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Home 2008/09 33, A, BL, Leverkusen
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Vorbericht, Spieltag 33: Bayer 04 Leverkusen |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Donnerstag, 14 Mai 2009 |
Ein Siegtor in der 90. Minute hat ein Pendant im Kampfsport:
den Knockout-Schlag. Der eine entscheidende Treffer, der entweder den schon
vorher unterlegenen Kämpfer endgültig auf die Bretter befördert oder den
vermeintlich Überlegenen überraschend zum Verlierer macht. Borussias Gegner in
diesen Wochen, das Abstiegsgespenst, wackelt und taumelt nach den Treffern von
Colautti und Dante bedenklich, aber es steht noch. Wenn am Samstag mehr als
20.000 Gladbacher Fans das „Auswärtsspiel" in Düsseldorf gegen Bayer 04
Leverkusen zum Heimspiel machen werden, kann der finale Treffer folgen. Und
dennoch: Dass das Abstiegsgespenst durchaus in der Lage ist, in letzter Sekunde
zurück zu schlagen, hat es in der Vergangenheit ausreichend oft bewiesen. Es
ist in diesen Tagen zehn Jahre her, als Günther Koch am 34. Spieltag in der
wohl spannendsten ARD-Schlusskonferenz der Bundesligageschichte mit den Worten aufwartete:
„Hallo, das ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund ..."
Sicher, ein Saisonfinale wie das 1999 passiert womöglich nur
alle 50 Jahre einmal. Es unterstreicht jedoch, dass der Fußball insbesondere in
seinen wichtigsten Spielen nie vor Überraschungen gefeit ist. Ohne Frage hat
sich Borussia mit den Siegen über Schalke 04 und Energie Cottbus eine äußerst
günstige Ausgangsposition geschaffen. Es verwundert jedoch nicht, wenn die
Presseabteilung Borussias unmittelbar nach dem Sieg in der Lausitz die
mahnenden Worte der Spieler (Paauwe: „Wir müssen höllisch aufpassen", Brouwers:
„Wer rechnen kann, der weiß, dass wir noch nicht durch sind.") auf der
Vereinshomepage publizierte. Der Verein ist bemüht, nicht in den Tenor derer
einzustimmen, die der Elf vom Niederrhein bereits zum Klassenerhalt gratulieren.
Borussias Defensive
Logan Bailly erlebte am Mittwoch einen vergleichsweise
ruhigen Abend. Zu harmlos waren die Offensivbemühungen der Cottbuser an diesem
Abend. Das, was er zu halten hatte, hielt er ohne Probleme. Dass der Belgier in
den vergangenen Spielen weniger Gelegenheit erhielt, sich auszuzeichnen, ist
auch der verbesserten Leistung seiner direkten Vorderleute zu verdanken. Das
Duo Brouwers / Dante scheint sich gefunden und damit die Defensive stabilisiert
zu haben. Zwei Spiele in Folge ohne Gegentor sprechen eine Sprache, gleichwohl
sich auch in den Partien der vergangenen 96 Stunden der ein oder andere
Aussetzer einschlich. Insgesamt ist jedoch zu konstatieren, dass der
Abwehrverbund mit der nötigen Konzentration zu Werke geht. Erfüllen Dante &
Co. auch gegen Leverkusen und Dortmund ihre Aufgabe mit Präzision und Konzentration,
sind die Weichen für ein weiteres Jahr Bundesliga gestellt.
Die größte positive Überraschung lieferte dabei Tobias
Levels. Der aus Viersen stammende Rechtsverteidiger wurde von Hans Meyer
aufgrund des kurzfristigen Ausfalls Tomas Galaseks ins defensive Mittelfeld
neben Patrick Paauwe beordert, wo er seine Sache nach anfänglichen
Schwierigkeiten mehr als ordentlich erledigte. Dabei bewies Levels vor allem,
dass er aufgrund seiner körperlichen Dynamik und Laufstärke durchaus für
Impulse in der Offensive sorgen kann, wenngleich Raum öffnende Pässe nicht von
ihm zu erwarten sind. Sofern der Tscheche Galasek am Samstag wieder zur
Verfügung steht, dürfte er vor der Abwehr beginnen. Ob Meyer gegen die
technisch und spielerisch versierten Leverkusener auf die größere Erfahrung des
Duos Paauwe / Galasek setzt oder Levels aufgrund seines starken Spiels eine
weitere Chance auf dieser Position gibt, ist ungewiss.
