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Bundesligacheck 2009/2010: Die Abstiegskämpfer |
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Geschrieben von Christoph Clausen und Christian Spoo
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Dienstag, 21 Juli 2009 |
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Hannover 96
Manche Bezeichnung hört man nicht
gern. Wer publicitygierig und talentarm genug ist, um sich im Dschungelcamp
einzuquartieren, möchte dennoch nicht als verzweifelter C-Promi gelten. Das
einstige Top-Model, das inzwischen Wonderbra und pfundweise Make-Up zu Hilfe
nimmt, um die Spuren des Alterns zu verschleiern, hört den Begriff verblühte
Schönheit gar nicht gern. Und bei Hannover 96 schätzt man es nicht, in einem
Atemzug mit dem Wort Abstiegskampf genannt zu werden. Nun war diese Einstufung
auch im Kreis dieser Redaktion nicht unumstritten, denn es gibt durchaus
Argumente, die für ein Abschneiden im gesicherten Mittelfeld sprechen.
Zumindest auf dem Papier sollte der Kader dafür genug Substanz besitzen, zumal
Nationaltorwart Enke wenigstens für diese Saison noch gehalten werden konnte.
Und so enttäuschend die letzte Spielzeit verlief, am Ende holten die 96er,
trotz erheblichen Verletzungspechs, immerhin solide 40 Punkte.
Gleichwohl: Sorgenfrei können die
Niedersachsen schwerlich auf die neue Spielzeit blicken. Ob die
Systemumstellung vom Ein-Stürmer-System auf ein 4-4-2 wirklich mehr offensive
Variabilität und mehr defensive Stabilität zugleich bewirkt, bleibt abzuwarten.
Beides wäre jedenfalls bitter nötig. Offensiv war man zu sehr von Arnold
Brugginks Scorerqualitäten abhängig, die der Niederländer erneut erst in der
Rückrunde entdeckte. Forssell, Stajner und Hanke blieben oft unter ihren
Möglichkeiten, und ein Ende der Verletzungssaga Jan Schlaudraffs ist weiterhin
nicht in Sicht.
Vor allem die teils katastrophalen
Defensivleistungen aber drückten die 96er, neben der nicht minder desaströsen
Auswärtsbilanz. 69 Gegentore: Das schaffte noch nicht einmal einer der drei Absteiger.
Neben der Systemumstellung und der Rückkehr der lange verletzten Cherundulo und
Vinicius richten sich die Hoffnungen vor allem auf den ablösefrei
verpflichteten Karim Haggui. In Leverkusen zumindest lieferte der tunesische
Nationalspieler meist grundsolide Leistungen ab. Mit ihm und Christian Schulz
soll die Innenverteidigung wieder zu der Stabilität finden, die ihr Eggimann,
Fahrenhorst und Ismaël nicht geben konnten. Ismaël beendete inzwischen wie
Tarnat seine Karriere, Fahrenhorst wechselte nach Duisburg. Schulz aber, zuvor
im defensiven Mittelfeld beheimatet, hat sich nach einigem Sträuben inzwischen
mit der Versetzung in die Viererkette angefreundet und war dort in der
Spätphase der letzten Saison meist noch bester Hannoveraner Verteidiger.
Nach den großen Sprüchen und
Ausgaben der letzten Saison wählt Hannover diesmal die leisen Töne und einen
radikalen Sparkurs. An Zugängen sind neben Haggui nur Perspektivspieler zu
verzeichnen: Constant Djakpa, Valdet Rama und der von den Amateuren beförderte
Sofien Chahed. Unter dem Strich bleibt: Hannover 96 wirft derzeit genug Fragen
auf, um die Einordnung als Abstiegskandidat zu rechtfertigen. Fruchtet aber die
taktische Umstellung und wird man diesmal von Verletzungen weniger stark
gebeutelt, so könnte sich herausstellen, dass 96 im Dschungelcamp nichts
verloren hat.
