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Home Christian Spoo SEITENwechsel, der 80.
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SEITENwechsel, der 80. |
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Geschrieben von Martin Zierold
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Donnerstag, 16 April 2009 |
In der Bundesliga-Tabelle herrschen stürmische Zeiten, und auch Martin hegelt uns voll mit dialektischen Doppelpässen. Nur gut, daß wir das Wesentliche im Auge behalten: Frankfurt putzen, nicht absteigen und bloggen, bis die Schwarte kracht - oder die bayrische Lederhose, was dieser Tage nicht schwer zu bewerkstelligen ist. Wir geben wie gewohnt beim VfLog den dialektischen Marin, Martin messit nachfolgend zurück.
Lieber Joachim,
ach, ist das schön, dass wir uns nach diesen langen, zähen Wochen der Abwesenheit wieder schreiben können! Ich weiß, was ich vermisst habe: Dich, Meister der Dialektik! Von Hegel bis Horkheimer hast Du die Geistes- und Weltgeschichte studiert, ja durchdrungen, und lebst nun danach. Beeindruckend. Verkündest seelenruhig, dass wir in spannenden Zeiten leben. Erläuterst, dass Gladbach gar nicht absteigen kann und zeigst Dich zitternd. These, Antithese, das ist Joachim, wie ihn die Leser lieben. Ich vorneweg.
Und es ist natürlich auch Gladbach. Ob das der Broich war, dieses liebenswerte Abiturnäschen, der uns diesen ganzen Dialektik-Kram eingebrockt hat? Aufstieg, Abstieg, gute Teams an die Wand spielen, schlechte gewinnen lassen, auch Gladbach ist schließlich Meister im Selbstwiderspruch, im Richtigen und seinem Gegenteil, in der dialektischen Oszillation. Dabei ist die Dialektik bei Hegel nicht mehr als ein auf die Logik beschränktes Sprachspiel. Erst Marx und seine Gefolgschaft haben es zur allumfassenden Theorie des Weltenlaufs entwickelt, und nun entfaltet Gladbach sie auf dem Rasen. Obwohl doch der linguistic turn, der Poststrukturalismus und whatnot längst die Grenzen der Dialektik als Allerklärungsmotiv aufgezeigt haben. Aber das hatte Broich in seinem Philo-LK dann wohl nicht mehr. Ich schweife ab.
Hegel hin, Marx her, spannend ist es derzeit, da hast Du recht. Und nur wir ewigen Nörgler sind darüber unzufrieden. Stellen wir uns vor, Gladbach krebste derzeit sicher auf Platz 11 herum, ich sehe die Seitenwechsel vor uns, die wir uns schriebten (schrüben?): Wir wären mürrisch, würden auf den Erfolg Hoffenheims verweisen, die trüben, langweiligen Zeiten bekritteln und uns nach Nervenkitzel sehnen. Nun haben wir ihn, da sind wir auch nicht froh. Dumm von uns.
Wenn wir aber eben doch gerade Langeweile wollen, dann sind die nächsten zwei Spiele schon wichtig. Sie könnten nämlich helfen, das Zittern zu verkürzen, auch wenn ich wie Du nicht glaube, dass etwas früh entschieden sein wird, so oder so. Aber im Glauben an die Brisanz des Spiels werde ich nach Frankfurt fahren und mich ins Stadion stellen und auf wenig Dialektik hoffen, auf wenig Spannung, einfach nur auf einen öden, klaren Sieg des VfL.
Ach, wenn Blogs doch wirklich mächtig wären, dann könnten wir bestimmen, dass Gladbach nicht absteigen wird. Aber Blogs sind ja nur mächtig, weil Journalisten faul sind. Spiegel Online kommt schon gar nicht mehr aus ohne irgendeine Story aus irgendeinem Blog auf seiner Startseite, das schreibt sich so schön schnell ab. Damit macht der Journalismus mit seiner Autorität die Blogs, die sonst eh kein Schwein lesen würde (außer unsere, versteht sich), ja erst wirklich relevant. Das nennt man dann: Dialektik.
Ach, dia leck mich am Arsch, irgendwie komme ich heute nicht drumrum um diese Theorieblödelei. Dabei gibt es noch ernste Dinge zu besprechen. Bayern? Geschenkt! Klinsi wird am Ende der Saison unehrenhaft entlassen und wird Trainer der 2. Mannschaft vom VfL Wolfsburg. Aber Schach! Hier leiste ich meinen Beitrag zum Thema Spannung. Ich ziehe diese Woche noch nicht. Nachdem Maik und die Leser hier derart genial agiert haben und Du nur sehr mühsam nach außen Gelassenheit heuchelst, will ich Dich noch etwas in Deinem Saft schmoren lassen, bevor die Flamme noch höher gedreht wird. Nächste Woche kommt ein Hammerzug, stell Dich schon drauf ein.
Und Rechtschreibung! Niemals änderte ich die schönen sz-daße in Doppel-s-dasse um! Wie käme ich dazu! Wohl mag es sein, dass ein böser Word-Automatismus das gemacht hat. Diese Nutzer-Entmündiger bei Microsoft. Oder Maik! Maik hat doch Rechtschreibung fürs Fernsehen gelernt auf seiner Journalistenschule. Da spricht man neue Rechtschreibung, und seither redigiert er alle Texte ganz manisch. Das ist seine neurotische Ader, die im Bereich der Orthographie noch vergleichsweise sozialverträglich zum Tragen kommt. Doch ich schweife schon wieder ab.
Schluß damit! In der Hoffnung, dass Du einen Sarg auf lange Zeit nur für den König auf Deinem Schachbrett nutzen mögest und ansonsten mit Deinem Optimismus recht behältst, grüßt Dich herzlich
Dein Martin
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