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SEITENwechsel, der 83. Drucken
Geschrieben von Martin Zierold   
Freitag, 08 Mai 2009
SEITENwechsel Der Abstiegskampf treibt wirre Blüten: Martin nimmt sein altes Piano, singt in der U-Bahn für den Klassenerhalt und verkauft dazu noch grüne Schleifchen (grün ist die Farbe der Hoffnung) - und alles dies nur, weil wir uns (metaphorisch beim VfLog) gemütlich im am Ufer des Flusses zurücklehnen und säuseln "Laßt doch die Leichen unserer Ligafeinde heute und morgen an uns vorbeitreiben, bevor wir Sonntag abend die Nacht zum Tag machen!" Wer hat recht? Diejenigen, die voller Optimismus Papierkugeln werfen, in der Hoffnung, daß den richtigen auf dem Platz der Ball verspringt (ätsch!), oder die, die sich in Pessimismus ergehen, nur um so ekstatischer Platz 16 zu feiern? Wir werden es sehen, oder wie das Sprichwort geht: Kommt Zeit, kommt Rat, solange es nicht Overath ist.

Lieber Joachim,

zum ersten Mal seit langem mache ich mir Sorgen! Was ist los mit Dir? Was schreibst Du da? Hast Du zu lange mit dem Reggae-Mann geraucht? Fast scheint es so.

Ein bißchen bin ich aber auch beeindruckt. Wie Du es wieder schaffst auf der Basis einer bitteren Analyse (fast alle Spieler von Borussia sind grottig, Hans Meyer ist eine arme Sau) unter Heranziehung einer vagen Hoffnung (wenn die Fans mal nicht nach zehn Minuten pfeifen, schaffen die Pfeifen auf dem Platz sicher einen Sieg gegen Schalke) zu einer rosigen Weltsicht (wir steigen nicht ab, niemals!) kommst, zollt mir Respekt und, ja!, Neid ab. Großes Kino. Wobei ich Dir noch am ehesten zustimmen würde, dass unser Restprogramm tatsächlich auch nicht schlimmer ist als das unserer Mitbewerber. Wobei meine Hochrechnungen ergeben, dass Gladbach es nicht mehr schafft auf den Relegationsplatz. Aber ich bin auch Pessimist. Was einzig noch helfen könnte, ist die Altbewährte GDNAGS. Du kennst sie noch von 2005, damals hat unser grünes Schleifchen Wunder gewirkt. Ich habe auch in diesem Jahr also noch nicht ganz aufgegeben.

Ansonsten versuche ich mich mit Ablenkung. Ich war im Kino, Duplicity. Ein starker Film, der uns auch lehrt, dass es immer anders kommt als man denkt, und wenn man glaubt, man verarscht die Leut gerade so richtig, verarschen sie womöglich doch nur dich, aber besser als du selbst. Mit Blick auf Borussia bleibt aber auch dann die Frage: Wer verarscht hier eigentlich wen? Noch so ein Sinnbild auf Borussia: Auf meinem Schreibtisch steht eine Postkarte, darauf ein Pfarrer, gebeugt über das Bett eines Schwerkranken, der von oben bis unten in Gips gewickelt ist und am Tropf hängt. Der Pfarrer sagt: "Der Tod ist nicht das Ende, mein Sohn!" Und der Patient denkt "Scheiße."

Du siehst, ich bin fahrig. Zu lange schon liege ich fiebrig darnieder, und Borussia ist mit Schuld daran. Und so sehr ich's auch versuche: Ich kann mich Deinem Fake-Optimismus nicht anschließen. Ich bin ein Wrack. Das einzige, was ich noch habe, ist mein Yamaha-Keyboard aus den 80ern. Das nehme ich mir jetzt, stelle ich mich in einen U-Bahn-Schacht ohne Licht am Ende des Tunnels und singe "You'll never walk alone!" Komm doch mal vorbei. Wir sehen uns, ganz unten...

Sektfreie Grüße mit dem Ende in Sicht,

Dein Martin