Borussias Defensive
Das Geschrei wäre wieder groß gewesen: Warum sitzt Marko
Marin in einem wichtigen Abstiegsspiel auf der Bank? Weil es ein wichtiges
Abstiegsspiel war! Die Qualitäten des jungen Marin stehen außerhalb jeglicher
Diskussion, seine nach wie vor vorhandenen Schwächen in der Defensive und im
Zweikampf jedoch auch. In Anbetracht des äußerst spielstarken Leverkusener
Mittelfelds könnte sich Marin erneut auf der Bank wiederfinden, denn Baumjohann
und der beim HSV hoch gehandelte Nationalspieler Marin gemeinsam sorgen für oft
zu große Lücken, die eine Mannschaft wie Bayer schnell und effektiv ausnutzen
könnte. Da der Gegner jedoch meist mit einem traditionellen 4-4-2 agiert,
könnte eine Aufstellung Marins dafür sorgen, dass das Mittelfeld des Gegners
durch erhöhten Abwehrbedarf in der Defensive gebunden wird. Hans Meyer wird
eher nicht sein Heil in der Offensive suchen, daher ist davon auszugehen, dass
Marko Marin Gelegenheit haben wird, die Auswechselbank der Düsseldorfer Fortuna
kennenzulernen.
Die beiden Last-Minute-Tore sorgten auf Seiten der
Gladbacher Fans zwar für Altersgrenzen übergreifende Herzrhythmusstörungen,
zeigen jedoch auch, dass es in beiden Fällen 89 Minuten lang mit dem Tore
erzielen weniger gut funktionierte. In Cottbus wäre schon Mitte der zweiten
Halbzeit Gelegenheit gewesen, das Spiel zu entscheiden, gegen Schalke waren
eindeutige Torchancen über weite Strecken Mangelware. Dass der verletzte Rob
Friend dem Spiel Borussias so offensichtlich fehlt, konnte nicht erwartet
werden. Denn weder Matmour noch Colautti konnten sich in den vergangenen
Spielen nachhaltig als Stürmer Nr. 1 positionieren. Der Israeli Colautti ist
leider auf dem besten Wege, seinen anfangs hohen Kredit bei Fans und Kritikern
zu verspielen. Markus Aretz, Borussias Pressesprecher, veröffentlichte zusammen
mit seinen Kollegen Ingo Rütten und Michael Lessenich zu Beginn der Saison das
Buch „Borussias Legenden - 11 Torjäger. Von Albert Brülls bis Oliver Neuville."
Inzwischen dürfte ein Buch mit dem Titel „Borussias gescheiterte Torjäger - von
Igor Belanow bis Roberto Colautti" zumindest inhaltlich Potenzial haben.
Die taktische Aufstellung des Gastgebers - Heimmannschaft
trifft es in diesem Fall ja weniger - sollte dafür sorgen, dass Matmour erneut
auf der Außenbahn im Mittelfeld beginnt, so dass Colautti erneut Gelegenheit
bekommt, die Veröffentlichung seines Namens im o.a., vorgeschlagenen Buch durch
Tore zu verhindern.
Der Gegner aus
Leverkusen
Das Geschrei war groß in der Landeshauptstadt. Als sich die
Hinrunde der Fußball-Bundesliga dem Ende neigte und somit der Umzug von Bayer
04 Leverkusen von der Baustelle BayArena in die (finanzielle) Baustelle LTU
arena näher rückte, sah man bei Fortuna Düsseldorf den Teufel persönlich in die
Landeshauptstadt ziehen. Und in der Tat, der klassenhöhere und deutlich
reichere Verein aus Leverkusen kleisterte die Stadt Düsseldorf mit Werbepostern
zu, als gäbe es kein Morgen. Selbst in der ehrwürdigen
Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf hingen in nahezu jedem Flur Poster der
„Werkself". Dass Bayer Leverkusen von jeder verkauften Karte einen Euro an
Fortunas Jugendabteilung spendete, hatte dann auch mehr symbolischen Wert. Denn
auch Fortuna ist lediglich Mieter in der modernen LTU arena, die auf Drängen
des verstorbenen Oberbürgermeisters Erwin gebaut wurde und die dem Verein
Fortuna Düsseldorf seitdem mehr schadet als nützt.
