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SEITENwechsel, der 82. Drucken
Geschrieben von Martin Zierold   
Donnerstag, 30 April 2009

SEITENwechsel Der folgende Text ist nichts für schwache Nerven: Martin deckt die Bayern-Verschwörung gegen Jürgen Klisnmann auf und zeigt, daß alles noch schlimmer ist, als wir ohnehin vermuten. Das will etwas heißen, denn als Borussen-Fans sind wir es gewohnt, ohnehin von dieser Prämisse auszugehen. Die Zeiten sind eben anders: Klassenkampf, Wirtschaftskrise, Gotteszweifel; Martin streift all dies in wenigen Zeilen und beantwortet somit die leichte Verunsicherung, die wir beim VfLog zu erkennen gegeben haben. Nur dreierlei wissen wir immer noch nicht: Verlieren wir nun bei den Bayern, können wir doch noch den Abstieg vermeiden, und warum dürfen wir morgen nicht arbeiten, um uns dadurch etwas vom kommenden Spieltag abzulenken? Bald werden wir die Antworten auf die ersten beiden Fragen kennen, und hinterher wird Martin uns erklären, warum eigentlich alles ganz anders war und wir es dennoch hätten wissen müssen.

Lieber Joachim,

über Deine schönen Zeilen habe ich mich sehr gefreut, aber ein bißchen haben sie mich auch überrascht. Kann es sein, dass auch Du das Offensichtliche nicht begriffen hast? Bist Du wirklich verwundert, was in München vor sich ging? Ich will es Dir erklären.

Starnberger See. Ein kalter Tag im Herbst 2007. Uli Hoeneß, Sepp Maier, Oli Kahn, Franz Beckenbauer und Kalle Rummenigge sitzen zusammen. Trinken gegen die Kälte. Reden. Erst nur so. Dann, mit zunehmenden Alkohol, werden sie ganz allgemein wütend. Über die Welt. Die tollen englischen Clubs. Die Demütigungen, die der FCB international erfährt. Die Stimmung kippt. Der Mob will sich rächen. Fast sekundengleich sprechen Sepp Maier und Oli Kahn ein Wort aus: "Klinsmann!" Man wird sich einig: Klinsi ist an allem schuld, er hat Bayern bloßgestellt, als Spieler und als Sommermärchentrainer. Er soll fertiggemacht werden. Der geniale, aber doch so durchschaubare Plan: Man lockt Klinsi nach München, boykottiert seine Arbeit, wo man kann. Bindet die Spieler ein. Spielt eine mediokre Saison. Feuert ihn mit Bausch und Bogen wenige Wochen vor Schluss. Und macht ihn so auf lange Sicht als Vereinstrainer weltweit untragbar. Und so geschah es. Ist doch offensichtlich, dass das alles ein abgekartetes Spiel war, warum schreibt das nur keiner?

Dass nun ausgerechnet Heynckes noch die Meisterschale holen soll, kann nur heißen, dass selbst Felix Magath mit im Boot ist. Denn ohne ihn kann das ja nix werden. Aber wenn Wolfsburg freiwillig so einen Müll spielt, dann kann es der FCB selbst mit Osram noch schaffen, dem "Fußball-Lehrer". Schön, dass ausgerechnet Bayern als erster vom neoliberalen Projektmanagement eines Strahle-Klinsi zurück zu den alten schöngeistigen Idealen des Lehrers will. Die Wirtschaftskrise ist eben eine Wertekrise, auch im Fußball...

Neben der Bayern-hat-das-alles-geplant-These hatte ich am Sonntag noch eine These: Die drängte sich mir nach dem 1:0 für Borussia auf: Bielefeld WILL auf einen Relegationsplatz. Die brauchen das Geld der zusätzlichen Spiele für die Vereinskasse. Die These hat sich leider schnell in Luft aufgelöst. Dank Wolfsburg (s.o.) stehen nun beide Clubs unten drin und Cottbus lacht. Es ist zum Heulen und eigentlich müsste ich jetzt mindestens drei Absätze Joachim'sche Optimismus-Zeilen der letzten Wochen zitieren, aber wir sind ja alle schon gestraft genug.

Deine Trainerideen gefallen mir. Noch mehr gefällt mir allerdings Dein Wortspiel, dass Osram für mehr Licht sorgen wird in der Allianzarena. "Mehr Licht!" Das waren angeblich auch die letzten Worte Goethes. Dann starb er. Wer wohl am Samstag seinen letzten Atemzug macht? Gladbachs Hoffnung auf den Klassenerhalt? Bayerns auf die Meisterschale? Ach, der Fußballgott meint es sicher nur gut mit uns, aber seine Wege sind unergründlicher denn je. Und dass er unseren VfLs zeitgleich das Gleiche Schicksal widerfahren lässt, als müsste die Zusammengehörigkeit erst noch sichtbar gemacht werden. Aber, Du sagst es, wer sind wir zu hadern!

Außer mit Schach. Hier hadere ich und hadere ich. Ich glaube schon, dass ein Springer auf G4 steht. Aber gedeckt! Gedeckt! Ich kann doch Deine Dame gleich wegstiebitzen. (Und Du dann meine, jaja. Damentausch, die prickelnde Phantasie der schachspielenden Inselbegabungen.) Ich muss auch nochmal auf den Zettel gucken. Und ein Brett kaufen. Und vielleicht Deine Verwirrung nutzen, um etwas zu pfuschen.

In jedem Fall gilt: Wir ziehen das jetzt durch! Ich habe den Glauben noch nicht verloren, dass diese Mannschaft auch in dieser Saison Dich noch schachmatt setzen kann.

Nimms nicht zu tragisch und auf bald,

Dein Martin