|
|
Home Freie Autoren SEITENwechsel, der 5.
|
SEITENwechsel, der 5. |
|
|
Geschrieben von Mike Lukanz
|
|
Montag, 04 September 2006 |
Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken
und staunen. Seit 1997 bereit beobachtet Seitenwahl für seine Leser
das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide
Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der
Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben
einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei,
Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf
Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.
Lieber Mike,
Gladbach muss absteigen! Ja, du magst zusammenzucken, aber
das wäre für
uns alle das Beste. Zuvor zwar sollten Bremen, Hamburg,
Berlin,
Leverkusen und auch Dortmund ihren Platz räumen,
selbstverständlich.
Doch im Endeffekt gehört auch die Borussia raus aus der
Liga. Aus der
Regionalliga Nord wohlgemerkt.
Die VfL-Fans zeigten am
Samstag beim Heimspiel gegen Wuppertal eindeutig
Flagge: "Nein zum faulen
Kompromiss!" stand da auf einem riesigen
Transparent in der Ostkurve. Applaus
gab es dafür auch aus Wuppertal.
Doch das ursprünglich so ambitionierte
Reformprojekt, ab der
übernächsten Saison eine eingleisige Regionalliga ohne
Amateurteams der
Bundesligisten einzuführen, scheint in weiter Ferne.
Spätestens seitdem
auch DFB-Präsident Theo Zwanziger davon abgerückt ist und
es ihn auf die
Seite der Budesliga-Multis aus Bremen und München zog.
VfL-Manager
Lothar Gans liegt wohl richtig, wenn er das Umschwenken
Zwanzigers als
"unverschämt" abkanzelt und vermutet, der DFB-Präsident "will
bei dem
Bundestag, bei dem er zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt wird,
keine
Konflikte und keine Gegenstimmen. Seine Krönung soll
störungsfrei
verlaufen."
Dabei spricht wenig gegen die
Regionalliga-Reform. Die Spiele einer
neuen dritten Profiliga ließen sich
allemal im Fernsehen besser
vermarkten als zwei Regionalligen, in denen im
Norden sechs, im Süden
fünf Amateurteams mitkicken. Das heißt, an jedem
Wochenende finden
mehrere Spiele vor wenigen hundert Fans statt, weil es für
eine der
beiden Mannschaften - neuerdings auch für Gladbach II - Jahr für
Jahr
nur darum geht, nicht abzusteigen; und weil die Spiele der
'Großen'
ohnehin viel interessanter sind. Sicher: Ohne eine
eigene
Amateur-Team-Liga - die derzeit einerseits komplett
aussichtslos,
andererseits wohl wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss
ist -,
bliebe das Problem eine Liga tiefer dasselbe. Die Oberligen würden
dann
zum Sammelbecken der zweiten Mannschaften. Doch erstens würden
die
Zwoten auf drei Ligen verteilt, nicht wie bisher auf zwei;
außerdem
spielten in der dann amateurklub-freien Regionalliga nahezu jede
Woche
in allen Stadien Traditionsmannschaften gegeneinander,
ein
Zuschauerinteresse nahe dem der Zweiten Bundesliga wäre absehbar.
Und:
Alle Mannschaften könnten auf- und absteigen,
Wettbewerbsverzerrungen
wie jene vom vergangenen Samstag, als der Dortmunder
Profi Sinesie in
der Regionalliga zwei Treffer markierte, weil der 'große' BVB
Spielpause
hatte, gäbe es nicht mehr.
Gladbachs Zwote müsste, gerade
aufgestiegen, dann wieder runter.
"Gemeinwohl schlägt die Einzelinteressen",
betont Ex-Köln- und jetzt
Augsburg-Manager Andreas Rettig. Wirtschaftlich
wäre die Neuregelung für
Klubs, die aus der zweiten Liga absteigen, weit
weniger gefährlich. Sie
könnten nicht mehr so leicht einige Saisons in der
Bedeutungslosigkeit
verschwinden, wie das Fortuna Düsseldorf oder teilweise
auch dem FC St.
Pauli verheißen war: Beim Abstieg würden die TV-Gelder nicht
von ca.
vier Millionen auf 375.000 Euro einbrechen. Eine Million Euro wäre
den
Klubs der Drittligisten wohl dann noch gewiss.
"Diese Regelung
wäre eine Katastrophe für uns", sagt Werders
Nachwuchs-Cheftrainer Thomas
Wolter. Viele andere Bundesligisten
widersprechen: Leverkusens Wolfgang
Holzhäuser streitete für das neue
Regionalliga-Modell, Hannovers Ilja Kaenzig
schüttelt ebenso den Kopf
über die vermeintlich stichhaltigen Argumente aus
Bremen und München:
"Entscheidend ist nicht die Klasse, in der die zweiten
Mannschaften
spielen, sondern, dass die Bundesliga-Trainer den Talenten eine
echte
Chance geben." Wolfsburg-Trainer Klaus Augenthaler stimmt zu: "Ich
sehe
im Trainingsbetrieb, ob einer was kann und das Zeug
zum
Bundesliga-Spieler hat." Holzhäuser ist sich sicher, die
geplante
Neuregelung wäre "optimal für die Förderung des Nachwuchses". Recht
hat
er: Die Nachwuchsförderung wäre auf die breitere Basis von viel
mehr
Vereinen gestellt, die in der dann neu organisierten
Regionalliga
spielen; und auch in den Amateurteams der
Bundesliga-Mannschaften wird
ja weiter Jugendarbeit gemacht. Wieso also das
neue Modell ablehnen?!
Der nach den neuesten Querelen von VfL-Manager
Lothar Gans vorgestellte
Kompromiss sieht nun eine Regionalliga mit 22 Klubs
vor - inklusive vier
Amateur-Mannschaften von Bundesliga-Klubs. Das ist
halbgar, aber immer
noch besser als bisher. Mir kann nämlich niemand
erzählen, dass der SV
Wehen lieber gegen 1860 München II spielt als gegen St.
Pauli oder
Dynamo Dresden. Für den VfL kommt diese Neuordnung ohnehin zu spät
- wir
spielen dann schon Zweite Liga.
Gladbach muss absteigen, oder?
SEITENwechsel!
Beste Grüße,
Maik
|
|