Heute, nach sechs absolvierten Ligaspielen und zwei
Begegnungen im DFB-Pokal, ist man in Leverkusen froh, die Poster in der
Landeshauptstadt wieder abhängen zu können. Der von Leverkusen erwartete und
von Fortuna befürchtete Zuschauerandrang ist ausgeblieben, was Beobachter indes
wenig überraschend dürfte. Selbst die „alte" BayArena konnte an Heimspieltagen
lediglich durch das massive Verteilen von Freikarten gefüllt werden, darüber
hinaus ist der Düsseldorfer an sich nicht für seine Sportbegeisterung bekannt.
Nicht einen Sieg konnte die Mannschaft von Bruno Labbadia im Ausweichstadion
für sich verbuchen; die Siege im DFB-Pokal gegen Bayern München und Mainz 05
einmal ausgenommen. Dabei kam Leverkusen als Tabellenfünfter und mit der
Empfehlung einiger berauschender Spiele aus der Hinrunde nach Düsseldorf. Entsprechend
angespannt war die Stimmung der vergangenen Wochen unter'm Bayer-Kreuz.
Somit war die Vorgabe von Bruno Labbadia vor dem Spiel gegen
Borussia Mönchengladbach klar: „Wir wollen uns unbedingt mit einem Sieg aus
Düsseldorf verabschieden." Rein sportlich geht es für Bayer in dieser Saison um
nichts mehr - in den Hinterköpfen der Spieler, der Offiziellen und der Fans ist
bereits der 30. Mai verankert, wenn im Berliner Olympiastadion das
DFB-Pokalendspiel gegen Werder Bremen steigt. Für Bayer Leverkusen die letzte
Möglichkeit, einer insgesamt verkorksten Saison ein versöhnliches Ende zu
bereiten, zumal mit einem Pokalsieg die Qualifikation für das internationale
Geschäft verbunden wäre. Mit dieser Vorgabe war Bruno Labbadia als Trainer in
die Saison gestartet.
Vor dem Hintergrund der erwarteten 25.000 Fans aus Gladbach könnte
sich demnach für Leverkusen eine Auswärtsstimmung präsentieren, was Borussia
zum Nachteil gereichen würde, denn Bayer ist nach dem Münchener Bayern das
zweitbeste Auswärtsteam der Liga. (An dieser Stelle: Dass Borussia zu diesem
Zeitpunkt in der Auswärtstabelle vor Werder Bremen steht, hätte vor der Saison wohl
auch keiner geglaubt).
Leverkusener
Defensive
Es hätte alles so schön werden können. Nach Jens Lehmanns
Rücktritt aus dem Nationalteam war der Weg für die „jungen Wilden", die neue
Generation deutscher Torhüter. Adler, Neuer, Rensing. Die Geschichten waren im
Boulevard schon längst gemalt, Völler, Müller und Hoeneß übertrafen sich
gegenseitig mit Prognosen, welcher Torwart denn nun „die klare Nr.1
Deutschlands" zu sein habe. Dummerweise unterliegen junge Torhüter wie junge
Feldspieler des öfteren Formschwankungen. Und dummerweise gibt es Robert Enke,
der im besten Torhüteralter ist und lediglich den Nachteil hat, bei einem
langweiligen Verein mit einem wenig profilsüchtigen Manager zu spielen. Denn
kaum war die vermeintliche Nachfolge von Lehmann im Tor der Nationalmannschaft
offen, patzten Adler, Neuer und Rensing in schöner Regelmäßigkeit. Bei den
Bayern spielt inzwischen Hans-Jörg Butt, Enke ist die unumstrittene Nummer eins
der DFB-Elf und Adler und Neuer müssen sich gegen (inzwischen berechtige)
Ansprüche eines Tim Wiese oder gegen (lächerliche) Rückkehrgedanken eines Jens
Lehmann erwehren. Dennoch: René Adler ist und bleibt ein hervorragender
Torhüter.
