicklung steht ohnehin erst am Anfang und Rückschläge werden kommen. Wenn der Spaß, der Zusammenhalt und die Einstellung aller Beteiligten jedoch so weiter wachsen, wie man sie bereits am Samstag beobachten konnte, ist ein wichtiger Schritt getan und eine Grundlage für Erfolg geschaffen.