Bundesliga 2011/2012

Tabelle

Intern / Interaktiv

Impressum
Home arrow Freie Autoren arrow SEITENwechsel, der 5.
SEITENwechsel, der 5. Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Montag, 04 September 2006
ImageAuf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereit beobachtet Seitenwahl für seine Leser das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 gibt es nun den SEITENwechsel: Seitenwahl und VfLog haben einen Briefwechsel begonnen, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf Seitenwahl und auf dem VfLog dienstags nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht.

Lieber Mike,

Gladbach muss absteigen! Ja, du magst zusammenzucken, aber das wäre für
uns alle das Beste. Zuvor zwar sollten Bremen, Hamburg, Berlin,
Leverkusen und auch Dortmund ihren Platz räumen, selbstverständlich.
Doch im Endeffekt gehört auch die Borussia raus aus der Liga. Aus der
Regionalliga Nord wohlgemerkt.

Die VfL-Fans zeigten am Samstag beim Heimspiel gegen Wuppertal eindeutig
Flagge: "Nein zum faulen Kompromiss!" stand da auf einem riesigen
Transparent in der Ostkurve. Applaus gab es dafür auch aus Wuppertal.
Doch das ursprünglich so ambitionierte Reformprojekt, ab der
übernächsten Saison eine eingleisige Regionalliga ohne Amateurteams der
Bundesligisten einzuführen, scheint in weiter Ferne. Spätestens seitdem
auch DFB-Präsident Theo Zwanziger davon abgerückt ist und es ihn auf die
Seite der Budesliga-Multis aus Bremen und München zog. VfL-Manager
Lothar Gans liegt wohl richtig, wenn er das Umschwenken Zwanzigers als
"unverschämt" abkanzelt und vermutet, der DFB-Präsident "will bei dem
Bundestag, bei dem er zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt wird, keine
Konflikte und keine Gegenstimmen. Seine Krönung soll störungsfrei
verlaufen."

Dabei spricht wenig gegen die Regionalliga-Reform. Die Spiele einer
neuen dritten Profiliga ließen sich allemal im Fernsehen besser
vermarkten als zwei Regionalligen, in denen im Norden sechs, im Süden
fünf Amateurteams mitkicken. Das heißt, an jedem Wochenende finden
mehrere Spiele vor wenigen hundert Fans statt, weil es für eine der
beiden Mannschaften - neuerdings auch für Gladbach II - Jahr für Jahr
nur darum geht, nicht abzusteigen; und weil die Spiele der 'Großen'
ohnehin viel interessanter sind. Sicher: Ohne eine eigene
Amateur-Team-Liga - die derzeit einerseits komplett aussichtslos,
andererseits wohl wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss ist -,
bliebe das Problem eine Liga tiefer dasselbe. Die Oberligen würden dann
zum Sammelbecken der zweiten Mannschaften. Doch erstens würden die
Zwoten auf drei Ligen verteilt, nicht wie bisher auf zwei; außerdem
spielten in der dann amateurklub-freien Regionalliga nahezu jede Woche
in allen Stadien Traditionsmannschaften gegeneinander, ein
Zuschauerinteresse nahe dem der Zweiten Bundesliga wäre absehbar. Und:
Alle Mannschaften könnten auf- und absteigen, Wettbewerbsverzerrungen
wie jene vom vergangenen Samstag, als der Dortmunder Profi Sinesie in
der Regionalliga zwei Treffer markierte, weil der 'große' BVB Spielpause
hatte, gäbe es nicht mehr.

Gladbachs Zwote müsste, gerade aufgestiegen, dann wieder runter.
"Gemeinwohl schlägt die Einzelinteressen", betont Ex-Köln- und jetzt
Augsburg-Manager Andreas Rettig. Wirtschaftlich wäre die Neuregelung für
Klubs, die aus der zweiten Liga absteigen, weit weniger gefährlich. Sie
könnten nicht mehr so leicht einige Saisons in der Bedeutungslosigkeit
verschwinden, wie das Fortuna Düsseldorf oder teilweise auch dem FC St.
Pauli verheißen war: Beim Abstieg würden die TV-Gelder nicht von ca.
vier Millionen auf 375.000 Euro einbrechen. Eine Million Euro wäre den
Klubs der Drittligisten wohl dann noch gewiss.

"Diese Regelung wäre eine Katastrophe für uns", sagt Werders
Nachwuchs-Cheftrainer Thomas Wolter. Viele andere Bundesligisten
widersprechen: Leverkusens Wolfgang Holzhäuser streitete für das neue
Regionalliga-Modell, Hannovers Ilja Kaenzig schüttelt ebenso den Kopf
über die vermeintlich stichhaltigen Argumente aus Bremen und München:
"Entscheidend ist nicht die Klasse, in der die zweiten Mannschaften
spielen, sondern, dass die Bundesliga-Trainer den Talenten eine echte
Chance geben." Wolfsburg-Trainer Klaus Augenthaler stimmt zu: "Ich sehe
im Trainingsbetrieb, ob einer was kann und das Zeug zum
Bundesliga-Spieler hat." Holzhäuser ist sich sicher, die geplante
Neuregelung wäre "optimal für die Förderung des Nachwuchses". Recht hat
er: Die Nachwuchsförderung wäre auf die breitere Basis von viel mehr
Vereinen gestellt, die in der dann neu organisierten Regionalliga
spielen; und auch in den Amateurteams der Bundesliga-Mannschaften wird
ja weiter Jugendarbeit gemacht. Wieso also das neue Modell ablehnen?!

Der nach den neuesten Querelen von VfL-Manager Lothar Gans vorgestellte
Kompromiss sieht nun eine Regionalliga mit 22 Klubs vor - inklusive vier
Amateur-Mannschaften von Bundesliga-Klubs. Das ist halbgar, aber immer
noch besser als bisher. Mir kann nämlich niemand erzählen, dass der SV
Wehen lieber gegen 1860 München II spielt als gegen St. Pauli oder
Dynamo Dresden. Für den VfL kommt diese Neuordnung ohnehin zu spät - wir
spielen dann schon Zweite Liga.

Gladbach muss absteigen, oder? SEITENwechsel!
Beste Grüße,
Maik