Die Viererkette der Leverkusener kann ebenfalls als
gehobenes Bundesliganiveau bezeichnet werden. Manuel Friedrich ist als
Abwehrchef zwar noch immer weit von der Form entfernt, die ihn noch als Spieler
des FSV Mainz 05 in die Nationalmannschaft spülte, an guten Tagen versprüht der
29-Jährige jedoch vor allem in der Offensive bei Standards große Gefahr
aufgrund seines guten Kopfballspiels. Insgesamt gilt Friedrich als
zweikampfstarker Innenverteidiger, der mitunter jedoch hüftsteif agiert. Neben
Friedrich agierte in den vergangenen Wochen meist der Ex-Kölner Lukas
Sinkiewicz, wenngleich er sich der allgemeinen Leistung seiner
Mannschaftskollegen in der bisherigen Rückrunde weitestgehend anpasste. Auch
Sinkiewicz ist aufgrund seiner bulligen Statur bei Standards zu beachten, gegen
schnelle und wendige Stürmer tut sich der dreifache A-Nationalspieler jedoch
auch schwer. Auf der rechten Seite hatte sich ein weiterer junger Leverkusener
in die Herzen von Jogi Löw gespielt: Der schnelle und laufstarke Gonzalo Castro
debütierte als 19-Jähriger bei der 0:1-Niederlage der Nationalelf gegen
Dänemark, als neben besagtem Castro mit Kießling, Helmes, Freier, Friedrich und
Rolfes insgesamt sechs Spieler auf dem Platz standen, die seinerzeit ihr Gehalt
vom Bayer-Konzern überwiesen bekamen, bzw. wenig später auf die (Helmes) oder
von der rechten Rheinseite (Freier) wechselten. Castros Leistungen in der
laufenden Saison sind wie ein Spiegelbild der gesamten Mannschaft. Entweder
alle spielen im Kollektiv gut oder schlecht. Einer der besseren Spieler in
diesem Kollektiv ist seit Saisonbeginn Michal Kadlec, Sohn des früheren
Kaiserslauterers Miroslav Kadlec, der im Sommer 2008 aus Prag nach Leverkusen
transferiert wurde. Kadlec wird auch am Samstag gegen Borussia auf der Position
des linken Verteidigers auflaufen und es dort meist mit Karim Matmour auf
Gladbacher Seite zu tun bekommen.
Im defensiven Mittelfeld ist Simon Rolfes zu Hause. In
bester Leverkusener Tradition - remember Carsten Ramelow! - agiert Rolfes im
nunmehr vierten Jahr in der Werkself genauso unauffällig wie erfolgreich vor
der Abwehr, nachdem er 2005 Alemannia Aachen Richtung Leverkusen verließ. Auch
in der Nationalmannschaft hat sich Rolfes mit seiner unspektakulären, aber
modernen Interpretation seiner Position einen Stammplatz erkämpft und dabei im
Verbund mit Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart den alten Leitwolf Thorsten
Frings verdrängt. Inzwischen gehört Simon Rolfes mit seinen 27 Jahren zu den
ältesten und erfahrensten Spielern im Kader. Seine Ernennung zum Kapitän folgte
damit dieser Logik. Arturo Vidal, der Rolfes schon einige Male und meist mit
guten Leistungen im defensiven Mittelfeld flankierte, fällt gelbgesperrt für
die Partie am Samstag aus. Wie Trainer Labbadia betonte, gebe es mehrere
Alternativen, eine endgültige Entscheidung wollte er jedoch erst nach dem
Abschlusstraining am Freitag treffen. Viel spricht dafür, dass der Schweizer
Nationalspieler Tranquillo Barnetta für den Chilenen Vidal ins Team rückt und
damit eine offensivere Variante darstellen würde.
Leverkusener
Offensive
Ohne Frage, die Offensive des Gastgebers spielt an guten
Tagen jede Mannschaft der Bundesliga an die Wand. Welches Potenzial in dieser
jungen Mannschaft steckt, bewiesen Kießling, Helmes, Barnetta & Co. in der
Hinrunde mitunter eindrucksvoll. Die Siege über Hoffenheim (5:2), in Bremen
(2:0) oder gegen Wolfsburg (2:0) wurden in der Regel spielerisch eindrucksvoll
erzielt. Auch im DFB-Pokalviertelfinale gegen Bayern München (4:2) sah ganz
Fußball-Deutschland, zu welchem Fußball Bayer Leverkusen in der Lage ist. Doch
ist der status quo kein Spiegelbild nur der laufenden Saison - schon seit
Jahren stirbt die Werkself zu oft in Schönheit und lässt weitere elementare
Dinge wie Kaltschnäuzigkeit und kühlem Ergebnisfußball á la Bayern München
vermissen.
