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Geschrieben von Mike Lukanz
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Montag, 24 August 2009 |
Jeder wusste, dass es irgendwann passieren musste.
Selbst die kühnsten Optimisten wussten, dass es nicht dauerhaft so weitergehen
konnte. Aus einem hässlichen Entlein wird nicht binnen weniger Wochen ein
schöner Schwan, allen Hollywoodfilmen zum Trotz. Dass Borussia jedoch so
frühzeitig wieder ihr extrem hässliches Auswärtsgesicht zeigen würde,
enttäuscht. Werder Bremen war schon vor der Partie die stärkere Mannschaft, mit
dem größeren Potenzial. Warum Michael Frontzeck diesem Umstand durch eine
defensive Taktik bereits vor dem Anstoß Rechnung trägt, bleibt
sein Geheimnis. Im Fußball geht's eben nicht nur um Taktik, sondern auch um
viel Psychologie.
Trainer, oder Fußballlehrer, wie sie neudeutsch heißen,
besitzen ein oft distanziertes, ja, angespanntes Verhältnis zu Journalisten.
Daran haben Letztere oft erhebliche Schuld durch Vereinfachung, Überspitzung
und Weglassen von Details. In einem jedoch gleichen sich die meisten Trainer:
Sie rechtfertigen sich ungern. Vor allem nicht gegenüber außenstehenden
Dritten. Hans Meyer, Otto Rehhagel oder Udo Lattek reagierten auf Nachfragen
zur gewählten Taktik unwirsch, die jungen Trainer der Bundesliga wählen andere,
umschreibendere Worte: Es komme nicht auf die Taktik an, sondern einzig darauf,
wie die Spieler dies umsetzten, heißt es oft. Diese Relativierung wird
nachfragenden Journalisten zumeist nach Niederlagen in ihre Diktiergeräte
gesprochen. Diese Ansicht ist zugleich billig und recht, aber leider auch zu
kurz gedacht. Es ist also nicht die Taktik (und noch weniger der Trainer), die
über ein Spiel entscheidet, sondern lediglich die Umsetzung. Dass mit einer
Aufstellung schon vor Anpfiff ein Signal gesetzt werden kann, wird dabei oft
und gerne ignoriert.
Michael Frontzeck wird als Fachmann ausreichende Erklärungen
dafür haben, beim Auswärtsspiel im Weserstadion von der bisher gewählten Taktik
mit zwei Stürmern abgewichen zu sein: Es galt, Stabilität im Mittelfeld und der
Defensive zu haben und die Kreise der Bremer Offensive um Özil und Marin
einzuengen. Marx, Bradley und Meeuwis standen sich dabei selber auf den Füßen,
Arango und Bobadilla hingen in der Luft. Ohne Frage, den Spielern fehlte es an
Laufbereitschaft, Konzentration und Genauigkeit im Spielaufbau. Warum sich die
ganze Mannschaft jedoch ängstlich und harmlos präsentierte, ist unverständlich.
Sie hatte Grund genug, mit Selbstbewusstsein aufzuspielen.
Es ist müßig zu überlegen, ob Borussia ein anderes Spiel
gezeigt hätte, wären Roberto Colautti oder Oliver Neuville neben Raul Bobadilla
aufgelaufen. Es wäre zumindest ein Zeichen gewesen, auch bei starken Bremern
der Taktik zu vertrauen, die vorher so erfolgreich war. Ein zweiter Stürmer
hätte zudem das Duo Naldo und Mertesacker öfter in der Defensive gebunden, so
konnte sich Naldo immer wieder in die Offensive einschalten, da der hilflose
Bobadilla bei Nationalverteidiger Mertesacker gut aufgehoben war. So zeigte
Frontzeck der eigenen Mannschaft und dem Gegner schon beim Anpfiff: Wir sind
noch nicht so stark, um hier offensiv aufzuspielen. Verloren wurde trotzdem
deutlich.
In Bremen kann man verlieren, hieß es schon vor dem Spiel. Es ist nicht
die Niederlage selbst, die für Enttäuschung sorgt. Es ist die Art und Weise.
Nach den erfrischenden und weiß Gott nicht fehlerfreien Spielen gegen
Frankfurt, Bochum und Hertha machte sich eine gewisse Euphorie breit, selbst
die Presse stimmte schon Lobeshymnen an. Das 0:3 gestern war allerdings
Borussia in ihrer altbekannten und damit sehr hässlichen Form.
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