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Nicht mehr & nicht weniger |
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Geschrieben von Mike Lukanz
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Sonntag, 29 November 2009 |
Es ist gar nicht lange her, da wurde über Borussias
Mannschaft und Trainer der Stab gebrochen. Die Skeptiker sahen sich bestätigt,
dass weder Michael Frontzeck noch das von Max Eberl zusammengestellte Team die
nötige Qualität mitbringen, um in der Bundesliga bestehen zu können. Nach dem
1:0 am Samstagabend gegen den FC Schalke 04 wurden gleich zwei Spieler
Borussias in die Nähe ihrer jeweiligen Nationalmannschaft gebracht: Marco Reus
und Dante Bonfim. Unabhängig davon, dass beide Spieler in den vergangenen Wochen
in überzeugender Form sind und zurzeit ohne Zweifel zu den Stützen der
Mannschaft gehören, beweist die Überzogenheit der Bewertung von Reus und Dante,
dass die Fahnen sich auch in Mönchengladbach sehr schnell drehen können. Es ist
beruhigend zu sehen, dass Michael Frontzeck der aktuellen Entwicklung mit der
gleichen Ruhe und Coolness entgegentritt, wie den Kritikern vor wenigen Wochen.
Schalkes Trainer Felix Magath wartete auf der
Pressekonferenz mit der Erkenntnis auf, dass beide Mannschaften Probleme im
offensiven Spiel hätten. Eine Ansicht, die Michael Frontzeck wenig später
indirekt bestätigte, als er darüber philosophierte, welchen anderen Gang das
Spiel genommen hätte, wären die Gäste aus Schalke in Führung gegangen. Nun sind
solche Gedankenspiele meist sehr müßig, dennoch charakterisieren beide Aussagen
die Spielweise von Schalke und Mönchengladbach. Das von Frontzeck am Donnerstag
bezeichnete „Bollwerk" der Schalker demonstrierte seine eigene Truppe nahezu
perfekt, auch wenn die Gäste am Samstagabend eine gehörige Portion
Zielstrebigkeit und Genauigkeit vermissen ließen. Das ZDF ließ sich am späten
Abend im Rahmen des „Aktuellen Sportstudios" zu einer recht platten Analyse hinreißen, in der Borussia ein sehr defensives wie destruktives Spiel
nachgewiesen wurde. Dass die Schalker mit dieser Art Fußball zu spielen fast an
die Tabellenspitze gelangt wären, wurde indes nicht erwähnt. Frontzeck
wiederholt es inzwischen fast wöchentlich: Kompakte Strukturen sind „in", kaum
ein Gegner greift weit vorne an- oder „hoch", wie es vermeintlich
taktikgeschulte Journalisten gerne nennen. Die 30 Meter zwischen Mittellinie
und eigenem Strafraum sind die entscheidenden, und genau hier agierte Borussia
einen Tick besser als die Gäste aus Gelsenkirchen, die dieses Spiel mit Bordon,
Westermann & Co. sonst nahezu perfekt zelebrieren.
Bei näherer Betrachtung des Spiels wird selbst der
heißblütigste Gladbacher Anhänger zugeben, dass spielerisch einiges im Argen
lag. Die besten Torchancen resultierten aus Kontern, als Schalke in der zweiten
Halbzeit den Druck auf das Gladbacher Tor erhöhte. Die Mannschaft könnte ihre
eigenen Nerven als auch die des Trainers und des Publikums deutlich mehr
schonen, würden sie diese Konter zukünftig konsequenter zu Ende spielen. So reichte
ein 50-Meter-Pass von Dante nach fünf Minuten, um das entscheidende Tor der
Partie zu erzielen. Heiko Westermann spielt dabei auf Abseits, verschätzt sich
dabei lediglich um Zentimeter. Zudem verpasste es Rafinha, Marco Reus zu folgen
- der Rest war dann Formsache.
18 Punkte aus 14 Spielen, dazu einige Spieler in sehr guter
Form. Keine Frage, es lief schon schlechter am Niederrhein. Das Prinzip, in der
Defensive konzentriert und taktisch diszipliniert aufzutreten und in der
Offensive auf Geniestreiche von Arango oder Reus zu setzen, geht in den
vergangenen Wochen auf. In der aktuellen Form wird Borussia auch in den Spielen
gegen Bayern München und Bayer Leverkusen nicht komplett chancenlos sein. Das
Ziel kann und wird aber weiterhin nur lauten, mit circa 20 Punkten in die
Winterpause zu gehen. Das wäre eben genau die Hälfte der Punktezahl, die am
Ende der Saison nötig sein wird, um nicht in akute Abstiegsgefahr zu geraten.
Insofern ist die aktuelle Lage nicht überragend, sondern lediglich im Soll dessen,
was sich der Verein vorgenommen hat. Unsägliche Diskussionen um
Nationalmannschaftsambitionen sind hierbei so überflüssig wie unsinnig.
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