Am deutlichsten spiegelt Patrick Helmes diese Charakteristik
wider. Der Ex-Kölner, für viele Experten der talentierte „Poldi", konnte
bereits 20 Tore erzielen, schießt mit beiden Füßen nahezu gleich stark, fackelt
vor dem Tor nie lange, ist schnell und verfügt über ein passables
Kopfballspiel. Dennoch gibt es Partien, in denen der ehemalige
Regionalliga-Torschützenkönig am Ende nur knapp einen zweistelligen Wert an
Ballkontakten aufweisen kann. Labbadia hielt trotz aller Kritik beharrlich am
jungen Stürmer fest, wohl auch mangels Alternativen. Angelos Charisteas, im
Winter vom 1.FC Nürnberg verpflichtet, leidet wohl noch heute an den
Kopfballtoren, dank derer sein Heimatland Griechenland 2004 sensationell
Europameister in Portugal wurde. Ein besonders hochklassiger Stürmer war
Charisteas schon damals nicht. Doch die Muster sind ebenso bekannt wie (immer
wieder) verstörend: Tritt ein vormals unbekannter Spieler auf großer Bühne in
Erscheinung, werden europaweit die Scheckbücher gezückt. So verschlug es den
mäßig talentierten Charisteas nach der besagten Europameisterschaft sogar zu
Ajax Amsterdam. Von diesem Wechsel profitierte seinerzeit auch Borussia, denn
da man bei Ajax offensichtlich der Meinung war, mit Charisteas einen
internationalen Top-Stürmer verpflichtet zu haben, ließ man einen gewissen
Wesley Sonck für vergleichsweise wenig Geld zum BorussiaPark ziehen.
Neben Helmes wird Stefan Kießling auflaufen, der es in
dieser Saison schon auf immerhin elf Saisontore bringen konnte. Der
Ex-Nürnberger wurde immer mal wieder -vorrangig von Rudi Völler - in den
Dunstkreis der Nationalmannschaft gebracht, absolvierte im Dress des DFB auch
zwei A-Länderspiele. An der Klasse eines Mario Gomez oder Miroslav Klose reicht
Kießling allerdings nicht heran. Mit Helmes scheint Kießling jedoch einen
geeigneten Sturmpartner gefunden zu haben, die beiden harmonieren mitunter
prächtig, bewegen sich viel und verfügen über ausreichend technisches und
spielerisches Talent, um ganze Abwehrreihen alleine ausspielen zu können.
Seit einigen Wochen konnte sich Toni Kroos in die Stammelf
spielen und wird auch am Samstag beginnen. Der in der Winterpause vom FC Bayern
gewechselte Kroos galt neben Marko Marin als das größte deutsche Talent, doch
ähnlich wie der Mönchengladbacher Nationalspieler musste Kroos feststellen,
dass der Weg vom Bundesliga- zum Nationalspieler weit ist und mit stetig guten
Leistungen untermauert werden muss. Verteidigend muss beim jungen Kroos, dass
er sich in München mit Konkurrenten anderen Kalibers messen musste als dies bei
Marin in Gladbach der Fall ist. Der Schritt „zurück" nach Leverkusen scheint
für den bei Hansa Rostock ausgebildeten Spielmacher jedoch der richtige gewesen
zu sein.
Fehlt da nicht noch etwas? Richtig, denn auch nach dem
Abschied von Rainer Calmund spielen in Leverkusen Brasilianer, und das traditionell
erfolgreich. Renato Augusto ist der Dauerbrenner in Leverkusens Mittelfeld,
bestritt alle 32 Partien und stand dabei nur zweimal nicht in der
Anfangsformation. Augusto kam im Sommer 2008 vom berühmten brasilianischen Club
Flamengo Rio de Janeiro an den Rhein. Am Zuckerhut genießt Bayer 04 Leverkusen
anscheinend nach wie vor einen guten Ruf.
Schiedsrichter
Stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Bilanz
Dass die Bilanzen gegen einen Großteil der Bundesligaclubs
aus Gladbacher Sicht aufgrund der chronischen Auswärtsschwäche der letzten 10
Jahre inzwischen verhagelt ist, ist aufmerksamen Lesern schon aufgefallen.
Bayer Leverkusen scheint für die Fohlenelf ein inzwischen unbesiegbarer Gegner
zu sein, auswärts wie zu Hause. In 64 Pflichtspielduellen verließ der
fünfmalige deutsche Meister vom Niederrhein nur 18-mal als Sieger den Platz.
Der letzte Sieg liegt sage und schreibe 15 (in Worten: fünfzehn!) Jahre zurück,
überhaupt gelangen in den letzten zwanzig Jahren nur drei Siege. Niederlagen
gegen die Werkself fallen auch gerne etwas höher aus (2:8, 1:5, 0:5, 1.4), und
das berühmte 2:2 gelang letztmalig vor sechs Jahren - mit einem Last-Minute-Tor
von Morten Skoubo bei strömenden Regen am Bökelberg. Übrigens damals ein extrem
wichtiger Punktgewinn auf dem Weg zum Klassenerhalt.