Eintracht Frankfurt
Keine Kontroverse gab es
redaktionsintern bei der Einordnung der Eintracht. Wer punkt- und torgleich mit
Bielefeld Letzter der Rückrundentabelle war und insgesamt gleich dreizehn
Punkte weniger holte als in der Saison zuvor, der wird sich über die Prognose
Abstiegskampf kaum ernsthaft beschweren können. Zumal die finanzielle Situation
auf dem Transfermarkt keine großen Sprünge zuließ: Innenverteidiger Maik Franz
kam für 700.000 Euro aus Karlsruhe, Pirmin Schwegler für eine halbe Million aus
Leverkusen. Schwegler, um den man lange mit den Bayer-Verantwortlichen
feilschte, soll die Lücke im defensiven Mittelfeld schließen, die die Abgänge
von Fink und Inamoto gerissen haben. Ansonsten beschränkte man sich auf
ablösefreie Neuzugänge, wobei neben manch Ergänzungsspielern mit Selim Teber
aus Hoffenheim und dem großen Torwarttalent Ralf Fährmann aus Schalke zwei
durchaus vielversprechende darunter sind.
Am meisten Beachtung aber fand der
Neuankömmling auf der Trainerbank. Friedhelm Funkel hatte trotz treuester
Rückendeckung seitens der Vereinführung entnervt das Handtuch geworfen,
zermürbt von der immer aggressiveren Dauerkritik des Publikums. Vor allem auch
die wenig ansehnliche Spielweise verärgerte die Fans. Die war nichts Neues,
aber in den vergangenen Jahren hatten wenigstens die Resultate gestimmt. Um mit
Jorge Valdano zu sprechen: „Wenn das ergebnisorientierte Spiel keine Ergebnisse
bringt, nennt man es dann immer noch so?" Unter Michael Skibbe soll das alles
anders werden. Offensiven, attraktiven und erfolgreichen Fußball stellt der
neue Trainer in Aussicht und setzt insbesondere auf den Brasilianer Caio große
Hoffnungen. Die konnte der Spielmacher, vor einem Jahr für die Frankfurter
Rekordsumme von 3,8 Millionen verpflichtet, im letzten Jahr zwar nie erfüllen,
wozu auch manche Unpässlichkeit ihr Teil beitrug. In dieser Saison aber soll
Caio sein wahres Leistungsvermögen zeigen, weshalb Skibbe mit verbalen Streicheleinheiten
nicht spart.
Die Vorbereitung indes war bislang
nur sehr bedingt geeignet, Aufbruchsstimmung zu entfachen. Dem
überzeugenden Sieg gegen Teplice standen vier Niederlagen nebst einem blamabel
mühsamen Erfolg gegen den Fünftligisten Stadtallendorf entgegen. Nun hat Skibbe
zwar Recht damit, dass es kaum Unwichtigeres gibt als Testspielergebnisse. Aber
insbesondere von der Art und Weise, wie sich seine Spieler beim 0:3 gegen den
kroatischen Erstligisten Osijek präsentierten, zeigte sich der sonst so
optimistische Coach nachhaltig schockiert. Einmal in Fahrt gekommen, monierte
Skibbe gleich auch die Disziplin einiger außerhalb des Platzes und drohte
Suspendierungen an. Mag sein, dass sich die Dinge bessern, wenn die
verletzungsgeplagten Amanatidis, Fenin und Chris wieder im Vollbesitz ihrer
Kräfte sind. Vorerst aber spricht manches dafür, dass der Eintracht erneut eine
höchst ungemütliche Saison bevorsteht.
VfL Bochum
Noch weniger umstritten
als im Fall Frankfurt ist die Einordnung des VfL Bochum in die Kategorie der
Abstiegskandidaten. Ist man als Borussenanhänger aufgerufen, die Mannschaften
aufzuzählen, die der eigene Verein hinter sich lassen kann, ist der andere VfL
immer dabei, eher noch als zum Beispiel der Aufsteiger Nürnberg. Man möchte
glatt die Phrase von der psychologischen Wichtigkeit auspacken angesichts der
Tatsache, dass just diese beiden Vereine, wohl neben den Aufsteigern die
Kellerkandidaten eins und zwei, direkt zum Saisonauftakt gegeneinander antreten
dürfen bzw. müssen.
