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Geschrieben von Martin Zierold
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Freitag, 24 April 2009 |
Martin zählt seine Herzinfarkte bis Saisonende (einschließlich zweier Relegations-Infarkte), fühlt sich von multiplen Bielefelds umzingelt und hat endlich erkannt, daß VfLog-Leser nichts von Schach verstehen - von Rasenschach dafür um so mehr, sonst würden sie ja nicht VfLog oder SEITENWAHL lesen. Wir freuen uns - nachzulesen im Laufe des Tages beim VfLog - auf Bielefeld, so wie wir uns auf Spiele gegen alle Mannschaften freuen, gegen die wir seit dem letzten Frisurwechsel von Günter Netzer jemals gewonnen haben (überschaubar wenige, wie es scheint, auch wenn der Frisurwechsel gefühlte 70 Jahre her ist), und sagen: Bringt uns die Relegation, dann müssen wir wenigstens nicht mit Jogi nach Asien fahren.
Lieber Joachim,
es hat eine Weile gedauert, bis ich wieder schreiben konnte. Dabei habe ich mich tagelang über etwas aufgeregt, das sonst niemanden beschäftigt hatte: Das gestohlene Frankfurter Tor. Ja, Gladbach hat in der ersten Hälfte viel zu passiv gegen eine schlechte Eintracht gespielt. Und den Start der zweiten Spielzeit völlig verschlafen, auch wenn man 3 Minuten vor dem Gegner demonstrativ brennend aus der Kabine kam. Aber dann ist die Mannschaft zurückgekommen, und wäre das 2:1 gefallen und nicht vorschnell von einem Vorteilregel-ahnungslosen Schiedsrichter abgepfiffen worden, wer weiß, was geschehen wäre.
Heiser und wutschnaubend bin ich am Samstag Abend heimgekommen. Freunde, die in meinem Auftrag Sportschau sahen, hatten den Vorfall nur am Rande präsentiert bekommen. Der Pfiff des Tages im Sportstudio: Eine lächerliche Torwart-Attacke statt eine Erläuterung der Vorteilsregelung. Niemand hat sich aufgeregt, selbst Gladbach nicht. Nur ich.
Seither verbringe ich meine Tage damit, das Restprogramm durchzutippen. Meine Berechnungen sagen, dass Gladbach in die Relegation wandert. Ein direkter Abstiegsplatz ist sehr unwahrscheinlich, Platz 15 nicht unmöglich. Weißt Du was das heißt? Gleich drei Herzinfarkte. Einer am letzten Spieltag, wenn es nicht zum direkten Klassenerhalt langt. Einer im ersten Relegationsspiel, ein weiterer im zweiten. Pfingsten ist keine Urlaubszeit mehr, Pfingsten wird das Folterwochenende. Kann man eigentlich jetzt schon Karten in der Geschäftsstelle reservieren?
Kommen wir zu anderen Fragen: Erst jetzt sehe ich, was mir unsere Leser für eine seltsame Stellung eingebrockt haben. Das Schalke-Modell der drei Trainer ist in seiner Potenzierung wohl nicht der Weisheit letzter Schluss… Immerhin führt die aktuelle Gemengelage dazu, dass der Springer endlich einen Rückzieher macht. Leider meiner. Zurück auf g4. (Ja, Du hättest jetzt mit Sf3 gerechnet, was? Aber so billig schmeiße ich mich nicht an Deine Dame ran… Die erobere ich ganz anders.)
Nun also Bielefeld. Mein Lieblingsphilosoph Rainald Grebe singt in einem Song über die Bahn:
Es ist immer noch dieselbe Geschichte,
es ist immer noch dieselbe Welt.
Wir müssten doch längst in Hannover sein,
aber draußen ist noch immer dieses Bielefeld.
Auch wenn ich rausschaue: Immer Bielefeld. Du meintest vor dem Eintracht-Match, die nächsten zwei Spiele seien nicht so entscheidend. Nun haben wir eins von beiden verloren. Auf einmal ist das nächste durchaus entscheidend. Eine Niederlage ist selbst in meinen pessimistischen Hochrechnungen nicht einkalkuliert. Dann geht fast nix mehr ohne Relegation. Und die Frage ist: Spielen wir wie gegen Köln oder wie gegen Bochum? Ich weiß gar nicht, ob ich das Spiel schauen kann. Vier Herzinfarkte in den nächsten Wochen würde ich dann doch nicht verkraften.
Mit Bluthochdruck auf ein paar beruhigende Worte hoffend grüßt Dich
Dein Martin
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