Aufstellungen
Leverkusen: Adler - Castro, Friedrich, Sinkiewicz, Kadlec -
Rolfes - Barnetta, Kroos, Augusto - Helmes, Kießling
Ersatz: Kiraly, Haggui, Schwegler, Schneider, Charisteas,
Gresko, Sarpei
Es fehlen: Zdebel, Henrique, Vidal
Borussia:
Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Daems - Galasek, Levels - Matmour, Bradley,
Baumjohann - Colautti
Ersatz: Heimeroth, Kleine, Neuville, Marin, Callsen-Bracker,
van den Bergh, Lamidi
Es fehlen: Gohouri, Friend, Jaures, Alberman
SEITENWAHL-Meinung
Thomas Zocher: Als Uerdingen 05 offiziell noch Bayer
Uerdingen hieß, musste die Borussia am Ende einer wahren Horrorsaison an einem
letzten Spieltag in die Grotenburg. Beiden Teams genügte je ein Zähler um den
Klassenerhalt einzufahren. Während man Kindern, die an jenem 12.05.1990 geboren
wurden, derzeit knapp nachträglich zur Volljährigkeit gratuliert, konnte man
nach dem Match damals beiden Teams (zum Nachteil des in die Relegation
geschickten VfL Bochum) direkt zum Klassenverbleib gratulieren. Bei dem
ehemaligen Stallgefährten Uerdingens, Bayer Leverkusen, holt die Borussia in
Düsseldorf an diesem Spieltag ein 1:1 und wird hoffen, dass das ebenso zum
Ligaerhalt reicht wie einst im Mai 1990.
Michael Heinen: Borussia gelingt ein 1:1 in Düsseldorf und
sichert damit den Klassenerhalt.
Mike Lukanz: Dass die Fans der Gastmannschaft einen kürzeren
Weg zum Spiel haben als die der Gastgeber, ist ungewohnt. Da der Gast mehr
Zuschauer dabei haben wird, auch. Nach dem 3:1-Triumph in der LTU arena werden
alle glücklich sein. Gladbach, dass der Klassenerhalt geschafft ist,
Leverkusen, dass das Gastspiel in Düsseldorf endlich vorbei ist und Fortuna,
dass bald keine Poster mehr in ihrer Stadt und ihrer Uni hängen. Außerdem
fließen nach diesem Spieltag 25.000 Euro aus von Gladbachern gekauften Karten
in die Schuldentilg ... ääh ... Jugendarbeit Fortunas. Toll!
Christoph Clausen: Der Klassenerhalt ist zum Greifen nah und
wäre mit einem Sieg wohl sicher. Je nach den Ergebnissen der anderen reicht es
aber vielleicht auch schon, wenn Gladbach und Leverkusen sich 2:2 trennen.
Nicht zum ersten Mal, wie man sich erinnern wird.
Christian Heimanns: Wenn das Spiel nur eine, und zwar die
90., Minute hätte, wäre mein Tipp klar. Die Vorspielzeit zu verkürzen wird aber
wohl nicht in Frage kommen, darum gibt es ein 0:1 für Leverkusen. (Was denn?
Dieser Tipp hat gegen das andere 04 auch Glück gebracht.)
Christian Spoo: Nach den Jubelfeiern vom Sonntag und
Mittwoch möchten Borussias Fans in Düsseldorf gerne schon den Klassenerhalt
feiern. Ganz sicher werden wir trotz weiterer Patzer der Konkurrenz aber nicht
sein, denn Bayer Leverkusen wird das Spiel mit 2:1 gewinnen.
Thomas Häcki: Seit 1989 gab es in 18 Heimspielen 14
Unentschieden, daher ... Ach? Wir spielen auf neutralem Platz gegeneinander?
Das hatten wir noch nicht. Der letzte Sieg gelang übrigens in Leverkusen, aber
da spielt ja im Moment niemand mehr. Also tippe ich mal ein 0:0, welches
Gladbach in die Lage versetzt, die nächste Saison planen zu können.
Hans-Jürgen Görler: Am 31. Spieltag tippte ich ein 0:0, kurz
vor dem Abpfiff fiel das 1:0. Am 32. Spieltag tippte ich ein 1:1, in der
Nachspielzeit gelang das 1:0. Somit liegt mein Tipp für die Partie in
Düsseldorf auf der Hand. Die Borussia erkämpft sich ein 2:2. Und dann kommt die
Nachspielzeit ...
Der Gegner im Internet: www.bayer04.de
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