Im Vergleich zur Vorsaison hat
sich das Team des VfL nur unwesentlich verändert. Zwei Neuzugänge nur sollen
die Mannschaft verstärken, verlassen haben den VfL ausschließlich Spieler, die
der Verein nicht mehr haben wollte. Trainer Marcel Koller durfte, wenngleich
nach nur elf Punkten in der Hinrunde im Winter noch „auf der Kippe" letzten
Endes bleiben.
Die Bochumer Abwehr bleibt
unverändert, trotz 55 Gegentoren in der vergangenen Saison. Das
Innenverteidigerduo Maltritz/Mavraj genießt das Vertrauen des Trainers. Im Tor
bewährte sich zum Ende des Spielzeit Philipp Heerwagen, der seinen Platz
zunächst sicher haben dürfte.
Der Schwede Andreas Johansson
wurde vom BK Halmstad nach Bochum geholt. Nach über zwölf Jahren an der
schwedischen Ostküste wagt der einmalige Nationalspieler des Dreikronenteams
noch einmal etwas Neues. Bei Bochum soll er die Position vor der Abwehr
bekleiden und damit die Defensive stärken. Christoph Dabrowski, bisweilen
gemeinsam mit Daniel Imhof dort aufgeboten, kann seine Stärken im Spiel nach
vorne im linken Mittelfeld besser einbringen. Paul Freier war in der
vergangenen Spielzeit oftmals nur ein Schatten seines früheren selbst, auch
Mimoun Azouagh vermochte nur selten zu überzeugen. Wenn diese beiden ihr
fraglos vorhandenes Potenzial ausschöpfen, nur dann dürfte das Bochumer spiel
ansehnlicher und erfolgreicher ausfallen, als im Vorjahr. Gut in Form zeigte
sich zum Ende der Saison der Kameruner Joel Epallé, der damit die Position
hinter den Spitzen zunächst sicher haben sollte. Der vor Jahresfrist auch in
Gladbach als potenzieller Neuzugang gehandelte Dennis Grote hat die Erwartungen
nicht erfüllt.
Im Bochumer Angriff hat sich
vergleichsweise viel getan. Dass es keine gute Idee war, allein auf die
Treffsicherheit von Stanislav Sestak zu setzen, zeigte sich spätestens, als der
Slowake sich in der Hinrunde verletzte und erst spät in der Saison wieder
richtig in Tritt kam. Vahid Hashemian hat die Erwartungen, die an seine
Rückkehr geknüpft waren, noch deutlich weniger erfüllt, als Kollege Freier. So
holte der VfL im Winter Diego Klimowicz, noch einen Mann, den viele Gladbacher
Fans gerne im eigenen Trikot gesehen hätten. Der Argentinier steuerte immerhin
vier Tore zum Klassenerhalt bei. Ein Angriff Sestak / Klimowicz ist sicher der
im Vergleich potenziell stärkste Mannschaftsteil des VfL. Außerdem wurde mit
Zlatko Dedic ein weitere Angreifer internationalen Formats verpflichtet, so
dass Bochum den Ausfall eines Stürmers nun kompensieren können sollte.
Im Vergleich zu Borussia hat der
VfL im Sturm möglicherweise einen gewissen Vorteil, kann er doch zwei
bundesligaerfahrene Torjäger aufbieten. Allerdings ist es schon bemerkenswert,
dass mit Diego Klimowicz ein Mann den Hoffnungsträger gibt, der unwesentlich
jünger ist als Oliver Neuville, den viele in Gladbach nur noch als
trikotragenden Vorruheständler einordnen. Abgesehen davon spricht wenig dafür,
dass Bochum eine bessere Saison spielt, als 2008/09.
SEITENWAHL-Prognose:
Christoph Clausen: Hannover Platz 10-14, Frankfurt
und Bochum Platz 13-16
Christian Spoo: Hannover Platz 12-15, Frankfurt
13-14, Bochum 17
Mike Lukanz: Hannover 10-12, Frankfurt 15-18, Bochum 17-18
Vorherige Beiträge zum Thema
SEITENWAHL-Bundesligacheck
2009/2010: Die Aufsteiger
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